Blutige Schlachtfelder, bevölkert von untoten Soldaten und Monstrositäten, habe ich in Soulslikes schon häufig erkundet – allerdings weder aus der Egoperspektive, noch mit Parcouring-Elementen wie Wallruns in luftigen Höhen.
Auch eine Geschichte um Napoleons Osteuropa-Feldzug, die Fiktion mit Historie mixt, ist für das Genre eher ungewöhnlich. Die richtig morbiden Settings von Valor Mortis fühlen sich jedoch genauso stimmig an wie die wunderbar ineinandergreifenden Spielmechaniken.
Bewaffnet mit Klingen, Feuerwaffen und Spezialfähigkeiten hatte ich mit dem Spiel eine richtig gute Zeit. Ghostrunner-Entwickler One More Level bricht einige Genre-Konventionen auf eine gute Art und beeindruckt mich immer wieder mit cleverem Leveldesign und kreativen Ideen. Nur die Technik trübt den sehr positiven Eindruck auf der Basis PS5 dann doch etwas.
Technik:
Wir haben Valor Mortis auf der Basis PS5 im 60 fps-Modus getestet. Dabei kam es immer wieder zu kurzen Nachladerucklern.
Störend für den Spielfluss waren aber vor allem deutliche Performance-Einbrüche, beispielsweise bei Effekten wie Regen oder Feuer sowie in Endgame-Arealen oder groß inszenierten Bosskämpfen.
Hinzu kamen mehrere Abstürze und kleinere visuelle Glitches. Der Entwickler muss hier unbedingt nachbessern. Zu Release ist ein umfangreicher Patch angekündigt, der sich Stabilität, Performance und Bugs annehmen soll. Ob der aber eine deutliche Verbesserung bringt, muss sich noch zeigen.
So geht motivierendes, stimmiges Leveldesign
Mit Fremdenlegionär William erkunde ich in festgelegter Reihenfolge zehn große Gebiete. Jeder Schauplatz hat seinen eigenen Gänsehaut-Charme, vom einst malerischen Bergdorf, in dem nur noch Kadaver und Leichen bleiben, bis zu unheimlichen Großstadtgassen, durch die Kindergeflüster hallt. Schon allein wegen des tollen Artstyles habe ich mich überall gerne umgeschaut.
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Valor Mortis: Das düstere First-Person-Souls mit spannendem Frankreich-Setting kommt diesen Herbst
Mit ihren Tunneln, Kletterpassagen, Straßen und Korridoren sind die Gebiete eher schlauchig angelegt. Abzweigungen und optionale Bereiche locken aber an jeder Ecke, und manche kann ich erst erkunden, wenn ich später die passende Fähigkeit freigeschaltet habe und noch mal zurückkehre.
Das gute alte Metroidvania-Konzept eben: Ich bekomme beispielsweise im Story-Verlauf einen Greifhaken, mit dem ich mich über Abgründe schwinge oder einen Spezialschild, der mich vor tödlichem Giftgas schützt.
Mit der Flammenhand brenne ich Blockaden aus verhärtetem organischem Schmodder weg, mache aber auch Monstern Feuer unterm Hintern. Ich habe mich jedes Mal richtig gefreut, wenn ich eins der neuen “Spielzeuge”, und damit auch ganz neue Möglichkeiten, erhalten habe.
Doch nicht nur die großen Errungenschaften, sondern auch die stetigen kleinen Fortschritte haben mich während des gesamten Playthroughs extrem motiviert. Die Level sind nämlich derart clever aufgebaut, dass ich in jeder kurzen Spielsession vorankomme und Neues entdecke.
Nach jeder Stunde konnte ich mich wieder über neue Checkpoint-Lampen, kleine Nebenquest-Fortschritte, nützliche Upgrade-Materialien oder Abkürzungen freuen.
Die Aha-Erlebnisse bei Shortcuts liebe ich persönlich besonders: wenn ich beispielsweise eine Leiter heruntertrete oder eine Tür von der anderen Seite entriegle und erkenne: “Ah! Wieder hier!” Diese gibt es in Valor Mortis ständig.
Ein schönes Detail ist auch, dass ich markante Punkte aus weiter Ferne sehe, teilweise sogar von anderen Gebieten aus: beispielsweise das majestätische Universitätsgebäude, zu dem ich mich durchschlage oder den surreal aufgetürmten Schiffsfriedhof, der bereits hinter mir liegt. In der Summe führt all das dazu, dass die Welt stimmig und dicht wirkt.
Augen auf – es lohnt sich!
Eine weitere Sache, die mich an Valor Mortis begeistert, ist, wie interaktiv die Spielwelt ist. An nahezu jeder Stelle, die mich kurz richtig ins Schwitzen gebracht hat, habe ich beim genauen Hinschauen erkannt, wie ich mir einen Vorteil verschaffe.
