Nachdem Entwickler Tarsier Studios das Zepter bei Little Nightmares 3 aus der Hand gegeben hat, wollen sie uns jetzt mit ihrem neuen Horror-Adventure Reanimal auf PS5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch 2 und PC das Fürchten lehren.
Und das gelingt audiovisuell auf ganzer Linie, ähnelt spielerisch jedoch mehr einem Walking-Simulator, dessen kryptisch erzählte Geschichte nach etwas mehr als 4 Stunden abrupt endet.
Vorab eine Trigger-Warnung: Reanimal behandelt unter anderem Themen wie Suizid, Kindesmisshandlung und Krieg, die zudem explizit dargestellt werden.
Story ist, was du daraus machst
Zwar kommt Reanimal mit einer deutschen Vertonung daher, die aus wenigen gesprochenen Sätzen besteht. An der Stelle hört das Überraschende beim Storytelling im Vergleich zur Little Nightmares-Reihe jedoch schon auf.
Erneut begleiten wir zwei Kinder durch düstere, albtraumhafte Schauplätze und müssen selbst heraus klamüsern, was all das überhaupt zu bedeuten hat. Die eine Antwort gibt es hier nicht, bzw. die Kolleginnen Samara, Natalie und ich konnten sie bislang zumindest nicht entschlüsseln.
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Reanimal im Test: So gut ist eines der meist gewünschten Steam-Spiele
Warum sich ein Geschwisterpaar durch ein heruntergekommenes Waisenhaus, ein Kriegsschiff voller toter Wale oder zerbombte Schützengräben schleicht, um ihre Freunde einzusammeln, ist letzten Endes Interpretationssache.
Sich über die unterschiedlichen, teils grausamen Motive auszutauschen und die Bedeutung dahinter zu entdecken, macht mir in der Regel großen Spaß. Umso überraschter war ich allerdings, als das Spiel nach knapp über 4 Stunden plötzlich vollkommen abrupt vorbei war und ein “Danke fürs Spielen”-Bildschirm aufploppte.
Ein paar Worte zur Spielzeit, gemessen am Preis von 40 Euro und den bereits angekündigten kostenpflichtigen DLCs, weiter unten im Test, jetzt erst einmal zum Spielerischen von Reanimal.
Läuft technisch alles rund? In der gespielten PS5-Version hatten wir solo und im Koop keinerlei technische Probleme oder Bugs. Auf PC sieht das laut GameStar-Testerin Natalie jedoch anders aus. Hier kam es in der Testphase vor allem beim gemeinsamen Spielen vermehrt zu Abstürzen und sogar zu einem Bug, der das Weiterspielen verhinderte.
Spielerisch ein Little Nightmares Lite
Genauso überrascht wie das abrupte Ende, hat mich auch das reduzierte Gameplay von Reanimal, das deutlich mehr einem Walking-Simulator ähnelt, als einem seichten Rätsel-Sidescroller.
Zwar dürft ihr in Reanimal einige Passagen mit einem kleinen Holzboot oder hinter dem Steuer eines Panzers durchqueren, die meiste Zeit lauft ihr jedoch schnurstracks durch die Schauplätze. Ladebildschirme müsst ihr übrigens keine fürchten und abseits kurzer Cutscenes könnt ihr das Adventure in einem Rutsch durchspielen.
Da es auch nur einen Bosskampf gibt, besteht davon abgesehen die einzige spielerische Herausforderung darin, euch geduckt schleichend den Blicken von Feinden zu entziehen, vor ihnen wegzulaufen oder mal mit der Eisenstange auf angriffslustige Möwen einzudreschen.
Wirklich aufregend ist all das nicht und für meinen Geschmack selbst im direkten Vergleich zu Little Nightmares deutlich zu dünn. Warum sich Tarsier möglicherweise für einen solch reduzierten Ansatz entschieden hat, dazu kommen wir jetzt.
Wichtige Infos zum Koop
Ihr könnt Reanimal entweder alleine zocken, oder euch zu zweit ins Verderben schmeißen. Dabei gibt es ein paar Punkte zu beachten:
- Online- und lokaler Couch-Koop
- Crossplay, auch zwischen PC und Konsolen
- Freundespass-Funktion: Um im Koop zu spielen, muss nur eine Person Reanimal kaufen
- Für Story-Fortschritt muss stets das Spiel des Hosts geladen werden. Die zweite Person nimmt den Progress nicht mit, schaltet auf PS5 aber immerhin Trophäen frei.
