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Blair Witch - So entstand das weltweite Phänomen

Das Horror-Adventure Blair Witch ist nicht das erste Spiel, das auf der Hexe von Blair beruht. Doch wie entstand die Legende eigentlich?

von Ann-Kathrin Kuhls,
30.08.2019 18:37 Uhr

Blair Witch - Vorschau-Video zum neuen Horror-Spiel 11:05 Blair Witch - Vorschau-Video zum neuen Horror-Spiel

In dem Horror-Adventure Blair Witch schlagen wie uns als gescheiterter Ex-Cop auf der Suche nach einem verschwundenen Kind durch den Wald. Obwohl wir auf den Spuren einer Hexe wandeln, seltsame Astfigürchen wie Christbaumschmuck in den Bäumen hängen und eine Videokamera zu unserem ständigen Begleiter wird, beruht das Spiel nicht auf dem berühmten Film The Blair Witch Project von 1999, sondern auf der Legende der Hexe von Blair.

Was allerdings, wenn wir es genau nehmen, ein und dasselbe ist. Denn die Legende gab es vorher nicht. Die Folklore, auf der die fiktive Dokumentation beruhen soll, ist genau so frei erfunden wie der Film selbst. Das weltweite Phänomen Blair Witch Project sowie die unzähligen Gerüchte um Sichtungen und die Spin-Offs basieren auf den Ideen zweier Studenten, die damit nicht nur sich selbst, sondern auch ein komplettes Filmgenre ins Auge der Öffentlichkeit rückten.

Wie entstand der Film?

Alles begann mit den beiden Filmstudenten Daniel Myrick und Eduardo Sánchez, die in den 90er Jahren an der University of Central Florida eingeschrieben waren. Die beiden hatten die Idee für einen Horrorfilm, in dem eine Gruppe Studenten aufbricht, um den Mythos einer Hexe zu erforschen, und dabei spurlos verschwindet. Der Clou dabei: Alles sollte so aussehen, als handele es sich um echtes Material, dass erst nach dem Zwischenfall aufgetaucht sei, sogenannte "Found Footage".

Das Bild der verängstigten Heather ist wahrscheinlich die bekannteste Szene aus dem Film. Das Bild der verängstigten Heather ist wahrscheinlich die bekannteste Szene aus dem Film.

Dazu schickten die beiden drei Schauspieler mit Kameras in die Wildnis, wo sie selbst die Geschehnisse mit einer 16mm- und einer Handkamera aufzeichnen sollten. Die Dreharbeiten begannen mit fiktiven Dorfbewohnern, die den Studenten von der Hexe von Blair erzählten, sowie von sieben Kindern, die angeblich verschwunden sein sollten.

Später ging es dann in einen Nationalpark, in dem die Schauspieler tatsächlich fernab von jeglicher Zivilisation campten, immer jeweils nur mit der Nahrung für den nächsten Tag und ein paar Regieanweisungen ausgestattet. Ein richtiges Skript gab es nicht, alle Dialoge waren improvisiert. Die Regisseure standen nur per Walkie Talkie mit den drei Hauptdarstellern in Kontakt, damit diese sich besser in ihre Rollen einfinden konnten.

Sogar die Nahrung wurde von Tag zu Tag reduziert, um den Dreh und die Verzweiflung der Figuren authentischer wirken zu lassen. So entstand, mit relativ geringem Aufwand, einer der einflussreichsten Horrorfilme der 90er Jahre.

Und die Symbolik hält sich bis heute. Und die Symbolik hält sich bis heute.

Wie entstand die Legende?

Aber allein die Dreh- und Schnittarbeiten reichten den Regisseuren nicht. Um ihre Found Footage authentischer erscheinen zu lassen, bedienten sie sich einer relativ neuen Plattform: dem Internet. Ein Jahr vor der Premiere des Films auf dem Sundance Festival ging eine Website online, die sich mit dem (völlig frei erfundenen) Blair Witch-Mythos auseinandersetzte.

Als Tatsachenbericht getarnt informierte die Webseite über das Verschwinden der Studenten, fiktive Zeugenberichte, Interviews mit Angehörigen und sogar ein erfundener Serienmörder, der auf Befehl der Hexe gehandelt haben wollen soll, machten den Auftritt komplett. Bald knackten die Besucherzahlen die Millionenmarke, und bevor der Film überhaupt in die Kinos kam, war der Mythos der Hexe in aller Munde.

Dementsprechend neugierig waren die Zuschauer auf den Film, der als Dokumentation vorgestellt wurde. In nur einem Jahr spielte Blair Witch Project international über 248 Millionen Dollar ein, während er in der Produktion nur 60.000 Dollar gekostet hatte. Damit ist er der zweiterfolgreichste Film aller Zeiten, gemessen an den Kosten im Verhältnis zum Ertrag.

Der Wald, wie er im Blair Witch Horror-Adventure von 2019 dargestellt wird. Der Wald, wie er im Blair Witch Horror-Adventure von 2019 dargestellt wird.

Und obwohl so viele Menschen diesen Film gesehen hatten, war vielen immer noch nicht bewusst, ob die Ereignisse nun wirklich passiert waren oder nicht. Beruhte der Film auf einer wahren Begebenheit? Oder war die Doku Fiktion, aber die Legende wahr? Gab es überhaupt eine Legende?

Die Zuschauer waren sich uneinig, und das war nicht verwunderlich. Zum einen rechnete niemand damit, dass jemand einen als Dokumentation getarnten Horrorfilm veröffentlichte. Paranormal Activity, Rec oder Cloverfield waren noch nicht erschienen.

Warum flog der Fake nicht auf?

Zum anderen konnten die Kinder der Neunziger auch nicht einfach online recherchieren. Denkt daran: 1999 steckte das Internet noch in den Kinderschuhen, wir hatten die Wahl zwischen surfen oder telefonieren. Niemand hatte Instagram-Bilder der Dreharbeiten, die bewiesen, dass nichts davon echt war. Es gab kein YouTube-Video mit Behind the Scenes-Material.

Stattdessen erschien 1999 sogar noch ein Buch, das mit noch mehr fiktiver Dokumentation über das Verschwinden der Studenten, Tatortfotos und Auszügen aus dem Tagebuch einer der Protagonisten aus dem Film gespickt war. Und vielen hat das als Beweis gereicht.

So wie der Slender-Man auch ist die Legende der Blair Witch mit der Zeit zu einem Mythos geworden, von dem viele annehmen, dass er einen wahren Kern hat. Dabei ist das gesamte Projekt den Köpfen zweier Filmstudenten entsprungen, die ein neues Medium dazu nutzten, eine der ersten internationalen viralen Marketingkampagnen der Welt zu starten.

Poster zum 2019 erschienenen Blair Witch. Poster zum 2019 erschienenen Blair Witch.

Heute weiß fast jeder, dass der Mythos frei erfunden ist. Trotzdem wird Blair Witch Project nicht nur in vielen Filmen und Serien zitiert, sondern auch als Inspiration für einen ganzen Haufen an Büchern und Videospielen gesehen (unter anderem das am 30. August 2019 erschienene Blair Witch). Mittlerweile wäre so ein Publicity Stunt wahrscheinlich so einfach nicht mehr möglich. Aber in den Neunzigern und frühen Nullerjahren sorgten die Dokumentation, die Hexe und alles drumherum für jede Menge Verwirrung.

Wisst ihr noch, was ihr damals geglaubt habt?


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