PS4 - Hilfe, meine Festplatte ist kaputt! Was kann ich tun?

In diesem Artikel verraten wir euch, wie ihr mit fehlerhaften PS4-Festplatten umgeht und wo die Ursachen für einen plötzlichen Defekt liegen können.

von Chris Werian,
19.06.2020 12:09 Uhr

Wenn die Festplatte der PS4 (Pro) Probleme macht, wird's schnell frustrierend. Wenn die Festplatte der PS4 (Pro) Probleme macht, wird's schnell frustrierend.

Dass die PS4 nach der Veröffentlichung von Firmware-Updates gern ein wenig zickt, ist wohl kein Geheimnis mehr. Nach wie vor kämpfen etliche PS4-Besitzer mit den Folgen der System-Software 7.50, die zu Komplettausfällen bei Blu-Ray-Laufwerken führte. Aber auch Fehlermeldungen wie SU-42477-4 und CE-34335-8 halten sich seit Jahren hartnäckig. Die kryptischen Codes verweisen auf den "System Storage" und lassen sich in den meisten Fällen schnell kategorisieren.

Fall #1 - Ein physischer Hardwaredefekt

Zu allererst solltet ihr den Sitz der Festplatte überprüfen, da sie sich gelockert haben könnte. Wie ihr an das Laufwerk gelangt, wird auf Sonys eigener Webseite sehr anschaulich bebildert und ist zügig erledigt. Schiebt die Festplatte mit dem Schlitten noch einmal in die Konsole hinein, bis euch ein Widerstand signalisiert, dass sie am internen SATA-Port eingerastet ist.

Ein Firmware-Update schlug fehl, was nun? Ein Firmware-Update schlug fehl, was nun?

Warum sorgen Firmware-Updates für Festplatten-Probleme?
Tatsächlich ist dieses Phänomen leicht erklärt. Befinden sich bspw. Treiber für Bluetooth-Geräte, die ihr gar nicht nutzt, in einem physisch beschädigten Sektor, dann wird dieser Speicherbereich einfach ignoriert und eure Konsole verhält sich völlig normal. Sowie ein Firmware-Update diese Dateien neu zuordnen oder überschreiben möchte und kein Reservesektor mehr zur Verfügung steht, erfolgt ein sofortiger Abbruch.

Etwas undurchsichtiger sind logische Fehler auf dem Laufwerk selbst. Sollte es zu Schreibfehlern bei einer Aktualisierung kommen, ist eine Formatierung eigentlich sofort zielführend. Je nach angewendetem Algorithmus besteht aber immer die Möglichkeit, dass beschädigte Sektoren nicht vollständig eliminiert werden, weshalb sich eine Formatierung an einem externen Gerät lohnen kann.

Ab in die Analyse: Wurde dieser geringfügige Fehler ausgeschlossen, steht nun eine Überprüfung der Festplattenfunktionalität via PC oder Laptop an. Um eine Verbindung zu eurem Computer herzustellen, wird ein Adapter-Kabel von SATA auf USB oder ein externes Gehäuse für 2,5-Zoll-Festplatten benötigt. Egal für was ihr euch entscheidet, die weitere Vorgehensweise bleibt gleich. Über ein Freeware-Tool werden die Telemetrie-Daten des Datenträgers ausgelesen. Für diesen Artikel beschränken wir uns auf das sehr empfehlenswerte "CrystalDiskInfo".

Zum Vergleich links eine PS4-Festplatte mit einer zu hohen Anzahl an wiederzugewiesenen Sektoren, rechts ein Datenträger ohne Probleme:

Ein häufiger Ausfallgrund ist eine niedrige Anzahl von "Wiederzugewiesenen Sektoren". Der Name ist ein wenig irreführend. Im Grunde handelt es sich bei der Kennzahl um die Verfügbarkeit von Reservesektoren, die beschrieben werden, sofern es anderorts zu Schreibfehlern kam. Wird der vom Hersteller vorgegebene Grenzwert unterschritten, kann man davon ausgehen, dass die Festplatte massive mechanische Mängel aufweist und entsorgt werden kann.

Potenzielle Ursachen können Fertigungsfehler oder Krafteinwirkungen auf die Playstation 4 sein. Selbst kleinste Beschädigungen oder Verformungen können einer Festplatte den Garaus machen.

Das weitere Vorgehen bei einem "schlechten" Festplattenzustand

Da hilft nur der Neukauf: Als PS4-Besitzer bleibt uns nur die Möglichkeit eine neue Festplatte einzubauen. Alle Daten auf dem defekten Laufwerk sind grundsätzlich verloren, sofern man sie nicht auf einem USB-Stick oder (als Playstation-Plus-Abonnent) in der Cloud abgesichert hat. Die Verschlüsselungstechnik, die Sony anwendet, verhindert ein externes Auslesen des Datenträgers.

