Forza Horizon 5 rast im Tech-Test für Xbox One und Xbox Series X/S mit Leichtigkeit aufs Podium

Forza Horizon 5 überzeugt technisch in nahezu jeglicher Hinsicht und übernimmt die Spitzenposition des Vorgängers.

von Chris Werian,
17.11.2021 16:00 Uhr

Forza 5 im Tech-Check Forza 5 im Tech-Check

Im GamePro-Test zu Forza Horizon 5 haben wir euch bereits verraten, dass Playground Games ein hervorragendes Arcade-Rennspiel gelungen ist. Eines, das sich stark an den Vorgängern orientiert und keine großen Experimente wagt, generell aber Fans der Reihe zig Stunden Spaß vor ihren Xbox-Konsolen garantiert. Heute wollen wir nochmal einen genauen Blick unter die Motorhaube werfen und euch in einem Tech-Check verraten, was die einzelnen Versionen alles auf dem Kasten haben und auch, wie Teil 5 den bereits wunderschönen Vorgänger noch übertrifft.

Auf allen Geräten wunderschön

Forza Horizon 5 ist auf insgesamt vier grundverschiedenen Konsolen erschienen: Xbox One S, Xbox One X, Xbox Series S und Xbox Series X. Obwohl zwischen den Generationen mehrere Jahre liegen, fallen die Abweichungen, abgesehen von der Auflösung, kaum ins Auge. Selbst auf der betagten Xbox One S entzücken die pittoresken Landschaften Mexikos.

Dafür ist ein dynamisches Beleuchtungssystem verantwortlich, das die Spielwelt glaubwürdig ausleuchtet. Je nach Stand der Sonne ändert sich die Lichtstimmung der gesamten Szene, die Oberflächengeometrie der angestrahlten Objekte entscheidet über Reflexion und Helligkeit.

Beleuchtungssystem Es spielt keine Rolle, auf welchem Gerät ihr Forza Horizon 5 spielt, das Beleuchtungssystem sorgt stets für authentische Lichtverhältnisse. Die globale Lichtquelle ist auf der Xbox One S und im Performance-Modus der Xbox Series S deutlich diffuser, weshalb die Versionen blasser wirken. (Bild: Xbox Series X; Qualitätsmodus)

Volumetrische Lichtstrahlen Selbst schwächere Konsolen berechnen zuverlässig volumetrische Lichteinlässe. Je niedriger die Leistung der Xbox, desto unpräziser fällt jedoch die Berechnung aus. Im Performance-Modus der Xbox Series S (im Bild) wirken Waldgebiete dadurch zum Teil zu grell.

Ebenso großartig skalieren die verwendeten Texturen. Bereits auf der Xbox One S wirken Bodentexturen und Fahrzeuge sehr plastisch, die Qualität nimmt auf der Xbox One X und den Series-Systemen dann spürbar zu. Parallax Occlusion Mapping sorgt für glaubwürdige Schattierungen bei Unebenheiten bspw. in matschigen Reifenspuren, Cone Step Mapping verpasst Mauern ein raues Relief.

Umgebungen Forza Horizon 5 erzeugt Panoramen wie kaum ein zweites Spiel. Zahlreiche Details zaubern realistische Rennstrecken auf den Bildschirm. (Bild: Xbox Series X; Performance-Modus)

Asset-Qualität Die Detailverliebtheit hört auch abseits der Strecken nicht auf, in sämtlichen Texturen und Modellen steckt irrsinnig viel Aufwand.

Cone Step Mapping Steinerne Fassaden sind mit einem feinen Relief überzogen.

Parallax Occlusion Mapping Einzelne Rillen im Matsch unterstreichen den schmutzigen Offroad-Look.

Auch Physikeffekte bleiben unabhängig der verwendeten Konsole vollständig erhalten. Rammen wir bröselige Steinmauern oder fällen Bäume, kracht es ordentlich, Einzelteile wirbeln durch die Luft.

