Zusammen mit dem Preis und den Reservierungen sind auch erste Tests zu Valves Steam Machine online gegangen. Und die sprechen nicht gerade für den Wohnzimmer-PC. Zwar liefert der kompakte Würfel eine komfortable SteamOS-Oberfläche, einen flüsterleisen und stromsparenden Betrieb sowie ein solides Maß an Performance, für einen vierstelligen Preis sei das laut Tests aber viel zu wenig.
In den meisten Spielen langsamer als eine PS5
Als einziges Medium mit Konsolenfokus durfte Digital Foundry die Steam Machine unter die Lupe nehmen. Dabei kam heraus, dass Valves Mini-PC bei GPU-intensiven Spielen bei gleichen Einstellungen gegenüber der PS5 Slim regelmäßig um 10 bis 30 Prozent den Kürzeren zieht. Getestet wurden:
- Alan Wake 2
- PS5: 54 fps
- Steam Machine: 50 fps
- Black Myth: Wukong
- PS5: 43 fps
- Steam Machine: 38 fps
- Crimson Desert
- PS5: 52 fps
- Steam Machine: 43 fps
- 007 First Light
- PS5: 60 fps
- Steam Machine: 50 fps
- Forza Horizon 5
- PS5: 60 fps
- Steam Machine: 40 fps
Zwar lassen sich die Spiele nicht 1 zu 1 vergleichen, da Konsolentitel Optimierungen wie dynamische Auflösungen verwenden, allerdings wurde darauf geachtet, dass die Grafikeinstellungen der PC-Titel den Konsolenversionen gleichen.
Noch drastischer sieht es laut LinusTechTips bei der Ray-Tracing-Performance aus. Wird die präzise Lichtstrahlensimulation eingeschaltet, kommen Spiele wie Cyberpunk 2077 kaum über 15 fps hinaus.
6:16
Steam Machine: Konsole von Valve angekündigt - mit neuem Controller und der Frame-VR-Brille
Die Ursache für die schwache Grafik-Performance scheint vor allem eine niedrige Speicherbandbreite zu sein: PS5 und auch Xbox Series X stehen ein fast doppelt so großer Grafikspeicher-Pool zur Verfügung, der zudem über eine weitaus höheren Bandbreite verfügt.
Das 8 Gigabyte-Limit bei der Steam Machine macht sich vor allem dann bei grafisch intensiven Spielen und 4K-Auflösungen bemerkbar. Dabei vermarktet Valve die Steam Machine tatsächlich als 4K/60 fps-Gerät.
Dass der Video-Speicher für Probleme sorgt, attestiert auch PCGames Hardware nach Tests unter anderem in Cyberpunk 2077, Hogwarts Legacy, Forza Horizon 6 und Anno 117:
„Die 8 GiByte VRAM sind keine Randnotiz, sondern eine echte Grenze. Wer sehr hohe Presets wählt, bewegt sich schnell außerhalb dessen, was die Steam Machine sinnvoll leisten kann.”
Bei einigen Spielen seien dann zum Teil kaum noch 20 fps in 1440p oder 4K möglich.
Anders sieht es da schon bei CPU-limitierten Titeln aus: Dann zieht die Steam Machine klar an der PS5 vorbei, da in der Sony-Konsole ein mittlerweile deutlich in die Jahre gekommener Prozessor ackern muss, der für komplexe KI-Simulationen, viele gleichzeitig dargestellte NPCs und Physikberechnungen einfach zu langsam ist.
Dahingehend kommt Digital Foundry auf folgende Werte:
- Crimson Desert
- PS5: 33 fps
- Steam Machine: 41 fps
- Baldur's Gate 3
- PS5: 42 fps
- Steam Machine: 53 fps
Kurzum: Benötigt ein Spiel rohe Grafik-Power, dann schneidet die PS5 besser ab. Ist es hingegen simulationslastiger, dann hat die Steam Machine mit ihrer potenteren CPU die Nase vorn. Da Grafikleistung allerdings häufiger in Spielen gefragt ist, liegt der Performance-Vorteil ganz klar bei der Konsole.
Oder mal als Preis-Leistungs-Verhältnis: Die PS5 Slim liefert zum Teil mehr als das Doppelte an fps pro Euro, wenn es um die reine Grafikleistung geht, und immerhin noch etwas mehr als das Anderthalbfache an fps pro Euro wenn es um die CPU-Leistung geht.
Was ist mit FSR?
