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Adventskalender 2019

Seite 2: Dragon Age 2 im Test - Ist das noch Dragon Age?

Die Quests: vielseitig lösbar

Eine der Quests führt uns in eine drachenverseuchte Mine. Eine der Quests führt uns in eine drachenverseuchte Mine.

In Kirkwall angekommen endet die lineare Einführung, und Dragon Age 2 öffnet sich. Von nun an dürfen wir selbst entscheiden, ob wir der Haupthandlung folgen oder die zahlreichen Nebenquests angehen, die an jeder Ecke auf uns warten. Die Aufgaben sind von gewohnt hoher Dragon Age-Qualität. Wir retten entführte Damen vor ihren prügelwütigen Ehemännern, jagen einen Zauberer, der von einem Dämon besessen ist oder brechen nachts in ein Anwesen ein, um das Testament von Hawkes verstorbenem Vater zu suchen.

Dabei überrascht uns das Spiel nicht nur laufend mit spannenden Wendungen, es stellt uns auch oft vor schwierige Entscheidungen. In der Kneipe »Zum gehängten Mann« etwa treffen wir einen jungen Burschen, der von der Stadtwache verdächtigt wird, verbotene Blutmagie auszuüben. Er erzählt uns jedoch, dass er diese Geschichte nur erfunden habe, um einer Dame zu imponieren. Nun liegt es an uns: Glauben wir ihm und lassen ihn gehen, oder liefern wir ihn den Templern aus? Je nachdem, wie wir uns entscheiden, reagieren bestimmte Personen künftig anders auf uns oder tauchen gar nicht erst auf. Dragon Age 2 erzeugt dadurch das Gefühl einer in sich stimmigen Welt, in der Hawkes Handlungen tatsächlich etwas bewirken.

Die Charaktere: Varric rettet alle

Abhängig davon, wie wir welche Quest lösen (und ob die sogenannte »Signature Edition« von Dragon Age 2 im Laufwerk rotiert), schart Hawke im Verlauf der Handlung bis zu neun höchst unterschiedliche KI-Begleiter um sich. Da gibt’s etwa die hübsche, aber gefährliche Piratin Isabela, den aus Origins bekannten Magier Anders oder die resolute Menschen-Kriegerin Aveline, die bei der Stadtwache Kirkwalls angeheuert hat. Klasse: Wie schon im Vorgänger witzeln und streiten die Kameraden laufend untereinander, was uns das Gefühl gibt, mit echten Lebewesen unterwegs zu sein.

In Dialogen ist es nun möglich eure Begleiter vorzuschicken. Kriegerin Aveline ist ideal um bei diesem Schuldner etwas Druck zu machen. [360] In Dialogen ist es nun möglich eure Begleiter vorzuschicken. Kriegerin Aveline ist ideal um bei diesem Schuldner etwas Druck zu machen. [360]

Im Vergleich zu Origins bleiben die meisten Figuren aber recht flach. Warum etwa die junge Magierin Merrill ihr Volk verlässt, wird ebenso nur am Rande angesprochen wie Avelines Motivation, überhaupt den undankbaren Polizistenjob angenommen zu haben. Lediglich der Zwerg Varric hebt sich positiv ab. Seine Sprüche und Ansichten, die sympathisch-raue Art und nicht zuletzt das Verhör zwischen ihm und der Kirchenabgesandten Kassandra, das die in Episoden erzählte Geschichte von Dragon Age 2 zusammenhält, sind großartig und erzeugen ein hohes Maß an Spannung. Wer bleibt ruhig auf dem Stuhl sitzen, wenn Varric seiner Zuhörerin von einer tragisch gescheiterten Expedition in die Tiefen Wege erzählt, die dann als nächste Quest auf uns wartet?

Das Epos: nicht auf Origins-Niveau

Die Haupthandlung von Dragon Age 2 beschäftigt für etwa zwölf bis 15 Stunden; das ist deutlich weniger als beim Vorgänger. Wer alle Nebenaufgaben löst, ist zwar rund doppelt so lange unterwegs, doch das Gefühl eines epischen Rollenspiels mag dennoch nicht ganz aufkommen. Das liegt nicht nur an der vergleichsweise kurzen Spielzeit, sondern vor allem an der Welt. Hawke und seine Truppe sind im kompletten Spiel lediglich in Kirkwall unterwegs. Der Stadtstaat besteht zwar aus zahlreichen, stimmungsvoll gebauten Vierteln, und gelegentlich geht’s auch in die (eher kleinen) Außengebiete vor den Burgmauern, doch an denen haben wir uns schnell satt gesehen. Dragon Age: Origins, das uns durch ganz Ferelden, vom Brecilian-Wald über Ostagar und Redcliffe bis ins Frostgipfelgebirge schickte, war einfach ungleich größer.

Eine Stadt und ihr Umland - das wars. Dragon Age: Origins war um einiges epischer als der Nachfolger. Eine Stadt und ihr Umland - das wars. Dragon Age: Origins war um einiges epischer als der Nachfolger.

Das spürt man auch an der Geschichte: Einen gewaltigen Krieg, wie wir ihn aus dem Vorgänger kennen, gibt’s in Dragon Age 2 nicht. Statt um einen Feldzug gegen die Dunkle Brut und die Konfrontation mit einem mächtigen Erzdämon geht’s hier um den bereits in Origins angedeuteten Konflikt zwischen den Magiern und Templern, der nun in Kirkwall zu eskalieren droht. Das erzählt das Spiel zwar sehr spannend, was vor allem an der Templerin Meredith und ihrem magiebegabten Gegenspieler Orsino liegt, die beide extreme, aber durchaus nachvollziehbare Ansichtsweisen haben.

Dennoch lässt die Geschichte Brisanz und Dramatik vermissen. Klar wollen wir wissen, wer im Hintergrund Öl ins Feuer der beiden zerstrittenen Parteien gießt, was die geheimnisvollen Kunari damit zu tun haben und welche Seite letztlich gewinnt. Aber wir wollen auch weltumfassende Ereignisse, gewaltige Schlachten, epische Fantasy auf Origins-Niveau. All das erreicht Dragon Age 2 nur in Ansätzen.

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