PS4 (Pro) vs. PS5: Sonys Konsolen im finalen Hardware-Vergleich

Während die PS4 der Konkurrenz noch überlegen war, strauchelte die Pro-Variante gehörig. Wird die PS5 endlich Sonys 4K-Versprechen einlösen?

von Chris Werian,
15.10.2020 19:00 Uhr

Lohnt sich ein Umstieg auf die neue PlayStation? Lohnt sich ein Umstieg auf die neue PlayStation?

Die Fakten liegen weitestgehend auf dem Tisch, der Launch rückt immer näher. Nun stellt sich natürlich die Frage, in welcher Größenordnung die Next-Gen-Konsolen ihre Vorgänger übertreffen können. Im Duell zwischen PlayStation 4 (Pro) und PS5 haben wir uns die markantesten Unterschiede konzentriert und für euch aufgeschlüsselt.

Darunter fallen:

Angestrebte Auflösung und Framerate

PlayStation 5: 2160p (4K) bei 30 bis 60 fps
PlayStation 4 Pro: 2160p (4K) bei 30 fps, 1440p bei 30 bis 60 fps
PlayStation 4 Slim: 1080p bei 30 bis 60 fps

Im Duell gegen Microsofts Xbox One erwies sich das Brüsten mit einer durchweg nativen Full-HD-Auflösung für Sony als absoluter Glücksgriff. Die Käuferschaft schrie danach und die PS4 lieferte - Ein paar wenige Ausreißer mit unsteten Frame Times oder verwaschener Kantenglättung wurden getrost ignoriert. Aktuelle Titel wirken den anfänglichen Kompromissen überdies entgegen. God of War und The Last of Us: Part II haben gezeigt, dass auch das Basismodell noch einiges zu leisten imstande ist.

4K ist seit jeher Sonys Sorgenkind: Umso überraschender erscheint die Niederlage im Rennen um den immer mehr Anklang findenden 4K-Standard bei TV-Geräten. Die PS4 Pro erreicht native UHD-Optik nur in Ausnahmefällen, wird dabei (je nach Modell) laut und selbst bei niedrigeren oder dynamischen Auflösungen hakt es gern mal bei der Framerate.

Auch das vielgelobte God of War läuft auf der PS4 Pro nicht in 4K und kann im Qualitätsmodus nicht in jeder Szene 30 fps halten. Auch das vielgelobte God of War läuft auf der PS4 Pro nicht in 4K und kann im Qualitätsmodus nicht in jeder Szene 30 fps halten.

Die PS5 möchte hier ansetzen. Es soll weitestgehend eine Auflösung möglichst nah an oder bei exakt 2160p gehalten werden. Ebenso stehen 60 fps weit oben auf der Agenda. Spezifische Leistungsmerkmale, die weit über den Industriestandard hinausragen und bei entsprechender Optimierung für einen kleinen Vorsprung sorgen sollen, sprechen eigentlich dafür, dass die Ziele erreicht werden können. Leider werden Spiele wie das Demon's-Souls-Remake oder Ratchet & Clank bei 4K und 30 fps bzw. im Falle des Letztgenannten mit einer dynamischen Auflösung bei 60 fps geführt.

Daher lässt sich sagen: Für Besitzer von 4K-Fernsehern kann eine klare Empfehlung zur PS5 ausgesprochen werden, auch wenn diese bisher nicht den Anschein macht, als könnte sie durchgängig 4K bei 60 fps liefern. Eine höhere Framerate dürfte hingegen in Kombination mit einem Full-HD- oder WQHD-Displays interessant sein, da das Spielgefühl je nach Genre enorm davon profitieren kann. Beides lässt sich auch mit einer PS4 Pro realisieren.

