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Mein Herz für Klassiker - Ich, Assassin's Creed & die Reise ins Morgenland

Max erzählt vom ersten großen Hype, und erlebt seine Erinnerungen an den Assassinen-Orden erneut. Ganz ohne Animus.

von Maximilian Franke,
03.11.2017 17:00 Uhr

Max schenkt sein Herz für Klassiker diese Woche Assassin's Creed. Max schenkt sein Herz für Klassiker diese Woche Assassin's Creed.

Es geschah im Jahr 2006. Ich legte wie gewohnt die beigelegte DVD einer hier nicht näher genannten Spielezeitschrift ein und klickte mich durch das Menü. Ein Test hier, ein Trailer da, eigentlich nichts besonderes. Ich wählte das Video mit dem mir unbekannten Titel "Assassin's Creed" aus und das war es dann mit dem restlichen Tag. Ein Kämpfer in weißem Umhang verübt ein Attentat auf einen Kreuzritter und flieht über die Dächer der Stadt, bis er in einer Gruppe ebenfalls weiß gekleideter Mönche untertaucht. Wie angewurzelt saß ich vor dem Fernseher im Zimmer meiner großen Schwester und klickte wieder und wieder auf den Trailer. Ich weiß nicht wie oft ich dieses Video gesehen habe, aber ich kann auch heute noch im Kopf jede Szene durchgehen.

Ja, ich gebe es zu. Es war Hype auf den ersten Blick. Und zwar so sehr, wie bei keinem anderen Spiel davor oder danach. Einfach alles hat gestimmt. Das Setting, der dreckige Mittelalter-Look, ein verdammt cooler Protagonist und Kreuzritter. Komplett, in einem Paket!

Was ist "Mein Herz für Klassiker"?
In diesem Format stellt euch die GamePro-Redaktion abwechselnd ein Spiel vor, das mindestens zehn Jahre alt ist und erklärt euch, warum es sich dabei aus unserer persönlichen Sicht (!) um einen Klassiker handelt. Mal ist es das Gameplay, das seiner Zeit voraus war, mal eine Story, die nie an Relevanz verloren hat oder einfach nur ein Spielelement, das uns nicht mehr aus dem Kopf geht.

Als das Spiel dann 2007 endlich veröffentlicht wurde, war ich nicht weniger begeistert. Der augenscheinlichste Grund war die Umsetzung des Settings. Hier hatte Ubisoft den Nagel auf den Kopf getroffen. Bis heute ist und bleibt es mein liebster Schauplatz aus allen Assassin's Creed-Teilen bisher. Selbstredend gilt das nur bis zum obligatorischen Japan-Teil, der bestimmt (!) bald (?) kommt.

Die Spielwelt suchte damals ihresgleichen, die Geräuschkulissen der Städte klangen auffällig realistisch und die Straßen waren mit vielen NPCs gefüllt, die nicht nur stumpf umherliefen, sondern auch auf den Spieler reagierten. Der Detailreichtum der Städte ist bis heute einer der größten Trümpfe der Reihe und der erste Teil legte hierfür den Grundstein.

Die Städte Akkon, Damaskus und Jerusalem waren sehr stimmig umgesetzt. Die Städte Akkon, Damaskus und Jerusalem waren sehr stimmig umgesetzt.

Jede Stadt und jedes Viertel sah anders aus und war stark von der jeweilig herrschenden Kultur geprägt. Das christliche Akkon war zu jeder Zeit vom muslimischen Damaskus unterscheidbar. Nicht nur in der Architektur, sondern auch in den Menschen und den Gesprächen auf der Straße. Jerusalem hatte hingegen mit einer Mischung aus beiden Welten einen ganz eigenen Charme. Perfekt für mich, um einfach nur durch die geschäftigen Straßen zu schlendern und die Atmosphäre aufzusaugen.

Natürlich kam die Welt auch deshalb so gut rüber, weil sie wirklich gut aussah. Anders als bei vielen älteren Spielen, hält sich dieser Eindruck bei mir bis heute. Die Welt war sowohl mit ihrer Größe, als auch mit ihrem Detailgrad für mich damals einzigartig.

Der ikonische Sprung in den Heuwagen feierte mit Altair sein Debüt. Der ikonische Sprung in den Heuwagen feierte mit Altair sein Debüt.

Gleiches gilt für die Animationen. Altair bewegte sich so flüssig und stylisch, sowohl im Kampf, als auch beim Klettern und Rennen, wie keine andere Videospiel-Figur vor ihm. Wohlgemerkt ohne, dass die Bewegungen völlig übertrieben, oder unrealistisch gewirkt haben. Eine gefährliche Gradwanderung, die Ubisoft aber erfolgreich bestanden hat.