Wenn wir durch Mauern oder Zäune brettern, spratzt es ordentlich. Partikel fliegen umher, Rauch steigt auf. Wenn wir durch Mauern oder Zäune brettern, spratzt es ordentlich. Partikel fliegen umher, Rauch steigt auf.

Den größten Vorsprung der neuen Konsolen entdecken wir bei der Vegetation: Der Dschungel Mexikos ist in den Qualitätsmodi der Xbox Series X und der Series S dicht bewuchert. Gestrüpp, Bäume und Gras wachsen ungezügelt an den Straßenrändern.

Je weniger Rechenleistung der Konsole zur Verfügung steht, desto geringer sind die Wälder bewachsen. Die Version für die Xbox One S fällt dadurch aber nicht abgeschlagen zurück. Auch auf dem Last-Gen-System bleibt der Eindruck einer lebendigen Flora erhalten, lediglich die Dichte lässt nach und Schattenwürfe kleinerer Pflanzen fallen weg.

Xbox Series X Qualitäts-Modus Xbox Series X Qualitäts-Modus
Xbox Series S Performance-Modus Xbox Series S Performance-Modus

Die Pflanzenwuchs ist in den Qualitätsmodi der Xbox Series X|S deutlich üppiger.

Die Xbox One X bietet einen Kompromiss aus Vegetationsdichte und Beleuchtung:

Auf der Xbox One X müssen wir zwar mit einer niedrigen Vegetationsdichte Vorlieb nehmen, dafür werden hohe Einstellungen für die Schattierungen verwendet. Auf der Xbox One X müssen wir zwar mit einer niedrigen Vegetationsdichte Vorlieb nehmen, dafür werden hohe Einstellungen für die Schattierungen verwendet.

Bewegen wir uns auf schwächeren Geräten, beobachten wir außerdem eine Verschiebung beim Level-of-Detail. Auch auf der potenten Xbox Series X lassen sich diese nicht vermeiden, regelmäßig ploppen Schatten und Vegetation ins Bild, jedoch rückt die Schwelle weiter in die Ferne. Im Performance-Modus der Xbox Series S und auf der Xbox One S tauchen Details aber sehr nah an unserem Gefährt wie aus dem Nichts auf.

Abwechslungsreichtum: Die Welt von Forza Horizon 5 wirkt sehr dynamisch, viele kleine Hingucker sorgen für optische Varianz. An Flüssen schrecken wir unter anderem Schwärme von Störchen auf, volumetrischer Rauch steigt aus dem Krater des nahen Vulkans auf, Scheinwerfer färben die Umgebung der Festival-Außenposten ein.

Details: Tiere Wir entdeckten Ziegen, Esel und Störche.

Vulkan Dichte Rauchschwaden werden im Krater gebildet.

Scheinwerferlicht Außenposten erkennt ihr bereits aus der Ferne an ihren bunten Lichtern.

Framerate und Auflösung

Im Hinblick auf die Performance können wir auf allen Xbox-Systemen festhalten, dass es eigentlich nicht viel besser geht. Last-Gen-Geräte packen die Grafikpracht mit konstanten 30 fps, auf der Series X|S haben wir jeweils die Wahl zwischen einem Performance-Modus mit 60 fps und einem Qualitäts-Modus mit 30 fps. Der Qualitäts-Modus beschränkt sich dabei nicht nur auf die Auflösung, sondern aktiviert auch zusätzliche Grafik-Features wie die höhere Vegetationsdichte.

Unsere Messungen ergaben eine einhundertprozentig stabile Framerate auf allen Systemen:

Series X - Qualität Im Qualitätsmodus ist Forza Horizon 5 auf native 4K festgenagelt, die Framerate verweilt stets bei 30 Bildern pro Sekunde.

Series X - Performance Noch immer bewegt sich die Xbox Series X bei 4K, wird die Rechenlast zu hoch, kann die Auflösung auf bis zu 1600p reduziert werden. 60 fps werden ohne Ausnahme gehalten.

