“Lern deinen verdammten Ki-Puls” war früher das “Git Gud” der Nioh-Reihe. Soll heißen: Wer Bosse zerstören wollte, musste im Soulslike die Mechanik perfektionieren, dank der sich per gut getimtem Knopfdruck Ausdauer regenerieren lässt. Mit dem neuen Ninja-Kampfstil rüttelt Entwickler Team Ninja ordentlich an diesem bisherigen Grundpfeiler der Reihe.
In Nioh 3 vereinen wir nämlich zwei Spielstile in einem Charakter und wechseln fließend hin und her: der klassische Nioh-Samurai und der blitzschnelle Ninja, bei dem Ausdauer-Management zweitrangig ist. Das macht das Kampfsystem in unseren Augen zum rasantesten, spaßigsten und vielseitigsten der Reihe.
Auch den recht linearen Ansatz der Action-Reihe weitgehend gegen drei große offene Spielwelten zu tauschen, war genau die richtige Entscheidung. Der neue Ableger ist damit für uns zumindest spielerisch das beste Nioh. Schade ist nur, dass die Performance auf der Basis-PS5 das hohe Niveau aktuell nicht halten kann.
Ein Heldentrupp versus Fieslinge und Yokai: Das bleibt beim Alten
Kriegerische Auseinandersetzungen und Überfälle durch Yokai (japanische Folklore-Wesen) in unterschiedlichen Epochen: Darum geht es in allen Nioh-Teilen. Im neuen Ableger wird die anpassbare Hauptfigur Takechiyo aufs Übelste verraten, reist dann durch die Zeit, bekämpft das Böse und wächst dabei über sich hinaus.
Die Story ist gewohnt mehr zweckdienlich als extrem fesselnd. Die Cutscenes sind aber immerhin cool inszeniert und teilweise auch wunderbar witzig und skurril. Zudem kehren bekannte Figuren zurück, wie beispielsweise Hattori Hanzo. Zur Erinnerung: Das war der Typ aus Teil 1 und 2, der eine Katze statt einer Taschenuhr herauszieht, wenn er wissen will, wie spät es ist. Unbestritten der beste Moment der gesamten Nioh-Geschichte.
Auch abseits der Story entdecken alte Hasen viel Bekanntes: Wir prügeln uns durch eine Mischung aus klassischen und neuen Gegnern, wie stolzen Generälen, Zauberinnen, fiesen Tengus (Vogelmenschen) oder furzenden, kleinen Yokais.
Highlights sind wie immer flinke, knackige Bosse, deren Angriffsmuster wir verinnerlichen müssen, um ihre Ausdauerleiste runterzuprügeln, sie aus der Puste zu bringen und kritische Treffer zu landen. Und werden wir selbst plattgehauen, dann müssen wir in guter alter Souls-Manier unser Amrita (Seelen) ohne weitere Tode bergen, sonst ist es futsch.
Optisch bleibt ebenfalls vieles beim Alten. Sowohl Nioh 2 als auch Wo Long und Rise of the Ronin waren zu ihrer Zeit absolut keine Grafikkracher und auch für Nioh 3 gilt: Die Monster sind fantasievoll, die Welt schön gestaltet, aber die reine Grafikqualität ist absolutes Mittelmaß.
Technik: Wir hatten in der von uns getesteten Version 1.01 und 1.01R auf der Basis-PS5 keinerlei Bugs. Performance-technisch ist unser Eindruck jedoch weniger positiv. In der ersten offenen Welt und den linearen Abschnitten war diese noch bis auf wenige kleinere Schwankungen im Performance-Modus relativ stabil.
In der zweiten offenen Welt hat das Spiel aber doch auch in diesem über weite Strecken geruckelt und in der dritten Open World kam es auch immer wieder zu starken Drops. Für uns blieb der Titel dabei trotzdem noch gut spielbar, seid ihr aber empfindlicher, solltet ihr lieber auf einen Patch warten.
Der neue Ninja-Stil krempelt die Reihe komplett um - so spaßig ist er
Der Samurai mit dem Ausdauer regenerierenden Ki-Puls fühlt sich für Nioh-Fans direkt vertraut an. Je nachdem, ob wir in hoher, mittlerer oder tiefer Haltung spielen, ist der Stil mal langsamer und knüppelt ordentlich rein, oder deutlich flinker.
