Eine packende Zeitreise
Denn Link kann zum einen die Welt mit der titelgebenden Okarina der Zeit beeinflussen. Zum anderen kann er nach dem ersten Spieldrittel in der Zeit hin und herspringen. Ich kann in der Zitadelle der Zeit nämlich jederzeit sieben Jahre in die Zukunft und wieder zurück in die Vergangenheit reisen.
Das Zeitreisen wirkt sich dann folgendermaßen aus: Die einst strahlende Stadt ist jetzt der Treffpunkt anonymer ReDeads, der Hylia-See ist trocken gelegt und mein Zora-König im roten Eis gefangen. Dieser Wechsel ist so eine clevere Idee aus der gleichen Fläche doppelt so viel herauszuholen – vor allem, weil ich die Zukunft auch beeinflussen kann.
Wenn ich zum Beispiel als junger Link einen Samen pflanze, dann kann mein großer Held sieben Jahre später darauf herumdüsen. Ich kann an einer Stelle sogar etwas dank einer von mir selbst kreierten Zeitschleife lernen. Wo genau das geht, findet ihr mal schön selber heraus. Ich hatte jedenfalls einmal mehr Gänsehaut.
So sieht der Hylia-See in der Vergangenheit und in der Zukunft aus.
Apropos: Wenn ich ich schon beim Thema Gänsehaut und Lernen bin. Link lernt auf seiner Okarina auch wie 1998 insgesamt 12 Melodien, mit denen ich die Welt beeinflussen kann. Ich kann zum Beispiel die Tageszeit verändern, einen Sturm heraufbeschwören oder meinen Vogelscheuchen-Buddy Paul zu mir rufen. Und das sind auch alles Stücke, die die Serie bis heute prägen.
OoT hat mehr zu bieten, als man denkt
Die zentralen Gameplay-Mechaniken von Ocarina of Time samt der Zeitreise sind also auch heute noch über alle Zweifel erhaben. Aber auch abseits dieser Grundpfeiler steckt die Welt voller unterhaltsamer Inhalte: Ich kann der Kampagne folgen. Ich kann aber auch Minispiele in der Stadt spielen, eine Tauschquest starten, Herzteile für mehr Lebensenergie suchen und goldene Spinnen sammeln, für die ich dann neue Items wie ne größere Geldbörse erhalte.
Stichwort Geldbörse: Nintendo hat das, ich sage mal, Wirtschaftssystem auch deutlich verbessert. Ich kann später mit der Maxi-Geldbörse bis zu 1.000 Rubine einsacken, die ich später im Spiel auch gut gebrauchen kann. Denn die Großen Feen, die mir besondere Fähigkeiten verleihen, wollen dafür jetzt Kohle. Das ist neu und gibt der Währung endlich mehr Sinn.
Überall kann ich etwas tun, überall finde ich Belohnungen. Die wohl größte Belohnung war für mich aber, als ich das Wettrennen gegen den Marathon-Läufer gewonnen habe – das ging im Original nämlich nicht, egal wie oft man es versucht hat. Es war einfach unmöglich, weil das Spiel hier immer ein bisschen geschummelt hat. Jetzt geht das! Nach über 25 Jahren! Ich kann das immer noch nicht richtig fassen…
Ihr merkt schon, auch für Kenner des Originals steckt ne Menge drin – aber auch für neue Spieler lohnt sich die Erkundung. Und übrigens bietet das Remake vor allem bei der Erkundung zwei meiner absolut liebsten Neuerungen: Die Spuren der Zeit und NPCs.
Die "Spuren der Zeit" und NPCs
Denn gerade in der zweiten Spielhälfte habe ich wirklich gerne mal mehrere Missionen offen. Frrüher musste ich mich aber schon selbst dran erinnern, was ich alles machen konnte. Jetzt habe ich einfach dieses Journal und kann immer wieder nachschauen. Ja, es ist im Grunde "nur" ein Questlog, aber das war auch so bitter nötig.
