CoD Black Ops: Cold War - Das "schlechte" Ende ist das beste der Reihe

Am Ende von CoD Cold War dürfen wir entschieden, wie die Story ausgeht. Eine der beiden Optionen ist die schlechtere – aber auch die interessantere.

von Erik Körner,
21.11.2020 09:30 Uhr

Russel Adler spielt in der Kampagne eine wichtige Rolle. Russel Adler spielt in der Kampagne eine wichtige Rolle.

Spoilerwarnung: Dieser Artikel geht detailliert auf das Ende von Call of Duty Black Ops: Cold War ein. Wir empfehlen also, erst die Kampagne zu beenden, bevor ihr weiterlest.

Für ein Call of Duty-Spiel bietet die Kampagne von Black Ops: Cold War überraschend viel Entscheidungsfreiheit. Wir haben größere Level mit mehreren Pfaden, einige Dialogoptionen und dürfen in "Desperate Measures" sogar selbst wählen, wie wir die Mission angehen wollen.

In der vorletzten Mission, "Identity Crisis", müssen wir die wohl schwerwiegendste Entscheidung des Spiels treffen: Begeben wir uns nach Solowezki, um Perseus vom Zünden der Atombomben in Europa abzuhalten? Oder schicken wir Adlers Team in einen Hinterhalt zum Duga-Radar und zünden die Atombomben selbst? Offensichtlich ist das Duga-Ende die schlechtere Option. Gleichzeitig ist sie aber auch viel interessanter.

Scheinbare Freiheit

Zur Erinnerung: Bell war ein russischer Agent im Dienst von Perseus. Adlers Trupp experimentierte an Bell, damit er glaubt, er sei ein amerikanischer Soldat. Dadurch hoffte Adler, an Informationen über Perseus zu kommen. Außerdem konnte Adler Bell so manipulieren, dass er nur "Wir haben eine Mission" sagen musste, um Bell zu einer Handlung zu zwingen.

Im Klartext heißt das: Zwar durften wir als Spieler*innen bis zu diesem Punkt einige Entscheidungen treffen. Doch in der Handlung unterlag Bell stets dem Willen einer anderen Person.

Erik Körner
@snoopykoira

Erik spielt seit 2005 Call of Duty. Nach dem "No Russian"-Debakel in Modern Warfare 2 wirft er ein kritisches Auge auf die Story der Spiele und findet: Die Inhalte der Spiele müssen unbedingt hinterfragt werden, gerade weil die Reihe nur kurzweilige Shooter bieten möchte.

Nachdem Black Ops: Cold War das auflöst, dürfen sowohl wir als auch Bell zum ersten Mal wirklich frei wählen. Dass wir unser Team überhaupt verraten dürfen, ist etwas Besonderes. Bisher versetzte uns Call of Duty immer in die Rolle vermeintlicher Helden, die die Welt retten wollten. Jetzt haben wir die Freiheit, zu sagen: Nein, ich möchte der Schurke sein. Und das Beste daran: Wir dürfen den Verrat selbst spielen und gemeinsam mit Perseus gegen unser altes Team kämpfen.

Wer sind eigentlich die Guten?

Ich habe mir vor der Wahl eine weitere Frage gestellt: Gibt es sonst noch Gründe, mein Team zu hintergehen? Dann habe ich angefangen, über die bisherige Story nachzudenken. US-Präsident Reagan gibt grünes Licht für die Operation, Perseus aufzuhalten. Einschränkungen gibt er keine. Ein paar Stunden später müssen wir in "Desperate Measures" im KGB-Hauptquartier auf alles schießen, was atmet. Erinnerungen an "No Russian" aus Modern Warfare 2 kommen hoch.

Darüber hinaus zwingt uns Black Ops: Cold War in derselben Mission, Giftgas einzusetzen - was ein Kriegsverbrechen ist. Genauso wie Geiseln oder Feinde zu erschießen, die kapitulieren oder sich nicht mehr wehren können. Beides bietet uns das Spiel an. Ziemlich fragwürdiges Zeug.

Natürlich ist es schlimmer, halb Europa in eine atomare Wüste zu verwandeln, nur um ein Statement zu setzen. Ich möchte den Inhalt des Duga-Endes auch keineswegs gutheißen. Aber: Zumindest regt dieses Ende zum kritischen Nachdenken an. Und wird dadurch für mich zum besten Ende der bisherigen Call of Duty-Geschichte.

Denn die Call of Duty-Reihe ist dafür bekannt, wenig bis kaum kritisch mit sich selbst umzugehen. In der Regel stellt sie die USA immer als die Guten dar, egal welche Kriegsverbrechen sie in der Story begehen. Und wie das Modern Warfare Reboot gezeigt hat, schreckt die Reihe auch nicht vor Geschichtsrevisionismus zurück, um die USA in ein besseres Licht zu rücken. Mehr dazu haben wir für euch hier zusammengefasst:

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Der Optimist in mir hofft, dass die nächsten Call of Dutys diesbezüglich besser werden. Ich zweifle aber nach fast 20 Jahren Franchise-Geschichte dran. Von daher wünsche ich mir wenigstens die Rückkehr alternativer Enden, die uns mehr als nur eine Perspektive geben.

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