Grafikleistung

GPU

  • PlayStation 5
  • AMD RDNA 2
  • 2304 Shader Units (aufgeteilt auf 36 Compute Units)
  • bis zu 2,23 GHz Takt
  • 10,28 TFLOPS
  • 16 GB GDDR6 bei 1750 MHz
  • PlayStation 4 Pro
  • AMD GCN 4
  • 2304 Shader Units (aufgeteilt auf 36 Compute Units)
  • 911 MHz Takt
  • 4,2 TFLOPS
  • 8 GB GDDR5 bei 1700 MHz
  • PlayStation 4 Slim
  • AMD GCN 2
  • 1152 Shader Units (aufgeteilt auf 18 Compute Units)
  • 800 MHz Takt
  • 1,84 TFLOPS
  • 8 GB GDDR5 bei 1375 MHz

Dass die ersten Exklusivtitel noch nicht das Maximum an visueller Qualität erreichen, könnte daran liegen, dass Sony mit einigen Konventionen der Branche bricht. Konstante Performance ist seit jeher ein Mantra von Videospielkonsolen. Entwickler müssen nicht mit vielen unterschiedlichen Hardware-Szenarien planen, weshalb Optimierungsarbeiten deutlich einfacher ausfallen. Spätere Exklusivtitel der PS4 können daher immer noch beeindrucken.

Ein entsprechender Erfahrungsschatz fehlt in Bezug auf die Hardware-Architektur der PS5. Mittels AMDs SmartShift-Technologie verschiebt sich die Rechenleistung vollautomatisch je nach Szeneninhalt. Werden komplexe Simulationen kalkuliert, hebt sich der Takt der CPU an. Sobald sich die Grafikeinheit an zig Effekten abarbeitet, wird ihr Takt auf bis zu 2,23 GHz gesteigert - ein absolutes Novum im Verbrauchersegment. Nach etwas Eingewöhnungszeit sollten Entwicklerstudios die neue Methodik ausreizen können.

CPU

  • PlayStation 5
  • AMD Zen 2
  • Bis zu 3,5 GHz
  • 8 Kerne / 16 Threads
  • PlayStation 4 Pro
  • AMD Jaguar
  • 2,13 GHz
  • 8 Kerne / 8 Threads
  • PlayStation 4 Slim
  • AMD Jaguar
  • 1,6 GHz
  • 8 Kerne / 8 Threads

Welche Rollen spielen Ray-Tracing und Checkerboard-Rendering?

PlayStation 5: Hardware-basierter Ray-Tracing-Support
PlayStation 4 Pro & Slim: Kein Ray-Tracing

Beim Blick auf die Hardware-Specs fällt eine gleichbleibende Menge an Shader Units, die vor allem für klassische Render-Techniken wichtig ist, ins Auge. Dank der modernen RDNA-2-Architektur sind diese ihren GCN-Pendants jedoch weit überlegen sind.

Da bei AMD-Chips die Anzahl der Rechenverbünde (Compute Units) immer eine gleichbleibende Kernanzahl bedingt, befindet sich hinter der häufig beworbenen Ray-Tracing-Umsetzung ein dickes Fragezeichen. Zwar sollte die PS5 mit 36 Compute Units für die meisten Auflösungen ausreichend bestückt sein, in 4K könnte sie allerdings ins Straucheln geraten.

Control im Ray-Tracing-Vergleich: Links komplett ohne, rechts mit transparenten Reflexionen. Control im Ray-Tracing-Vergleich: Links komplett ohne, rechts mit transparenten Reflexionen.

Auf der Current-Gen nur mit massiven Einschnitten möglich: Die PS4 kann ohne entsprechende Hardware-Komponenten effektiv gar nicht auf die Methode zur präzisen Berechnung von Lichtstrahlen zurückgreifen. In der Remastered-Version von Crysis lässt sich softwarebasiertes Ray-Tracing zuschalten, die Xbox One X und PS4 Pro limitieren ihre Auflösung dann aber auf maximal 1080p bei 30 fps. Das Ergebnis liefert einen hübschen Vorgeschmack darauf, was von stärkerer Hardware erwartet werden kann, die ganze Detailfülle kann allerdings nicht im Ansatz erreicht werden.