Series S - Qualität Im Qualitäts-Modus gibt Xbox Series S weitgehend 1440p aus, kann aber in Ausnahmefällen auf 1080p zurückfallen. An den Baumwipfeln erkennt ihr kurzzeitiges Tearing, welches nur außerst selten auftritt.

Series S - Performance Um 60 fps zu erreichen werden Auflösungen zwischen 1080p und 810p angestrebt.

One X Die Version für die Xbox One X verhält sich wie der Performance-Modus der Series X, pendelt also zwischen 2160p und 1600p, wobei die Auflösung nur selten verringert wird. Bei der Xbox One S müsst ihr mit einem Auflösungsbereich von 1080p bis 810p rechnen.

Sollte kurzzeitig mehr Rechenlast anfallen, reagiert die Engine von Forza Horizon 5 sofort darauf. So kann unter anderem die native Render-Auflösung dynamisch angepasst werden oder wahlweise ein halbfertiger Frame eingeschoben werden. Letzteres kann sich als Bildschirmzerreißen äußern, die Notfallmechanik kommt in der Praxis allerdings nur in seltenen Situationen zum Einsatz.

Selbst 30 fps wirken in Forza Horizon 5 noch sehr flüssig, eine brillante Implementierung von Bewegungsunschärfe sorgt für ein knackiges Fahrgefühl, der Tempoeindruck beim Rasen bleibt stets erhalten.

Forza Horizon 6 könnte in folgenden Aspekten ansetzen

Gänzlich perfekt ist Forza Horizon 5 dennoch nicht. Besonders die Animationen der Hauptcharaktere wirken extrem hölzern, sie heben sich kaum vom Publikum am Straßenrand ab. Wir bekommen die Avatare anderer Spieler*innen häufig zu sehen, in einem visuell dermaßen aufwendigen Titel wirken sie daher arg deplatziert. 

Charaktermodelle: Hauptfigur Die Avatare der Forza-Spieler*innen sind steif animiert und heben sich deutlich von der ansonsten makellosen Optik ab.

Publikum Das Publikum am Seitenrand sieht dagegen nicht viel schlechter aus, auch wenn sich Gesten und Basis-Design sehr schnell wiederholen. Nicht dass das eine Rolle spielen würde, wenn man mit 300 km/h an ihnen vorbeidonnert.

Innenräume von Fahrzeugen polygonarm: Schalten wir zur Cockpit-Perspektive, dann müssen wir leider mit einem niedrigeren Detailgrad im Vergleich zur Motorsport-Reihe leben. Das ist jedoch bewusst so gewählt, da wir häufig querfeldein durch die Pampa driften. Nur die Verfolgerperspektive liefert die dafür notwendige Übersicht.

Die Ausgestaltung der Fahrzeug-Cockpits ist im Vergleich zur Motorsport-Reihe kantig. Die Ausgestaltung der Fahrzeug-Cockpits ist im Vergleich zur Motorsport-Reihe kantig.

Unfälle sorgen lediglich für ein paar Kratzer: Während wir die mexikanischen Landschaften detailliert zerlegen können, ist das Schadensmodell der Fahrzeuge sehr zurückhaltend und geht über eine gesplitterte Scheibe oder einen leicht verbogenen Kotflügel nicht hinaus. Entscheiden wir uns für eine Simulation der Schadenswirkung, kann es also sein, dass unser Motor nach einem Frontalcrash komplett hinüber ist, sich am Auto aber nur eine kleine Delle befindet.

Trotz mehrerer Unfälle ist unsere Karosserie nur leicht verbeult, wir kommen aber kaum noch voran, da der Motor des Nissan nahezu defekt ist. Eine starke Diskrepanz zwischen Gameplay und Visualisierung hebelt die Option zur Schadenssimulation effektiv aus. Trotz mehrerer Unfälle ist unsere Karosserie nur leicht verbeult, wir kommen aber kaum noch voran, da der Motor des Nissan nahezu defekt ist. Eine starke Diskrepanz zwischen Gameplay und Visualisierung hebelt die Option zur Schadenssimulation effektiv aus.

