DualSense im Test - Die wirklich wahre Next-Gen

Sony setzt mit dem DualSense auf eine komplett neue Controller-Version für die Next-Gen. Aber was kann der PS5-Controller eigentlich?

von Hannes Rossow,
06.11.2020 14:00 Uhr

Der PS5-Controller bietet mehr Innovationen als die Next-Gen-Konsole selbst. Der PS5-Controller bietet mehr Innovationen als die Next-Gen-Konsole selbst.

Die DualShock-Ära ist vorbei. Nach vier Generationen an PlayStation-Controllern, die mehr oder weniger demselben Kernprinzip folgten, möchte Sony nun für frischen Wind sorgen. Der neue PS5-Controller nennt sich DualSense und macht seinen Namen auch gleich zum Programm. Denn anders als bei der DualShock-Familie geht es nicht um den Schockeffekt, sondern um mehr Immersion durch das intensive Mitfühlen mit dem Geschehen auf dem Bildschirm.

Tschüss DualShock, hallo DualSense

Wie so viele andere innovative Konzepte auch, bei denen es um das Fühlen oder Bewegen des Spielers geht, lassen sich die Vorzüge des DualSense nur schwer in Worte fassen - er muss eben erlebt werden. Dafür hatte ich in den letzten Tagen ausgiebig Zeit, was letztlich dazu geführt hat, das meine anfängliche Skepsis ob der netten Spielereien in Begeisterung gewandelt hat. Mit dem neuen PS5-Controller zu spielen, macht nämlich wirklich einen Unterschied, den ich nicht mehr missen möchte.

Unter den großen Vorzügen des DualSense, die Sony vorab prominent vermarktet hat, stechen vor allem zwei Features ganz besonders heraus: das haptische Feedback und die adaptiven R2- sowie L2-Trigger. Zugegeben, "haptisch" und "adaptiv" mögen nach aufgeblasenen Marketing-Hülsen klingen, tatsächlich fangen sie das Besondere der neuen Ansätze dennoch sehr gut ein. Die Alternativen wären nämlich "greifbar", "spürbar" oder "dynamisch" - auch nicht viel besser.

Ein Rütteln, das immer passt

Das haptische Feedback des DualSense ersetzt den bisherigen Vibrationseffekt der DualShock-Controller. Zwar rüttelt der PS5-Controller noch immer, wenn wir angegriffen werden oder gegen die Wand krachen, doch darüber hinaus werden über das feinjustierte Vibrieren viele weitere Gameplay-Elemente kommuniziert. Das beliebteste Beispiel sind verschiedene Untergründe in Rennspielen oder auch einfachen Action-Adventures. Wenn ich in Astro's Playroom am Strand entlang laufe oder aber über das Eis schlittere, vibriert der Controller anders, viel passender.

Durch Schlamm zu waten, wird direkt vom haptischen Feedback aufgegriffen. Durch Schlamm zu waten, wird direkt vom haptischen Feedback aufgegriffen.

Keine Sorge, es geht auch ohne
Wer möchte, darf sowohl die Vibrationen als auch den Trigger-Effekt des DualSense-Controllers in der Intensität verringern, oder sogar komplett ausschalten. Das funktioniert sogar auf System-Seite in den Einstellungen und spart somit einerseits Akku, lenkt womöglich beim Spielen nicht ab und ist natürlich vor allem im Hinblick auf Barrierefreiheit ein geringeres Hindernis.

Doch es muss nicht immer direkt die Spielfigur betreffen. Auch die Atmosphäre selbst kann vom DualSense aufgegriffen werden. Wenn plötzlich ein Blitz am Horizont auftaucht und kurze Zeit später der Donner folgt, dann kann ich diesen Knall auch in meinen Fingerspitzen erleben. Sowohl die Tiefe als auch die Lautstärke des Donners werden über das Feedback des PS5-Controllers wiedergegeben. Und plötzlich ist ein Donner dann nicht mehr nur Teil einer Soundkulisse, sondern spürbarer Teil der Spielwelt.

Wie detailliert das haptische Feedback des DualSense-Controllers arbeiten kann, ist bislang in Astro's Playroom zu erkennen. Hier gestaltet sich das Gameplay schnell zum Schaulaufen der DualSense-Features, was aber definitiv nichts schlechtes ist. Denn natürlich braucht es am Anfang diese Art von Showcase um Potenziale aufzuzeigen. Und wenn im Intro dann der kleine Roboter Astro von links nach rechts über den Bildschirm huscht, dann "bewegt" sich die Vibration im Controller ebenfalls, sogar im selben Tempo.

Das neue Fingerspitzengefühl

Ebenfalls beeindruckend, wenn auch bisher weniger präsent, sind die adaptiven Trigger des DualSense. Wo das haptische Feedback in nahezu jedem Spielmoment wahrnehmbar ist, kommen die widerspenstigen Trigger nur bei bestimmten Aktionen zum Einsatz. Aber auch hier gilt dann die Devise: Das, was auf dem Bildschirm passiert, soll auch fühlbar werden. Das kann beispielsweise ein Bogen sein, den wir mit R2 spannen und der dann auch in unseren Händen "zittert", bis wir den Pfeil endlich losschnellen lassen.

Die L2- und R2-Tasten waren immer schon wichtig und bekommen jetzt ein dickes Upgrade. Die L2- und R2-Tasten waren immer schon wichtig und bekommen jetzt ein dickes Upgrade.

