Mein Test zum ersten Audeze Maxwell hat mich vor fast genau drei Jahren ziemlich enttäuscht zurückgelassen. Eigentlich war ich sogar sauer auf den US-amerikanischen Hersteller. Denn dem faszinierenden, sehr ausgewogenen Klangbild stand ein hohes Gewicht und wenig Tragekomfort gegenüber. Bei längeren Spiele-Sessions wollte ich das Headset also nicht mehr tragen.
Nun ist das Maxwell 2 erschienen und Audeze hat sich die Kritik am Erstling offensichtlich zu Herzen genommen. Jetzt kann ich auch mal locker fünf Stunden durchzocken, ohne dass es an den Seiten drückt und die Schädeldecke schmerzt. Und dabei einen Sound genießen, der im Gaming-Segment Maßstäbe setzt.
Verarbeitung und Tragekomfort haben sich stark verbessert
Wie schon das erste Maxwell fühlt sich der Audeze-Nachfolger sehr robust in den Händen an. Aluminium-Spangen geben den riesigen Ohrmuscheln Halt und im Kopfbügel steckt ein Stahlband. Das sorgt zusammen mit den magnetischen Treibern des Headsets (mehr dazu weiter unten beim Sound) für ein stattliches Gewicht von 572 Gramm, also sogar noch einmal fast 70 Gramm mehr als beim Original.
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Mit dem Maxwell 2 verpasst Audeze seinem PS5- und Xbox-Headset ein wichtiges Upgrade
Klingt erstmal nach einem Rückschritt, allerdings verteilt das neu gestaltete, knapp sieben Zentimeter breite Kopfband das Gewicht viel gleichmäßiger über den gesamten Kopf hinweg. Ich konnte daher mehrere Stunden durchzocken, ohne dass das Headset unangenehm drückte.
Erst nachdem ich es einen ganzen Tag für knapp zehn Stunden trug, merkte ich, dass es am nächsten Tag an den Bügeln meiner Brille schmerzte.
Das gelöcherte Kunstlederband wird über Nieten am Kopfbügel befestigt, was eine hohe Langlebigkeit und Festigkeit verspricht, aber auch ein wenig Kraftaufwand beim Einstellen erfordert.
Manchen Käufer*innen dürfte es allerdings schwerfallen, die optimale Höhe für das Band zu finden, da die Löcher jeweils ein paar Zentimeter voneinander entfernt eingestanzt wurden und somit nur neun sehr grob abgestimmte Justierstufen erlauben.
Mir erging es zumindest so: Obwohl ich mehrere Höhen ausprobiert und die Bestmögliche für mich gefunden habe, habe ich noch immer das Gefühl, dass mir das Maxwell 2 bei ruckartigen Bewegungen vom Kopf rutschen könnte. Eine spontane Tanzeinlage mit aufgesetztem Hörer würde ich daher nicht hinlegen – dafür hätte ich zu viel Angst um das 370 bis 430 Euro teure Headset.
