Seite 2: Project Spark - Beta-Check: Dein eigener Spiele-Baukasten

Stolz wie Bolle

Trotzdem oder gerade weil man so viel Zeit und Mühe in die Sache investiert, wird einem dann doch warm ums Herz, wenn man zum ersten Mal durch seine fertige Welt schlendert. Man weiß genau, dass dieser Baum, dieser Hase und dieser Troll, der gerade versucht, einem die Nase blutig zu schlagen, nicht da wären, wenn man selbst sie nicht dort platziert hätte.

Kleinere Problemchen werden meist erst im Testspiel bemerkt. Kleinere Problemchen werden meist erst im Testspiel bemerkt.

Aber wie in vielen Filmen und Büchern zu Genüge beschrieben, kann es auch vorkommen, dass die eigenen Kreationen sich wegen kleiner Programmierfehler gegen ihren Schöpfer wenden. Da rollt dann schon mal der riesenhafte Apfel, den man als fixen Zielpunkt gesetzt hatte, aus einem in diesem Moment nicht ersichtlichen Grund ins Meer und verschwindet im Ozean.

Sollte man einmal feststecken, gibt es die Möglichkeit, sich an die Community zu wenden. Die wächst in der offenen Beta munter vor sich hin und ist neben dem Levelbaukasten der wichtigste Bestandteil des Spiels. In den zahlreichen Foren werden neben den elementaren Fragen, wie man zum Beispiel aus einer Grundlage für einen Shooter ein Puzzle machen kann, auch kleinere Problemchen gelöst. Wie man beispielsweise etwas auf eine lustige Art und Weise explodieren lassen kann oder eben den besagten Apfel am Wegrollen hindert.

Die Mitglieder der Community sind sehr hilfsbereit, sie beantworten Fragen meist innerhalb weniger Stunden. Kein Wunder, für die Beantwortung von Fragen gibt es einen Bonus in Form von Credit Points, die für Extras innerhalb des Spiels eingelöst werden können.

Schöne neue Welt(en)

Hat man vom Bauen und Werkeln die Nase voll, schaut man, was die anderen Spieler so treiben. Tausende Spiele warten bereits auf uns. Die sind nach Kategorien und Downloadzahlen geordnet, damit das ganze etwas übersichtlicher ist. Manche dieser Level sind genauso rudimentär wie das eigene, andere sind wirklich ausgefeilt und machen großen Spaß. Ob 3D-Plattformer, Jump&Run-Sidescroller, in dem Albinoeichhörnchen die Weltherrschaft übernommen haben oder Logikpuzzle - die Benutzer erschaffen mit den gleichen Bausteinen völlig unterschiedliche Welten.

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Ab und an stolpert man aber auch über komplett abgedrehte Dinge: Da steht dann schon mal ein übergroßer Werbeträger einer berühmten Fastfood-Kette und tanzt auf einer neonpinken Bühne den Gangnam-Style. Oder man betritt eine Welt, in der man Saurons Turm erobern kann, inklusive brennendem Auge und angriffslustigen Orks.

Zwischendrin findet sich auch immer wieder die ein oder andere Hommage an bekannte Videospiele oder Filme. So hat zum Beispiel jemand einen Fable-Klon erschaffen, und ein anderer hat Stein für Stein Königsmund, die Stadt aus der TV-Serie Game of Thrones, nachgebaut. Auch Slender, Tetris und Legend of Zelda sind bereits vertreten.

Wie die Macher des Spiels mit solchen Projekten, die, sei es auf Grund von Musik oder Inhalt, eine Urheberrechtsverletzung darstellen, umgehen wollen, ist noch nicht ganz ausgefeilt. Man strebt eine ähnliche Politik wie YouTube an, und will Videos erst dann sperren, wenn eine Firma oder ein Künstler seine Rechte geltend macht.

