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Evil Dead im Test: Viel Fan-Service, wenig Langzeitspaß

Sam Raimis Tanz der Teufel zeigt als asymmetrischer Multiplayer-Shooter gut, wie sehr man Fanservice auf die Spitze treiben kann. Aber auch, dass Abwechslung wichtig ist.

von Kai Schmidt,
18.05.2022 18:30 Uhr

Wir haben uns durch die Horden von Deadites gekämpft und für euch getestet. Wir haben uns durch die Horden von Deadites gekämpft und für euch getestet.

Weiter geht der Trend mit Multiplayer-Spielen basierend auf Horrorfranchises. Nach Dead by Daylight, das mittlerweile viele Ikonen vereint, und Friday the 13th ist jetzt der Kultklassiker Evil Dead (hierzulande bekannt als Tanz der Teufel) an der Reihe. Kai hat sich für euch durch die Deadites geballert und herausgefunden, ob der nächste asymmetrische Multiplayer ein Hit ist oder sich im nebligen Wald verläuft.

Vier Überlebende gegen einen Dämon

Asymmetrisch ist nicht nur der Spielmodus sondern auch Hauptfigur Ash Williams, der in den Filmvorlagen von Bruce Campbell verkörpert wurde, und sich im zweiten Teil seine dämonisch besessene Hand absägen musste. Die stattdessen aufgepflanzte Kettensäge ist alles andere als symmetrisch zur linken Körperhälfte, aber immerhin nützlich beim Bekämpfen von "Deadites", wie die zombiehaften Besessenen im Evil Dead-Universum heißen.

Und davon gibt es eine Menge im Spiel. Auch hier könnte man sagen, das Verhältnis der Vierergruppe Überlebenden, die versuchen, die Nacht zu überstehen, ist nicht unbedingt symmetrisch zu den Horden der geifernden Untoten, die ihnen an die Gurgel wollen. Doch natürlich ist mit asymmetrisches Multiplayer-Spiel letztlich das Verhältnis der Spielerparteien zueinander gemeint: Die Vierertruppe kämpft gegen einen einzelnen, bösen Spielenden.

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Aber Moment, wie passen die angeblichen Gegnerhorden mit dem einen Spieler zusammen, der den Bösen mimt? "Okay, ihr stumpfsinnigen Blechköpfe, jetzt hört mal zu", würde Ash euch wohl entgegenblöken, doch wir sind etwas netter und sagen: Lest die folgenden Zeilen des Necronomicon ex GamePro.de, und ihr werdet erleuchtet. Es ist zwar nicht in Menschenhaut gebunden und mit Blut geschrieben (ihr lest den Test ja gerade auf eurem Smartphone oder PC-Bildschirm), doch solltet ihr vorher die drei magischen Worte aus Armee der Finsternis sprechen, um eine unliebsame Invasion aus dem Totenreich zu vermeiden: Klaatu, Verata, ... Nektarine? Nickel? Nudel? Hm, was soll's, machen wir einfach weiter im Text.

Necronomicon ex Mortis

Vier gegen einen. Einer gegen vier. Fangen wir mal auf der Seite der Überlebenden an. Dieses Team aus vier Spieler*innen setzt sich aus einigen der menschlichen Figuren der Evil Dead-Filme zusammen. Zur Auswahl stehen neben Ash, einem zweiten Ash, einem dritten Ash ... und sogar einem vierten Ash Nebencharaktere wie Scotty, der im ersten Film der Reihe ein grausames Ende erleidet, oder Annie Knowby, die Ash im zweiten Film zur Seite steht. Sogar die Ritter Arthur und Henry the Red aus Armee der Finsternis mischen mit.

Die Figuren sind in Klassen eingeteilt: Anführer, Jäger, Krieger und Unterstützer. Jede hat ihre Eigenheiten und Fähigkeiten, idealerweise besteht eine Gruppe also aus jeweils einem Charakter jeder Klasse. Mit jedem Match erhaltet ihr Erfahrungspunkte, die ihr separat auf einem Skilltree je Figur ausgeben könnt. Das gilt sowohl für die gute wie auch die böse Seite.

