Terrorverdacht - Sony gibt PS4-Daten & private Nachrichten eines Nutzers ans FBI weiter

Das FBI hat sich offenbar an Sony gewandt, um gelöschte Nachrichten eines Verdächtigen wiederherzustellen, die der über seine PS4 verschickt hat.

von David Molke,
15.02.2018 12:10 Uhr

In einem der ersten bekannten Fälle dieser Art hat das FBI jetzt die Daten eines PS4-Nutzers von Sony erhalten.In einem der ersten bekannten Fälle dieser Art hat das FBI jetzt die Daten eines PS4-Nutzers von Sony erhalten.

Sony hat die Daten eines PS4-Nutzers an das FBI weitergegeben, weil derjenige unter Terrorverdacht stand. Der Verdächtigte soll zwar seine komplette Kommunikation samt aller Nachrichten gelöscht haben, aber Sony konnte sie anschließend offenbar problemlos wiederherstellen.

Es scheint sich dabei um den ersten derartigen Fall zu handeln, der öffentlich bekannt wurde. Das Ganze ist sehr viel komplexer, als es zunächst vielleicht den Anschein erweckt: Immerhin geht es hier um das sehr sensible Thema Datenschutz und darum, inwieweit Tech-Firmen verpflichtet sind, Informationen weiterzugeben. (via: Forbes)

Datenschutz, Privatsphäre & öffentliches Interesse

Die Frage beschäftigt die Öffentlichkeit nicht erst, seitdem bekannt wurde, dass es in vielen Geräten und Diensten extra für genau diesen Fall angelegte Hintertüren gibt. Auch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Whatsapp hat bereits für Diskussionen gesorgt und Apple war wegen des iPhone-Zugriffs sogar im Rechtsstreit mit dem FBI. Auch Kryptowährungen und generell Anonymität im Internet schlagen in dieselbe Kerbe.

Was wiegt im Zweifelsfall schwerer: Das Recht auf Schutz unserer Privatsphäre oder das öffentliche Interesse? Erst vor Kurzem hat sich Bill Gates zu dieser Debatte geäußert und dafür plädiert, mit der Regierung zusammenzuarbeiten.

Wieso durchsucht das FBI PS4-Nachrichten?

Die Mutter des Verdächtigten soll die Polizei alarmiert haben, weil sie befürchtete, dass ihr Sohn sich einer terroristischen Vereinigung anschließen wollte. Dessen Bruder habe dann dem FBI mitgeteilt, dass der Verdächtigte alle Daten von seiner PS4 gelöscht und mit dem Gerät hinter Schloss und Riegel kommuniziert hätte.

Kurioserweise soll der Verdächtigte dem FBI bereits zuvor selbst die Erlaubnis erteilt haben, seine PS4 zu durchsuchen. Was die Behörde dann auch getan hat, aber nur um festzustellen, dass die Daten tatsächlich alle gelöscht wurden.

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Das FBI weiß, dass Sony alle Daten & Informationen hat

Neu an dieser Angelegenheit ist, dass das FBI nicht mehr einfach nur eine Konsole konfisziert und nach Informationen durchforstet, sondern dass Sony diese Daten weitergibt. Das bedeutet nicht nur, dass Sony anscheinend unsere komplette Kommunikation speichert und darauf auch noch zugreifen kann, nachdem wir sie gelöscht haben.

Das heißt auch, dass das FBI ganz genau weiß, dass Sony auf einen riesigen Haufen an Informationen über seine Nutzer besitzt. Und zwar nicht nur Informationen darüber, was die Nutzer kaufen und spielen, sondern auch, was sie sich untereinander schreiben.

Zugriff auf PS4-Kommunikation offenbar nicht mehr schwierig

Nach den Terror-Angriffen in Paris hieß es seitens des belgischen Innenministers Jan Jambon noch, Zugriff auf die PS4-Kommunikation zu erhalten, sei schwieriger als beim Messenger-Dienst Whatsapp. Dabei scheint es sich nun entweder um einen Irrtum zu handeln, oder Sony hat seitdem etwas daran geändert, wie die Nutzerdaten beziehungsweise die Nachrichten gespeichert werden.

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Verdächtigter laut FBI doch nicht in terroristische Aktivitäten involviert

Wie sich letzten Endes herausgestellt haben soll, war der Verdächtigte, dessen Daten von Sony weitergegeben wurden, wohl doch nicht in terroristische Aktivitäten verwickelt. Er wurde allerdings anscheinend zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt, weil er beim Beantragen eines Passes falsche Angaben gemacht hatte.

Was sagt ihr zu der Diskussion? Findet ihr, Sony sollte die Daten weitergeben?

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