Wird natives 4K durch Bildrekonstruktion abgelöst? Ein Patent weist auf KI-gestützte Bildrekonstruktionstechniken, ähnlich zu Nvidias prächtig funktionierendem "DLSS 2.0", hin, genaue Details bleibt uns Sony aber noch schuldig. Ebenso könnte erneut das für die PS4 Pro konzipierte Checkerboard-Rendering eingesetzt werden, das in der Praxis jedoch bei weitem nicht die Schärfe eines nativen 4K-Bildes erreicht. Dennoch wird bei der Anwendung entsprechender Algorithmen viel Last von der GPU genommen, die dann für mehr Effekte oder eben Ray-Tracing verwendet werden kann.

Datentransfer des internen Speichermediums

PlayStation 5: 5,5 GB/s (Rohdaten), 9 GB/s (komprimiert)
PlayStation 4 Pro & Slim: Bis zu 120 MB/s

Ein weiteres signifikantes Merkmal ist die bemerkenswerte Geschwindigkeit, mit der die PS5 Daten in den Zwischenspeicher der Konsole verschieben kann. Ganze 9 Gigabyte an komprimierten Daten werden pro Sekunde transferiert. Das soll sogar reichen, um große Assets wie Texturen oder Videos direkt vom verwendeten Datenträger zu laden. Möglich macht das ein auf den "Kraken"-Komprimierungsalgorithmus hin optimierter Chip, der diesen beschleunigt, wodurch die CPU erheblich entlastet wird.

Ladezeiten entfallen damit vollständig und Spielumgebungen können ohne Limitierung dynamisch aufgebaut werden. Zuvor ein Ding der Unmöglichkeit, selbst auf der PS4 Pro. Festplatten sind dahingehend aufgrund ihrer mechanischen Bauweise und den schier endlos langen Zugriffszeiten stark limitiert. Mit ungefähr 120 MB/s dümpelt eine traditionelle HDD vor sich hin. Bei sehr hoher Fertigungsgüte wohlgemerkt. Ein offensichtlicher Flaschenhals der PS4-Generation, der das System träge macht und für lange Ladezeiten sorgt.

Möglichkeiten zur Speichererweiterung

PlayStation 5: Zertifizierte M.2-SSDs mit PCIe-Gen-4-Support
PlayStation 4 & 5: Externe USB-3.0-Medien (im Fall der PS5 nur für abwärtskompatible Spiele)

Mit 825 GB Speichervolumen wirkt die eingebaute SSD eher untypisch, hat sich doch das volle Terrabyte als Standard mittlerweile etabliert. Im Zusammenspiel mit dem "Kraken"-Chip hat sich diese Bestückung aber laut den Systemarchitekten als perfekt herausgestellt. Erste Leaks behaupten, dass davon etwas über 620 GB für Spieleinstallationen nutzbar sind.

Cleveres Design und extreme Performance: Da 4K-Assets jede Menge Platz auf dem Datenträger einnehmen, ist die Erweiterungsmethode umso brillanter. Ihr benötigt nichts weiter als eine herkömmliche NVME-SSD mit M.2-Anschluss und PCIe-Gen-4-Support, die sich im Handumdrehen montieren lässt. Die Performance soll der internen SSD gleichen. Sony unterzieht die Datenträger zwar einem Zertifizierungsprozess, in der Regel heißt das aber lediglich: "Erreicht ihr unsere geforderten Spezifikationen, bekommt ihr ein entsprechendes Siegel." Führenden Herstellern von PC-Hardware wie Samsung oder Crucial sollte das mit Leichtigkeit gelingen. Der Preisdruck, der durch das Konkurrenzverhältnis entsteht, kommt dann den Konsumenten zugute.

Der M.2-Slot der PS5 ist schnell erreichbar, auch wenn ihr dafür einen "Flügel" abmontieren müsst. Der M.2-Slot der PS5 ist schnell erreichbar, auch wenn ihr dafür einen "Flügel" abmontieren müsst.