Jeder Charakter hat einen eigenen Skilltree, auf dem ihr Fähigkeiten freischaltet. Jeder Charakter hat einen eigenen Skilltree, auf dem ihr Fähigkeiten freischaltet.

So läuft eine Runde ab: Die Gruppe wird auf einer der zu Release des Spiels zwei enthaltenen Maps ausgesetzt und muss zunächst die verstreuten drei Teile einer Karte finden, die zu einer Seite des Necronomicons und einem Dolch führt. Habt ihr die drei Kartenteile, die in jeder Runde an einem anderen Ort versteckt sind, beisammen, müsst ihr zunächst den kandarischen Dolch und die Seite des Buches in euren Besitz bringen. Dazu gilt es, bei jedem der beiden Gegenstände so lange auszuharren, bis ein Timer abgelaufen ist – was natürlich mit ordentlich Gekämpfe gegen herbeieilende Gegner verbunden ist. Sind beide Objekte erobert, steht das Necronomicon selbst auf der Liste, das von den "Dunklen" beschützt wird, einer Gruppe uralter Dämonen, die ihr nur mit Lichtstrahlen aus dem kandarischen Dolch verletzen könnt. Das Buch der Toten zu zerstören und damit eine Invasion durch den kandarischen Dämon und seine Armee der Untoten zu verhindern, ist das generelle Ziel jeder Partie.

Angst in der Dunkelheit

Auf der Seite der Überlebenden spielt ihr recht konventionell in der Third-Person-Ansicht. Auftauchender Gegner erwehrt ihr euch mit leichtem und starkem Angriff oder per Schusswaffe. Waffen müsst ihr allerdings erst einmal finden – alles, was ihr zu Beginn einer Runde zur Verteidigung habt, sind eure Fäuste. Das Arsenal der Nahkampfwaffen reicht von Axt über Spitzhacke und Machete bis hin zum mit Nägeln versehenen Baseballschläger, an Schusswaffen findet ihr neben Flinten auch Sägeblattwerfer oder eine Armbrust. Von jeder Gattung könnt ihr nur ein Exemplar mit euch tragen, doch immerhin sind die Klingen und Schießprügel unzerstörbar. Für letztere müsst ihr allerdings nach Munition Ausschau halten.

Erstes Ziel in jedem Match ist es, die drei verstreuten Kartenteile zu finden. Erstes Ziel in jedem Match ist es, die drei verstreuten Kartenteile zu finden.

Angst als zentrale Spielmechanik: Eure Figur hat eine Angstleiste, die sich stetig füllt und bei Schockmomenten auch gleich mal um einen ganzen Batzen ansteigt. Ist die Angstleiste bis zu einer Augenmarkierung gefüllt, kann euch das Böse sehen und gezielt angreifen. Steigt die Angst weiter an, kann es passieren, dass der kandarische Dämon von euch Besitz ergreift und euch gegen eure Freunde kämpfen lässt.

Wie wir alle aus unserer eigenen Kindheit mit Sicherheit noch wissen, gibt es aber ein probates Mittel gegen Angst: Licht! Stellt ihr euch unter eine Lichtquelle, nimmt die Leiste langsam ab. Um sie auf einen Schlag komplett abzuschütteln, könnt ihr an bestimmten Punkten auch Lagerfeuer oder Laternen anzünden. Allerdings müsst ihr dafür unterwegs Streichhölzer eingesammelt haben. Wichtig: Seid ihr mit euren Kameraden in der Gruppe unterwegs, steigt die Angst langsamer an. Auch das wissen wir aus der Kindheit: Zusammen mit Freunden ist man mutiger. Einzelkämpfer*innen haben es also in Evil Dead schwerer.

Das Böse ist immer und überall

Spielt ihr den kandarischen Dämon, müsst ihr um jeden Preis verhindern, dass die Überlebenden das Buch zerstören. Allerdings läuft das Spiel auf der Seite des Bösen etwas anders ab. Ihr managt eure Seite eher als dass ihr aktiv am Gemetzel teilnehmt. Der kandarische Dämon ist sozusagen die Steady-Cam, die in Sam Raimis Filmvorlagen als unsichtbare Macht über den Waldboden fegt.

