Geniale Action ohne Souls: Phantom Blade Zero entpuppt sich im Test als Meisterwerk

Ein chinesisches Actionspiel für PS5 und PC, das sämtliche Regeln von Soulslikes über Bord wirft!? Dennis hat lange auf Phantom Blade Zero hingefiebert und wurde wahrlich nicht enttäuscht.

Dennis hat Phantom Blade Zero für euch getestet. Dennis hat Phantom Blade Zero für euch getestet.

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Als mir Entwickler S-Game vor gut zwei Jahren auf der gamescom zum ersten Mal Phantom Blade Zero gezeigt hat, war ich zunächst verwirrt. "Sagt mal, ist das normal, dass die gefallenen Gegner nach dem Charaktertod nicht mehr auftauchen?" 

Heute weiß ich, dass das Action-Adventure ein erfrischendes Kontrastprogramm zum lange Jahre (auch von mir) gefeierten und von vielen geliebten Soulslike-Genre ist.

Was ihr hier bekommt, ist ein größtenteils lineares, durchaus auch forderndes, fantastisch aussehendes Spiel, das an eine Zeit erinnert, in der Dark Souls höchstens der Name einer düsteren Metal-Band war. 

Die wichtigsten Infos zum Spiel:

  • Erscheint für: PS5 und PC (28. Oktober)
  • Zum Preis von: 70 Euro (PS5), 60 Euro (PC)
  • Ihr braucht: 135 GB an freiem Speicher
  • Sprachausgabe: Chinesisch, Englisch (deutsche Texte)
  • Gibt’s Schwierigkeitsgrade? Jupp, zu Beginn sind’s 3. Nach dem Durchspielen gesellt sich noch ein Permadeath-Modus hinzu
  • Hat mich an folgende Spiele erinnert: Sekiro, Black Myth: Wukong, God of War (2018)
  • Ist’s ein Zeitfresser? Rund 25 bis 30 Stunden für die Hauptstory und locker 40 bis 50, wenn ihr jeden Boss legen und alle Geheimnisse entdecken wollt
  • Und die Technik? Läuft wie geschmiert auf PS5 und PS5 Pro

Hier gibt’s den Launch-Trailer für euch. Im Laufe des Tages erscheint an der Stelle das Testvideo von Kollege Paul, das ihr dann natürlich auch auf YouTube findet. 

Video starten 3:12 Phantom Blade Zero gibt im Launch-Trailer einen Vorgeschmack auf die Story und Kämpfe im potenziellen Action-Hit

Soul heißt hier nur die Hauptfigur – und genau das habe ich gebraucht!

Versteht mich ja nicht falsch. Soulslikes haben weiterhin einen festen Platz in meinem Herzen. Doch nach mittlerweile 16 Jahren mit dem Genre war der Wunsch nach Abwechslung enorm – gerade im Bereich der asiatischen Actionspiele. 

Damit ihr genau versteht, in welchen Punkten Phantom Blade sich von Spielen wie Nioh, Lies of P, Bloodborne und Co unterscheidet, hier eine Liste der wichtigsten Punkte:

  • Ihr könnt keine "Seelen" verlieren. Um neue Talente freizuschalten, erkundet ihr bspw. die Pfade und sammelt sogenannten Reliktstaub vom Boden ein, den ihr dann ganz nach Belieben ausgeben könnt.
  • Gespeichert wird manuell an Glocken, die gefühlt alle 200 Meter im Spiel auftauchen und vor jedem Boss platziert sind
  • Mir sind fast die Augen rausgekullert, als ich zum ersten Mal gesehen habe, dass Bosse auch nach gescheiterten Versuchen in ihrer zweiten Phase in der Arena auf mich warten. 
  • War mir ein Boss zu hart oder hat mir so gar nicht getaugt, habe ich den Schwierigkeitsgrad gewechselt, was jederzeit möglich ist und auch keine Trophäen verhindert. Nach so vielen Jahren mit Soulslikes brauche ich mir nichts mehr beweisen. Davon ab ist Phantom Blade auf "leicht" noch immer kein Selbstläufer, der mir den Sieg schenkt. 