Nicht nur Blut und Gewalt

Die Geschichte war zugegeben relativ simpel, hatte aber trotzdem einige Aspekte, die ich sehr schätze. Zwar spielen wir einen Assassinen und die Templer sind von Anfang an "die Bösen", aber das Spiel macht uns immer wieder klar, dass sie keine klassischen, grundlos blutrünstigen Monster sind, die Spaß am Töten haben.

Jedes unserer Hauptziele hat nach einem erfolgreichen Attentat seinen letzten Atemzug genutzt, um sich zu erklären. Keines unserer Opfer war ohne Schuld. Einige waren verabscheuenswert. Aber alle hatten einen Grund für ihre Taten, der sich durchaus nachvollziehen ließ. Eine Erkenntnis, die auch Altair verarbeiten musste und von der Handlung aufgegriffen wurde. Nur wenige Charaktere waren eindeutig gut oder böse.

Die Kämpfe waren und sind bis heute großartig animiert. Die Kämpfe waren und sind bis heute großartig animiert.

Selbst der Templer-Großmeister Vidic erklärte mir im Zuge der Handlung, dass beide Fraktionen dasselbe Ziel haben, nur versuchen sie dieses auf gegensätzlichen Wegen zu erreichen. Dieses moralische Kräfteverhältnis machte den gesamten Konflikt für mich trotz des einfachen Plots so interessant. Ist das was ich da tue überhaupt richtig? Wen bring ich da eigentlich gerade um und warum? Klar, man hätte aus dieser angedeuteten Mehrschichtigkeit wesentlich mehr herausholen können, aber es war genug, um mich bei der Stange zu halten.

Was mich am ersten Teil ebenfalls so fasziniert hat, war der Orden der Assassinen selbst. Denn er war genau das: Ein richtiger Orden, abgeschieden in den Bergen, mit klaren Hierarchien, strengen Regeln und Ritualen. Was ist zum Beispiel aus der Feder geworden, die Altair nach jedem Attentat mit dem Blut des Opfers getränkt hat? Ein cooles Detail, dass ich seitdem schmerzlich vermisst habe.

Wer richtig aufgepasst hat, konnte auch in der Gegenwart einige spannende Entdeckungen machen. Wer richtig aufgepasst hat, konnte auch in der Gegenwart einige spannende Entdeckungen machen.

Selbst die Gegenwartsgeschichte konnte mich überzeugen. Der Animus war ein interessanter Kniff. Trotz der eingeschränkten, spielerischen Möglichkeiten, gab es erstaunlich viel zu entdecken. Man konnte optionale Gespräche führen, Passwörter klauen, Gespräche belauschen, geheime Bereiche hinter eigentlich verschlossenen Türen betreten und eine ziemlich spannende Nebenstory in geknackten Emails lesen. Alles ohne Hilfe wohlgemerkt, das Spiel gab nicht einen einzigen Hinweis auf diese Handlungen. Umso cooler war es, als ich sie selbst entdeckt habe.

Übrigens gab es über das gesamte Abenteuer hinweg viele auffällig gut geschriebene Dialoge. Selbst kleinere Nebenfiguren wie Malik, den wir im Prolog zurücklassen mussten, bekamen eine abgerundete Persönlichkeit, wenn ich ihnen denn zugehört habe und sie auch mal abseits des Questmarkers besuchte. Ich habe Al Mualim, Richard Löwenherz und Warren Vidic immer gerne dabei zugehört, wie sie über das Weltgeschehen und den Lauf der Dinge philosophiert haben.

Die langen Gespräche mit anderen Figuren waren super, auch wenn man sie leider nicht überspringen konnte. Die langen Gespräche mit anderen Figuren waren super, auch wenn man sie leider nicht überspringen konnte.

Natürlich hatte das Spiel viele Dinge, die es hätte besser machen können. Teilweise Kleinigkeiten, teilweise Design-Entscheidungen, die ich bis heute nicht nachvollziehen kann. Vor allem hätte es etwas mehr Abwechslung vertragen können. Nicht umsonst gilt für etliche Fans der zweite Teil als eigentlicher Start- und Höhepunkt der Reihe. Trotzdem hatte ich mit wenigen Spielen so viel Spaß, wie mit Assassin's Creed. War es perfekt? Natürlich nicht. Aber für mich damals, hatte es alle Zutaten, die es brauchte, um mich für sehr lange Zeit zu begeistern.


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