Wie im Film so auch im Spiel: Ihr schwebt in der Egoperspektive über den Boden und könnt an speziell markierten Orten etwa Fallen für die Überlebenden auslegen oder Besitz von Untoten ergreifen, um eure Untertanen im Kampf selbst zu steuern. Fallen sind ein gutes Mittel, die Angst der Überlebenden zu steigern, denn dadurch gewinnt der Dämon an Kraft. Ihr könnt sogar in bestimmte Bäume fahren und vorbeilaufenden Gegnern mit einem Asthieb einen gehörigen Schrecken einjagen. Während die Menschen in jeder Runde seltene "Pink-F"-Flaschen finden müssen, um ihre Statuswerte für die Dauer der Partie zu erhöhen, gewinnt das Böse durch die steigende Angst Punkte, die es auf seine eigenen Statuswerte verteilen kann.

Im Gegensatz zu den eher ordinären Werten der Überlebenden, wie Gesundheit, Nahkampf, Fernkampf und solchen Dingen, verbessert ihr als kandarischer Dämon beispielsweise eure Fähigkeit, Dämonenportale zu erschaffen. Die setzt ihr euren Gegnern nämlich direkt vor die Nase, um Untote herausspringen zu lassen. Das geht natürlich nicht unbegrenzt. Um Fallen zu stellen, Besitz über Untertanen und Gegner zu ergreifen oder Portale zu erschaffen, müsst ihr Währung einsammeln. Diese Höllenenergie ist in Form einsammelbarer Kristalle überall verteilt.

Allein geht auch

Evil Dead ist in erster Linie ein Multiplayer-Spiel, hat aber auch einen Singleplayer-Modus in Form kleiner, nicht zusammenhängender Episoden, die ihr nutzen könnt, um Belohnungen wie neue Skins oder Charaktere zu erhalten. Im Prinzip laufen diese Episoden wie das Hauptspiel ab, allerdings seid ihr alleine unterwegs. Statt der Zerstörung des Necronomicons gibt es jeweils andere Hauptziele, die ihr allerdings ebenso erst erreicht, wenn ihr Nebenaufgaben abgeschlossen habt.

Die Dunklen bewachen das Necronomicon und sind erst angreifbar, wenn ihr den Dolch in eurem Besitz habt. Die Dunklen bewachen das Necronomicon und sind erst angreifbar, wenn ihr den Dolch in eurem Besitz habt.

Als Beispiel die erste Episode: Hier sucht ihr als Ash nach Freundin Lindas Halskette, nachdem ihr sie zuvor enthauptet und begraben hattet. Anschließend geht es auf die Suche nach einer Schaufel und zu Lindas Grab, um ihren Kopf auszugraben und schließlich im Werkzeugschuppen zu erlösen. Die Aufgaben führen euch quer über die Map und gönnen euch keinerlei Speicherpunkte. Werdet ihr getötet, dürft ihr jedes Mal von Neuem anfangen.

Das kann relativ schnell relativ frustig werden. Eine weitere Art, sich als Einzelspielender zu beschäftigen, ist der Multiplayer-Modus mit KI-Kumpanen und -Gegenspieler. Das ist recht gut geeignet, um das Spiel zu üben, doch sind die KI-Mitstreiter teilweise derart dumm, dass man sie am liebsten mit der Axt zerstückeln würde. Der Singleplayer-Teil ist also nichts, weswegen man sich das Spiel kaufen sollte. 

Höllisch guter Fanservice 

Das Spiel gibt sich alle Mühe, euch an jeder Ecke Fanservice vom Feinsten zu bieten. Alle wichtigen und kultigen Elemente der Filme wurden vorbildlich eingebaut. So könnt ihr als Dämon etwa Versorgungskisten für die Überlebenden präparieren, indem ihr darin Ashs abgesägte Hand aus Tanz der Teufel 2 platziert, die dem Öffnenden ins Gesicht springt und den Mittelfinger zeigt.

