13 Jahre ungeschehen gemacht: Alle Kopfhörer und Headsets sollten sich auf diese Art verjüngen lassen

Nach wenigen Handgriffen sehen Chris erste, über ein Jahrzehnt alte Hi-Fi-Kopfhörer wieder aus wie neu. Das sollte auch bei Headsets Standard sein!

Im Müll muss eigentlich kein verschlissenes Headset landen. Im Müll muss eigentlich kein verschlissenes Headset landen.

Gaming-Headsets mangelt es seit jeher an Durchhaltevermögen, nur wenige Produkte überstehen mehr als ein paar Jahre. Ich habe mir daher stets Studio-Equipment gekauft, mein erster Hi-Fi-Kopfhörer begleitet mich beispielsweise schon seit 13 Jahren.

Das wird auch noch länger so bleiben, da der Hersteller offizielle Ersatzteile zum günstigen Preis anbietet - eine Tugend, von der sich viele Headset-Produzent*innen eine Scheibe abschneiden könnten.

Chris Werian
Chris Werian

Chris war knapp drei Jahre im Einzelhandel tätig und hat sich dort häufig mit Kundschaft auseinandergesetzt, die mit klapprigen, sich in ihre Bestandteile auflösenden Headsets vor ihm stand. Als er sich an die Probierstationen in seinem Markt gestellt hat, wurde ihm auch klar, wieso – für die Ewigkeit ist da nix gebaut. Ihn macht das regelrecht fassungslos, schließlich ginge es auch anders.

Langlebigkeit und grandioser Sound

Als ich mir die DT 880 Pro von Beyerdynamic gekauft habe, hat sich deren Klangbild als Maßstab für guten Sound in mein Gehör gebrannt. Seitdem muss sich die versammelte Konkurrenz am schieren Volumen und den filigran ausgearbeiteten Details des Studio-Kopfhörers messen; ein Großteil scheitert kläglich daran.

Damit das so bleibt, bietet Beyerdynamic auf der eigenen Webseite Ersatz für jedes Bauteil des Kopfhörers an. Für mich war das damals ein wichtiger Kaufgrund.

Was bin ich froh über meine Entscheidung!

Meine DT 880 Pro mussten nach knapp sieben Jahren, in denen ich sie rund um die Uhr verwendete, aufgrund ihres hohen Gewichts einem leichten Kopfhörer für den Alltag weichen. Außerdem habe ich den penetranten Erdbeergeruch, der aus einem Unfall mit einem Glas Fruchtbowle resultierte, nicht mehr aus den Ohrpolstern gewaschen bekommen.

Achtung Ekel-Content: Während meines kürzlichen Umzugs sind sie mir dann erneut in die Hände gefallen, aufsetzen wollte ich sie aber nicht mehr. Nachdem sie sechs Jahre im Keller vor sich hin gammelten, sahen die Velours-Bezüge alles andere als appetitlich aus:

Meine Kartoffelkamera schmeichelt den Bezügen mehr als sie sollte, glaubt mir, ich war froh, dass die Ohrpolster noch kein Eigenleben entwickelt hatten. Meine Kartoffelkamera schmeichelt den Bezügen mehr als sie sollte, glaubt mir, ich war froh, dass die Ohrpolster noch kein Eigenleben entwickelt hatten.

Da ich bei ihrem Anblick jedoch ein wenig wehmütig wurde, wollte ich sie nicht einfach so aufgeben. Beyerdynamic bietet mir die Möglichkeit, einzelne Komponenten nachzukaufen, wieso sollte ich sie mir entgehen lassen?

Gesagt, getan: Für ungefähr 25 Euro habe ich mir einen Satz frischer Ohrpolster geordert, eine Anleitung zum Austausch lässt sich schnell auf der offiziellen Webseite entdecken. Nach knapp dreißig Minuten landeten die versifften Originale im Müll und ich hatte Kopfhörer, die so gut wie neu aussahen:

Schritt 1 Die abgenutzten Velours-Bezüge lassen sich einfach abziehen, den Klemmring darunter, der die inneren Schaumscheiben festhält, kann man heraushebeln. Ich habe dafür einen kleinen Spachtel verwendet. (Bildquelle: Beyerdynamic)

Schritt 2 Nach dem Austausch der inneren Scheibe wird der Klemmring wieder befestigt und das Ohrpolster draufgezogen. Damit die Gummihalterung weich und dehnbar ist, geht man kurz mit dem Fön darüber. (Bildquelle: Beyerdynamic)

Vergleich Ihr habt mir bisher nicht geglaubt, dass ein Wechsel dringend notwendig war? Nehmt das!

