Yar's Revenge im Test - Frisch aus der Spiele-Steinzeit

Yar’s Revenge ist die Neuinterpretation eines 30 Jahre alten Atari-Klassikers. Ob das heute noch Arcade-Fans vor dem Ofen hervorlockt, lest ihr in unserem Test für XBLA und PSN.

von Patrick Mittler,
16.04.2011 18:30 Uhr

Über den Wolken: Die Levels sind hübsch und kreativ gestaltet. Über den Wolken: Die Levels sind hübsch und kreativ gestaltet.

Lang, lang ist’s her, da war der simple Pixel-Shooter Yars‘ Revenge Ataris bestverkaufter Titel für den Atari 2600. Drei Jahrzehnte sind in der Videospielgeschichte eine kleine Ewigkeit. Damals noch ein insektenähnliches Raumschiff, feiert die titelgebende Yar als junge Kriegerin ihr Comeback. Yar’s Revenge unterscheidet sich nicht nur durch einen verschobenen Apostroph vom Original sondern auch vom Spielprinzip her. Yar’s Revenge ist nun ein waschechter Railshooter im Stile von Panzer Dragoon oder Sin and Punishment. Man fliegt einen vorgegebenen Pfad entlang und ballert alles vom Himmel oder Boden, was in Reichweite kommt. Mit dem linken Stick manövriert man die fliegende Cyber-Amazone, mit dem Rechten das Fadenkreuz. Yar hat dabei nicht nur normale Schüsse in ihrem Arsenal, sondern auch dickere Laser, die etwas Aufladezeit brauchen und Raketen, mit denen man einige Ziele aufschaltet, um sie dann mit einer Salve gleichzeitig zu erledigen. Gut gefallen haben uns die abstrakten Levels: Mal fliegt ihr durch eine Landschaft, die scheinbar aus Riesenpilzen besteht, mal durch surreale Industriekomplexe. Zwar ist die Umgebung meist etwas klobig, atmosphärisch ist die Optik aber durchaus gelungen. Für unseren Geschmack sind die Levels jedoch einen Tick zu lang geraten, weshalb man sich an der an sich stimmungsvollen Welt schnell satt gesehen hat.

Multitasking: Ausweichrolle, Ziele aufschalten und dicke Brocken per Laser entsorgen. Multitasking: Ausweichrolle, Ziele aufschalten und dicke Brocken per Laser entsorgen.

Bei der eigentlichen Action hackt es ein wenig. An Yar’s Revenge werden nur Spieler mit ausgeprägten Multitasking-Fähigkeiten ihre Freude haben. Beinahe jeder Knopf am Pad ist belegt und hat eine essentielle Funktion. So muss man, wie schon oben angesprochen, gleichzeitig Yar und ihr Fadenkreuz steuern, exzessiven Gebrauch vom Ausweichknopf machen und alle Waffen möglichst effektiv nutzen. Yar’s Revenge ist deshalb kein Spiel, dass man einfach runterlädt und sofort loslegen kann. Training und gute Pad-Beherrschung sind Pflicht. Auch weil sich schon der normale Schwierigkeitsgrad an geübte Arcade-Spieler richtet. Es wird von allen Seiten auf euch geballert und weil Yar auf einem vorgelegten Pfad durch die Levels fliegt, wechselt die Kamera dauernd ihren Winkel. Das ist kein großes Problem, man muss sich trotzdem erst einmal daran gewöhnen. Die Story ist auf durchschnittlichem Niveau. Das liegt nicht an der Geschichte an sich, der Freiheitskampf der fliegenden Baller-Lady gegen das fiese Volk der Quotile geht schon in Ordnung und hat vereinzelt einen echt guten Humor, doch ist es schier unmöglich, sie wirklich ganz zu verfolgen. Es gibt nämlich nicht nur hübsche Comic-Zwischensequenzen, nein, auch während der Action werden Texttafeln eingeblendet. Wer soll es denn bitte schaffen, bei einem Railshooter nebenher noch Einblendungen zu lesen? Fazit: Kein wirklich herausragender Arcade-Titel, aber solide Railshooter-Action ohne wirklich große Mängel, aber auch ohne wirklich eigenständige Qualitäten. Online-Multiplayer, also kooperatives Spielen zu zweit, fehlt aber komplett. Ein großes Manko, wenn man keinen Kumpel bei der Hand hat, der sich in die schnelle und anspruchsvolle Action einarbeiten will.

Yar's Revenge

Preis:

ca. 10 Euro (800 Punkte)

Spieler:

1 bis 2

HD optimiert:

ja

Speicherplatz:

572,98 MB

Entwickler:

Killspace Entertainment

Hersteller:

Atari

USK:

ab 12 Jahren

Wertung:

70 %

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