Ashs besessene, abgetrennte Hand kann der Dämon ebenfalls in einer Kiste deponieren. Ashs besessene, abgetrennte Hand kann der Dämon ebenfalls in einer Kiste deponieren.

Oder ihr entscheidet euch für die Mini-Ashs aus Armee der Finsternis, die herausspringen. Natürlich darf auch das Oldsmobile nicht fehlen, das als Insider-Gag in jedem Film von Regisseur Sam Raimi auftaucht. Selbst als Spezialfähigkeiten wurden Dinge aus den Filmen eingebaut: Kriegerklasse-Ash etwa bekommt als Level-up das Fläschchen aus »Armee der Finsternis« – anders als im Film lässt es ihn aber nicht hunderte Jahre schlafen, sondern regeneriert Gesundheit und setzt die Angstleiste zurück. Und selbstverständlich kämpft ihr euch nicht durch irgendwelche Wälder, sondern durch solche, die dem ersten Film nachempfunden sind. Dass die neu eingesprochenen Oneliner von Bruce Campbell ebenfalls eine wahre Freude sind, brauchen wir Fans gegenüber sicher ebenfalls nicht erwähnen. Man weiß schließlich, was man von Mr. Campbell erwarten darf.

Gemischte Gefühle

Technisch gibt sich das Spiel mit seinem atmosphärisch dichten Grafikstil und schönen Lichteffekten äußerst gelungen. Zudem ist die Framerate auf PS5 und Xbox Series X butterweich, ohne hässliche Ruckler. Aber Technik bedeutet nicht nur Grafik: Auch der Sound ist ordentlich und lässt euch (eine entsprechende Anlage oder Kopfhörer vorausgesetzt) von hinten angreifende Feinde gut orten. Etwas, das über die Stereolautsprecher des Fernsehers natürlich nicht funktioniert und immer wieder mal zu Irritation führen kann, wenn ein Gegner grunzt, ihr aber nicht sofort erkennen könnt, woher.

Die Steuerung gibt sich so simpel wie möglich und verwirrt euch beispielsweise nicht mit unterschiedlichen Angriffskombos. Hier wird einfach stumpf draufgeknüppelt und zum Schluss als Höchstes der Gefühle mit einem weiteren Knopfdruck ein Finisher ausgelöst. Dennoch ist das Kampfsystem ein Grund zur Kritik. Drescht ihr auf einen Gegner ein, kann keiner eurer Mitstreiter*innen ihm Schaden zufügen. Das gilt immerhin auch für die Gegenseite. Auch die etwas zu nahe Kamera kann für Verwirrung sorgen, wenn ihr mehrere Gegner um euch herum habt. Von engen Räumen in dunklen Waldhütten ganz zu schweigen.

Um schneller von Ort zu Ort zu kommen, dürft ihr auch Fahrzeuge fahren, aber der Dämon kann euch dann orten! Um schneller von Ort zu Ort zu kommen, dürft ihr auch Fahrzeuge fahren, aber der Dämon kann euch dann orten!

Evil Dead funktioniert natürlich am besten, wenn ihr mit Freunden zusammen loszieht und euch absprecht. Startet ihr ein Spiel auf gut Glück mit zufällig ausgewählten Mitspieler*innen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihr ein paar Blechköpfe in der Gruppe habt, die ihr eigenes Ding durchziehen wollen und sich beispielsweise nicht um ausblutende Gruppenmitglieder kümmern. Auch scheint uns der kandarische Dämon mit all seinen Möglichkeiten etwas overpowered zu sein. Aber hier werden sicher noch entsprechende Anpassungs-Patches folgen.

Wenn ihr Multiplayer-kompatibler Fan der Vorlage seid und damit leben könnt, dass die Matches auf der derzeit einzigen Map immer nach dem gleichen Schema ablaufen (Orte nach Kartenteilen abgrasen, dann zur Endschlacht ziehen), werdet ihr sicher Spaß mit Evil Dead: The Game haben. Wer jedoch viel Abwechslung oder einen ansprechenden Singleplayer-Teil erwartet, sollte sich den Kauf besser zweimal überlegen.

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