Viel mehr haben mir aber die NPCs gefallen. Denn mit dem Remake tauchen immer wieder kleine Sprechblasen auf und signalisieren mir, dass jemand einen Tipp für mich hat. Die Figuren verraten mir dann zum Beispiel, wo ich jemandem eine Maske schenken kann, wie genau Nebenbeschäftigungen funktionieren, wie ich zu meinem Ziel gelange, und so weiter und so fort. Das wirklich geniale daran: Ich kann das immer ignorieren.
Die Hilfe ist immer da, ich muss sie aber nicht annehmen. Sogar Navi ist durch diese Design-Idee nicht mehr nervig, weil sie mich nie aus dem laufenden Spiel reißt. Sie kommentiert einfach in dieser kleinen Sprechblase. Da freu ich mich dann sogar schon über ein deutsches "Listen".
Die größten Gameplay-Neuerungen im Remake
Und wo ich schon bei Neuerungen bin, bleiben wir doch dabei. Denn auch wenn dieser Spielablauf im Kern genauso bleibt, wie ihn Fans kennen, hat Nintendo doch auch einiges im Detail angepasst. Darunter:
- Es gibt eine gaaaaaaaanz kleine neue Quest, in der ich einfach nur einen Käfer einfangen muss
- Feen-Runen in der Welt verraten mir kleine Geheimnisse
- Die Lon-Lon-Farm und der Hylia-See sind nun nahtlos mit der großen Ebene verbunden
- Tag-und-Nachtwechsel findet nun überall statt
- Es gibt eine dedizierte Skulltula-Brosche, die in der Nähe der goldenen Spinnen-Collectibles aufleuchtet
- Ich kann zu jedem Zeitpunkt frei speichern und kann dann auch exakt an der Stelle weitermachen.
Das sind zwar alles eher Kleinigkeiten, welche die Spielerfahrung allerdings überaus angenehm modernisieren. Und das gilt ganz besonders auch für die neue Steuerung.
Mit dem Remake steure ich Ocarina of Time nun wie ein klassisches Third-Person-Spiel. Ich kann also endlich die Kamera frei herumschwenken, Link sprintet bei gedrückter Taste und ich kann auch auf Knopfdruck überall springen.
Die Neuerungen verändern aber letztlich deutlich weniger am Spiel, als ich anfangs gedacht habe. Ja, ich steuere Link jetzt etwas freier und direkter – das grobe Design der Welt und die Orte bleiben aber gleich. Ich habe jetzt nicht plötzlich viel mehr Möglichkeiten, bei denen ich vom manuellen Sprung wirklich etwas habe. Entsprechend versteht das einfach als moderne Steuerung, an die man sich schnell gewöhnt – mehr ist es nämlich auch nicht.
Das größte Highlight: Die Dungeons
Kommen wir zum Schluss noch zum wohl größten Highlight der klassischen 3D-Zeldas: Den Dungeons. In einer Zeit vor Breath of the Wild und Tears of the Kingdom waren die großen Rätselorte die Höhepunkte der Spiele. Was die Orte nämlich perfekt hinbekommen haben, war der Spagat zwischen einer nicht zu schweren, aber auch nicht zu leichten Knobel-Herausforderung.
Wie ein Dungeon abläuft
Die Dungeons könnt ihr euch als abgeschlossenen Bereich vorstellen, in dem ich simpel gesagt zum Boss kommen muss. Der Weg dahin ist aber voller Gegner und Puzzles. Mal muss ich wirklich einfach nur ein paar Blöcke hin und herschieben. Mal muss ich einen Kampf gegen besondere Gegner gewinnen und immer muss ich bestimmte Items einsetzen.
Daran hat sich auch im Remake fast nichts geändert. Wenn ihr die Dungeons aus dem Original kennt, spaziert ihr hier fast durch. Ja, man kann mal einen Schlüssel übersehen, aber die Orte sind doch recht überschaubar, es wird also nie frustrierend.