Alle Informationen zum Audeze Maxwell 2 auf einem Blick
- Listenpreise:
- Audeze Maxwell 2 für PlayStation: 389 Euro
- Audeze Maxwell 2 für Xbox: 439 Euro
- Audeze Maxwell 2 ANC für PlayStation: 479 Euro
- Audeze Maxwell 2 ANC für Xbox: 499 Euro
- Lieferumfang:
- Kopfhörer
- Mikrofon
- 2,4 GHz-USB-C-Dongle
- Klinkenkabel
- USB-C-Kabel
- USB-C auf USB-A-Adapter
- Anleitung
- Konnektivität:
- Klinke: 3,5mm
- USB: USB-A, USB-C
- 2,4 GHz via Dongle:
- jeweils für PlayStation und Xbox erhältlich
- grundsätzlich kompatibel mit Nintendo Switch 2, Handhelds und Smartphones
- Bluetooth: 5.3 mit Auracast-Support / keine simultane Nutzung mit 2,4 GHz
- unterstützte Bluetooth-Codes: SBC, AAC, LDAC, LE Audio
- Audio-Technik:
- Treiber: Planar
- Passform: Over-Ear
- Bauweise: geschlossen (äußere Verschalung kann im Design angepasst werden)
- Ohrpolster: wechselbar (magnetisch)
- Frequenzbereich: 10 Hz bis 50 kHz
- Akku:
- Technik: Lithium-Polymer
- Kapazität: 1800 mAh
- Laufzeit: 70 bis 80 Stunden (non-ANC) / 30 bis 35 Stunden (ANC)
- Schnelladefunktion: vorhanden
- Bedienung linke Seite:
- Rad für Gesamtlautstärke
- Rad für Verhältnis von Spiele-Sound zu Voice-Chat
- Einlass für das Mikrofon
- USB-C-Anschluss
- Klinken-Anschluss
- KI-Filter-Knopf
- Bedienung rechte Seite:
- Power-Knopf
- Mikrofon-Stummschalter
- Bedienungshilfe:
- Sprach-Feedback
- Sounds bei Lautstärkeeinstellungen
- Mikrofon:
- Charakteristik: Hyperniere
- Hintergrundfilter: proprietärer KI-Algorithmus
- Noise Cancelling:
- nur Maxwell 2 ANC
- Technologie: Hybrid (Feedforward plus Feedback)
- Features: Passtrough-Modus, KI-Support und Sprachsteuerung
- App:
- kompatibel mit Android, iOS, macOS und Windows
Der Klang des Maxwell 2 hat bei mir für Gänsehaut gesorgt
Teil der Audeze-Erfahrung sind sogenannte planare Audio-Treiber. Dabei wird ein in ein Stück Folie eingearbeiteter Metallfaden unter Strom gesetzt und somit ein Magnetfeld erzeugt. Dieses Magnetfeld interagiert wiederum mit zwei Magneten vor und hinter dem Faden. Durch diese Interaktionen wird die Folie in Schwingung versetzt, es entstehen also Töne.
Und die fallen im Vergleich zu herkömmlichen, dynamischen Treibern mit einer elektromagnetischen Spule ein gutes Stück präziser aus. Das äußert sich vor allem in den Mitten und Höhen, die selbst bei hoher Lautstärke glasklar und ohne Verzerrung wiedergegeben werden.
Etwa dem Outro von Bloodborne, in dem gespenstische Violinen den Soprangesang einer Frau umschwirren:
Solche hohen Frequenzen meistert das Maxwell 2 problemlos und reichert sie mit einer enormen Detailfülle an. Es fiel mir leicht, herauszuhören, wie Instrumentalist*innen in ihren Notenheften blättern, ihre Kleidung justieren und die Saiten ihrer Geigen zum Vibrieren bringen. Da das Maxwell 2 einzelne Frequenzen sehr sauber voneinander trennt, können sich solche Feinheiten im Sound voll entfalten.
Allerdings hatte ich zu Beginn ein Problem mit dem Sound-Bild: In der Standard-Audeze-Abmischung fällt mir der Klang des Kopfhörers eine Spur zu kühl und analytisch aus. Und das ist auch nicht ungewöhnlich für planare Audio-Technik, da es ihr im Vergleich zu dynamischen Treibern ein bisschen an "Punch" sowie Bass fehlt.
Daher führte mein Weg auch direkt in die Desktop-App von Audeze, die es in ähnlicher Form auch für iOS- und Android-Smartphones gibt. Dort können basslastigere Presets gewählt, modifiziert und dauerhaft abgespeichert werden. Ich habe mich für das „immersive“ Preset entschieden, das dem Klangbild deutlich mehr Bass verleiht und den Mitten ein bisschen mehr Wucht gibt.
Und siehe da – jetzt schmettert mir das Maxwell 2 satte, aber weiterhin klare Bässe zum Beispiel im unheimlich grantigen Duel 35 der Hard-Techno-Meisterin Zamilska aus dem RUINER-Soundtrack entgegen:
Link zum YouTube-Inhalt
Auch Mitten-lastiger Progressive Rock oder Metal der Marke The Intersphere und Zeal & Ardor schallt mir nun mit viel mehr Vehemenz durch den Gehörgang. Die sägenden Gitarrenriffs und knallenden Schlagzeuge harmonieren prächtig mit dem alternativen Preset!
