Hitman: Absolution im Test
Alte Killer rosten nicht
Fazit der Redaktion
Jochen Gebauer: In gewisser Weise habe ich Hitman immer als Rollenspiel begriffen. Ja, es gibt keine Charakterwerte und keine Erfahrungsstufen, aber für 20 Stunden - 20 wunderbare Stunden - schlüpfe ich tatsächlich in eine andere Rolle. Ich spiele den Hitman nicht; ich bin der Hitman. Ein nachdenklicher und schleichender Hitman nämlich, einer, der das Scheitern beim ersten (oder zwölften) Versuch nicht als Versagen begreift, sondern als süßes, ja notwendiges Vorspiel auf jenen einen perfekten Moment, in dem alle Rädchen nahtlos ineinander übergreifen und ich mit einem seligen Mörderlächeln davonschleiche, während hinter mir ein spektakuläres »Unglück« seinen tragischen Lauf nimmt.
Michael Graf: Oft habe ich in letzter Zeit gelesen, Dishonored sei ein Spiel für Geduldige. Ha! Wenn Dishonored Geduld erfordert, dann muss ich für Hitman: Absolution zehn Jahre ins Zen-Kloster! Die Meuchel-Simulation lebt davon, dass ich ruhe, beobachte. Was mein Opfer treibt, wohin die Wachen stapfen, wo und wann sich das Fensterchen für das perfekte Attentat auftut. Durchballern kommt eben nicht infrage, ein echter Killer bleibt unsichtbar. Das war schon immer die Grundfaszination der Hitman-Reihe, und dafür liebe ich sie bis heute. Zugleich hasse ich sie für ihren Sadismus. Oder meinen Masochismus, bin ja selber schuld. Denn natürlich muss ich im Puristen-Modus antreten, weil der Instinkt-Kram für mich nicht ins realistische Auftragskiller-Szenario passt. Und natürlich rege ich mich ständig auf, weil es darin nicht mal aktivierbare Kontrollpunkte gibt. Wobei die auch auf den anderen Stufen gerne mal so weit auseinander liegen, dass ich nun endlich weiß, warum der Hitman eine Glatze hat: vom Haareraufen. Aber sei’s drum, so lange ich noch Haare habe, raufe ich sie für Absolution gerne.
Malte Witt: Nach dem Durchspielen der Preview-Version war ich ja schon ein bisschen enttäuscht, aber jetzt kann ich aufatmen und voller Überzeugung behaupten: Absolution ist das beste Hitman, das ich bislang gespielt habe. Ja, es führt den Spieler deutlich linearer durch die Levels. Dafür ist es aber unglaublich atmosphärisch, die Geschichte fesselt mich, die Zwischensequenzen kratzen nah am ganz großen Kino. Und wenn ich dann doch mal Lust habe, mich völlig frei auszutoben, starte ich eben den Contracts-Modus.