Assassin's Creed Black Flag Resynced erinnert mich daran, warum ich die Reihe früher so geliebt habe

Black Flag hat eine offene Welt, die ich wieder gerne erkunde, statt wie bei Shadows oder Valhalla entnervt mit den Augen zu rollen.

Das Remake von Black Flag hat meine Liebe zur Assassins Creed wieder neu entfacht, einfach weil weniger manchmal mehr ist. Das Remake von Black Flag hat meine Liebe zur Assassin's Creed wieder neu entfacht, einfach weil weniger manchmal mehr ist.

Eigentlich dachte ich, dass ich durch bin mit der Assassin’s-Creed-Reihe. Schon bei Valhalla stellten sich nach knapp 15 Stunden bei mir Ermüdungserscheinungen ein und ich habe es am Ende nur für die Arbeit durchgespielt. Und Shadows verschwand nach Abschluss der Story schneller von meiner Festplatte, als ein Assassine im Heuhaufen.

Dennoch habe ich mich auf Assassin’s Creed: Black Flag Resynced sehr gefreut, denn das Piratenabenteuer um Edward Kenway gehört zu meinen liebsten Teilen der Reihe. Und ich wurde nicht enttäuscht. 

Nach Dutzenden Stunden auf See und nur noch wenigen Erfolgen bis zur Platin-Trophäe habe ich nicht nur meine Leidenschaft für Assassin’s Creed wiedergefunden, sondern auch endlich herausgefunden, was mich an den neueren Spielen so stört.

Video starten 21:55 Assassin's Creed Black Flag Resynced ist ein großartiges Open-World-Abenteuer mit einem Enterhaken

Kleinere Gebiete, in denen es auch etwas zu entdecken gibt

Ich kann mich noch an meine Reaktion erinnern, als ich einen ersten Blick auf die Weltkarte von Assassin’s Creed Shadows geworfen habe: ein tiefer Seufzer und ein Augenrollen. Riesige Gebiete, hunderte Fragezeichen und die Erkenntnis, dass der Abschluss auch nur einer Provinz mehrere Stunden dauern würde.

Dieses Gefühl, einfach nicht fertig zu werden, stört mich schon seit Valhalla. Black Flag erinnert mich daran, wie befriedigend kleine, überschaubare Gebiete sein können.

In Black Flag habe ich auch ordentlich zu tun, aber Ziele sind näher beieinander und jede Insel stellt ihr eigenes kleines Level dar. Darin alles zu erledigen, dauert hier vielleicht irgendwo zwischen 20 Minuten und eineinhalb Stunden, wenn ihr in den Städten unterwegs seid.

Also genau das Richtige, wenn man abends einfach nur mal eine Stunde abschalten möchte. Und trotzdem hat man das Gefühl, richtig etwas geschafft zu haben. Mich hat das motiviert und ich hatte überraschend schnell alle Inseln zu 100% abgeschlossen, ohne überhaupt darüber nachzudenken.

Stephan Zielke
Stephan Zielke

Stephan ist seit dem ersten Assassin's Creed großer Fan der Reihe und hat viele der Spiele mehrfach beendet. Mit dem Wechsel zur RPG-Formel ist diese Begeisterung allerdings etwas eingerostet. 

Anfangs fand er den neuen Ansatz noch erfrischend, mittlerweile fühlt sich Assassin's Creed für ihn aber oft wie ein Grind an – mit Erfahrungspunkten für grundlegende Fähigkeiten und der ständigen Suche nach Ressourcen, damit Waffen überhaupt noch ausreichend Schaden anrichten. 

In Black Flag Resynced hat er endlich wieder eine Welt gefunden, die er aus Neugier erkunden möchte – und nicht, weil der nächste Marker auf ihn wartet.

Konkrete Upgrades statt EXP

Was mich ebenfalls bei den letzten Assassin’s Creeds gestört hat, ist die konstante Jagd nach Erfahrungspunkten. Denn jeder Level macht meinen Charakter stärker. Selbst die langweiligsten Nebenaufgaben, wie zum Beispiel das unsägliche Meditations-Minispiel in Shadows, geben Erfahrung, sind daher irgendwie wertvoll und sollten mitgenommen werden.

