1962 zeichnete die Mumin-Erfinderin den "finnischen Gollum" und Tolkien selbst war so überrascht, dass er daraufhin seine Bücher anpasste

1962 fertigte Tove Jansson Illustrationen für den kleinen Hobbit an und malte darin unter anderem eine Version von Gollum, die Tolkien dazu brachte, seinen eigenen Text anzupassen.

Der kleine Hobbit (Quelle: https:tovejansson.comhobbit-tolkien) Der kleine Hobbit (Quelle: https://tovejansson.com/hobbit-tolkien/)

Der Herr der Ringe gehört zu den berühmtesten und erfolgreichsten Büchern aller Zeiten und gilt als ein Klassiker der Moderne. Keine andere Fantasy-Geschichte hat einen vergleichbaren Einfluss auf das Genre genommen wie das Werk von J.R.R. Tolkien.

Neben der Welt Mittelerde, dessen Mythologie, Genealogie und Geographie so dicht ist, dass wir sie studieren könnten, sind es vor allem die Figuren, die in den Köpfen bleiben. Ob der Ringträger Frodo, sein guter Freund Sam oder die vielen anderen – auch bedingt durch die Filme haben wir ein klares Bild im Kopf, wenn wir an Tolkiens Charaktere denken.

Besonders den ambivalenten Gollum verbinden wir fest mit der Performance von Andy Serkis, die auch sehr gut zur Beschreibung aus den Büchern, sowohl im Herr der Ringe als auch im Hobbit, passt. In der Vorgeschichte wurde sie allerdings in den 1960ern wegen einer finnischen Zeichnerin noch einmal angepasst.

Video starten 14:22 Der Herr der Ringe Online: Was taugt das MMORPG im Jahr 2025? Sören zeigt es euch

Wie Tove Jansson Tolkien dazu brachte, sein Buch zu überarbeiten

Tove Jansson ist den meisten wohl als die Erfinderin der Mumins bekannt. Die kleinen Trolle, die wie niedliche Nilpferde aussehen, eroberten in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Welt der Kinderbücher und machten die Autorin und Zeichnerin auf der ganzen Welt bekannt.

1962 wurde sie von einer gewissen Astrid Lindgren, die damals beim Verlag Rabén und Sjögren arbeitete, damit beauftragt, die schwedische Version von Der kleine Hobbit zu illustrieren. Darin hat auch die Figur Gollum ihren ersten großen Auftritt, wenn sie im Rätselwettstreit gegen Bilbo antritt, und natürlich zeichnete Jansson auch dazu ein passendes Bild.

Als Tolkien, der selbst großer Fan von Janssons Arbeit war, die Zeichnung später zu Gesicht bekam, war er – diplomatisch ausgedrückt – überrascht, da die Figur ganz anders aussah als in seinem Kopf. Statt des kleinen, schleimigen Monsters hatte Gollum über eine ziemlich große, trollähnliche Gestalt, die fast an einen Ent erinnert.

Tove Janssons Version von Gollum (Quelle: https:tovejansson.comhobbit-tolkien) Tove Janssons Version von Gollum (Quelle: https://tovejansson.com/hobbit-tolkien/)

Das brachte Tolkien sogar dazu, dass er die Beschreibung im Hobbit nochmal für neuere Ausgaben anpasste und die Körpergröße näher beschrieb. Journalist Paul Gravett schrieb dazu über Jansson (via. tovejansson.com):

"Ihr Gollum ragte monströs groß auf – sehr zur Überraschung von Tolkien selbst. Dieser erkannte, dass er Gollums Größe nie präzisiert hatte, und passte daraufhin die Ausgabe an, um ihn als 'ein kleines, schleimiges Wesen' zu beschreiben."

Auch wenn die Zeichnung nicht zu Tolkiens Vorstellung passte, wurde sie auch weiterhin und zusätzlich für die finnische Version des Buchs verwendet. Mittlerweile gibt es die Ausgabe mit ihren Zeichnungen aber auch in anderen Sprachen, darunter auch Deutsch.

Auch wenn sowohl Tolkien als auch Jansson die Arbeit des anderen sehr mochten und sich ihre Wege durch die Zusammenarbeit gewissermaßen in Mittelerde kreuzten, lernten sie sich nie persönlich kennen. Tolkien verstarb am 2. September 1973, Jansson lebte bis zum 27. Juni 2001. Beide zählen in ihrer jeweiligen Heimat zu den einflussreichsten und berühmtesten Kulturschaffenden überhaupt.


Kommentare(0)
Kommentar-Regeln von GamePro
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.