Mass Effect 3 ist deutlich besser als sein Ruf und das ist der Grund

Bei manchen Fans gilt Mass Effect 3 als das Schwarze Schaf der Trilogie. Aber wer nur das Ende beurteilt, hat Mass Effect nicht verstanden.

von Jonathan Harsch,
09.05.2021 14:00 Uhr

Mass Effect 3 macht einiges besser als der Vorgänger. Mass Effect 3 macht einiges besser als der Vorgänger.

Die Mass Effect-Reihe ist für mich eine der besten Trilogien der Videospiel-Geschichte. Dass diese in der Community nicht als perfekt gilt, hat vor allem zwei Gründe: Die teilweise extrem hakeligen Mechaniken von ME1 (Stichwort: Mako) und das Ende von ME3, das gleichzeitig auch die Trilogie abschließt. Während Ersteres absolut seine Berechtigung hat, wird der zweite Punkt meiner Meinung nach völlig übertrieben.

Mass Effect 3 hat so viel zu bieten, weil es auf einer grandiosen Basis aufbauen kann. Endlich betreten wir mit Shepard die Erde und erkunden unser eigenes Sonnensystem. Entscheidungen, die wir vor zwei Spielen getroffen haben, spielen bei unserem Erlebnis eine große Rolle. Wir sehen alte Bekannte wieder - oder auch nicht, je nachdem, wie wir uns verhalten haben, als sich unsere Wege kreuzten.

Viele übergeordnete Geschichten, wie die Heilung der Genophage, und untergeordnete Geschichten, wie die persönlichen Schicksale von Charakteren wie Urdnot Wrex oder Thane Krios, die von euren vorangegangenen Entscheidungen abhängig sind, finden ein erfüllendes Ende in Teil 3.

Das beste Gameplay der Serie

Die schlechte Stimmung der Fans gegenüber ME3 schaukelte sich kurz nach dem Launch hoch. Viele gute Dinge wurden der Wut über das Ende geopfert, das zugegeben einige Fragen offen ließ und die meisten Entscheidungen der Spieler:innen ignorierte. Ja, Mass Effect 2 machte das mit der Selbstmordmission deutlich besser, hatte aber zusätzlich den Vorteil, dass es einen weiteren Teil geben würde. So fieberten wir deutlich mehr um das Leben unserer Crew.

Aber sonst? Teil 3 sieht besser aus, spielt sich besser und schließt viele Story-Arcs brillant ab. Sogar der Multiplayer, der von den Fans kritisch beäugt wurde, machte durchaus Spaß. ME3 ist in vielen Bereichen eine verfeinerte Mischung aus den ersten beiden Spielen.

Viele bekannte Gesichter aus Mass Effect 1 und Mass Effect 2 kehren in ME3 zurück. Viele bekannte Gesichter aus Mass Effect 1 und Mass Effect 2 kehren in ME3 zurück.

Das erste Mass Effect bot tiefgreifende Charakter-Anpassungen und Entwicklungsmöglichkeiten, hatte aber ein suboptimales Kampfsystem. Mass Effect 2 verstrickte uns in spannende und zugängliche Feuergefechte, legte den Fokus aber mehr auf Action als auf RPG. Mass Effect 3 kombiniert das beste aus beiden Welten.

Die Rollenspiel-Elemente aus Teil 1 werden zumindest teilweise wieder integriert und das Kampfsystem aus Teil 2 bleibt erhalten. Tatsächlich wird es sogar noch verfeinert. Zum Beispiel kann Shepard mit einer Rolle zwischen Deckungen wechseln. Und das ist auch nötig, denn die feindliche KI hat einen großen Sprung gemacht. Gegner versuchen euch zu flankieren und aus der Deckung zu locken.

Insgesamt spielt es sich mehr wie echte Shooter à la Gears of War. Die Entwickler haben keine Entschuldigung mehr gelten lassen, dass es sich eigentlich um ein Rollenspiel handelt, und wir haben endlich Spaß beim Ballern.

Das Ende ist nicht so wichtig

Ich möchte nicht sagen, das Ende der gesamten Trilogie sei egal - ist es natürlich nicht. Was ein emotionales Ende, das sich auf die Entscheidungen der Spieler:innen beruft, für den Ruf eines Spiels tun kann, sieht man bei Mass Effect 2, das allgemein als bester Teil der Reihe gilt. Und das, obwohl ME1 eine komplexere Geschichte und mehr Rollenspiel-Elemente bietet und Teil 3 wie oben beschrieben diverse Dinge besser macht.

Jonathan Harsch
Gamerrepublic.de
Jonathan war eigentlich immer Fan von JRPGs. Bioware hat es mit Dragon und vor allem Mass Effect geschafft, ihn von westlichen Rollenspielen zu überzeugen. Er freut sich darauf, mit der Legendary Edition alle drei Teile noch einmal am Stück und mit allen DLCs durchleben zu können.

Was ist sagen möchte, ist folgendes: Wer nur auf das Ende schaut, nimmt sich selbst den Spaß an einem der besten Sci-Fi-Rollenspiele aller Zeiten. Denn bei Mass Effect ist der Weg das Ziel. Und ME3 schickt uns auf eine verdammt unterhaltsame Reise.

Mass Effect 3 ist nicht besser als Mass Effect 2, ein Spiel das in der Gaming-Community als einer der besten Titel aller Zeiten angesehen wird. Aber es ist nahe dran. Es ist eine spektakuläre Weiterführung, die nur am Schluss ein wenig stolpert. Aber lasst euch diese tolle Reise nicht entgehen, nur weil an ihrem Ende nicht der heilige Gral wartet.

Wie beurteilt ihr rückblickend Mass Effect 3, ist es vielleicht euer liebster Teil der kompletten Trilogie?

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