Die Steam Machine unterstützt wenig überraschend FSR, per Patch künftig wohl sogar FSR4. Allerdings ist FSR4 extrem anspruchsvoll für Chips ohne KI-Beschleunigung, wie es bei der Steam Machine der Fall ist. Da der Wohnzimmer-PC von Valve bereits starke Performance-Einbußen bei unterschiedlichen FSR3-Stufen hinnehmen muss, dürfte FSR4 (vorsichtig ausgedrückt) nicht den größten Einfluss auf eure Kaufentscheidung nehmen.
Auch gegen Selbstbau-PCs sieht es nicht besonders prall für Valve aus
GamersNexus kommt bei einer PC-Zusammenstellung mit ähnlichen Teilen auf einen Preisvorteil von knapp 70 Dollar gegenüber der Steam Machine. Der Selbstbau performt zudem bis zu 20 Prozent besser wie Digital Foundry bei derselben Konfiguration herausgefunden hat.
Es ist demnach preisgünstiger und performanter, sich die Konfiguration von GamersNexus zu schnappen und darauf SteamOS 3.8 oder BazziteOS zu installieren, statt sich die Steam Machine zu kaufen. Autsch!
Leise, gut gekühlt und schön kompakt
Mehr Lob bekommt stattdessen die Kühlung der Steam Machine. Ihr Lüfter surrt laut GamersNexus kaum hörbar bei circa 8 Dezibel über dem Grundrauschen im Testraum, ähnlich wie beispielsweise eine Nintendo Switch 2.
Dabei wird die verbaute Hardware auch sehr gut gekühlt, an eine Überhitzung sei nicht zu denken. Bei dem kleinen Formfaktor ist das wirklich beachtlich, wobei aber auch der Stromverbrauch nicht allzu hoch ausfällt. Die Steam Machine kommt auf maximal 220 Watt, verbraucht also in der Regel mehr Strom als eine PS5, aber weniger als ein Selbstbau-PC.
Ebenfalls positiv: Die Steam Machine lässt sich leicht öffnen und reparieren, sollte mal ein Bauteil nach Ablauf der Garantie kaputtgehen.
SteamOS dient erneut als großartige Oberfläche, ist aber nicht perfekt
Ebenfalls wird berichtet, dass SteamOS wie auch beim Steam Deck sehr gut auf Controller-Eingaben optimiert, aber nicht fehlerfrei ist. Folgende Probleme werden angegeben:
- Mit angeschlossener Maus und Tastatur werden weiterhin Controller-Eingaben im OS angezeigt.
- Icons werden zum Teil arg verpixelt bei einer 4K-Ausgabe dargestellt.
- Kein Multi-Monitor-Support im Gaming-Modus.
- In jedem Spiel wird standardmäßig 1080p als maximale Auflösung angegeben.
- Das OS zeigt viele Überbleibsel vom Steam Deck, die auf der Machine aber keine Rolle spielen.
- Es werden zu häufig veraltete Linux-Versionen von Spielen installiert, obwohl die Windows-Versionen, abgespielt über die Proton-Kompatibilitätsschicht, besser laufen.
- Ray-Tracing wird fälschlicherweise nicht immer unterstützt.
- Bluetooth-Kopfhörer sind sehr leise.
Ansonsten ist die Erfahrung ähnlich zum Steam Deck, es läuft also ein gigantischer Teil des Steam-Katalogs auf der Steam Machine ohne Probleme, hin und wieder braucht es aber ein bisschen Bastelei, um Spiele zum Laufen zu kriegen. Beispielsweise in Form von unterschiedlichen Proton-Versionen.
Was lässt sich also insgesamt sagen? Valve hat die Steam Machine als durchaus potenten Rechner zusammengestellt, der dank SteamOS auch sehr gut am TV funktioniert. Allerdings wird die Leistung der Steam Machine keineswegs dem extrem hohen Preis gerecht, dahingehend seid ihr mit einer PS5 oder Xbox Series X weitaus besser beraten.
Wollt ihr rein das PC-Erlebnis, ist es zudem minimal günstiger, selbst einen kleinen PC im ITX-Format zusammenzuschrauben. Den könnt ihr später auch upgraden – bei der Steam Machine geht das nur bei RAM und SSD – und müsst dank BazziteOS beispielweise nicht auf die SteamOS-Oberfläche verzichten.
Was sagt ihr? Ist die Steam Machine für euch dennoch ihr Geld wert?
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