Ray-Tracing nur in Forzavista auf der Xbox Series X: In Forza Horizon 5 kommt die aufwendige Lichtstrahlenberechnung leider nur zum Einsatz, wenn wir unsere Karre in der Garage begutachten. Einzelne Elemente werfen dann dynamische Schatten auf das Fahrzeug. 

Ray-Tracing ist lediglich ein netter Bonus - die Lichtstrahlensimulation wird nur für Schatten verwendet, die vom Auto selbst geworfen werden. Ray-Tracing ist lediglich ein netter Bonus - die Lichtstrahlensimulation wird nur für Schatten verwendet, die vom Auto selbst geworfen werden.

Eine Implementierung für das globale Beleuchtungssystem wäre sicherlich zu aufwendig, erst recht, wenn man die hohen Geschwindigkeiten der Fahrzeuge bedenkt, Reflexionen in Pfützen oder Flussläufen würden sich für die Technik jedoch anbieten. Die Screen Space Reflections auf Wasseroberflächen wirken nämlich trüb, das ungenau gebrochene Licht sorgt dafür, dass sich das kühle Nass vom Rest der Umgebung abhebt.

Reflexionen: Heckscheibe Obwohl uns gerade das halbe Teilnehmer*innenfeld am Heck klebt, erkennen wir nur vorberechnete Reflexionen der Umgebung in der Scheibe. Ray-Tracing könnte hier ansetzen ...

Wasser ... oder Wasserflächen aufhübschen, die häufig zu trüb geraten sind und scharfe Kanten an den Ufern bilden.

Lange Ladezeiten: Die Schnellreise zum eigenen Haus zieht sich auf der Last Gen wie Kaugummi, wir müssen bei Szenenwechseln stets gut zehn Sekunden warten. Aber auch die neuen Konsolen bieten keine unterbrechungsfreie Spielerfahrung, Sprünge aus einer Rennveranstaltung schicken uns ebenfalls einige Sekunden in einen Ladebildschirm.

Fazit der Redaktion

Chris Werian
@DrChrisRespect

Auch wenn sich Forza Horizon 5 nur wenig von seinem direkten Vorgänger absetzt, es ist ein umwerfendes Grafikerlebnis, bei dem ich mich zwangsläufig mit Superlativen überschlage. Malerische Landschaften werden mit dem herrlichen Beleuchtungssystem erzeugt, aufgrund der vielen zerstörbaren Elemente wird stets Dynamik vermittelt. Zudem kommt die Abwechslung nicht zu kurz – wir heizen bei Nacht durch die Wüste, kämpfen uns am Morgen durch dichte Nebelschwaden und pfeffern lichtdurchflutete Flussläufe entlang.

Die Performance ist dabei von einem anderen Stern. Forza Horizon 5 bleibt stets flüssig, selbst in 30 fps ist der Titel aufgrund der herausragenden Motion-Blur-Implementierung perfekt spielbar. Klar, die Unschärfe fällt auf, der Nachteil von 30 fps ist aber längst nicht stark wie bei anderen Titeln.

Für einen möglichen Nachfolger wünsche ich mir allerdings ein paar Neuheiten, die sich bei der Reihe anbieten. Die Charaktermodelle könnten ruhig eine Auffrischung vertragen, nach einem Crash möchte ich auch sehen, dass mein Gefährt hinüber ist. Ob es Ray-Tracing jemals abseits von Forzavista ins Spiel schafft, wage ich aber zu bezweifeln, auf Wasseroberflächen würde ich es allerdings gern sehen.

Welche Grafikeffekte würdet ihr euch für Forza Horizon 6 wünschen?

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