Und vor allem: Wie bereits in der Einleitung erwähnt, verschwinden einmal besiegte Gegner für immer aus dem Spiel. Selbst, wenn ihr zwischen den insgesamt sieben Bereichen schnellreist. Allerdings hat das Ganze auch seine Kehrseite:

Level bzw. Fähigkeiten grinden, um gestärkt in den nächsten Kampf zu gehen, könnt ihr hier vergessen. Davon ab ist die Welt irgendwann abseits der NPCs leergefegt – was aber auch was herrlich Befriedigendes hat. 

Es ist sehr lange her, dass ich ein Actionspiel wie Phantom Blade gespielt habe. Richtig nostalgisch. Dabei hat S-Game hier wahrlich kein Spiel nur für Retro-Puristen gebastelt.

So steht’s um die Technik auf PS5 und PS5 Pro: 

Fantastisch!

Auf beiden Konsolen läuft das Spiel in butterweichen 60 fps. Auf der Standard-PS5 kann es lediglich in sehr effektreichen Kämpfen zu kleinen, aber verschmerzbaren Rucklern kommen. Auf der Pro könnt ihr sogar noch schickes Raytracing aktivieren, das der hervorragenden Performance keinen Abbruch tut. Bugs sind ebenfalls rar gesät. Einmal hing ein Boss in der Umgebung fest. Aber hey, konnte ich ihm wenigstens schön in Ruhe den Hintern versohlen… hehe. 

Stellt euch zur Szenerie ein Lied vor, das so malerisch ist, dass ihr den Ort gar nicht mehr verlassen wollt. Stellt euch zur Szenerie ein Lied vor, das so malerisch ist, dass ihr den Ort gar nicht mehr verlassen wollt.

Davon ab ist Phantom Blade Zero ein richtig schickes Spiel, das mich stark an hochwertige PlayStation-Exclusives wie Ghost of Tsushima erinnert hat – und das sich den GamePro-Award in der Kategorie "Präsentation" mehr als verdient hat.

Nicht mein liebstes Story-Spiel, aber… !

Ich sag’s mal so, eine Empfehlung für DAS Story-Spiel 2026 bekommt ihr hier nicht. Wahrscheinlich habt ihr das aber auch gar nicht erwartet. 

Habt ihr jedoch keine Lust mehr, jede Item-Beschreibung durchzulesen oder bei Vaatividya vorbeizuschauen, um überhaupt irgendwas zu verstehen, dann habe ich nicht nur sehr gute, sondern fantastische Neuigkeiten für euch:

  • Ihr bekommt hier allerhand hervorragend inszenierte Story-Cutscenes, einige davon sogar im Anime-Stil
  • eine überaus unterhaltsame Handlung, die euch durch das Spiel führt
  • sehr gut eingesprochene Audio-Logs und zahlreiche recht kompakte Text-Dokumente, welche die anfangs etwas konfuse Spielwelt erklären

Mich hat allein die Prämisse von Phantom Blade gepackt: Nachdem Soul von seinem Jugendfreund verraten und sein Herz durchbohrt wird, bekommt er ein vergiftetes Ersatzherz eingepflanzt – das ganze 66 Tage lang hält. 

Um eine etwas langlebigere Pumpe zu bekommen, muss er sich durch fernöstliche Gebirge, herbstliche Wälder oder heruntergekommene Städte schlagen, die von schaurigen Maskenwesen und unheimlichen Puppen heimgesucht werden – und allerhand dicken Brocken, die dem Elitekämpfer an den stylischen schwarzen Stoffmantel wollen. 

Phantom Blade schlägt auch mal überzogen-humorvolle Töne ein, erzählt aber größtenteils eine düstere und atmosphärische Geschichte. Phantom Blade schlägt auch mal überzogen-humorvolle Töne ein, erzählt aber größtenteils eine düstere und atmosphärische Geschichte.

Phantom Blade hat immer wieder einige absurde Szenen und NPCs am Start, bei denen ich mir nur "was zur Hölle?" gedacht habe. Dass sich ein Boss im Kampf komplett vollsäuft, sollte euch einen guten Eindruck des WTF-Faktors geben. 

Das Spiel erzählt abseits dieser überzogenen Momente aber eine recht düstere und fantastisch inszenierte Geschichte, in der zahlreiche Charaktere teils grausame Tode erleiden müssen. 