Aber auch die tiefe, schnellste Haltung ist nichts im Vergleich zur Geschwindigkeit des Ninjas. Der neue Stil schmeißt auch gleich den Ki-Puls über Bord. Stattdessen führen wir mit R1 nach Angriffen einen blitzschnellen Ausweichschritt aus, der uns hinter Gegner katapultiert und keine Ausdauer verbraucht. Dodgen wir alle paar Schläge, dann kommen wir eigentlich nie aus der Puste, wodurch die Prügeleien herrlich rasant werden.
Die wichtigsten Eckpunkte des Kampfsystems
- 2 Kampfstile: mit eigenen Rüstungen, mehreren Waffenklassen und Skills
- Tipp: Wir haben den automatischen Stil-Wechsel bei Wuchtkontern ausgeschaltet und lieber gezielt gewechselt
- Typische Souls-Kampfaktionen: leichter, schwerer Angriff, ausweichen, Paraden, Block
- Auflevelbare Werte, die meist auf mehrere Stats gleichzeitig einzahlen (wie z.B. Lebenspunkte und Ninja- oder Samurai-Nahkampfangriff und Fähigkeitenangriff)
- Umskillen: jederzeit kostenlos möglich
- Separate Skilltrees für Samurai, Ninja und einzelne Waffenklassen
- Unterschiedliche Schutzgeister: Füllen wir ihre Anzeige mit Treffern, können wir uns kurze Zeit in eine mächtige Geist-Form verwandeln.
- Onmyo-Magie, mit der wir z.B. Gegner verlangsamen oder einen Geist beschwören, der einen oder mehrere Angriffe ausführt
- Koop: Wir können für Verbrauchs-Items bis zu zwei Spielende als Helfer*innen in unsere Welt holen oder auch KI-Phantome beschwören, die dem Stil echter Personen nachempfunden sind.
Einzelne Treffer als Ninja verursachen zwar in der Regel weniger Schaden als im Samurai-Stil, dafür landen wir oft ganze Serien. Hinzu kommen mächtige Mini-Kombos und das wohl spaßigste Element: Luftangriffe.
Wir springen und halten uns oben, indem wir uns von Feinden abstoßen, um sie herumwirbeln oder mit Wucht auf sie niederbrettern. Das ist extrem befriedigend! Gerade beim Aufräumen in den Gebieten hatten wir damit richtig viel Spaß, bei Bossen haben sich ganz unterschiedliche Strategien bewährt, darunter auch Paraden und schwere Schläge.
Zum einen hat uns die Abwechslung und Fülle aus Möglichkeiten begeistert, zum anderen fühlen sich die Gefechte herrlich präzise an. Bereits das Kampfsystem von Nioh 2 gehörte zu den besten überhaupt, Teil 3 setzt dem aber noch mal die Krone auf.
Plant Zeit für Loot und Menüs ein
Fragt ihr uns, wie viel Micro-Management in Nioh 3 steckt, lautet die Antwort: ja! Erwartet hierbei keine Entschlackung. Kaum haben wir ein paar Mobs erledigt, ist siebenmal dasselbe Katana mit unterschiedlichen Seltenheitsstufen und Effekten in unserem Inventar.
Um die Übersicht zu behalten und unsere Lieblingswaffen zu verbessern, müssen wir spätestens nach jeder größeren Mission oder jedem Untergebiet ausmisten, unnützen Loot verkaufen und auf unterschiedliche Arten zerlegen, um Ressourcen zu erlangen.
Daneben gibt es eine Vielzahl an Systemen, die weitere Boni und Vorzüge bringen: Sammeln wir die kleinen grünen Kodama-Männchen oder besuchen Schreine, gibt’s im Segens-Menü beispielsweise Dinge wie größere Heilungswirksamkeit.
Mit Titeln, die wir uns für so ziemlich alles im Spiel wie Erkundung und Kämpfe verdienen, gibt es zahlreiche Boni, zum Beispiel auf Ki-Regeneration oder Goldgewinn. Neben den Skilltrees weisen wir zudem auch noch passive Fähigkeiten zu. Und das war noch nicht mal alles.
Ihr merkt vielleicht schon: Das Ganze braucht Einarbeitung und wer optimieren will, verbringt viel Zeit in Menüs – in recht kleinteiligen und verschachtelten Menüs wohlgemerkt. Darauf müsst ihr schon Lust haben. Uns hat es aber generell extrem motiviert, mit jeder noch so kleinen Aktivität wieder irgendwo etwas freizuschalten.
Freiheit, Entschleunigung, Katzen: So motivierend ist das offene Welt-Konzept
“Aktivität” ist ein gutes Stichwort, wenn es um das zweite große neue Feature geht. Statt lediglich lineare Missionen zu absolvieren, verbringen wir in Nioh 3 die meiste Zeit auf drei großen offenen Maps, die in unterschiedlichen Epochen angesiedelt sind und verschiedene Biome mitbringen.