Alle Inseln sind recht übersichtlich. Und wenn ich ein Upgrade brache, sehe ich direkt welche Tiere ich hier jagen kann. Alle Inseln sind recht übersichtlich. Und wenn ich ein Upgrade brache, sehe ich direkt welche Tiere ich hier jagen kann.

Dadurch fühle ich mich irgendwie genötigt, alles zu spielen, auch wenn ich gar keine Lust darauf habe.

Black Flag oder auch andere ältere Spiele der Reihe waren da anders. Euer Charakter bleibt im Großen und Ganzen gleich stark, aber ihr könnt neues Spielzeug für ihn freischalten. Das macht die Jagd nach Ressourcen oder Upgrades konkreter.

Brauche ich mehr Kanonen für mein Schiff, gehe ich etwas auf Kaperfahrt. Brauche ich eine größere Tasche für Kugeln, werden Affen gejagt. Ich brauche Geld für ein neues Schwert? Ein, zwei Schatzsuchen, und ich habe genug.

Das gibt mir konkrete Ziele mit spezifischen Aufgaben, die ich abarbeiten und anschließend abhaken kann. Für mich bedeutend befriedigender, als stur alles mitzunehmen, um an den nächsten Fertigkeitenpunkt zu kommen.

Assassine von Minute eins

Natürlich kann man auch in Valhalla oder Shadows auf konkrete Upgrades hinspielen. Mit genug Erfahrungspunkten gibt es dann neue Fähigkeiten, die euch erst so richtig zum Assassinen machen, sodass es sich lohnt, Extra-Skillpunkte zu jagen.

Ezios Schwerter haben mich durch das gesamte Spiel begleitet. Dabei habe ich es keine Minute vermisst sie dauernd abzugraden. Ezios Schwerter haben mich durch das gesamte Spiel begleitet. Dabei habe ich es keine Minute vermisst sie dauernd abzugraden.

Trotzdem fühlt sich das für mich irgendwie falsch an. Ein richtiger Assassine bin ich erst nach 20 Stunden, in denen ich mich frage, warum Naoe nicht von alleine auf die Idee kommt, jemanden durch eine Papierwand zu ermorden oder Eivor erst nach mehreren Skillpunkten die unglaubliche Fähigkeit erhält, jemandem ins Gesicht zu treten.

Edward hingegen funktioniert von Minute eins an. Upgrades geben mir mehr Ressourcen, aber ändern nichts am fundamentalen Spielstil. Zusätzliche Fähigkeiten bekomme ich automatisch, wenn es zur Story passt und ich muss mir keine Gedanken darüber machen, meinen Assassinen-Schaden zu erhöhen, weil manche Gegner anscheinend dickere Hälse haben als andere. Die versteckte Klinge funktioniert – immer. Auch ohne, dass ich die halbe Karte nach Ressourcen absuchen muss.

Bitte keine Beschäftigungstherapie mehr

Falls ihr nun versucht seid, Valhalla oder Shadows vehement in den Kommentaren zu verteidigen, dann kann ich das verstehen. Denn für wen diese großen offenen Welten klicken, der hat wochenlang Spaß.

Für mich fühlen sie sich nach einer Weile eher wie Arbeit an als wie ein Abenteuer. Ich brauche in regelmäßigen Abständen einfach einmal das Gefühl fertig mit etwas zu sein, sonst stellt sich einfach keine Befriedigung ein, etwas geleistet zu haben. Ich fühle mich dann wie Sisyphos. Nur dass der Stein nicht zurückrollt – stattdessen setzt mir ständig jemand noch einen weiteren Berg vor. 

Und während das bei Origins noch für mich funktionierte, wo sich die Masse der Fragezeichen auf der Karte noch in Grenzen hielt, macht mich diese Art des Game-Designs mittlerweile nur noch müde.

Black Flag bietet deutlich weniger unterschiedliche Aufgaben und seine Karte ist nur ein Bruchteil so groß. Trotzdem habe ich mich nie freier gefühlt und wirklich das Gefühl gehabt, die Welt nach meinen Regeln zu erkunden. 

Genau deshalb gehe ich auch Dutzende Stunden nach der Story noch gerne auf Kaperfahrt. Nicht, weil ich den nächsten Marker abarbeiten muss. Sondern weil ich selbst Lust darauf habe.


Kommentare(1)
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