Mal war es ein Elitegegner samt Entourage auf einem Platz, den ich bequem aus dem ersten Stock eines Hauses abknallen konnte. Dann wieder habe ich eine Plattform, auf der mehrere Schützen standen, mit einem Schuss herunterbrechen lassen. Oder einen Wagen aus der Verankerung gelöst, sodass er einen ganzen Mob überrollt hat.
Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, die besten Strategien auszuknobeln; gleichzeitig kommt Valor Mortis damit auch allen entgegen, die wenig frustresistent oder Souls-erfahren sind.
Butter bei die Fische: Schwierigkeitsgrad und Kämpfe
Das Soulslike bietet nur einen Schwierigkeitsgrad, zwingt mich genretypisch, meine XP nach dem Tod wieder einzusammeln, ohne zu sterben, und ist darauf ausgelegt, dass ich sowohl Nahkampf-, als auch Schusswaffen nutze.
Schalte ich Schützen nicht im Fernkampf aus, machen sie schnell Schweizer Käse aus William. Auf engem Raum oder wenn ich keine Munition mehr habe, muss ich aber die Klinge schwingen – und dabei führt kein Weg am präzisen Parieren vorbei.
Das Gekloppe ist fordernd, aber nicht so knüppelhart oder bestrafend wie in manch anderem Soulslike. Der erste Boss, ein mutierter General, will in einem zweiphasigen Kampf gleich mal wissen, ob ich seine Klingen-Kombos parieren kann. Fällt euch das schwer, könnt ihr aber immerhin Zusatzschaden verursachen, indem ihr verstärkt mit der Pistole auf seine Schwachstellen zielt.
Genau wie perfekt getimtes Blocken verursachen Schwachstellenschüsse auch Haltungsschaden. Habe ich die Haltungsleiste eines Feindes komplett gefüllt, purzeln die Lebenspunkte bei einem kritischen Treffer flott herunter.
Im Verlauf der Story muss sich William insgesamt zehn Bossen stellen. Manche sind spektakulär inszeniert und spielen sich spaßig. Unter ihnen ist einer der originellsten und witzigsten Gimmick-Kämpfe, die ich je in einem Soulslike gesehen habe. Den will ich euch allerdings nicht spoilern.
Zwischendurch gibt es aber auch Obermotze, die ich schon fast wieder vergessen habe, weil sie spielerisch und optisch nicht so viel zu bieten haben. Grundsätzlich sind die Angriffsmuster in Bosskämpfen nicht super komplex und gerade als Souls-Fans solltet ihr sie schnell durchschaut und besiegt haben.
Auch die allgemeine Gegner- und Attackenvarianz ist eher überschaubar. Ein paar mehr einzigartige Feinde in jedem Gebiet hätten das Gekloppe noch spannender gemacht. Zu eintönig wurde es mir in den rund 18 Stunden aber dank der anderen Stärken des Spiels nicht. Trotz Egoperspektive fehlte mir auch nie die Übersicht. Außerdem fühlten sich Paraden und Finisher dadurch befriedigend oder sogar sehr brutal an, die für ein Soulslike ungewöhnliche Perspektive erhöht in jedem Fall sehr angenehm die Immersion.
Immer auf der Jagd nach Upgrades
William legt sich nach und nach ein Arsenal aus je drei Klingen-, Schusswaffen und “Transmutationsfähigkeiten” zu; darunter Säbel, Großschwert, Pistole, Muskete oder die bereits erwähnte Feuerhand.
Mit gefundenen Materialien werte ich sie immer wieder auf. Daneben investiere ich gesammelte XP in einen relativ geradlinigen Fähigkeitenbaum. Ich habe mich am stärksten auf Säbelkampf, insbesondere Paraden, fokussiert. Folglich habe ich Perks wie mehr Haltungsschadens-Aufbau und kritischen Schaden gewählt.
Setzt ihr so oft wie möglich auf Blei und Schrot, könnt ihr bevorzugt die Fähigkeiten wählen, dank denen Feinde mehr Kugeln droppen, oder beispielsweise eine Bullet Time-ähnliche Zeitlupe beim Zielen in der Luft freischalten.
Zusätzlich kann ich bei bestimmten Charakterlevel-Stufen Bernsteine ausrüsten, die Vorteile wie schnelleres Heilen oder dass Feinde mich später entdecken, gewähren. Besonders harte Elitegegner werfen die fossilen Schmuckstücke häufig ab.
Die Build-Varianten sind deutlich limitierter als in manch anderem Soulslike, aber jede Verbesserung macht sich deutlich bemerkbar und speziell auf neue Bernsteine hinzuarbeiten, hat mich immer wieder aufs Neue motiviert.