Ein Upgrade ist bei der PS4 ebenso so simpel: Abdeckung runter, Schraube lösen, Firmware-Update durchführen. Schon ist die interne Festplatte der PS4 ausgetauscht. Handelt es sich dabei um eine SSD, dürft ihr euch zudem über ein deutlich zügigeres Betriebssystem und niedrigere Ladezeiten in etlichen Spielen freuen.

Sowohl bei der PS5 als auch bei der PS4 könnt ihr Spiele von einem externen USB-3.0-Datenträger starten. Im Falle der PS5 allerdings nur Titel der Vorgängerkonsole.

Multimedia-Features

PlayStation 5: HDMI 2.1, UHD-Blu-Ray-Support, HDR10
PlayStation 4 Pro & Slim: HDMI 2.0a, Blu-Ray-Support, HDR10

Mit der PlayStation 5 halten Technologien Einzug, die HDMI-2.1-fähige Geräte bieten müssen. Fernseher ohne den Anschluss können diese Features aber ebenfalls bieten.

Dazu gehören:

  • VRR (Variable Refresh Rate): Die Bildwiederholrate des TV-Displays wird exakt an die Framerate der Konsole angeglichen. Nerviges Bildzerreißen ("Tearing") wird so eliminiert und das Spielerlebnis wirkt flüssiger.
  • ALLM (Automatic Low Latency Mode): Ein "Game-Modus" muss nicht mehr extra am Fernseher eingeschaltet werden, damit dieser für Spiele relevante Techniken zur Verringerung der Eingabelatenz aktiviert.
  • eARC (Enhanced Audio Return Channel): Dem Fernseher ist es möglich, unkomprimierte Ton-Formate wie DTS:X oder Dolby Atmos an einen angeschlossenen Receiver durchzuschleifen.

Achtet lediglich auf entsprechende Vermerke in den Datenblättern der TV-Geräte. Ansonsten ist HDMI-2.1 für PS5-Besitzer uninteressant. Abseits von HDR10 wird kein höherer Dynamikumfang von der Konsole ausgegeben und 4K über 60 fps gilt als eher unwahrscheinlich, von nativem 8K kaum zu schweigen.

Bei der PS4 Pro sieht es genauso aus: HDR10 und maximal 4K bei 60 fps waren auch hier schon die Norm, die PS4 Slim unterstützt immerhin HDR10.

Fazit: Ist meine PS4 reif für den Schrott?

Hier kann man ganz klar sagen: Nein! Abgesehen von der geringeren Verfügbarkeit sorgt das dünne Launch-Line-Up der PS5 dafür, dass die Notwendigkeit einer Anschaffung nur für Genre-Fanatiker lohnenswert ist. Demon's Souls hat ein eindrucksvolles Update erfahren, das wohl aktuell noch am ehesten "Next-Gen-Grafik" repräsentiert. Cross-Gen-Titel wie Assassin's Creed: Valhalla und Call of Duty: Black Ops - Cold War profitieren immerhin ein wenig von der deutlichen technischen Überlegenheit der PS5, weswegen ein Kauf sinnvoll sein könnte, wenn ihr euch ohnehin ausschließlich im PlayStation-Kosmos bewegt und noch keine PS4 Pro besitzt.

Schwammige Aussagen zur Abwärtskompatibilität: Solltet ihr momentan eher damit beschäftigt sein, euren PS4-Stapel abzuarbeiten, könnt ihr getrost noch ein Weilchen auf der älteren Plattform verweilen. Selbst Sony rät vom Kauf von DLCs oder digitalen Kopien bei abwärtskompatiblen Spielen ab, da sich die Nutzererfahrung je nach Titel stark unterscheiden kann.

Reichen euch die Neuerungen der PS5 oder spielt ihr lieber weiter auf der PS4 bis mehr Exklusivtitel erschienen sind?

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