Vor 26 Jahren erschien für die Dreamcast eines der bis dahin besten Spiele überhaupt - es erfand fast alles, was Open-World-Spiele heute ausmacht

Vor 26 Jahren erschien der Titel in Europa und den USA. Das Dreamcast-Abenteuer simulierte gilt als Wegbereiter für viele Open-World-Spiele – inklusive der hohen Entwicklungskosten.

Ryo Hazuki sucht in Yokosuka nach dem Mörder seines Vaters – und wartet dabei ständig auf die nächste Verabredung... (© Sega) Ryo Hazuki sucht in Yokosuka nach dem Mörder seines Vaters – und wartet dabei ständig auf die nächste Verabredung... (© Sega)

NPCs, die morgens ihren Laden öffnen und abends in die Kneipe gehen; Wettersimulationen mit direkten Auswirkungen auf das Spiel und ein Held, der für Termine auf feste Uhrzeiten warten muss – das klingt doch alles nach einem modernen Open-World-Spiel mit realitätsnaher Immersion.

Tatsächlich beschreiben wir euch hier ein Spiel aus dem (gerade noch) letzten Jahrtausend: Shenmue erschien in Japan am 29. Dezember 1999 für die Sega Dreamcast; ein Jahr später folgte der Release in Nordamerika und Europa.

Video starten 1:04 Shenmue 1 & 2 - Ankündigungstrailer zur Remaster-Collection für PC, PS4 und Xbox One

Yokosuka läuft auch ohne Ryo weiter

Die Handlung lässt sich zu einer klassischen Rachestory zusammenfassen: Ryo Hazuki muss 1986 mit ansehen, wie sein Vater Iwao vom chinesischen Kampfkunstmeister Lan Di getötet wird.

Seine Suche nach dem Mörder und seinen Beweggründen führt Ryo im Laufe des Spiels durch die Straßen, Läden und Hafenanlagen von Yokosuka, wo er Passanten befragt, auf feste Verabredungen wartet und sich in Kampfkunst übt.

  • Die Stadt hat dabei ihren eigenen Rhythmus. So läuft die Spielwelt komplett in Echtzeit mitsamt Tag- und Nachtwechsel und unterschiedlichem Wetter ab.
  • Nachbarn folgen ihren eigenen Tagesabläufen, während Ryo selbst seine Zeit mit einem Job als Gabelstaplerfahrer im Hafen überbrücken kann.

Alternativ könnt ihr in der Spielhalle vollständige Versionen von Space Harrier und Hang-On spielen, die in den Achtziger Jahren von Sega entwickelt wurden. Der Publisher bewarb das für damalige Verhältnisse absurd immersive Gameplay in Shenmue als eigenes Genre namens "FREE", was kurz für "Full Reactive Eyes Entertainment" steht.

Auch die heutzutage häufig gesehenen und selten geliebten Quick-Time-Events haben ihren Ursprung in Shenmue, das als Urahne und Namenspate dieser Mechanik gilt. Allerdings gab es schon Vorläufer wie Dragon's Lair, die ähnliche Elemente im Spiel hatten – nur eben nicht populär machten (via JeuxVideo).

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Teuerstes Spiel seiner Zeit

Die Schätzungen für die Entwicklungskosten von Shenmue inklusive des Marketings gehen auf bis zu 70 Millionen US-Dollar. Diese Zahl soll von Publisher Sega stammen, während Game Director Yu Suzuki selbst die vergleichsweise kleinere Ziffer von 47 Millionen US-Dollar nannte (via Anime News Network).

Unabhängig von der exakten Zahl war Shenmue in diesem Bereich das seinerzeit teuerste Spiel im Kontext der Entwicklungskosten; der damalige Rekordträger in Form von Final Fantasy 7 verschlang "nur" 45 Millionen US-Dollar.

  • Über 300 Leute arbeiteten an dem Spiel – zunächst noch für den Sega Saturn, ehe Shenmue zum großen Hoffnungsträger für die träge über die Ladentheken laufende Dreamcast stilisiert wurde.
  • Shenmue verkaufte sich zum Stand vom Oktober 2001 etwa 1,2 Millionen Mal, wie Microsoft im Rahmen der Xbox-Ankündigung für das Spiel erklärte. Für einen normalen Titel wäre das ein Erfolg gewesen – gemessen am Etat und den Dreamcast-Ansprüchen war diese Menge aber viel zu wenig.

Trotz des kritischen Erfolgs von Shenmue 1 floppte auch der direkte Nachfolger des Spiels, der 2001 erschien. Ein dritter Teil wurde erst 2019 herausgebracht – per Crowdfunding.

Ein Sargnagel für Sega-Konsolen

Sega verließ daraufhin den Konsolenmarkt komplett; zumindest lässt sich ein loser Zusammenhang zwischen dem finanziellen Mismanagement der Shenmue-Entwicklung und dem Ende der Dreamcast herstellen.

Dass im japanischen Heimatmarkt der große Konkurrent Sony gerade dabei war, die Ära der PlayStation 2 einzuläuten, dürfte sein Übriges dazu getan haben, wieso Shenmue die längste Zeit nur ein Nischendasein fristete – trotz seines Status' als eines der ersten "echten" Open-World-Simulationen.

Habt ihr Shenmue damals gespielt – und wie lange habt ihr in Yokosuka auf den nächsten Termin gewartet?


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