PS5-Speichererweiterung: Ein nerviger Kompromiss, der notwendig ist

Ausführliche Einbauanweisungen, ein enges Vorgabenkorsett – Sony macht es Käufer*innen nicht leicht, deswegen ist der SSD-Ansatz aber nicht falsch.

von Chris Werian,
08.08.2021 14:00 Uhr

Ist die Speichererweiterung der PS5 wirklich so unüberlegt, wie gern behauptet wird? Ist die Speichererweiterung der PS5 wirklich so unüberlegt, wie gern behauptet wird?

Dass ein Speicher-Upgrade bei der PS5 nicht so simpel wie bei der Vorgängerkonsole sein würde, war abzusehen. Sonys Pläne diesbezüglich sind nun schon länger bekannt, umso überraschender fällt die vernichtende Reaktion der Fan-Community aus. Zu viel Schraubarbeit, zu teuer und vor allem zu kompliziert - so lassen sich die Reaktionen in den sozialen Medien zusammenfassen.

Unserem freien Hardware-Autor Chris gefällt dennoch Sonys Zielsetzung. Zukunftssicherheit und Optionsvielfalt konnten auch der PS4 eine Art zweiten Frühling bescheren - die verbaute Festplatte ließ sich rasch durch eine SATA-SSD ersetzen.

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Vor allem beim Preis punktet Sony

Häufig wird von Kritikern auf das verständlichere Konzept der Erweiterungssteckkarte für die Xbox Series X|S verwiesen. Die Vorteile jener liegen klar auf der Hand: Ihre Installation ist kinderleicht, der Transport unkompliziert, wodurch sogar die Nutzung an einer anderen Xbox ermöglicht wird.

Sind diese Kriterien für euch entscheidend, steht die PS5 erst einmal nicht gut da. Dennoch muss bedacht werden, dass sich für PS5-Nutzer*innen auch Vorteile ergeben, allem voran der Preis. Mit der Western Digital SN850 ist bspw. eine kompatible NVMe-SSD zum Preis von 160€ (Stand: 05.08.2021) verfügbar. Seagates Erweiterung für die Xbox schlägt hingegen mit 210€ für dieselbe Speichermenge von einem Terabyte zu Buche.

Bei der Konkurrenz wenig Luft nach oben: Es sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass bei der Xbox ein deutlich kleinerer Formfaktor zum Einsatz kommt. Die platzsparende Bauweise bedingt, dass die maximale Kapazität auf derzeit 1 Terabyte begrenzt ist. Fertigungsgrößen für Flash-Speicher müssten erst deutlich schrumpfen, um eine Steigerung zu ermöglichen.

Seagate verwendet einen modifizierten CFExpress-Anschluss sowie eine recht kleine Platine für die Speichererweiterung der Xbox Series X|S. Das Kühlkonzept über das Gehäuse ist zudem extrem clever. Es entstehen aber auch Limitierungen im Hinblick auf die maximale Performance und mögliche Kapazitätssteigerungen. Seagate verwendet einen modifizierten CFExpress-Anschluss sowie eine recht kleine Platine für die Speichererweiterung der Xbox Series X|S. Das Kühlkonzept über das Gehäuse ist zudem extrem clever. Es entstehen aber auch Limitierungen im Hinblick auf die maximale Performance und mögliche Kapazitätssteigerungen.

Leistungsdaten sprechen eine klare Sprache: Die theoretisch maximale Lesegeschwindigkeit der Erweiterungskarte wird auf etwa 3 bis 3.75 Gigabyte pro Sekunde anhand der verbauten Komponenten geschätzt. Das verwendete PCI-Express-Interface der Xbox-Konsolen würde man mit knapp 4 Gigabyte pro Sekunde vollständig ausreizen, aktuell riegelt das System jedoch bei 2.4 Gigabyte pro Sekunde ab. Herkömmliche NVMe-SSDs mit PCI-Express Gen. 4 und nach dem größten Formfaktor 2280 erreichen hingegen Datenraten von 5 bis 6.8 Gigabyte zuverlässig, bei niedrigerem Preis wohlgemerkt. Maximal möglich wären bis zu 8 Gigabyte pro Sekunde, eine Begrenzung sieht Sony nicht vor.