Nach dieser kurzen Anpassung überragt das Maxwell 2 dann für mich auch die gesamte Konkurrenz in Sachen Klang. Kein anderer Hörer, den ich bisher getestet habe, bot solch eine Dynamik und Detailvielfalt.
So gut ist der Sound in Spielen
In Singleplayer-Spielen liefert das Maxwell 2 – wie auch schon sein Vorgänger – auf einem sehr hohen Niveau ab. Beispielsweise hallen Revolverschüsse in The Last of Us Part 1 realistisch durch die Häuserschluchten von Boston und in Demon's Souls zischen mir brennende Pfeile durch den prasselnden Regen der Sturmklippen entgegen. Den 3D-Sound der PS5 gibt das Audeze-Headset sehr räumlich wieder und arbeitet die einzelnen Geräusche mit viel Fingerspitzengefühl heraus.
Allerdings sind mir nach und nach auch ein paar (kleinere) störende Nachteile aufgefallen, die ich nicht unerwähnt lassen möchte:
- Stimmen wirken teils sehr leise: Das Maxwell 2 hält sich grundsätzlich nah an dem, was ihm zugespielt wird. Sind Sprach-Samples wie in Ghost of Yotei eher leise eingesprochen, werden sie also auch leise wiedergegeben. Das habe ich auch beim Schauen einiger Game of Thrones-Folgen im O-Ton beobachtet, dort gingen Stimmen ebenfalls gern einmal im Mix unter.
- Die Sound-Kulisse wirkt ab und an eingeengt: Riesige Open World-Spiele wie The Witcher 3 profitieren von einer weiten Sound-Kulisse. Da das Maxwell 2 geschlossene Ohrmuscheln verwendet, verfügt es im Gegensatz zu offenen und halboffenen Hörern aber über eine klar wahrnehmbare, akustische Grenze. Es kann also nicht wirklich das Gefühl eines weitläufigen Raums vortäuschen.
- Es ist nicht möglich, sich komplett abzuschirmen: Geräusche von außen dringen deutlich wahrnehmbar in die Ohrmuschel. Beispielsweise tönte das Surren meines PCs, sobald er mal ein bisschen mehr ackern musste, durch den Hörer.
Verstärkt wird der Eindruck der mangelnden Abschirmung durch das Fehlen von Active Noise Cancelling. Und das mag ich eigentlich sehr, da es mich tief in Spielewelten eintauchen lässt:
Wobei der Nachteil mit der Abschirmung nur für das Standard-Maxwell 2 gilt. Denn während ich das Headset getestet habe, hat Audeze auch noch überraschend ein ANC-Upgrade veröffentlicht. Die PS5-Version wird mit Noise Cancelling 90 Euro teurer, auf der Xbox sind es hingegen "nur" 60 Euro.
Wie gut das Feature funktioniert, konnte ich leider noch nicht überprüfen, es dürfte die Umgebung aber deutlich besser ausblenden und vielleicht sogar die Sound-Kulisse ein wenig breiter erscheinen lassen – das ist ein häufiger Nebeneffekt von ANC in Spielen.
Und wie sieht es in Multiplayer-Spielen aus?
Da es mir beim ersten Maxwell in Online-Titeln schwerfiel, Fußschritte herauszuhören, habe ich beim Maxwell 2 genau auf sie geachtet. Ich wurde dann auch positiv überrascht, da ich meine Kontrahent*innen in Black Ops 7 und Halo Infinite bereits von Weitem hören und ihre Position bestimmen konnte.
Mit der Footstep-Einstellung in der Audeze-App werden die Schritte der Online-Gegner sogar noch eine Spur deutlicher hervorgehoben, die Ortung im virtuellen Raum klappte also sogar auf gut 50 bis 100 Meter tadellos.
Auf Seite 2 geht es mit einem Test des Mikrofons weiter, ein paar Hinweisen zu den einzelnen Maxwell-Versionen und meinem Gesamtfazit.




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