Günstig, einfache Platin-Trophäe und fragwürdig - Das steckt hinter den 'Bibel-Spielen' von Breakthrough Gaming

Breakthrough Gaming veröffentlicht simple Arcade-Spiele, die eine "biblische Wahrheit" vermitteln. Wir klären, was es mit dem fragwürdigen Publisher auf sich hat.

von Lukas Elstermann,
20.09.2021 15:00 Uhr

Arcade-Spiele wie Space von Breakthrough Gaming sollen eine "biblische Wahrheit" vermitteln. Arcade-Spiele wie Space von Breakthrough Gaming sollen eine "biblische Wahrheit" vermitteln.

Vielleicht sind sie euch bereits aufgefallen: Diese seltsamen 99 Cent-Spiele im PlayStation Store mit kruder Arcade-Grafik und Texten wie aus einer Übersetzungssoftware. Skating, Racing, Space oder Baseball - jeden Sonntag veröffentlicht Breakthrough Gaming einige Spiele mit Retro-Pixelgrafik, die dann sogar regelmäßig in den Top 50 der meistverkauften Spiele landen.

Das schräge dabei: Die Spiele von Breakthrough Gaming sollen eine "biblische Wahrheit" ausdrücken, sie erzählen biblische Geschichten nach. Ja, tatsächlich, Baseball basiert beispielsweise auf Kapitel 5 des 1. Thessalonicher.

Wir schauen uns diesen Fall einmal genauer an und klären, woher eigentlich der fade Beigeschmack kommt, den Spiele mit religiöser Botschaft meistens haben.

Was ist Breakthrough Gaming?

Laut der Webseite des Herstellers, die mit Neon-Design an die tiefen 90er erinnert, existiert Breakthrough Gaming bereits seit 2001. Der Entwickler und Publisher produziert ausschließlich "Christian themed video games" - also Videospiele mit christlicher Thematik.

Diese erscheinen für PlayStation 5, PlayStation 4, Xbox, Windows-PCs und Mobile-Plattformen. Ansonsten gibt es im Netz kaum Informationen. Das Instagram Profil ist völlig leer und der Twitter-Account tweetet seelenlos die neuen Spielveröffentlichungen vor sich hin.

Die Spiele sprechen für sich

Krude Grafik ohne Persönlichkeit. Krude Grafik ohne Persönlichkeit.

Jeden Sonntag veröffentlicht Breakthrough Gaming einige Spiele aus der Reihe Breakthrough Gaming Arcade mit simpler Retro-Grafik und noch simpleren Titeln (Space, Track, Get to the Top, etc.). Tetris und der Arcade-Klassiker Asteroids haben bereits gezeigt, dass sich mit elegantem Design und etwas Einfallsreichtum auch aus 8-Bit eine zeitlose Ästhetik schaffen lässt, die die Grenzen des Mediums geschickt umgeht.

Bei Breakthrough Gaming ist die Präsentation aber lieb- und herzlos, ohne Persönlichkeit oder clevere Twists. Kurz gesagt: Die Spiele sind wahnsinnig hässlich. Der Spielhallen-Look wurde hier nicht aus Nostalgie, sondern sehr wahrscheinlich aufgrund des geringen Aufwands gewählt.

Ein paar dieser Spiele aus eben jener Reihe Breakthrough Gaming Arcade machen das nochmal deutlich:

In Get to the Top steuert ihr ein Strichmännchen, das auf orangen Plattformen zu einer Zielfahne hüpft und dabei runden Geschossen ausweicht. Es gibt insgesamt zehn Level, die optisch identisch sind und nach und nach schwerer werden.

In American Football lasst ihr hingegen eure Spielfigur, ein footballspielendes Strichmännchen, über ein Spielfeld rennen und über andere Strichmännchen springen. Von Spaß kann hier nicht wirklich die Rede sein. Die Spiele sind dafür auch nach rund fünf Minuten bereits erfolgreich durchgespielt.

Qualitativ fragwürdig, aber trotzdem in den Top 50

Racing von Breakthrough Gaming - Die Platin-Trophäe erhält man hier bereits nach wenigen Minuten. Racing von Breakthrough Gaming - Die Platin-Trophäe erhält man hier bereits nach wenigen Minuten.

Warum sind die Spiele also nach wie vor in den Top 50 Listen? Nur wegen des Preises? Nein, es geht um die Trophäen bzw. Erfolge! Die Spiele von Breakthrough Gaming richten sich an Trophäenjäger*innen, die mit solchen Games ihre Trophäensammlung ausbauen und innerhalb weniger Minuten eine Platin-Trophäe einsacken wollen.