Ganz cool übrigens: Habt ihr das Spiel beendet, schaltet ihr einen 66 Tage-Modus frei, was so viel bedeutet, dass ihr nur 66 Mal sterben dürft, ansonsten wird der Spielstand gelöscht. Viel Spaß, sag ich da mal. 

Sekiros kleine Schwester

Ich weiß genau, dass beim Lesen der Überschrift einige laut stöhnen und wiederum andere aus der GP-Community jubeln werden. Schließlich ist Sekiro mit seinem aufs Parieren ausgelegten Kampfsystem nicht jedermanns Sache. Doch das muss euch beim Kauf von Phantom Blade Zero klar sein:

Ohne Parieren und punktgenaues Ausweichen geht hier nichts! 

  • Um Gegnern überhaupt wirklich Schaden zuzufügen, müsst ihr deren Ausdauerleiste zunächst leeren. Das funktioniert bei Bossen zu 90% so, dass ihr blaue Angriffe pariert und roten Angriffen mit perfektem Timing ausweicht – und gelegentlich eingehende Kombos mit gehaltener Taste blockt. 
  • Plumpes Smashen der Angriffstaste funktioniert bei normalen Gegnern ohne Probleme, bei Bossen seht ihr so allerdings absolut kein Land – auch nicht auf "leicht".
  • Soul verbraucht keine Ausdauer bei Angriffen, allerdings beim Blocken
  • Ist eure Ausdauerleiste leer, könnt ihr sie sofort wieder füllen, indem ihr zur alternativen Waffe wechselt. Damit ihr das aber nicht komplett überstrapazieren könnt, haben weitere Wechsel jedoch Cooldowns. Ein sehr cooles Feature, das mir so noch nicht begegnet ist und einen zwingt, mit Waffen zu experimentieren. 

Ach, da ich gerade beim Experimentieren bin. Phantom Blade kommt mit einer übersichtlichen, aber extrem coolen Auswahl an einzigartigen Waffen und Phantomwaffen daher, die ihr Gegnern richtig wuchtig über den Pelz ziehen könnt.

Phantomwaffen wie eine Axt oder ein Bogen sind an Aufladungen gekoppelt, dafür aber ziemlich mächtig. Levelt ihr die Waffen auf, schaltet ihr neue Fähigkeiten für sie frei, könnt so beispielsweise mit dem Bogen nach dem Ausweichen einen mächtigen Schuss abfeuern. 

Was mir hier neben der Einzigartigkeit der Waffen vor allem gefallen hat, ist, dass ich ausgegebene Materialien und Talentpunkte jederzeit (bis zu einer gewissen Stufe) zurücksetzen kann. Und das solltet ihr. Mit Waffen experimentieren zahlt sich aus! 

Sofort tödliche Schleichangriffe von hinten gibts auch. Meist konfrontiert ihr Gegner aber von Angesicht zu Angesicht. Sofort tödliche Schleichangriffe von hinten gibt's auch. Meist konfrontiert ihr Gegner aber von Angesicht zu Angesicht.

Phantom Blade Zero nimmt sich klar ein Beispiel an Sekiro, würzt das Ganze aber auch mit eigenen Ideen und vor allem spektakulär animierten Kampfszenen und brutalen Finishern. 

Dass S-Game von mir allerdings keine volle Punktzahl für das Kampfsystem bekommt, liegt daran, dass vor allem bei Bossen der Weg zum Ziel durch Blocken und Parieren schon arg fest vorgegeben ist. 

Im Grunde lernt ihr die Angriffsmuster, weicht aus, pariert und knüppelt hauptsächlich dann drauf, wenn Bosse gestunnt sind. Auch für Spezialangriffe ist häufig nur dann ein Zeitfenster vorhanden. Danach startet ihr den Ablauf von vorn. 

Das geht aufgrund vieler hervorragend inszenierter Kämpfe absolut klar und macht enorm viel Spaß, allerdings hätte ich mir zur Mitte des Spiels einen Plan B gewünscht.

Einstellungen zur Barrierefreiheit: 

Wie so oft bei chinesischen oder japanischen (Action-)spielen sucht ihr ein separates Accessibility-Menü in den Optionen vergebens – mal die lobenswerten Schwierigkeitsgrade außen vor und klar, deutsche Untertitel oder das Deaktivieren von Motion Blur sind auch möglich. 

