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Seite 2: South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe im Test - Heldenhafte Furzeinlagen

Ein Haufen Freunde müsst ihr sein

Der große Superhelden-Cast, den South Park-Fans teilweise schon gut aus der TV-Serie kennen, ist fast vollständig im Spiel vertreten, maximal vier davon (inklusive Spielfigur) sind in der Party. Während Kyle "Der menschliche Drache" Broflovski eher auf Buffs und Schutzzauber setzt, bedient sich der wenig fantasievolle Craig "Super Craig" Tucker roher Gewalt, mit der er seine Gegner auf über das Schlachtfeld schubsen kann.

Jeder Superheld verfügt über eine individuelle und besonders mächtige Spezialattacke. Jeder Superheld verfügt über eine individuelle und besonders mächtige Spezialattacke.

Im weiteren Spielverlauf wird das Angebot an Superhelden-Kollegen immer größer und diese Vielfalt erweist sich nicht nur in den Kämpfen nützlich. Manche der Figuren lassen sich nämlich auf Knopfdruck herbeirufen, damit sie uns in der Stadt-Oberwelt mit ihren besonderen Fertigkeiten aus der Patsche helfen können. So kann Scott "Captain Diabetes" Malkinson mit einem Schluck Saft in einen Hulk-artigen Zuckerschock geraten und schwere Gegenstände umreißen - und somit neue Wege finden. Auf diese Weise öffnet sich die Spielwelt fast schon Metroidvania-artig immer weiter und man ist motiviert, auch bereits abgegraste Orte immer wieder zu besuchen.

Kleider machen Superhelden

Diese Kameradschaftlichkeit ist auch bitter notwendig, denn in der Spielwelt von South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe wimmelt es nur so von versteckten Rätseln und unzähligen Sammelquests. Es immer wichtig, mit offenen Augen durch die Stadt zu laufen und auf verdächtige Risse in der Wand oder lose Kabel zu achten. Denn an diesen Stellen können wir mit dem richtigen Partner oder der passenden Fertigkeit vielleicht eine geheime Truhe entdecken, die neue Kostüme oder mächtige Artefakte enthält.

South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe - Trailer: Crafting? Alles eine Frage des Stuhlgangs 4:10 South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe - Trailer: Crafting? Alles eine Frage des Stuhlgangs

Letztere sind besondere Gegenstände, mit denen wir unsere DNA erweitern und uns so zusätzlich Boni verleihen, die plakativ mit einer Kraftstufe gekennzeichnet werden. Je höher die Heldenstufe, desto mehr Artefakte lassen sich einbauen. Wer also den richtigen Fidget Spinner an seine Aminosäuren koppelt, kann beruhigt in die Endgame-Mission einsteigen. Wirklich notwendig ist das Mikromanagement der eigen Spielfigur allerdings nicht, selbst auf mittlerer Schwierigkeitsstufe reicht es aus, einfach die jeweils stärksten Artefakte anzulegen.

Kleine Spielwelt ganz groß

Aber auch wenn es spielmechanisch jetzt etwas satter zur Sache geht, liegt auch dieses Mal die Stärke des Spiels in der TV-Vorlage. Der Neuheitswert, endlich selbst in South Park herumzulaufen, mag nicht mehr so groß sein, wie noch im ersten Teil, doch das absurde Bergdorf mit seinen bekloppten und oftmals ekelhaften Bewohnern übt die größte Faszination aus. In der eigentlich kleinen Spielwelt verstecken sich nämlich derart viele Details, dass selbst nach dem Abspann noch tausende Witze und Anspielungen zu entdecken sind.

Die Präsentation des Spiels ist überragend (weil sehr nahe am Vorbild) und die Grafik trifft den Bastel-Look des Originals perfekt. Über weite Strecken fühlt sich South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe nicht wie ein Videospiel-Spin off an, sondern wie eine einzige South Park-Folge, die eben rund 20 Stunden dauert. Dazu tragen auch die Originalsprecher bei, die sowohl in der englischen als auch der deutschen Fassung die Atmosphäre der Serie aufkommen lassen. Allerdings geht wie im Fernsehen in der Synchronfassung so mancher Witz flöten, der zwangsweise ins Deutsche übertragen werden muss, aber auf englischsprachigen Wortspielereien basiert.

An absurden Einfällen mangelt es den Autoren auf keinen Fall. An absurden Einfällen mangelt es den Autoren auf keinen Fall.

Satire gegen alles und jeden

Die Übersetzungs-Reibungsverluste sind vor allem deswegen so schade, weil der Humor in South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe trotz aller spielerischen Fortschritte noch immer der wichtigste Aspekt bleibt. Die Macher haben keine Gelegenheit ausgelassen, um selbst die banalsten Mechaniken mit originellen Ideen und absurden Einfällen aufzuwerten. So ahmt das Spielmenü nicht einfach nur den Look eines Smartphones nach, sondern es ist auch eines. Dann kann es schon einmal passieren, dass wir die Pläne eines Bösewichts als Selfie abfotografieren, das Bild beim Instagram-Klon "Coonstagram" hochladen und anschließend mit unseren abertausenden Followern teilen.

Die erwartbaren Seitenhiebe auf die üblichen Verdächtigen wie Konsum- und Popkultur gibt es auch in South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe an jeder Straßenecke zu finden. Wirklich interessant wird es immer dann, wenn die Autoren politisch werden und ihre satirischen Kommentare in das Spielgeschehen und die Geschichte einfließen lassen. Von Black Lives Matter über Polizeibrutalität, Rassismus und Gender-Fragen widmet sich das Spiel allen größeren Ereignissen und Diskursen der letzten Jahre. Auch zu Donald Trump gibt es natürlich einiges zu sagen. Das Beeindruckende am South Park-Humor ist und bleibt aber die Tatsache, dass es trotz Blut, Leichen, Sperma, Kot und Sex noch immer eine glaubwürdige Geschichte über einen Haufen naiver Viertklässler bleibt, die viel zu viel Fantasie haben.

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