In Astro's Playroom gibt es beispielsweise ein Jetpack, das wir uns umschnallen können. Die beiden Turbinen sind jeweils auf die L2- und R2-Tasten gelegt. Um gleichmäßig abzuheben und den nötigen Schub zu erlangen, müssen die adaptiven Trigger im richtigen Maße gedrückt werden. Zu wenig und wir heben kaum ab, zu viel und wir rasen fast unkontrolliert durch die Luft. Die Intensität unseres Fingerdrucks überträgt sich direkt auf die Intensität der Aktion im Spiel.

Allerdings werden solche Einsatzmöglichkeiten womöglich nicht immer ausgereizt. In Spider-Man Miles Morales zum Beispiel bekomme ich zwar das haptische Feedback zu spüren, doch beim Schwingen durch Manhattan, das ja ebenfalls über die R2-Taste funktioniert, bekomme ich nicht das Gefühl, als würde mein Spinnenseil sich unter meinem Gewicht und den Fliehkräften dehnen - obwohl der DualSense wohl durchaus in der Lage dazu wäre.

Durch Manhattan zu schwingen, ist mit dem DualSense noch einmal beeindruckender. Durch Manhattan zu schwingen, ist mit dem DualSense noch einmal beeindruckender.

Hier setzen Insomniac Games aber auf einen Mix aus Trigger und Feedback. Um zu Schwingen, muss ich zuerst den fixen Druckpunkt der R2-Taste überwinden. Hier "blockiert" die Taste leicht und ich muss stärker drücken, wodurch ich ein besseres Gefühl dafür bekomme, wann genau das Spidey-Seil verschossen wird. Das Gefühl des Schwingens selbst wird aber über die Vibration vermittelt. Das funktioniert auch, aber hier wäre mehr möglich gewesen.

Sinnvolle Verbesserungen

Nicht neu, aber deutlich verbessert ist das Touchpad des DualSense-Controllers. Die Wischbewegungen werden nun spürbar genauer aufgenommen und auch die gleichzeitige Nutzung mehrerer Finger ist jetzt problemlos möglich. Allerdings erwarte ich nicht, dass dem Touchpad in dieser Generation deswegen nun mehr Bedeutung zukommen wird. Die Kernidee bleibt und als unterstützendes Feature ist es sicher sinnvoll, aber hier wird wohl vieles beim Alten bleiben.

Ähnliches prophezeie ich dem eingebauten Mikro des Controllers. Denn ja, in der Theorie könnte Spracherkennung immer auch in Gameplay-Ansätzen genutzt werden, doch es wird wohl dabei bleiben, dass das Mikro eher einen pragmatischen Zweck erfüllen wird. Letzteres ist dann aber in der Tat eine willkommene Ergänzung, auch ohne zusätzliches Headset den Voice Chat starten zu können. Und mit einem Druck auf die neue Mikrofontaste sind wir dann auch ohne Umwege stumm geschaltet.

Der Share-Button wird hingegen durch den "Create"-Button ersetzt. Der erledigt im Kern aber dieselben Aufgaben: Wir können Screenshots machen und rückwirkend Gameplay aufnehmen. Neu hingegen ist aber, dass wir nun auch auf Wunsch eine Aufnahme starten können, um gezielt Gameplay aufzunehmen. Und zwar ohne zeitliche Einschränkung - einzig der verfügbare Speicher setzt Grenzen.

Controller im neuen Gewand

Bei allen internen Neuerungen belässt es Sony in Sachen DualSense-Design aber eher bei Kleinigkeiten. Das grundsätzliche Layout der Knöpfe bleibt erhalten, wobei der "durchsichtige" Look der Face Buttons definitiv ein Hingucker ist. Einen wirklichen Unterschied beim Spielen machen aber die neuen Grip-Ergänzungen an der Rückseite sowie auf den Analogsticks. Selbst bei schweißnassen Händen, liegt der DualSense sicher in der Hand.

Das Design des DualSense mag gewöhnungsbedürftig sein - aber er liegt gut in der Hand. Das Design des DualSense mag gewöhnungsbedürftig sein - aber er liegt gut in der Hand.

Eine längere Laufzeit des Akkus: In Verbindung mit den abgerundeten und nach innen gerichteten Griffen des Controllers sollte sichergestellt sein, dass der DualSense auch bei längerer Benutzung bequem in der Hand liegt. Die verbesserte Akku-Leistung fällt ebenfalls positiv auf, wobei hier aber schwer zu sagen ist, zu welchen Ladekapazitäten die älteren DualShock 4-Controller noch fähig sind, die ich zum Vergleich herangezogen habe. Aber selbst nach ganztägiger Benutzung konnte der Akku am Abend noch zwei von drei Ladebalken vorweisen.

Mehr Next-Gen als alles andere

Im direkten Vergleich mit der PS5 selbst, die eher auf Verbesserungen statt Neuerungen setzt, sticht der DualSense als die eigentliche Next-Gen-Innovation von Sony hervor. Schon die ersten Eindrücke mit dem haptischen Feedback und den adaptiven Triggern machen schnell klar, dass hinter den neuen Features mehr steckt als einfach nur das nächste Marketing-Gimmick. Zum DualShock 4 würde ich zumindest nicht mehr zurück wollen.

Der Fokus auf das "Erleben" von Spielen scheint aufzugehen und trägt definitiv dazu bei, dass die bisherigen PS5-Titel, die mir untergekommen sind, stärker wirken konnten. Meine Hoffnung ist groß, dass sich zumindest das haptische Feedback als neuer Standard etabliert, der in kommenden Releases unterstützt wird. Für die Trigger braucht es hingegen immer die eine zündende Idee, die zur Einbindung in Spielen führt. Dass es diese Ideen aber gibt, betonen Entwickler allerdings schon seit Monaten - es sieht also gut aus.

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