Scorn angespielt: Zwischen potentiellem Horror-Hit und Flop mit Ansage

Dennis konnte das Xbox-exklusive Horrorspiel auf der gamescom anspielen und weiß noch immer nicht so recht, was er von dem Ganzen halten soll.

Scorn erscheint am 21. Oktober für Series XS und PC. Scorn erscheint am 21. Oktober für Series X/S und PC.

Genre: Puzzle/Ego-Shooter Entwickler: Ebb Software Plattform: Xbox Series X/S, PC Release: 21. Oktober 2022 Game Pass: zum Release

Falls ihr euch mit Blick auf das Titelbild fragt "Ja mei! Ist denn heut schon wieder gamescom?". Keine Sorge, wir befinden uns bei milden 15 Grad Celsius mitten im September und die Messe liegt weit hinter uns. Allerdings darf ich euch erst heute von meinem Kölner Date mit Scorn berichten, das uns in wenigen Wochen auf Xbox Series X/S und PC mit seiner verstörenden Atmosphäre überzeugen will.

Auf das Xbox-konsolenexklusive Horrorspiel war ich nicht nur als bekennender Freund des virtuellen Schreckens und glühender Fan der Ästhetik H.R. Gigers gespannt. Auch seine turbulente Entwicklungsgeschichte trug zu meiner Neugierde bei. Mein letzter Angespielt-Eindruck mit der zwei Jahre alten Alpha-Version war außerdem alles andere als prickelnd. Aber vielleicht hat sich das ja jetzt geändert?

Damit ihr vor Augen habt, was Scorn ist, hier die Video-Preview von Kollege Jonas aus dem vergangenen Jahr:

SCORN sieht richtig gut aus - Und total eklig! 7:57 SCORN sieht richtig gut aus - Und total eklig!

Zwischen Schlotze und H.R. Giger

Entwickler Ebb Software hat mich in meiner gut 30-minütigen Anspielsession nach einer kurzen "der namenlose Held erwacht mitten im ekligen Nirvana"-Cutscene direkt ins Spiel gesetzt, frei nach dem Motto "jetzt mach halt mal".

Nackt, ohne Waffe und ohne klares Ziel vor Augen, ging es dann auf in die grotesk aussehenden Gänge, in denen gefühlt jeder Quadratmeter wie ein ekliger Organismus ausschaut und wo ich jede Sekunde damit rechnen musste, dass Alien-Künstler H.R. Giger vor mir auftaucht, um seine optische Werke-Hommage höchstpersönlich zu begutachten. Spoiler: hat er nicht.

Atmosphäre kann Scorn. Man fühlt sich direkt in die groteske Welt hineingezogen. Atmosphäre kann Scorn. Man fühlt sich direkt in die groteske Welt hineingezogen.

Wenn ich es positiv formulieren müsste, dann ist Scorn ein stilsicherer, optischer Horror-Hingucker für die Current-Gen, der ein Gefühl des Ekels hervorruft. Ein sehr atmosphärisches Spiel, das einen direkt in seine Welt hineinsaugt.

Wenn ich aber ganz ehrlich bin - und an dieser Stelle sei nochmal angemerkt, dass ich nur 30 Minuten von Scorn sehen konnte - dann sah einfach alles gleich (leer, braungrün und verlassen) aus und spätestens nach fünf Minuten war die anfängliche Begeisterung und die Beklemmung gewichen. Das Ganze mag zwar im finalen Spiel noch deutlich abwechslungsreicher daherkommen, jedoch hat mich bislang noch keiner der Trailer vom Gegenteil überzeugt.

Für geduldige Puzzlefreunde

Bei der Präsentation von Scorn ist bei mir also nach wie vor Skepsis angesagt, doch wie sah es spielerisch aus? Hier sei zunächst angemerkt, dass ich über das Gunplay bzw. die Shooter-Elemente keine frische Einschätzung abgeben kann. Solche Parts waren in der Demo entweder nicht vorhanden, oder ich bin schlicht nicht zu solch einer Stelle gekommen.

Da einen Scorn nämlich so überhaupt nicht an die Hand nimmt, was prinzipiell keine schlechte Sache bei einem Erkundungsspiel ist, war ich die volle Spielzeit damit beschäftigt, in verschachtelten, mehrstöckigen Gangsystemen kleine Puzzles zu lösen. Puzzles, die mich nach einem langen Tag auf der gamescom immens verwirrt zurückgelassen haben.

In die Vorrichtung vorne konnte ich den Arm meiner Figur stecken, wodurch der Kran nach oben gefahren ist. Mehr hab ich leider auch nicht herausgefunden. In die Vorrichtung vorne konnte ich den Arm meiner Figur stecken, wodurch der Kran nach oben gefahren ist. Mehr hab ich leider auch nicht herausgefunden.

Hier eine Kran-Apparatur, die scheinbar einen Gegenstand befördert, dort ein Schienensystem, dessen Weichen ich offenbar verstellen muss, um einen weiteren Bereich zu öffnen. In einem anderem Raum muss ich ein Schieberätsel lösen.

Ich bin ganz ehrlich zu euch: Das mag beim gemütlichen Zocken im heimischen Wohnzimmer alles sehr motivierend, schlüssig und auch spaßig sein. Ich, als jemand der Rätselspiele liebt, hatte da aber einfach keinen Schimmer, was das Spiel von mir will. Dass alle Gänge gefühlt gleich aussahen und alles sehr weitläufig war, hat dann nicht gerade zur Lösungsfindung beigetragen.

Wenn ich es positiv formulieren müsste, dann könnte uns in Scorn eine wunderbare Knobelei erwarten, die motiviert und in der sich nach und nach ein Puzzleteil an das nächste schmiegt, während dabei immer mehr von seiner grotesken Welt enthüllt wird. Ich würde jedoch auch nicht ausschließen, dass viele von euch zum Release Scorn aus dem Game Pass fischen und nach 30 Minuten entgeistert das nächste Spiel starten.

Fazit der Redaktion

Dennis Michel
@DemiG0rgon

Nach meinem zweiten Ausflug in die groteske Welt von Scorn bin ich im Endeffekt genauso schlau wie zuvor. Das Ding schaut gut aus, ohne Zweifel. Jedoch hab ich mich nach fünf Minuten auch an der Optik sattgesehen.

Dass einen das Spiel nicht an die Hand nimmt, ist prinzipiell keine schlechte Sache. Jedoch stehen und fallen solche Spiele mit dem Spieldesign bzw. im Fall von Scorn mit seinen Rätseln. Sollte ich im finalen Spiel auch nur minutenlang durch recht gleichförmige Gänge laufen, deren Rätsel mich verwirrt zurücklassen, dann ist der Zauber schnell verflogen.

Ich hoffe daher wirklich, dass uns hier im Oktober zum einen mehr optische Abwechslung erwartet, die Spielwelt etwas "lebendiger" daherkommt und die Rätsel schlüssig und gut durchdacht sind. Potential hat Scorn nämlich definitiv, allerdings würde ich mit Blick auf die Alpha von vor zwei Jahren auch nicht ausschließen, dass uns hier eine herbe Enttäuschung bevorsteht.

Was meint ihr, wird Scorn der Horror-Hit im Oktober oder doch eher eine leichte Enttäuschung?

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