Warum ich den Trash-Movie-Charme von Resident Evil liebe

Resident Evil bietet seit mehr als 20 Jahren erstklassigen Survival-Horror. Die Inszenierung und Dialoge begeistern ebenfalls – oft aber durch unfreiwillige Komik. Und das ist sehr gut so.

von Christian Schwarz,
28.02.2021 14:00 Uhr

Darum liebt unser freier Autor Christian den Trash- und B-Movie-Charme von Resident Evil. Darum liebt unser freier Autor Christian den Trash- und B-Movie-Charme von Resident Evil.

Das Intro von Resident Evil 1 markiert wohl einen der besten und kultigsten Spieleinstiege überhaupt. Wenn wir sehen, wie Laiendarsteller*innen durch dunkle Wälder stolpern und von bizarren Monstern angegriffen werden, könnten wir uns auch im Abendprogramm von DMAX oder Tele 5 wähnen. Dazu ziehen sich unvergessene Dialogperlen durch die ersten drei Teile (hat da jemand "Jill-Sandwich" gesagt?), was in der Summe einen liebenswürdigen und unverwechselbaren Trash- und B-Movie-Charme ergibt, von dem ein Uwe Boll nur träumen kann.

Christian Schwarz
@heavymekki
Seit Christian Anno 1996 auf einer Heft-CD völlig blauäugig die Demo von Resident Evil 1 spielte, ist er der Serie verfallen. Mit dem Biss des berühmten ersten Zombies war er infiziert. Das ist auch über 20 Jahre später noch immer so, denn während Christian diesen Text schreibt, hängt ein Bild genau dieses Zombies hinter ihm an der Wand. Gegenüber eins vom Licker. Beste Gesellschaft.

Präsentation zum Gruseln

Markige Sprüche wie "Watch out! It's a monster", "Let me take care of this", der weibliche "Master of unlocking" oder das angesprochene Belegtbrot mit Protagonistinnen-Aufstrich sind natürlich fernab von jeder Form einer möglichst realistischen oder auch nur nachvollziehbaren Darstellung, erhöhen aber den Kultfaktor des Spiels und seiner Charaktere. Außerdem dienen die Auflockerungen als wichtige Inseln zum Durschnaufen, um im lebensfeindlichen Horrorkabinett des Dr. Spencer nicht unterzugehen.

Auf der Metaebene betrachtet, können wir uns mit der unfreiwillig komischen Inszenierung sogar deshalb besser identifizieren, weil wir zunächst genauso verloren durch das Spiel stolpern, wie unsere eigentlich erfahrenen Mitglieder einer Spezialeinheit.

Mit dem Grauen des Herrenhauses konnten weder die Figuren auf Handlungsebene bisher rechnen noch waren wir als Spieler*innen vor 1996 mit Vergleichbarem konfrontiert. Und ich frage jetzt besser nicht, warum die Charaktere statt alleine loszuziehen, nicht einfach zusammenbleiben. Das macht mir die schöne B-Movie-Atmosphäre kaputt.

Die Reihe ist auch deshalb so beliebt, weil uns die markigen Äußerungen der Protagonisten so gut in Erinnerung geblieben sind. Die Reihe ist auch deshalb so beliebt, weil uns die markigen Äußerungen der Protagonisten so gut in Erinnerung geblieben sind.

Erfolg von Trash-Spielen und -filmen

Diesen Spagat zwischen ernster Horror-Atmosphäre und unterhaltsamer, aber deshalb nicht automatisch schlechter B-Movie-Unterhaltung schafft Resident Evil meisterhaft. Wenn ihr euch jetzt fragt, ob mit euch etwas nicht stimmt, weil ihr auf Trash-Inhalte in Spiel- oder Filmform steht - kein Grund zur Panik! Wie eine Studie des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik in Frankfurt/Main aus dem Jahre 2016 zeigt, verfügt ein Großteil der Befragten, die sich für Trash-Filme interessieren, entweder über einen Universitätsabschluss oder ist dafür geeignet.

Die auch als "kulturelle Allesfresser" bezeichneten Rezipient*innen finden in billig gemachten und auch in vielerlei anderer Hinsicht "schlechten" Filmen Befriedigung in Form von seichter Unterhaltung. Oder kurz gesagt: Trash-Filme sind so schlecht, dass sie schon wieder gut sind! Für Resident Evil können wir daraus ableiten: Lieber gut schlecht gemacht, als schlecht versucht, gut zu sein (warum muss ich da jetzt an Resident Evil 6 denken?).

 Leider taucht das Intro zum ersten Teil in keiner Bestenliste der Resident-Evil-Filme auf. Leider taucht das Intro zum ersten Teil in keiner Bestenliste der Resident-Evil-Filme auf.

Für Liebhaber*innen des schlechten Films

Statt lange zu überlegen, wie ich jetzt eine möglichst elegante Überleitung von "schlechten Filmen" zu den bei Fans und Kritiker*innen eher mäßig beliebten Leinwandadaptionen der Resident-Evil-Spiele hinbekomme, steigen wir einfach direkt ein: Einen gewissen Trash-Faktor können wir auch den insgesamt sechs Realfilmen mit Milla Jovovich als Alice nicht absprechen.

Wer jetzt gerade kein entsprechendes Spiel der Serie zur Hand hat oder generell lieber einen gemütlichen Filmabend mit Zombies, Umbrella und Raccoon City plant, kann sich mal bei den Kolleg*innen von Moviepilot umschauen. Die haben nämlich ein Ranking der besten Resi-Filme erstellt. Wenn ihr euch die Liste anschaut, könnt ihr direkt den besten raussuchen. Oder den schlechtesten, weil ihr vielleicht Liebhaber des schlechten Films seid. Oder alle, weil Resident Evil.

Es ist kompliziert.

Resident Evil-Themenwoche auf GamePro

Die Tage vom 22. bis zum 28. Februar stehen bei uns ganz im Zeichen von Resident Evil. Von Montag bis Sonntag wird es je zwei Artikel über die beliebte Horror-Reihe von Entwickler Capcom auf GamePro.de geben, mit denen ihr euch schon ein wenig auf den Release von Village im Mai einstimmen könnt. Welche Artikel bereits erschienen sind, haben wir für euch in einer Übersicht zur Themenwoche aufgelistet.

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