Wichtig! Während die Voraussetzungen zum gemütlichen Spielen im Koop allesamt gegeben sind, erlaubt sich Reanimal spielerisch jedoch einen groben Schnitzer. So sorgt ein extrem störendes Konzept dafür, dass sich beide Figuren stets in unmittelbarer Nähe zueinander aufhalten müssen. Entfernt ihr euch auch nur ein kleines Stück zu weit voneinander, fängt das Bild an zu verschwimmen und ihr sterbt ruckzuck. Teilweise sogar, bevor ihr es schafft, zurückzulaufen.
Reanimal ist ein audiovisuelles Meisterwerk
Geht es rein um die angedeutete Story oder das extrem seichte Gameplay, ist Reanimal kein Spiel, das ich euch mit bestem Wissen und Gewissen empfehlen kann.
Doch wenn sich Entwickler Tarsier in einem Punkt großes Lob verdient hat, dann ist es die audiovisuelle Präsentation von Reanimal, also das Zusammenspiel aus Soundkulisse und Optik. Die unheilvolle Atmosphäre des Horror-Adventures ist schlichtweg meisterlich!
Aber Bilder sprechen bekanntlich mehr als tausend Worte:
Spielt ihr Reanimal, kann ich euch zudem nur empfehlen, die Kopfhörer aufzusetzen. Nicht etwa, um den wenig erinnerungswürdigen Soundtrack zu hören, sondern vielmehr, um die stark reduzierte, bedrohliche Klangkulisse aufzusaugen.
Einziges Manko der schaurigen Darstellung: Speziell in der ersten Spielstunde ist Reanimal teils so düster, dass ich kaum noch meine dunkel gekleidete Figur auf dem TV erkennen konnte. Die Helligkeit zu erhöhen schafft hier bedingt Abhilfe, allerdings schaut das Bild dadurch arg ausgewaschen aus und aufgrund der Körnung, des Mangels an Kontrasten und einigen Perspektiven ist es trotzdem teilweise schwierig, alles zu erkennen.
Einstellungen für mehr Barrierefreiheit: Abseits der wenigen auf Deutsch vertonten Sätze und Untertitel, bietet Reanimal keinerlei Accessibility-Optionen. Weder kann die Steuerung frei belegt, noch können wie zuletzt in Little Nightmares 3 die Spielfiguren farblich hervorgehoben werden, um sie in den teils extrem düsteren, beziehungsweise kontrastarmen Gebieten besser auf dem Bildschirm zu erkennen.
Ihr seht, die Präsentation ist das Highlight von Reanimal und ich habe mich während der Testphase nicht nur einmal gefragt, ob Tarsier das Gameplay ganz bewusst so stark reduziert hat, um nicht von der schaurigen Atmosphäre abzulenken.
Das Ganze ist natürlich eine künstlerische Glaubensfrage, die ihr für euch selbst beantworten müsst.
Für meinen Geschmack funktioniert der deutlich Rätsel-lastigere, aber dennoch reduzierte Ansatz von Little Nightmares 3 besser. Schlicht deswegen, weil mich ein Videospiel vor allem mit seinem Gameplay oder aber mit seiner Story bei der Stange halten muss, nicht in erster Linie mit seiner Präsentation.
Diese Preispolitik ...
Abschließend noch wenige Worte zur Preispolitik von Reanimal, das ihr zum Release für 40 Euro bekommt. Dank Freundespass könnt ihr euch die Kosten zwar teilen, mit Blick auf die extrem geringe Spielzeit und die bereits angekündigten drei DLC-Inhalte bleibt bei mir dennoch ein fader Beigeschmack zurück.
Und das auch, weil Reanimal nach etwas über vier Stunden äußerst abrupt endet, ein “Danke fürs Spielen” erscheint und ich genau weiß, dass in der Deluxe Edition für 60 Euro bereits der Season Pass samt aller kommenden Erweiterungen schlummert.
In Zeiten, in denen Genre-Meisterwerke wie jüngst Mewgenics oder im Vorjahr Hollow Knight: Silksong mit ihrem enormen Umfang bereits zum Erscheinen weit günstiger zu haben sind, ist die Frage nach der Preisgestaltung eine, die immer mehr im Fokus steht und letzten Endes ihr entscheiden müsst, wo für euch die Grenze zwischen verhältnismäßig und unverhältnismäßig verläuft.
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