Seit Jahrzehnten leiht Santiago Ziesmer zahlreichen Figuren aus Film und Fernsehen seine Stimme. Zu seinen bekanntesten Rollen dürfte Spongebob Schwammkopf zählen; zudem könntet ihr ihn als Stimme des Schauspielers Steve Buscemi sowie in den ersten 35 Folgen von Dragon Ball Z als Vegeta und Heimerdinger in Arcane kennen.
Einen neuen Auftrag, für den Ziesmer erneut Buscemi synchronisieren sollte, lehnte der Schauspieler jetzt aber ab. Der Grund ist eine Vertragsklausel von Netflix, die seine Aufnahmen ohne zusätzliche Vergütung als Trainingsdaten für KI-Systeme machen würde.
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In einer Stellungnahme auf seinem YouTube-Kanal geht Ziesmer näher auf die Beweggründe ein, die ihn zu dieser Ablehnung geführt haben – und sagt dem fortschreitenden Einsatz von KI in Film und Medien den Kampf an.
Nun sollte ich allerdings für einige Synchronarbeiten für Produktion mit dem fantastischen Schauspieler Steve Buscemi […] einen Vertrag unterschreiben, bei dem ich einem KI-Training zustimmen sollte.
Einem KI-Training, das aus meiner künstlerischen Arbeit, aus meiner Stimme, aus meinem Schauspiel, Datenfutter machen möchte.
Ich will aber nicht dafür sorgen, mich als Synchronschauspieler, als Künstler ersetzen oder abschaffen zu lassen, ohne Erklärung, ohne Vergütung. Daher habe ich mich dazu entschieden, diesen Netflix-Vertrag nicht zu unterschreiben.
Dass er diesen Schritt gehen muss, breche Ziesmer zwar das Herz, doch er lasse sich nicht vorschreiben, was er zu tun habe. Dafür liebe der Synchronsprecher seinen Beruf zu sehr – "und kämpfe auch dafür".
Link zum YouTube-Inhalt
Was Netflix von Synchronsprechern verlangt
Hinter dem Schritt steckt ein seit Monaten schwelender Konflikt in der deutschen Synchronbranche. Netflix führte einen neuen Standardvertrag ein, der Synchronsprecher*innen dazu verpflichten soll, dem Streamingdienst das Recht einzuräumen, ihre Stimmen für das Training von KI-Modellen zu verwenden.
Eine zusätzliche Vergütung ist dafür nach aktuellem Stand der Dinge nicht vorgesehen. Die vollständige Chronologie des Konflikts findet ihr hier:
Der Verband Deutscher Sprecher:innen e.V. (VDS) – also die Interessenvertretung der Synchronbranche – reagierte und beauftragte die Rechtsanwaltskanzlei Spirit Legal mit einer Datenschutzbeschwerde gegen die entsprechenden Klauseln.
Boykott mit Schwergewichten
Ziesmer ist mit seiner Haltung indes nicht allein. Seit Anfang 2026 verweigern (via DWDL) Hunderte deutsche Synchronsprecher die Zusammenarbeit mit Netflix.
Zu den bekannteren Beteiligten zählen Matti Klemm (Jason Momoa), Tobias Kluckert (Gerard Butler), Ranja Bonalana (Rosamund Pike) und Natascha Geisler (Jennifer Lopez).
Wir sind viele, die die Gefahren der KI-Entwicklung schon seit langer Zeit wachsen und auf uns zukommen sehen. Nun ist es an der Zeit, Haltung zu zeigen und ein Zeichen zu setzen – und wir hoffen auf eure Unterstützung.
Die Konsequenzen zeigen sich bereits: Mehrere Produktionen können nicht mehr mit gewohnten Stammsprecher*innen besetzt werden.
Netflix drohte seinerseits damit, bei anhaltenden Boykottmaßnahmen deutsche Synchronfassungen künftig einzuschränken oder ganz wegfallen zu lassen. Der von Ziesmer jetzt auch öffentlich ausgerufene Kampf dürfte sich damit noch eine Weile ziehen.
Was haltet ihr vom KI-Einsatz im Bereich der Synchronsprecher*innen?
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