PS5-Patent sorgt für Argwohn gegen Mikrotransaktionen

Ein von Sony neu angemeldetes Patent könnte Spielern helfen - oder konstant Werbung für Mikrotransaktionen machen.

von Ann-Kathrin Kuhls,
08.02.2020 10:35 Uhr

Aloy hat so ihre Erfahrungen mit KI gemacht und bringt ihnen deswegen eine gesunde Portion Skepsis entgegen. Aloy hat so ihre Erfahrungen mit KI gemacht und bringt ihnen deswegen eine gesunde Portion Skepsis entgegen.

"80 Prozent der Spieler haben diesen Boss mit einer besonderen Ressource besiegt. Willst du die Ressource jetzt kaufen?" Der Wortlaut in einem Patent von Sony für die kommende PS5 lässt gerade viele Fans aufmerken. Denn so ein Mechanismus kann sehr hilfreich sein - oder konstant Werbung für Mikrotransaktionen machen.

Worum geht es überhaupt? Vor den möglichen Folgen sollten wir erst einmal klären, was dieses Patent überhaupt beinhaltet. Konkret geht es um eine so genannte In-Game Ressource Surfacing Platform. Ziel ist, wie pushsquare berichtet, dem Spieler durch Daten aus dem Spiel selbst und dessen Community Hilfe anzubieten, nicht mehr und nicht weniger.

Dabei könnte es sich beispielsweise um eine Erweiterung der KI handeln, die ebenfalls schon per Patent angemeldet wurde. Die soll unser Spiel beobachten und mit Tipps eingreifen, bevor wir zu frustriert sind. Schon diese Art der KI ließ Fans mit eher gemischten Gefühlen zurück.

Auf der linken Seite sind die Prozesse in der echten Welt, auf der rechten Seite die innerhalb der PS5, des Rechenzentrums und anderen Platttformen abgebildet. Auf der linken Seite sind die Prozesse in der echten Welt, auf der rechten Seite die innerhalb der PS5, des Rechenzentrums und anderen Platttformen abgebildet.

Möglichkeit 1: In Game-Guide

Die Surfacing Platform geht jedoch einen Schritt weiter und holt ihre Informationen nicht nur aus den Daten des Spiels selbst, sondern auch aus denen der anderen PS5-Nutzer, die bereits an dieser Stelle waren. Wir stellen uns das ein bisschen wie eine komplexere Version der Nachrichten in Dark Souls 3, die Spieler für andere hinterlassen können, vor.

Mit den Daten der Community bietet die Platform dann eine mögliche Lösung für das Dilemma an, in dem wir gerade stecken. In diesem Szenario geht es um einen Boss, der uns Schwierigkeiten macht. Wir erhalten daraufhin eine Nachricht, dass ein Großteil der Spieler ihn mit einer bestimmten Ressource besser erledigen konnte, auf dem Bildschirm erscheint dann die Möglichkeit, genau diese Ressource zu erwerben.

Das kann zum Beispiel so umgesetzt werden, dass in einem Spiel wie Monster Hunter World festgehalten wird, welcher Waffentyp am effektivsten war, oder welche Elemente den meisten Schaden anrichten. Anstatt in unseren Monsterguide zu schauen, könnte der Spieler dann einfach seine PlayStation fragen, wie die meisten anderen an dem Monster vorbeigekommen sind.

Ein Bildschirm auf der PS5 könnte ihn dann direkt zur Schmiede oder zu einem Punkt bringen, an dem sich die gewünschte Ressource gefarmt werden kann.

Es gibt da nämlich so ein paar Kollegen, die uns im Spiel echt Probleme gemacht haben. Es gibt da nämlich so ein paar Kollegen, die uns im Spiel echt Probleme gemacht haben.

Möglichkeit 2: In Game-Transaktionen

Bis hierhin dürften die wenigsten an der Idee Anstoß finden, zumal es wirkt, als würde die Hilfe erst aktiviert, wenn der Nutzer direkt danach fragt. Doch jetzt kommt der Clou: Wie sieht es bei Service-Games wie Destiny 2 , Call of Duty: Modern Warfare oder Rainbow Six: Siege aus?

Wenn wir an einem besonders schweren Raidboss hängen bleiben oder gegen ein anderes Team hoffnungslos unterlegen sind, bietet die eigene Konsole dann, basierend auf ihren Daten, hilfreiche Ressourcen an, die nur gegen Echtgeld zu erlangen sind?

Denn dank Mikrotransaktionen ist das Wort "kaufen" in vielen Spielen ja auch wörtlich zu verstehen. Weniger Wartezeit, mehr Erfahrungspunkte oder bessere Waffen - Viele Titel geben uns heutzutage die Möglichkeit, echtes Geld auszugeben um spielerische Vorteile zu bekommen.

Die meisten Änderungen, die wir gegen Echtgeld erhalten, sind kosmetischer Natur. Manchmal lässt sich jedoch auch Spielfortschritt kaufen. Die meisten Änderungen, die wir gegen Echtgeld erhalten, sind kosmetischer Natur. Manchmal lässt sich jedoch auch Spielfortschritt kaufen.

Damit wären wir konstant mit der Möglichkeit konfrontiert, Fortschritt in schweren Situationen einfach zu kaufen. Das müssen wir natürlich nicht, aber steter Tropfen höhlt den Stein und vielleicht geben manche eher klein bei, wenn sie die Option sehr prominent vor die Nase gehalten bekommen.

Möglichkeit 3: Den Wettbewerb beherrschen

Vielleicht ist aber auch keiner der beiden Pläne aktuell Teil der Entwicklung und es steckt etwas ganz anderes dahinter: Einen Vorteil im Wettbewerb gegenüber anderen Publishern. Denn oft werden Patente nicht angemeldet, um sie selbst zu entwickeln, sondern um zu verhindern, dass andere es tun.

Möglicherweise haben Sony-Mitarbeiter über das Konzept nachgedacht, sich aber (und das ist sehr wahrscheinlich) die gleichen Gedanken gemacht, die Fans und dieser Artikel ebenfalls anführen. Und während die Erfinder selbst es vielleicht nicht direkt umsetzen wollen, können sie niemand anderen davon abhalten, die Idee zu realisieren.

Ein angemeldetes Patent könnte in diesem Fall also einfach nur dafür sorgen, dass niemand anderes diesen Service anbieten kann, bis das Produkt und seine Mechanismen genauer ausdiskutiert und differenziert worden sind und besser zur PlayStation 5 und ihren Spielern passen.

Was am Ende der Fall ist, wie und ob der Service überhaupt umgesetzt wurde, lässt sich sehr wahrscheinlich erst zum Launch der PS5 sagen. Spannend ist dieses Patent jedoch auf jeden Fall.

Was glaubt ihr ist der Grund für das Patent?


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