Sowohl auf dem Mainboard der Playstation 4 als auch auf der Festplatte selbst werden Schlüssel hinterlegt, die bei jedem Zugriffsversuch abgeglichen werden. Besteht keine Übereinstimmung, bleibt uns der Zugang verwehrt.

Auf Sonys Webseite könnt ihr euch die Firmware herunterladen. Auf Sonys Webseite könnt ihr euch die Firmware herunterladen.

Wir gehen also wie folgt vor:

Fall #2 - Beschädigte Sektoren oder eine defekte PS4 als Ursache

Nun gehen wir am Beispiel von "CrystalDiskInfo" davon aus, dass der Festplattenzustand mit "Gut" bewertet wurde und es keinerlei Indikatoren für einen Defekt des Laufwerks gibt. Ein Ausschluss weiterer Ursachen steht im Folgenden an.

Ein fehlerhafter Schreibvorgang könnte Dateien, die für das Betriebssystem der PS4 unentbehrlich sind, beschädigt haben. Sonys Verschlüsselungsalgorithmen verhindern auch in diesem Fall sämtliche Datenrettungsversuche. Fallt also nicht auf irgendwelche dubiosen Service-Seiten, die sich auf Google finden lassen, rein. Dort wird gern auf Apps wie das Windows-eigene chkdsk, Testdisk oder Bezahlsoftware verwiesen, obwohl diese grundsätzlich nichts mit dem verschlüsselten Kauderwelsch auf der Festplatte anfangen können.

So könnte Sony der Festplatten-Verwirrung vorbeugen
CrystalDiskInfo zeigt gut, wie sich Telemetrie-Daten verständlich visualisieren lassen. Im Einstellungs-Menü der Playstation 4 könnte ein Ampel-System den Zustand von Festplatten perfekt abbilden. Vielleicht ließe sich dadurch sogar im Voraus ein Defekt erahnen, denn sobald ein "Wiederzugewiesener Sektor" verbucht werden kann, folgen rasch weitere.

Des Weiteren wäre es wünschenswert, dass die Installationsroutine einer Firmware-Aktualisierung bereits zu Beginn die Telemetrie-Daten der Festplatte ausliest und falls zutreffend auf den mangelhaften Zustand hinweist. Dann könnten wir als Nutzer noch einmal die Konsole mit der alten System-Software booten und unsere Daten sichern. Da immer mehr ältere Modelle im Umlauf sind, werden solche Überlegungen zunehmend notwendiger.

Wie wir das Laufwerk wieder in Gang bekommen

Zurück auf Werkszustand: Obwohl wir den Zugriff auf sämtliche Daten des Laufwerks verloren haben, lässt sich dieses immerhin weiterverwenden. Dafür nutzen wir einfach die Formatierungsoption der PS4 selbst, indem wir dieselben Schritte wie bei Fall #1 durchgehen. Schafft die "Initialisierung" gleichbleibend keine Abhilfe, dann empfiehlt sich eine gründlichere Formatierung. An einem handelsüblichen Windows-PC gehen wir dabei wie folgt vor:

  • Öffnen der Windows-Datenträgerverwaltung, indem wir in der Suchleiste "diskmgmt.msc" eingeben.
  • Hier suchen wir uns nun die PS4-Festplatte heraus, dieimmeraus 15 Partitionen besteht, die allesamt kein Dateisystem aufweisen.
  • Per Rechtsklick löschen wir die einzelnen Volumen, bis wir einen Datenträger mit der vollen "nicht zugeordneten" Speichergröße erhalten
  • Nun erstellen wir ein "neues einfaches Volumen", behalten die vorgegebenen Einstellungen bei und klicken uns durch, bis wir zu den Formatierungsoptionen kommen
  • Hier nehmen wir lediglich den Haken bei "Schnellformatierung durchführen" heraus

Die Festplatte wir nun komplett mit leeren Inhalten überschrieben und ist somit auf den Werkszustand zurückgesetzt. Wir können sie also wieder in die Halterung für die PS4 verschrauben und eine erneute Installation des PS4-Betriebssystems vornehmen.

Die Festplatte funktioniert immer noch nicht!

Alle nicht-mechanischen Fehler sollten mit einer Formatierung von der Festplatte getilgt sein. Hattet ihr damit also keinen Erfolg, liegt ein physisches Problem vor, das von den Telemetrie-Sensoren nicht erkannt werden kann. Ein Austausch der Festplatte ist dann unausweichlich. In wenigen Fällen kann sogar der SATA-Port, über den die Festplatte am Mainboard angeschlossen wird, kaputt sein.

Dann hilft im Garantiefall nur der Playstation-Support, denn das Gros an unabhängigen Reparatur-Services stößt hier an seine Grenzen.

Wart ihr schon von Festplatten-Problemen betroffen oder habt bisher immer Glück mit euren Konsolen gehabt?

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