Die Samsung 980 Pro erreicht in vielen unabhängigen Benchmarks mit Leichtigkeit die 6.8-Gigabyte-Marke und steht für einen verträglichen Preis von 180€ parat. Die Samsung 980 Pro erreicht in vielen unabhängigen Benchmarks mit Leichtigkeit die 6.8-Gigabyte-Marke und steht für einen verträglichen Preis von 180€ parat.

Bei der Preisentwicklung spielt Konkurrenzdruck zudem eine große Rolle. Der Formfaktor 2280 hat sich in den vergangenen Jahren als Standard in PCs festgesetzt, da er am meisten Potenzial bietet und zum günstigen Preis das Maximum an Leistung bereitstellt. Dementsprechend viele Hersteller buhlen um eure Gunst. Der Vorwurf überteuerter Hardware ist also übertrieben, auf dem Markt tummeln sich einige NVMe-SSDs mit hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Kühlelemente treiben den Preis nach oben: Entscheidet ihr euch für eine NVMe-SSD mit vormontierter Heatsink, ist der Preisvorteil bei der PS5 leider dahin, zumindest wenn man die Datentransferrate außer Acht lässt. Entsprechende Produkte sind noch nicht lang auf dem Markt und daher teuer. Die zusätzlichen Kosten sind aber nicht der einzige Grund, der gegen vorinstallierte Heatsinks spricht.

Heatsinks sind unabdinglich für das Kühlkonzept

Die Bauweise des M.2-Slots ist durchaus sperrig geraten. Nicht jede Heatsink passt unter die dünne Abdeckung des Steckplatzes. Der Verschluss des Slots ist aber notwendig. Ein vom Lüfter der PS5 erzeugter Unterdruck sorgt dafür, dass Luft durch die Kammer gesaugt wird. Lasst ihr die Abdeckung weg, wird kaum Druck aufgebaut und die Hitze staut sich an. Die Positionierung des Slots ist nicht zufällig gewählt, sondern richtet sich nach dem Air Flow innerhalb des Gehäuses.

Passende Heatsinks finden ... Heatsinks sind Aluminiumelemente, die Wärme von den Speichermodulen wegführen. Die Konstruktionsweisen gleichen sich bei Produkten für NVMe-SSDs sehr stark, die Preise pendeln sich bei ungefähr 10€ ein. Ist eure NVMe beidseitig mit Speichermodulen besetzt, müsst ihr auch auf eine beidseitige Kühlung achten! (Im Bild: bequiet! MC1)

... ist gar nicht so einfach. Um sicherzugehen, dass ein Heatsink auch in die Kammer mit dem M.2-Slot passt, kommen wir nicht um das Wälzen von Datenblättern oder das Studieren von technischen Abbildungen herum. Und selbst dann wird es knifflig: Ich konnte keinen Anbieter zweiseitiger Kühlkörper finden, der die Höhe der Oberseite oder die Tiefe der Unterseite einzeln auflistet. Man ist also auf Erfahrungsberichte von anderen Nutzern angewiesen, um herauszufinden, ob das Kühlelement die Spezifikationen von Sony erfüllt.

Eine effiziente Kühlung muss gewährleistet sein: Je höher die Transferraten, desto mehr Abwärme geht vom Speicher-Controller, also dem Verwaltungs-Chip der NVMe-SSD, aus. Übersteigt die Temperatur den festgelegten Rahmen, wird die maximale Transferrate gedrosselt. Im Normalfall würden sich Ladevorgänge merklich in die Länge ziehen. In Spielen, die vom Tempo der NVMe-SSD abhängig sind, etwa Ratchet & Clank: Rift Apart, wären aber auch kurze Unterbrechungen oder lästige Pop-Ups denkbar.

