Manchmal reichen nur wenige Bilder und ein kurzer beschreibender Text in einer Mail aus und ein Entwickler hat mein Interesse geweckt. So geschehen vor wenigen Tagen bei Deer & Boy, das am 23. Juni für PS5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch und PC erscheint.
Ein kleiner Junge, der mit einem Rehkitz im Rucksack ein Abenteuer erlebt? Und dann schaut das Ganze noch wunderschön und herrlich melancholisch aus? Da werden bei mir natürlich nicht nur Erinnerungen an Bambi oder Spiele wie Neva oder Gris wach, das schreit doch förmlich nach einer Geschichte, die mit ganz viel Herzschmerz daherkommt.
Ich habe das kurze Adventure übers Wochenende gezockt und verrate euch, ob ihr besser schonmal die Taschentücher griffbereit deponiert und was euch spielerisch erwartet.
Eine Flucht ins Ungewisse
Deer & Boy ist kein Spiel der großen Worte. Vielmehr kommt das französische Indie-Projekt ohne Sprachausgabe daher und erzählt seine knapp vierstündige Geschichte lediglich darüber, was auf dem Bildschirm zu sehen ist.
Und das ist zu Spielbeginn ein kleiner Junge, der sich nachts aus einem städtischen Wohnhaus schleicht. Der kurze Zeit später an einer scheinbar neuen Gedenkstätte vorbeikommt, auf dem das unkenntliche Bild einer Person zu sehen ist. Und der bei seiner Flucht durch den Wald auf ein Rehkitz in Nöten trifft und fortan beschließt, das Kleine auf seine Reise ins Ungewisse mitzunehmen.
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Deer & Boy: Das emotionale Adventure erscheint am 23. Juni
Wie so viele Sidescroller-Adventures wirft auch Deer & Boy zunächst viele Fragen auf. Warum flieht der Junge? Wohin flieht er? Was hat es mit der ungewöhnlichen Verbindung zu dem Rehkitz auf sich und warum werden die beiden von düsteren Kreaturen angegriffen?
Deer & Boy ist kein Spiel, das euch die Antworten auf dem Silbertablett serviert. Aber auch kein Spiel, das durch seine abstrakte Erzählweise frustriert. Vielmehr wollte ich stets wissen, wie die emotionale Reise endet und zumindest ich wurde dank eines so fulminanten wie herzzerreißenden Finales auch wahrlich nicht enttäuscht.
Habt ihr Lust auf Melancholie und eine ordentliche Prise Herzschmerz, dann könnt ihr an dieser Stelle schon einmal einen ersten Pluspunkt notieren.
Spielerisch arg limitiert
Was das Gameplay anbelangt, kann ich mich recht kurz fassen. Deer & Boy ist zwar kein Walking-Simulator, die enorm seichten Umgebungsrätsel sowie die für Sidescroller typischen Versteckspiel- und Flucht-Passagen vor den genannten düsteren Kreaturen sind jedoch nicht viel mehr als nette Auflockerung.
Über das Verschieben von Kisten, um an einen Schalter zu kommen, geht das Gameplay über weite Strecken nicht hinaus. Zwar könnt ihr dem Rehkitz auch Befehle erteilen, damit es beispielsweise durch enge Öffnungen krabbelt, einen Schalter umlegt und so ein Tor für euch öffnet. Mehr als ein solches Level an Gameplay solltet ihr jedoch nicht erwarten.
Worte zur Technik: Die gespielte PS5-Version ist gut spielbar, benötigt zum Release aber noch etwas Feinschliff. Während seltene Ruckler kaum der Rede wert sind, ist die Steuerung ab und an hakelig. Stehe ich nicht punktgenau an einem Ort, verweigert das Rehkitz öfter Befehle. Zwei Mal musste ich zudem neu laden, da sich die KI aufgehangen hatte.
Schade ist zudem, dass euch Entwickler Lifeline Games bis kurz vor dem furiosen Finale wortwörtlich auf strikt lineare Pfade führt. Wie in Little Nightmares oder zuletzt Reanimal frei im Areal umherlaufen oder auch nur leicht vom Weg abweichen, ist nicht möglich.
Ist euch das Spielerische bei einem narrativen Adventure, das zudem stark auf seine Emotionen und seine Atmo setzt, kein Ausschlusskriterium, dann geht’s für euch jetzt mit der größten Stärke weiter.
Toller Bilder, große Emotionen
Zwar kommt Deer & Boy für mich, was die Optik und Atmosphäre anbelangt, nicht ganz an Meisterwerke wie Journey, Gris oder Limbo heran, muss sich in beiden Punkten aber auch wahrlich nicht verstecken.
Jetzt könnte ich euch ausführlich malerische Szenerien beschreiben, in denen die beiden über alte Eisenbahnbrücken laufen, die lediglich in schwaches Laternenlicht gehüllt sind. Oder eine Stelle, in der plötzlich ein gefühlvoller Popsong für ganz viel Herzschmerz sorgt. Aber ihr seht es schon anhand der Bilder und sollt die großen Momente ja auch selbst erleben.
Die gibt es in Deer & Boy nämlich allemal und seid ihr auf der Suche nach einem emotionalen Adventure für zwischendurch, – Achtung, Wortwitz – rentiert sich das Spiel definitiv.
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