"Wir müssen den Begriff E-Sport ausradieren" - Hessens Innenminister Beuth übt scharfe Kritik

Hessens Innenminister Peter Beuth stellt sich klar gegen eine Gleichstellung von E-Sport gegenüber klassischen Sportarten. Die Pläne der Großen Koalition nannte er "katastrophal".

von Stefan Köhler,
28.11.2018 16:15 Uhr

E-Sport gehöre nicht zu klassischen Sportorganisationen, so der CDU-Politiker Peter Beuth.E-Sport gehöre nicht zu klassischen Sportorganisationen, so der CDU-Politiker Peter Beuth.

In der Diskussion um die Anerkennung von E-Sport als Vereinssport hat sich der hessische Innenminister klar positioniert. Laut Peter Beuth (CDU) sind wir "[…] herausgefordert durch ein offenbar neues Sportverständnis". Die scharfe Kritik am E-Sport fiel im Rahmen einer Ansprache zum Darmstädter Turn- und Sportkongresses 2018.

Laut den Kollegen der Lokalzeitung Darmstädter Echo machte Beuth keinen Hehl um seine klare Ablehnung gegenüber dem E-Sport: "E-Sport hat mit Sport nichts zu tun. Wir müssen diesen Begriff ausradieren".

Nach dieser doch sehr deutlichen Aufforderung führte Beuth etwas gemäßigter aus:

"Auf diesem Kongress geht es um Bildung und Gesundheit. Wir wollen die Kinder in die Turnhalle und auf den Sportplatz kriegen. Gaming hat seinen Wert. Aber es gehört nicht in eine Sportorganisation als solche hinein. Weil es sich mit einem Titel schmückt, dessen Werte ich dort vermisse."

Der 5. Hessische Turn- und Sportkongress umfasst 300 Workshops mit einem breit gefächerten Angebot, darunter Schnupperkurse im Bereich Gymnastik, Turnsport und Tanzen, aber auch Seminare und Vorträge für Trainer und Vereinsleiter. E-Sport wurde allein von Beuth in der Ansprache aufgegriffen und findet im Rahmen der Workshops in keiner Form statt.

Pläne der Großen Koalition "katastrophal"

Beuth wollte mit seiner Rede vor Vertretern des klassischen Sports offensichtlich das wählende Publikum ansprechen, welches sich am ehesten gegen die aufkeimende E-Sport-Bewegung stellen dürfte.

Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sieht E-Sport nicht auf Augenhöhe. Virtuelle Sportarten wie Fußball in Form von FIFA 19 und PES 19 haben Potential, um Vereine und Verbände zu stärken, die wirklichen großen E-Sporttitel wie League of Legends und Counter-Strike: Global Offensive hätten aber keinen Platz im Wertekanon des DOSB. Genau so sieht es auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der sich deswegen den Begriff E-Soccer zur Abgrenzung von "Kriegs- und Killerspielen" ausgedacht hat.

Dem gegenüber stehen die Pläne der Großen Koalition, die dem E-Sport langfristig Vereins- und Verbandsrecht einräumen will. Laut Beuth seien diese Pläne "katastrophal".

"E-Sportler sind keine Sportler, da bleibe ich konservativ. Und diese Gemeinschaft im E-Sport ist ja nicht das, was Millionen von Kinder machen. Sondern die sitzen alleine vor der Konsole und haben vielleicht einen Spielpartner, der sonstwo auf diesem Planeten sitzt.

[…] Ich möchte meinem Sohn nicht erlauben, dass er zu mir sagen kann: 'Ich betreibe Sport' wenn er vor der Fifa 19 sitzt und gerade Barcelona gegen Madrid spielt."

Gegenpositionen und gelebte Realität

Ausgerechnet der Vizepräsident des hessischen Landessportbundes, Ralf-Rainer Klatt, bot im Rahmen der Ansprache eine andere Bewertung des E-Sports:

"Wenn junge Menschen an die Vereine herantreten und sagen, wir würden E-Sport gerne als Mannschaftssport betreiben, dann ist das auch noch einmal was anderes, als wenn der Einzelne alleine mit der Konsole gegen seinen Computer antritt.

[...] Man muss E-Sport als Teil des Digitalisierungsprozesses unserer Gesellschaft betrachten, der eben auch im Sport angekommen ist."

Kritik gab es von Hans Jagnow, seines Zeichens Präsident des eSport-Bund Deutschland (ESDB). Er empfand die Wortwahl als "unangemessen" und gab via Twitter an, dass dies nichts mit einer sachlichen Debatte zu tun habe.

Obwohl der hessische Innenminister gegen eine Anerkennung des E-Sports kämpft, zieht die gelebte Realität an ihm und anderen Kritikern aktuell vorbei: Wie kürzlich berichtet, entsteht im niedersächsischen Osnabrück derzeit die "eSport Factory", ab 2019 Deutschlands größtes E-Sport-Zentrum mit Trainings- und Studiobereichen.

Dort sollen von LAN-Parties für Hobbyspieler über Bootcamps für angehende E-Sport-Profis bis hin zur Übertragung von Turnieren eine Vielzahl von E-Sport-Events stattfinden. Das bedeutet ausgeübtes Vereinsleben wie im klassischen Sport, auch wenn man sich nicht als offizieller Sportverein eintragen darf.

Damit die körperliche Ertüchtigung nicht zu kurz kommt - das wird Herrn Beuth sicherlich erfreuen - werden auch Fitnessstudios in der eSport Factory installiert.


Kommentare(49)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.

Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen oder schließen