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Mainboard-Hersteller zeigen, wie es besser geht

Beim PC-Einbau ist deutlich mehr Platz verfügbar, das Lüftungskonzept für Speicher mit sehr hohen Transferraten je nach Gehäuse aber nicht effizient genug für einen Betrieb ohne Heatsink. Hersteller von Mainboards nutzen daher seit einigen Jahren vorinstallierte Heatsinks, sogar im niedrigen Preissektor. Ein solches Feature hätte PS5-Käufer*innen wohl sehr geholfen.

Selbst auf den günstigsten Mainboards entdeckt man vorinstallierte Heatsinks für NVMe-SSDs. Lediglich eine Schraube müssen wir lösen. (Im Bild: Gigabyte B550 Aorus Elite V2) Selbst auf den günstigsten Mainboards entdeckt man vorinstallierte Heatsinks für NVMe-SSDs. Lediglich eine Schraube müssen wir lösen. (Im Bild: Gigabyte B550 Aorus Elite V2)

Gegen vorinstallierte Kühler sprechen SSDs mit vormontierten Heatsinks: Einige Hersteller setzen statt einfach ablösbarer Wärmeleitpads Kleber ein, was dazu führt, dass sich das Kühlelement nur sehr schwer abtrennen lässt. Eine Beschädigung des Datenträgers wird somit wahrscheinlich. Klebereste sind zudem umständlich zu entfernen. Um solche NVMe-SSDs solltet ihr einen Bogen machen.

Ebenso bietet die PS5 Bohrungen für eine Vielzahl von Formfaktoren. Ungünstig platzierte Aussparungen in einem vorinstallierten Kühler könnten die Wärmeabfuhr negativ beeinflussen.

Geschwindigkeit verantwortlich für Design

Chris Werian
@DrChrisRespect

Betrachtet man die gesamte Konstruktionsweise, so lässt sich definitiv sagen, dass Sony in Sachen Handhabung und Mobilität das Nachsehen hat. Ja, ihr müsst ein wenig schrauben, das lässt sich nicht abstreiten. So groß ist der Aufwand aber auch nicht, wenn ihr Sonys Anleitung befolgt.

Da sich der NVMe-Markt rasant entwickelt und immer größere Kapazitäten mit zuverlässig hohen Transferraten zu niedrigeren Preisen angeboten werden, fällt die Entscheidung ganz klar zu Gunsten der technischen Rohleistung und einem flexiblen Aufrüstpfad aus. Käufer*innen profitieren zudem von einer breiten Produktpalette. Fällt ein Hersteller bspw. durch eine hohe Ausfallrate auf, greift ihr einfach zur Konkurrenz. Auf der Xbox wäre dies nicht ohne weiteres möglich, ihr seid dort (bislang) an Seagate als Marke gebunden.

Aus persönlicher Sicht kann ich diese Abwägung daher nachvollziehen, dennoch würde ich mir eine bessere Kommunikation seitens Sony wünschen. Auch wenn sich das Update noch in der Beta befindet, so ist es doch sehr verwunderlich, dass Sony auf der eigenen Support-Seite keine Liste über kompatible SSDs und Heatsinks führt oder zumindest Empfehlungen ausspricht.

Stattdessen müssen sich interessierte Fans Informationen von Hand zusammensuchen und werden mit überflüssigen Details zugepflastert. So spielt der Formfaktor so gut wie keine Rolle, ihr werdet ohnehin bei einer M.2 2280 landen, da sich diese schon längst im Consumer-Markt durchgesetzt haben. Ebenso könnte man die Kühllösung eleganter gestalten, etwa mit offiziell lizenzierten Produkten oder vorinstallierten Heatsinks für den gängigsten Formfaktor.

Seid ihr mit Sonys Kompromiss zufrieden oder könntet ihr für eine intuitive Handhabung auf kurze Ladevorgänge und speziell auf schnelle SSDs ausgelegte Features verzichten?

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