SAG-AFTRA - Einigung im Streik der Synchronsprecher nach 11 Monaten erreicht

Nach einem fast einjährigem Streik der gewerkschaftlich organisierten Videospiel-Synchronsprecher konnte nun offenbar ein Kompromiss erzielt werden. Sie konnten sich mit der nordamerikanischen Spielebranche einigen und erhalten zukünftig mehr Lohn und Transparenz.

von Michael Cherdchupan,
27.09.2017 09:30 Uhr

Life is Strange: Before the Storm musste leider aufgrund des Streiks auf die Stimme von Ashly Burch verzichten, die im ersten Spiel noch Chloe vertonte. Life is Strange: Before the Storm musste leider aufgrund des Streiks auf die Stimme von Ashly Burch verzichten, die im ersten Spiel noch Chloe vertonte.

SAG-AFTRA ist die Abkürzung für Screen Actors Guild-American Federation of Television and Radio Artists. Puh, ein langer Name, aber er ist für nordamerikanische Synchronsprecher von hoher Bedeutung. Damit wird die für sie wichtigste Gewerkschaft bezeichnet, die für sie die grösste Chance darstellt, auf Missstände bei ihren Arbeitsbedingungen hinzuweisen. Genau das ist vor 11 Monaten geschehen, als sie auf Initiative der SAG-AFTRA eine Reihe von großen Firmen bestreikt haben. Darunter waren zum Beispiel Activision, Warner Bros. Games, Square Enix und Electronic Arts.

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Von dem Streik gespürt hat man hierzulande nicht viel, da die Studios dann einfach mit teureren unabhängigen Schauspielern gearbeitet haben, die teilweise sogar aus anderen Ländern stammten. Für große Stars der Branche, wie zum Beispiel Nolan North, war der Streik ebenso nicht relevant, weil er ein vielfaches an Geld verdient. Dabei ging es vornehmlich um die vielen kleinen Sprecher, die zum Beispiel NPCs einsprechen oder Motion-Capture-Aufnahmen machen. Am ehesten bemerkt hat man es bei Life is Strange: Before the Storm. Dort musste Ashly Burch schweren Herzens auf die Rolle der Hauptfigur Chloe verzichten, auch wenn sie diese im ersten Spiel noch Leben eingehaucht hatte.

Nun erklärt die SAG-AFTRA in einem Schreiben, dass man sich mit den mehr als 10 verschiedenen Videospiel-Unternehmen geeinigt habe. U.a. wurde ein neues Bonus-Vergütungssystem entwickelt, bei dem die Sprecher fairer und vor allem zeitnah bezahlt werden. Auch gibt es eine Staffelung, wenn unvorhergesehen mehr Sprachaufnahmen nötig werden oder es generell mehr als zehn Sitzungen sind.

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Neue Transparenzregelungen hat man ebenso festgelegt. Vor dem Streik wussten die Sprecher oft nicht, für welches Spiel sie überhaupt eingesprochen haben und was für Inhalte auf sie zukommen. Jetzt wurde festgelegt, dass sie über sexuelle, gewalttätige oder rassistische Inhalte vorab informiert werden. Ebenso gibt man ihnen Auskunft darüber, um welches Genre es sich handelt und ob es sich bei der Sprechrolle sogar um eine Figur handelt, die sie bereits vorher vertont haben. Man kann es sich nur schwer vorstellen, aber aufgrund der strengen Informationskontrolle während einer Produktion hatten die Sprecher vor dem Streik oft keine Kenntnis über derlei grundlegende Informationen.

Weiterhin im Gespräch bleiben möchte die Gesellschaft über die gesundheitlichen Folgen des Berufs. Bei besonders anspruchsvollen oder dauerhaften Belastungen können die Stimmbänder so stark beansprucht werden, dass sie für mehrere Wochen ausfallen können. Das kann auch zu Blutgeschmack im Mund führen. Je nach Beschaffenheit der Luftzirkulation des Ton-Studios sind auch Übelkeit oder sogar Bewusstlosigkeit bekannte Fälle. Im schlimmsten Fall kann der Stimmumfang permanent eingeschränkt sein. Schwer zu glauben? Wer schon einmal einen ganzen Abend lang auf einem Rockkonzert oder einer Party schreien musste, kann das vielleicht nachvollziehen.

Die vor dem Streik noch angedachten Strafzahlungen für Sprecher, die sich bei Sitzungen verspäten, konnten laut der SAG-AFTRA abgewendet werden.

Findet ihr die neuen Einigungen angemessen? Oder konntet ihr noch nie nachvollziehen, worüber sich die Sprecher eigentlich beschweren?

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