Toll wären beispielsweise Farbenblindheits-Modi gewesen, sodass Menschen mit bspw. Rot-Grün-Schwäche die mächtigen roten Angriffe gut erkennen. 

Linear und extrem motivierend: Die Spielwelt

Ihr bekommt hier die Antithese zu "immer größer und bitte Open World" und das ist einfach wunderbar erfrischend in der heutigen Zeit. In Phantom Blade lauft ihr meist auf recht linearen, ab und an verzweigten Pfaden durch die abgesteckten Gebiete.

Mal geht’s rechts in eine Höhle, um sich eine von vielen wertvollen Lootkisten mit Gesundheits- und Angriffsaufwertungen zu schnappen. Mal rutscht ihr durch eine Luke im Boden, um plötzlich vor einem optionalen Boss zu stehen. Mal findet ihr einen Schlüssel, öffnet ein Tor und stürzt euch in ein neues Gebiet, um eine Nebenaufgabe zu meistern. 

Skills Der Fähigkeitenbaum ist zwar recht linear, dafür motiviert es enorm die stets sinnvollen Verbesserungen freizuschalten.

Ausrüstung Selbst das Ausrüstungsmenü von Soul ist sehr übersichtlich, doch gerade deswegen so motivierend. Jede Waffe, jede Medizin, jeder Talisman, den ihr bekommt, ist extrem wertvoll.

Phantom Blade hat zudem Metroidvania-Elemente. Bekommt ihr bspw. eine Axt, könnt ihr Baumstämme wegwämmsen und das Gebiet dahinter erkunden – so wertvollen Loot einheimsen oder viele der grandiosen optionalen Bosse bekämpfen und den Schrecken ihre einzigartigen Waffen abluchsen. Unter anderem deswegen lohnt es, bereits besuchte Gebiete noch einmal zu besuchen. Und dass die auch noch richtig schick sind, hatte ich schon erwähnt, ja?

Doch davon ab führt S-Game geradlinig durchs Spiel und von Rücksetzpunkt zu Rücksetzpunkt. 

Mein Problemchen mit der Spielwelt

Wenn es Grund zum meckern gibt, dann beim generellen Spielablauf, der doch auf Dauer sehr gleichförmig ist und in mir Erinnerungen an ein Boss Rush-Game wie Black Myth: Wukong geweckt hat. 

Im Grunde wämmst ihr nämlich für 5-10 Minuten deutlich schwächere, dafür aber schön abwechslungreiche Gegner um, lootet fix alles und steht dann vorm nächsten Boss. Klar, zwischendurch wird das Ganze durch extrem coole Story-Cutscenes aufgelockert, allerdings hätte es nicht geschadet, wenn die Formel ab und an aufgebrochen wird – beispielsweise durch ein Rätsel.

Findet ihr eine der vielen Glöckchen, könnt ihr speichern, schnellreisen, neue Talente freischalten und eure Waffen aufwerten. Findet ihr eine der vielen Glöckchen, könnt ihr speichern, schnellreisen, neue Talente freischalten und eure Waffen aufwerten.

Aber gut, man kann nicht alles haben. Phantom Blade ist nunmal linear, klar auf seine erstklassige Action fokussiert und deutlich entschlackter mit all seinen Systemen als RPG-Monster wie Elden Ring. 

Selbst der Talentbaum und das Waffen- und Ausrüstungsmenü ist ziemlich kompakt und straight forward. Und es ist ja auch wirklich mal schön, nicht von allem überfordert und von zig Dingen überfrachtet zu werden. 

Daher am Ende des Tests wirklich nochmal eine klare Empfehlung. Wollt ihr einfach mal wieder ein hervorragendes Actionspiel ohne Souls-Gameplay, in dem ihr euch schnell zurechtfindet und das wahrlich zeitgemäß aussieht, dann behaltet Phantom Blade Zero zumindest im Hinterkopf.

Dann habt ihr für Zeiten, in denen GTA 6 oder das Remake von Zelda: Ocarina of Time beendet sind, nämlich einen erstklassigen Titel in der Hinterhand, der eindeutig zu den besten Actionspielen der letzten Jahre zählt.

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