Bei der Xbox-Marke stehen aktuell einige drastische Änderungen an. Schon vor einigen Tagen deutete ein Bericht von Bloomberg an, dass bald wieder radikale Budgetkürzungen und eine Entlassungswelle anstehen könnten, am Montag gab es dann traurige konkrete Infos:
Laut The Verge sollen die drei hauseigenen Studios Ninja Theory (Hellblade), Double Fine (Psychonauts) und Compulsion Games (South of Midnight) geschlossen oder zumindest abgestoßen werden.
Besonders der Fall von Ninja Theory wirkt dabei merkwürdig – immerhin wurde vor genau 10 Tagen erst deren neues Spiel Senua groß auf dem Xbox Showcase enthüllt. Dabei war die Ankündigung aber wohl gar nicht wirklich für Spieler*innen gedacht.
2:02
Senua kehrt überraschend für ein neues Hellblade zurück
Reine Investment-Strategie oder Rettungsversuch?
Eine Spieleankündigung und fast im gleichen Zuge die mögliche Schließung des Studios dahinter – das wirft natürlich unweigerlich die Frage auf: Hatte Microsoft bei der Enthüllung von Senua schon beschlossen, Ninja Theory zu schließen?
Einem neuen Bericht nach lautet die Antwort darauf: "Ja". Wie Journalist Stephen Totilo via Game File berichtet, war die Entscheidung bei Microsoft seiner Quelle nach während des Xbox Showcases bereits gefallen.
Der Grund, weshalb das Spiel trotzdem gezeigt wurde, sei demnach rein wirtschaftlicher Natur gewesen:
"Zu dem Zeitpunkt, als [Senua] enthüllt wurde, hatte Microsoft bereits geplant, das Entwicklerstudio zu schließen oder sich davon zu trennen. Der Gedanke [das Spiel beim Xbox Showcase zu enthüllen] war, dass das Versprechen eines neu angekündigten Spiels Investoreninteresse am Studio anziehen würde."
Unklar sei, ob jemand von der Führungsebene von Ninja Theory an der Entscheidung beteiligt war.
Mit viel (!!) gutem Willen lässt sich das noch ein wenig positiv auslegen. Als möglicher "letzter" Versuch von Microsoft, Ninja Theory doch nicht abstoßen zu müssen.
Auch jetzt könnten Investoren dem Studio helfen, unabhängig weiterzumachen und Senua vielleicht doch fertigzustellen. Aber selbst in diesem "Best-Case-Szenario" dürfte der Umschwung dazu führen, dass höchstwahrscheinlich viele Entwickler*innen erst einmal ihren Job verlieren.
In jedem Falle verpasst es der freudigen Überraschung, die der Reveal des Senua-Trailers beim Xbox Showcase noch in mir ausgelöst hatte, nachträglich eine saure Note.
Hier kommt unweigerlich das Gefühl auf, von Xbox angeflunkert worden zu sein. Immerhin wurde mir hier ein Spiel in Aussicht gestellt – das sogar bereits nächstes Jahr (!) erscheinen soll oder sollte –, von dem Microsoft hinter den Kulissen wohl bereits wusste, dass die Chancen auf einen Release alles andere als gut stehen.
Die Realität der Situation ist natürlich noch ein wenig komplexer. Zum Einen gibt es aktuell keine finale Aussage zur Zukunft von Ninja Theory, Compulsion Games und Double Fine. Hier müssen wir einfach die Entwicklungen abwarten und ob die Studios irgendwie weiter bestehen können.
Und auch in welchem Ausmaß die Führungsriege von Xbox an der Entscheidung durch Microsoft beteiligt war, können wir nur mutmaßen.
Trotzdem. Die schnelle Folge aus Spieleankündigung und möglicher Studio-Schließung schmälert definitiv das Vertrauen in die ohnehin schon angekratzte Xbox-Marke. Und malt ein düsteres Bild für die Zukunft.
Aber wie ergeht es euch damit?
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