Eine Platin-Trophäe bekommen wir nämlich erst dann, wenn wir alle anderen Trophäen vorher verdient haben. Die Spiele von Breakthrough Gaming sind also eine gute Gelegenheit, die eigene Sammlung innerhalb weniger Minuten auszubauen.

Außerdem locken die Spiele mit lächerlich einfachen Trophäen-Aufgaben, die sich völlig ohne Anstrengung und beinahe aus Versehen erledigen lassen, was schnell zu einer Platin-Trophäe führt.

In Get to the Top erhalten wir eine Trophäe schon alleine fürs Sterben. Trifft euch ein Geschoss, blitzt ebenfalls gleich die Trophäe auf dem Bildschirm. Ganz nach dem Motto: Du bist gestorben - Herzlichen Glückwunsch! Eine weitere Trophäe gibt es für jedes abgeschlossene Level. Im Prinzip können wir uns so also ein paar Trophäen für 99 Cent holen. Das Spiel selbst besitzt dabei keine eigene Qualität und dient als eine Art Umweg, der diesen "Platin-Kauf" legal macht.

Darf ich Ihnen etwas über Gott erzählen?

Mit einer günstigen Produktion und lockenden Platin-Trophäen ist es aber nicht getan. Immerhin sprechen wir hier von "Christlichen Videospielen". Die Verbindungen zur Bibel sind, um es nett zu formulieren, sehr lose gehalten. Auf der Webseite von Breakthrough Gaming ist für jedes Spiel der Arcade-Reihe ein Bibelbezug angegeben.

Manche sind halbwegs nachvollziehbar: Get to the Top soll mit seinen Hindernissen und Geschossen daran erinnern, dass Gott trotz unserer beschwerlichen Reise einen Plan für uns hat. Andere sind dagegen schon weiter hergeholt: Die gegnerischen Strichmännchen in American Football symbolisieren die Hindernisse, die uns in den Weg gelegt werden. Und bei anderen Spielen ist die Verbindung so angeschafft, dass es schon respektlos wirkt: Baseball soll laut Webseite zeigen, dass wir "auf die wichtigen Dinge im Leben achten sollten".

Das Problem mit den Bibelbezügen

Weit hergeholt - Die Spiele sollen den göttlichen Plan symbolisieren. Weit hergeholt - Die Spiele sollen den göttlichen Plan symbolisieren.

Der fade Beigeschmack entsteht hier durch die offensichtliche Scheinheiligkeit. Würde Breakthrough Games deutlich machen, dass es billige Platin-Trophäen in Form von Arcade-Spielen anbietet, könnten wir dem Hersteller vielleicht Einfallslosigkeit vorwerfen, aber keine Unehrlichkeit. Diese Kommunikation fehlt aber; so entsteht ein starker und sehr unangenehmer Kontrast zwischen einer angeblichen christlichen Botschaft und einem doch sehr irdischen Geschäftsmodell.

Ebenso wäre es unmöglich, einem christlichen Videospiel, das als solches auch Sinn ergibt - als Lernplattform für Bibelverse zum Beispiel -, betrügerische Absichten vorzuwerfen. Das Problem von Breakthrough Gaming sind also nicht die Botschaften selbst, es ist ihr fehlender Sinn und die Art der Kommunikation.

Darüber hinaus sorgen religiöse Botschaften in jedem Unterhaltungsmedium für eine gewisse Skepsis. Das liegt gar nicht an den Botschaften selbst, sondern vielmehr an dem Durchbrechen der vierten Wand, das fehlende Professionalität andeutet.

Auf das "Wie" kommt es an

Es ist nachvollziehbar, dass beispielsweise der Marvel-Held Captain America als bekennender Christ konzipiert wurde. Würde jedoch Steve Rogers in die Kamera schauen und allen Zuschauer*innen seinen Glauben verkünden, würde das nicht nur andersgläubige Fans unnötig ausgrenzen, es würde auch bedeuten, dass die Autor*innen kein Gefühl für subtile Charakterentwicklung haben.

Im Popcorn-Kino werden solche Belehrungen als anmaßend empfunden, weil sie über die kommunizierten Inhalte (Gut gegen Böse) hinausgehen - der "fade Beigeschmack" entsteht also nicht durch die Botschaften, sondern dadurch, dass die Spiele von Breakthrough Gaming sich als einfache Flash-Games inszenieren, aber deren Ehrlichkeit vermissen lassen.

Breakthrough Gaming ohne Äußerung: Bei all dem wollen wir natürlich auch wissen, was Breakthrough Gaming selbst dazu zu sagen hat und haben um ein Statement gebeten. Eine Antwort blieb bisher jedoch aus.

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