Ich bin ganz ehrlich: Es gibt beispielweise in Breath of the Wild komplexere und teilweise auch bessere Dungeons. Aber Ocarina of Time kann trotzdem noch locker mithalten. Denn was es den Dungeons an Größe mangelt, gleichen sie durch kreative Ideen wieder aus:
Im Waldtempel jage ich Geister durch Bilder und laufe durch verdrehte Gänge, im Feuertempel befreie ich Goronen und kloppe mit dem Hammer Statuen weg und den Geistertempel muss ich sogar als junger und alter Link absolvieren. Und natürlich ist auch mein gefürchteter Wassertempel wieder mit dabei, bei dem ich das kühle Nass immer wieder anheben und senken muss…
Bei den Dungeons an sich hat Nintendo aber sogar am meisten verändert. Auch wenn der grundlegende Ablauf gleich bleibt, haben die Entwickler doch viele Räume vernünftig zusammengekürzt. Der Raum mit den drehenden Plattformen im Waldtempel ist nun kleiner, der Feuertempel hat ebenfalls ein paar unnötige Abzweigungen gestrichen und auch Jabu Jabus-Bauch verzichtet auf einen kleinen Umweg.
Die Abschnitte waren im Original vor allem deswegen drin, weil man ja immer bei einem Neustart am Dungeon-Anfang wieder beginnen musste. Es musste also einen Weg geben, von dem man aus immer schnell wieder in die hinteren Bereiche gelangen konnte. Das braucht man dank Speicherfunktion nicht mehr, entsprechend fand ich die entschlackten Dungeons sehr angenehm.
Ebenfalls angenehm: Das Remake hat sich vor allem für den Schatten- und Wassertempel die Steuerung des 3DS-Remakes abgeguckt. Die verschiedenen Stiefel für Link liegen also einfach auf einer Taste und ich muss nicht mehr mühsam durchs Menü klicken. Dafür gibt’s nur noch einen einzigen Knopf für Items. Ich kann zwar durch diese Leiste schnell ein anderes Item auswählen, die bis zu sechs Plätze der 3DS-Fassung hab ich das ein oder andere Mal allerdings schon vermisst.
So wird gekämpft
Sobald ich aber alle Rätsel gelöst und alle Truhen geöffnet habe, stehe ich vor einem der Bosse. Da kann ich aber nicht einfach drauhauen, hier muss ich mir eine bestimmte Strategie überlegen, sonst beiße ich schnell ins Gras. Und das bringt mich doch direkt und als letzten Punkt im Test zu den Kämpfen!
Die Gefechte sind extrem simpel und hier merkt man dem Spiel sein Alter am meisten an. Ich kann mit meinem Schwert draufhauen, ich kann Gegner per Lock-On anvisieren und so automatisch auch blocken. Und ich kann natürlich auch meine ganzen Items einsetzen.
Weit entfernte Monster erwische ich zum Beispiel mit der Schleuder oder später mit dem Bogen. Statuen muss ich hingegen mit Bomben oder dem Hammer bearbeiten. So simpel das System ist, so viel Spaß machen die Gefechte.
Denn genau wie bei den Bossen, brauche ich für die meisten Feinde auch eine bestimmte Taktik. Spinnen sind zum Beispiel nur am Bauch anfällig für fatale Treffer, ReDeads kann ich per Okarina-Song einfrieren und Oktopusse schleudere ich ihre Geschosse einfach direkt zurück ins Gesicht.Bei jedem neuen Gegner kann ich so eine Schwachstelle herausfinden und wenn ich wirklich absolut keine Ahnung habe, kann ich auch immer Navi um Hilfe bitten.
Ein kleiner Makel für mich als Fan des Originals: Der Wurfhaken schaltet die Spinnen leider nicht mehr mit einem Schuss aus.
Ich habe ja aber gesagt, dass man dem System am meisten sein Alter anmerkt. Und damit meine ich explizit die Lock-On-Funktion. Die war 1998 legendär und erlaubte überhaupt erst so angenehme Gefechte in dreidimensionaler Umgebung. Aber die hat sich eben auch mittlerweile weiterentwickelt. Heutzutage ist es Standard, dass ich ohne Probleme zwischen zwei Gegnern hin und herwechseln kann – im Zelda Remake geht das nicht. Hier muss ich immer wieder loslassen und neu ansetzen. Das hätte echt nicht sein müssen.
Aber gut, kein Spiel ist perfekt, auch nicht Ocarina of Time. Doch das ist auch gar nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass ihr hier ein liebevolles Remakes von einem der besten Action-Adventures aller Zeiten bekommt.
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