Final Fantasy 14 hat mich von meinen unfairen MMO-Vorurteilen befreit

Hannes ist über seinen Schatten gesprungen und hat sich dieses Jahr endlich an Final Fantasy 14 gewagt. Und das gefällt ihm so gut, dass er sich fragt, warum er jemals etwas gegen MMOs hatte.

von Hannes Rossow,
31.12.2020 08:00 Uhr

Final Fantasy 14: A Realm Reborn trifft den Ton der Hauptreihe ziemlich gut. Final Fantasy 14: A Realm Reborn trifft den Ton der Hauptreihe ziemlich gut.

Nichts ist für mich leichter zu beantworten als die Frage, welches denn eigentlich mein Lieblingsspiel ist. Ich bin und bleibe ein großer Verfechter von Final Fantasy 9. Aber meine Liebe zur Final Fantasy-Reihe geht weit über die Abenteuer von Zidane Tribal hinaus. Bis jetzt habe ich noch jeden Final Fantasy-Ableger gespielt und meine Freude damit gehabt.

Es gibt allerdings Ausnahmen: Final Fantasy 11 und Final Fantasy 14. Zu groß waren meine Vorurteile, dass ich jemals auf den Gedanken gekommen wäre, ein MMO zu spielen - da kann noch so dick Final Fantasy draufstehen. Aber nun stehe ich da, verbringe regelmäßig Abende in Eorzea, feile an meinem Level 43 Dragoon Rosalinde und arbeite mich durch den schier endlos wirkenden Content von Final Fantasy 14: A Realm Reborn.

Final Fantasy 14 Online: Shadowbringers - Render-Trailer stimmt auf Add-On ein 6:40 Final Fantasy 14 Online: Shadowbringers - Render-Trailer stimmt auf Add-On ein

"Ich probiere es nur mal kurz aus…"

Einen Blick in das umjubelte MMO wollte ich eigentlich schon 2013 werfen, als der katastrophale Launch mit einem kompletten Reboot des Spiels quasi ungeschehen gemacht wurde. Die regelmäßigen Topwertungen von Erweiterungen wie Heavensward, Stormblood und zuletzt Shadowbringers fachten meine Neugier immer weiter an. Aber es blieb ja doch ein MMO und dementsprechend: ständiger Grind, Online-Zwang, eine belanglose Story und nervige Mitspieler.

Oder etwa nicht?

Am Ende war es dann der Geiz, der mich dieses Jahr zu Final Fantasy 14 getrieben hat. In Sachen neuer Releases war gerade nicht viel los, warum also nicht von der kostenlosen Trial-Phase Gebrauch machen? Immerhin kann ich mich hier 30 Tage lang austoben, meine Vorurteile bestätigen und mich dann schnell wieder vom MMO-Acker machen. Aus dieser Stippvisite wurde aber ein Daueraufenthalt.

Ich mag Final Fantasy 14 aber nicht, WEIL es ein MMO ist, sondern OBWOHL es ein MMO ist. Andere Genre-Vertreter interessieren mich weiterhin kaum. Aber Final Fantasy 14 hat mich damit überrascht, wie perfekt es auch für Fans der Solo-Reihe geeignet ist. Trotz des erbarmungslosen Fokus auf Online-Inhalte wirkt Final Fantasy 14 nämlich wie ein klassischer Hauptableger, inklusive der wohl besten Final Fantasy-Story der letzten 20 Jahre.

Eine große Story für mich ganz allein

Bis auf bestimmte Aktivitäten wie beispielsweise die Dungeons oder die Prüfungen, die ich mit zusammengewürfelten Partymitgliedern bestreite, kann ich die Hauptstory von Final Fantasy 14 komplett im Singleplayer erleben. Und die hat es in sich: Auf dem Kontinent Eorzea erholen sich die drei Stadtstaaten Gridania, Limsa Limosa und Ul'dah gerade von einer großen Katastrophe und müssen sich zeitgleich auf einen erneuten Krieg mit der Garleischen Republik vorbereiten.

Erweiterungen wie Shadowbringer sorgen regelmäßig für Top-Wertungen. Erweiterungen wie Shadowbringer sorgen regelmäßig für Top-Wertungen.

Als Abenteurer werden wir in diese politisch zugespitzte Situation entlassen und müssen dabei helfen, den Kontinent zu retten - und zwar auf unsere Weise. Je nachdem, welche Entscheidungen wir treffen, gehören wir nämlich den unterschiedlichsten Fraktionen an. Die übergreifende Story von Final Fantasy 14 ist hier nicht Mittel zum Zweck um den Grind zu rechtfertigen, sondern ein wichtiges Kernelement.