Sie klingen sogar noch wie am ersten Tag und darüber bin ich am meisten froh. Mit der Feature-Palette eines modernen Kopfhörers – dazu zählen für mich etwa die kabellose Kompatibilität zu Smartphones und Konsolen oder gar das haptische Feedback des Razer Kaira Pro – können die DT 880 Pro nicht mithalten, aber das stört mich bei dieser Beständigkeit nicht im Geringsten. Wobei ich sie ab jetzt wohldosiert einsetzen werde. Lektion gelernt!

Nach dem Wechsel der Ohrpolster und einer Grundreinigung mit feuchten Allzwecktüchern sehen die 13 Jahre alten Kopfhörer aus wie neu. Nach dem Wechsel der Ohrpolster und einer Grundreinigung mit feuchten Allzwecktüchern sehen die 13 Jahre alten Kopfhörer aus wie neu.

Kaum offizielle Ersatzteile für Headsets

Ihr würdet solch einen Wechsel gern bei eurem Headset durchführen? Ob und wie leicht das möglich ist, hängt leider von eurem Modell ab. Bei hochpreisigen Produkten, wie dem Master & Dynamics MG20, das ich im Frühjahr testen konnte, ist es nicht unüblich, leicht auszuwechselnde Ohrpolster bestellen zu können. Auch bei der Sennheiser-Marke EPOS wird direkt auf den Produktseiten auf Ersatzteile hingewiesen.

Hier findet ihr meinen Test zum sündhaft teuren MG20, das mich leider etwas enttäuscht hat:

Verdammt teuer, aber auch verdammt gut?   36     2

Master & Dynamic MG20-Headset für PS5 im Test

Verdammt teuer, aber auch verdammt gut?

Fast alle Hersteller, die eine Vielzahl grundverschiedener Produkte produzieren und auf Masse setzen, haben jedoch nur wenige Ersatzteile im Angebot. Razer bietet Ohrpolster beispielsweise einzig für seine momentan populärsten Modelle an, Ersatzteile für ältere Headsets fehlen komplett.

Da die verwendeten Materialien, allen voran Kunstleder, schneller verschleißen als beispielsweise die Velours-Bezüge meines Beyerdynamic-Kopfhörers, ist das wirklich ärgerlich.

Im unteren Preissegment wird es zappenduster: Bei Marken, die sich vorrangig im unteren Preisbereich tummeln – ich habe zum Beispiel bei Turtle Beach, HyperX und Logitech nachgeschaut – fehlt es zumeist völlig an Ersatzteilen. Hier wird also ganz bewusst damit gerechnet, dass es sich um Wegwerfartikel handelt.

Beim teuersten Logitech-Headset lässt sich ein Klinkenkabel dazukaufen. Mehr nicht. Beim teuersten Logitech-Headset lässt sich ein Klinkenkabel dazukaufen. Mehr nicht.

Mich stört diese Mentalität sehr, zumal immer mehr günstige Marken versuchen, mit kostspieligen Produkten in hochpreisige Segmente vorzudringen. “Premium-Materialien” hier, “Premium-Sound” dort – an solchen Werbebegriffen reibe ich mich eigentlich nicht, es sollte aber nicht sein, dass ein “Premium-Headset“ zwangsweise zu Premium-Müll wird, nur weil ein Stück vermeintlichen Premium-Stoffs verschlissen ist.

Dritthersteller als einziger Ausweg

Zu den gängigsten Headset-Modellen findet ihr in den größten Online-Shops auch Ohrpolster von Drittanbietern. Diese erreichen nicht immer die Qualität des Originals, steht euch keine andere Möglichkeit zur Verfügung, dann ist ein Selbstversuch jedoch definitiv günstiger als der Kauf eines neuen Headsets.

Der Austausch sollte ähnlich simpel funktionieren wie bei meinem Beyerdynamic-Kopfhörer: Die meisten Ohrpolster werden der Einfachheit halber lediglich ins Gehäuse geclippt, auf Youtube findet ihr zahlreiche Anleitungen dazu.

Bei vielen Razer-Produkten werden die Ohrpolster schlicht raus- oder reingedreht. (Bildquelle: Accessory House) Bei vielen Razer-Produkten werden die Ohrpolster schlicht raus- oder reingedreht. (Bildquelle: Accessory House)

Alternativ bietet es sich natürlich an, schon beim Kauf auf die Nachhaltigkeit eines Headsets zu achten. Ein Blick auf die Produktseite des entsprechenden Modells verrät meist, ob Ersatzteile bereitgestellt werden.

Für mich haben sich Nachforschungen im Voraus zumindest gelohnt - ich mag meine Beyerdynamic-Kopfhörer nach der Generalüberholung sogar noch lieber als zuvor, schließlich haben sie beweisen können, dass noch in vielen Jahren mit ihnen zu rechnen ist.

Welche Kopfhörer oder welches Headset hat bei euch bislang am längsten gehalten?

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