Accessibility, Steuerung und Sprachen: Ein dediziertes Barrierefreiheitsmenü gibt es nicht, ihr könnt lediglich unter anderem Kamerawackeln und Bewegungsunschärfe ausschalten und aus unterschiedlichen Steuerungsprofilen wählen.
Tastenbelegung: Die Default-Steuerung ist für Souls-Fans mit dem Ausweichschritt auf R1 ungewohnt. Es gibt aber Profile, bei denen Ausweichen auf Kreis liegt und stattdessen z.B. Nachladen oder Springen auf R1 wandert. Der Nahkampfangriff liegt immer auf R2.
Sprache: englische Sprachausgabe, deutsche Untertitel und Texte
Es muss nicht immer nur gekämpft werden - sogar in Soulslikes!
Neben bekannten Kampftechniken fühlt sich das Spielgeschehen schön frisch an, weil One More Level jede Menge Parcouring im Stil von Ghostrunner in die Souls-Suppe mischt. Auch dabei hat die Egoperspektive ihren Reiz.
Ich schwinge mich beispielsweise mit dem Greifhaken zu einem Wallrun, muss an dessen Ende blitzschnell mit meinen Fähigkeiten eine Plattform aktivieren und beim Absprung von dieser wiederum den Skill einsetzen, um einen Griff auszufahren, wobei mir die Plattform aber gleichzeitig unter den Füßen weggezogen wird.
Mit dem rasanten Movement hatte ich richtig viel Spaß und auch hier gibt sich Valor Mortis verzeihlich: Ein Sturz in Untiefen bedeutet nicht sofort den Neustart ab dem letzten Checkpoint, sondern zieht erst mal nur etwas Leben ab und setzt mich direkt vor den Absturzpunkt, damit ich es noch einmal versuchen kann.
Parcouring ist außerdem nicht die einzige Gameplay-Komponente, die das gewohnte Souls-Korsett aufbricht. Es gibt nämlich beispielsweise auch eine kurze waffenlose Schleichpassage oder eine rasante Action-Überraschung, die ich euch hier aber nicht spoilern will.
Eine düstere Kriegs-Geschichte und ein Souls-Protagonist, der mit mir spricht!
Die Geschichte von Valor Mortis erfindet das Rad nicht neu, der düster-morbiden Tonus passt jedoch gut zu Souls und im Verlauf gibt es dann doch ein paar Überraschungen.
William ist ein junger Soldat, der sich aus tiefster Überzeugung Napoleons Fremdenlegion für einen Osteuropa-Feldzug angeschlossen hat. Dort läuft jedoch nichts nach Plan. Nicht nur streifen allerhand Untote und Mutanten durch die Täler, dummerweise kann Will sich auch nicht erinnern, was während des Kriegs geschehen ist.
Als er zwei Waffenbrüder trifft und sich nach und nach ein Bild von der Lage macht, ist er schockiert, wie viel Elend und Zerstörung der Krieg über die Zivilbevölkerung gebracht hat.
Will hört Stimmen, die diese Szenen kommentieren, darunter die von Napoleon, aber auch die einer mysteriösen, maskierten Rebellenführerin namens Shrike (auf Deutsch: Würger).
Apropos: Während mich viele Spielercharaktere in Soulslikes konsequent anschweigen, lässt Will mich regelmäßig an seinen Gedanken teilhaben. Und manchmal kann ich auch entscheiden, wie er Leuten antwortet. Der englische Voice Cast, unter anderem Award-Gewinnerin Jennifer English, die schon in Baldur’s Gate 3 und Clair Obscur dabei war, macht durchweg einen tollen Job. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es hingegen nicht.
Besonders haben sich mir einige kleine Interaktionen und Nebengeschichten eingeprägt. Auch keine Selbstverständlichkeit bei Souls: Der Questfortschritt wird übersichtlich im Tagebuch dokumentiert.
Eine der Storys dreht sich beispielsweise um eine Mutter, die mit ihrem Kind vergeblich auf die Rückkehr ihres Mannes wartet – und findet schließlich heraus, warum sie niemals wiedervereint wurden.
Alles in allem kann ich euch Valor Mortis vor allem dann empfehlen, wenn ihr schon etwas an Soulsmüdigkeit leidet seid und dringend etwas frischen Wind im Genre braucht. Oder, wenn ihr vor allem Wert auf gut durchdachtes, motivierendes Leveldesign legt. Habt ihr noch nie ein Soulslike gezockt, könnte Valor Mortis auch ein guter Einstieg sein – wenn zu Beginn womöglich mit etwas steiler Lernkurve.
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