Im Jahr 1572 streifen wir durch ein ländliches Gebiet mit Dörfern, Feldern und einem Strand. 1190 erkunden wir verschneite Berge. 1864 ist alles wesentlich düsterer und städtischer und wir bewegen uns zwischen Straßenzügen mit Lampions und gigantischen Monsterknochen. Wir dürfen euch aktuell auf den Bildern nur die erste Epoche zeigen.
An jeder Ecke der Open Worlds stolpern wir über optionale Aufgaben: Etwa erweisen wir Geistern in Nebenmissionen letzte Gefallen, die mit netten, düsteren Storys daherkommen. So suchen wir beispielsweise einen vermissten Sohn, bekämpfen einen riesigen Dämon und erfahren dann, dass dieser das gesuchte Kind war, das sich aus Wut verwandelt hat.
Oder wir verfolgen runde, quiekende Katzen-Yokai, zeigen kleinen grünen Kodamas den Rückweg zum Schrein, oder hauen einen Miniboss um und befreien ein Lager.
Accessibility und Sprachen:
Nioh 3 verfügt über ein sehr umfangreiches Einstellungsmenü. Für mehr Barrierefreiheit könnt ihr unter anderem folgende Optionen aktivieren:
- größenverstellbare Untertitel
- Zielhilfe für Fernwaffen
- individualisierbare Steuerung
- Bildschirmvibration an/aus
- rote oder gelbe Hervorhebungsfarbe für Textmarkierungen
- unterschiedliche Farbkombinationen für Seltenheitsstufen
- Sound-Hinweis für nahe Objekte
- Bewegungsunschärfe ein/aus
Gibt es Schwierigkeitsgrade? Nein. Grundsätzlich hat sich uns Nioh 3 in der Testphase jedoch verzeihlicher als die Vorgänger präsentiert, was auch an zahlreichen Optionen liegt, um beispielsweise euren Kampfstil anzupassen oder Hilfsmittel wie unterstützende Magie zu nutzen.
An der Stelle sei jedoch angemerkt, dass es sich trotzdem um ein typisches Soulslike handelt und Team Ninja erfahrungsgemäß bis zum Release und auch darüber hinaus gerne noch mal am Balancing feilt.
Sprachen: englische und japanische Sprachausgabe, deutsche Texte
Die Erkundungstouren durch die offenen Areale fühlen sich immer belohnend an. Helfen wir vielen Kodamas, bekommen wir beispielsweise mehr Heilung, Katzen schenken uns Zauber und Skillpunkte - und so weiter. Aber vor allem sind die Aufgaben ungemein entschleunigend und so kurzweilig, dass wir uns komplett in ihnen verloren haben.
Team Ninja hat sich auch ein sehr cleveres Erkundungssystem ausgedacht: Zunächst sehen wir in jedem Untergebiet kaum etwas auf der Map und stolpern nur zufällig über Aktivitäten und Geheimnisse. Haben wir genug entdeckt, erhöht sich die Erkundungsstufe und dadurch bekommen wir nach und nach mehr Points of Interest angezeigt. So lässt sich am Ende noch schön alles, was fehlt, gezielt einsammeln.
Ganz so offen und frei erkundbar wie Elden Ring ist Nioh 3 trotzdem nicht. Die Welt ist erstens schlauchiger angelegt, vor allem gibt es aber zwischendrin wieder lineare Hauptmissionen mit “Türsteherbossen”, an denen kein Weg vorbeiführt.
Umgekehrt direkt von einer Hauptmission zur nächsten zu rennen und die Open Worlds links liegen zu lassen, ist theoretisch möglich, aber eine waschechte Hardcore-Herausforderung. Um nicht komplett unterlevelt vor den Bossen zu stehen, müssen wir einiges vorher abgrasen.
Uns hat diese Dynamik zwischen linearen Herausforderungen und freier, relativ entspannter Erkundung sehr gut gefallen; auch wenn sich ein mehrteiliges, lineares Story-Segment vor der letzten offenen Welt etwas gezogen hat. Insgesamt könnt ihr mit gut 60 bis 70 Spielstunden rechnen, wenn ihr euch in den Gebieten gut umschaut.
Nioh 3 ist insgesamt einfach ein noch runderes, vielseitigeres und motivierendes Spielerlebnis als die Vorgänger. Trotzdem ist der Titel nur was für diejenigen unter euch, die auch wirklich Lust haben, sich in die Systeme reinzufuchsen.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.