In den ersten Spielstunden ist die Geschichte zwar etwas langsam erzählt, allerdings überschlagen sich schnell die Ereignisse und die Story blüht auf. Durch viel Fokus auf wiederkehrende Charaktere, cineastisch inszenierte Dialoge (für MMOs eher unüblich) und natürlich aufwändige Zwischensequenzen fühlt sich Final Fantasy 14 wie ein vollwertiger Hauptableger an.

Gold Saucer ist auch in Final Fantasy 14 einen Abstecher wert. Gold Saucer ist auch in Final Fantasy 14 einen Abstecher wert.

Final Fantasy par excellence

Eine meiner größten Sorgen bezüglich A Realm Reborn war, dass ich mir nicht wirklich vorstellen konnte, wie ein MMO die besondere Final Fantasy-Atmosphäre vermitteln soll. Aber der Charme der Reihe wurde wunderbar eingefangen. Wir reiten auf Chocobos durch die Welt, treffen auf Kultcharaktere wie Cid, Biggs oder Wedge, legen uns mit Ifrit, Ramuh und Co. an und dürfen sogar dem Gold Saucer aus Final Fantasy 7 einen Besuch abstatten.

Auch an Mogrys und Luftschiffen mangelt es in Final Fantasy 14 nicht. Ständig werden Fans mit Verweisen auf die lange Historie der RPG-Marke konfrontiert. Mal sind es Franchise-typische Gegnertypen wie Kaktor oder Mandragora, mal sind es komplexe Mechaniken wie die Möglichkeit, Ausrüstung durch mehrstufige Materia aufzuwerten. Wer sich halbwegs mit Final Fantasy auskennt, findet sich auch in Eorzea schnell zurecht.

MMO und Open World-RPG: Wo ist der Unterschied?

Auch in Sachen Gameplay wirkt Final Fantasy 14 auf keinen Fall so fremd, wie man es eigentlich erwarten würde, wenn sich ein Singleplayer-Franchise in MMO-Gefilde begibt. Abseits der Tatsache, dass viele Open World-RPGs heutzutage ohnehin das Spielgefühl vieler MMOs adaptieren, ist das Gameplay von A Realm Reborn auch für reine Final Fantasy-Fans nichts Neues. Schon Final Fantasy 12 fühlte sich über weite Strecken wie ein Online-Rollenspiel an.

Final Fantasy 12 war in Sachen Gameplay ohnehin schon nah dran an MMO-Gefilden. Final Fantasy 12 war in Sachen Gameplay ohnehin schon nah dran an MMO-Gefilden.

Groß, weitläufige Areale mit kleineren Städten, in denen Questgeber auf mich warten? Fast schon Alltag! Simple Quest-Stränge, die mich eine bestimmte Anzahl von heimischen Monstern erledigen lassen? Das mache ich schon seit Jahren! Ein Kampfsystem, das Attacken automatisiert und mich nur noch Spezialangriffe auswählen lässt? Darauf setzt übrigens auch das Final Fantasy 7-Remake. Warum habe ich mir also jemals gedacht, MMOs könnten mir keinen Spaß machen?

Lasst euch nicht abschrecken!

Ja, ich gebe zu, der Einstieg in Final Fantasy 14 ist etwas zäh. Die vielen Gameplay-System können auf dem ersten Blick überwältigend wirken. Doch durch zahlreiche Hilfestellungen und einführende Quests war am Ende alles gar nicht so schlimm. Es reicht vollkommen aus, sich die ersten Spielstunden komplett auf die Hauptquests zu konzentrieren, der Rest kommt dann von ganz allein. "Fehler" könnt ihr in Final Fantasy 14 ohnehin nicht machen, denn euer Charakter kann theoretisch jede Klasse und jeden Job erlernen - verskillen tut sich hier niemand.

Ich freue mich auf meine weitere Zeit mit Final Fantasy 14. Die großen und hochgelobten Erweiterungen wie Heavensward und Stormbringers liegen noch vor mir und auch sonst sieht es nicht danach aus, als hätte Square Enix mit Final Fantasy 14 bald abgeschlossen. Lasst euch bitte nicht vom MMO-Konzept abschrecken, ihr lauft sonst Gefahr, ein echtes Final Fantasy-Highlight zu verpassen. Ein Highlight, hinter dem übrigens dieselben Köpfe stecken wie hinter dem kommenden Final Fantasy 16.

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