Project Spark - Einführung in den Spielebaukasten 1:09 Project Spark - Einführung in den Spielebaukasten

Grundsätzlich macht die Engine eine gute Figur, je näher man den verschiedenen Gegenständen kommt, desto detailreicher werden die Texturen. Auch Wasser und Wind sind für eine Beta sehr hübsch animiert. Auffällig ist hier allerdings, dass die Engine bei aufwändigeren Spielen ins Stocken gerät: Sobald eine bestimmte Anzahl an Effekten und Gegenständen eingebaut werden, das Spiel also komplexer wird, gibt’s unschöne Ruckler und verspätete Reaktionen.

Pay 2 Play?

Ein riesiger Spielebaukasten, eine gepflegte Community und ein Patch nach dem anderen, und das alles umsonst? Da kommt bei dem ein oder anderen zurecht die Frage auf, wie sich das denn finanzieren will. Und da kommt das Free2Play-Prinzip ins Spiel – oder zumindest ein Teil davon.

Damit zusätzliche Inhalte, wie eine Wüstenlandschaft, ein Zirkuszelt oder die in neueren Spielen allgegenwärtige Zombieapokalypse zur Verfügung stehen, müssen wir sie zunächst freischalten. Das geht mit Credit Points, die man durch das Bauen an der eigenen oder das Spielen anderer Welten erlangt. Oder man kauft die Inhalte mit – richtig - Tokens. Und die bekommt man für echtes Geld: 500 Tokens entsprechen dabei fünf US-Dollar.

Ist man also geduldig, kann man den gesamten Inhalt freischalten, ohne Geld dafür auszugeben. Möchte man jedoch sofort die gesamte Palette zur Verfügung haben, muss man dafür zahlen. In den Project Spark-Foren wurden deswegen viele Stimmen laut, die sich in ihrer Kreativität beschränkt fühlen. Auf der einen Seite verständlich, immerhin werden einem durch den Internetauftritt des Projektes unbegrenzte Möglichkeiten versprochen.

Project Spark enthält viele Effekte, zum Beispiel Wolken oder Höhennebel. Project Spark enthält viele Effekte, zum Beispiel Wolken oder Höhennebel.

Auf der anderen Seite zahlen »richtige« Spieleentwickler zwischen 500 und 2000 Dollar für eine Engine, die meistens nur die Basis für das ist, was eigentlich für das Spiel benötigt wird, und da ist die Hardware noch nicht einmal mit eingerechnet.

Immerhin gehen die Project Spark Macher auf Beschwerden der Community ein. In der geschlossenen Beta war die Zeit, die man pro Tag in Welten anderer Spieler verbringen durfte, noch limitiert, umgehen konnte man das nur mit einer Spark Premium Mitgliedschaft. Mittlerweile hat man die so genannte Spark Time aber abgeschafft.

Ein Baukasten mit Zukunft?

Abseits der Euphorie über ungeahnte Möglichkeiten ist allerdings unklar, wie es mit dem Titel weitergeht. Wahrscheinlich ist Project Spark, wie die meisten Editoren, nicht massenkompatibel genug um dauerhaft erfolgreich zu sein. Ein Kreativbaukasten ist ja auch bei weitem kein so allgemein beliebtes Genre wie zum Beispiel ein Shooter.

Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass die technischen Probleme, die während des Anspielens aufgetreten sind, im Laufe der Entwicklung behoben werden. Es wäre schade, wenn die Mühe, die man in die Level steckt durch schlechte Datenübertragung zunichte gemacht würde. Weitere Bedenken haben wir bezüglich des Free2Play-Aspektes. Selbstverständlich ist es nachvollziehbar, dass sich das Projekt auch irgendwie finanzieren muss, aber zu viele Mikrotransaktionen innerhalb des Titels würden den Spielfluss dann doch arg stören.

Project Spark - Intro zum Spielebaukasten für PC und Xbox 2:16 Project Spark - Intro zum Spielebaukasten für PC und Xbox

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