Just Cause 4 - Die Action ist nicht stumpf, sondern kreativ

Mit Just Cause 4 geht die erfolgreiche Action-Reihe der Avalance Studios in die nächste Runde. Bevor aber wieder über stumpfsinnige Action sinniert wird, breche ich für die Just Cause-Reihe eine kreative Lanze.

von Hannes Rossow,
11.06.2018 12:00 Uhr

Just Cause 4 bietet mehr als nur "hirnlose" Action.Just Cause 4 bietet mehr als nur "hirnlose" Action.

Es gibt so ein paar Headlines, die es zum Release von Just Cause 3 fast überall zu lesen gab. Bei all den Sachen, die das dritte Abenteuer von Rico Rodriguez auf jeden Fall hätte besser machen können, blieb meist die Erkenntnis, dass Just Cause 3 am Ende dann doch spaßige Action sei, bei der man nicht nachdenken muss. Einfach den Kopf ausschalten, alles in die Luft jagen und schon ist die Existenzberechtigung der Reihe fertig. Stempel drauf und raus.

Von wegen dumm

Ich mag diese Sichtweise nicht. Mir ist zwar bewusst, dass das oft ein Lob sein soll, das ganz nebenbei auch der mageren Storyline von Just Cause 3 in die Rippen boxt, doch die Botschaft bleibt dieselbe. Wirklich unterhaltsam ist die Just Cause-Reihe nur dann, wenn der Spieler sinnlos Knöpfe drückt und rote Fässer in die Luft jagt. So mag man die Reihe durchaus spielen können, aber Just Cause ist eigentlich viel mehr als das.

Wer von Just Cause 3 oder jetzt auch Just Cause 4 nur kurze Gameplay-Ausschnitte kennt, ist verleitet, zu denken, dass es für die chaotische Action auf dem Bildschirm nicht viel Eigenleistung braucht. Und das mag auch stimmen, wenn es darum geht, mit dem Raketenwerfer auf Tankstellen zu schießen. Aber das ist eben längst nicht alles. Fünf Minuten mehr auf YouTube, Reddit und Co. zeigen dann, wie viel Raum für Kreativität in den Just Cause-Spielen eigentlich steckt.

Hannes Rossow
@Treibhausaffekt

Wenn es ihm ermöglicht wird, dann experimentiert Hannes gern mit den Spielmechaniken, die ein Titel vorweisen kann. Objectives und Story-Missionen geraten dann schnell in Vergessenheit. Mit ihrem einfallsreichen Sandkasten-Konzept bietet sich die Just Cause-Reihe perfekt für kreative Extreme an. Trotzdem hofft Hannes aber, dass Just Cause 4 trotzdem versucht, eine halbwegs vernünftige Geschichte zu erzählen, wenn denn schon unbedingt eine Story existieren muss.

Pinsel, Farbe & Raketen

Im dritten Teil hatte Rico gleich drei wirklich spannende Tools zur Hand, die sich wunderbar miteinander kombinieren ließen. Zum einen waren da die Retractor-Seile, die am Enterhaken angebracht sind. Ein Knopfdruck und wir konnten ganze Klippen in Sekundenschnelle erklimmen. Auf Gegner, Objekte oder Fahrzeuge angewendet, wurden die Seile dann aber zu Fesseln, die auf Wunsch auch zusammengezogen werden konnten, um alles ineinander zu deppern.

Mit den Boostern, die Rico im weiteren Spielverlauf freischaltet, konnten wir überall gezielt Düsen anbringen, die eine geradlinige Schubkraft ausgeübt haben, bevor sie nach wenige Sekunden explodierten. Und dann gab es da natürlich noch den Wingsuit, den wir im freien Fall öffnen konnten, um über die mediterranen Landschaften von Medici zu gleiten. Für sich genommen, waren diese Gadget unterhaltsame Elemente, doch erst der kreative Einfallsreichtum vieler Spieler schuf eine zusätzliche Spielebene.

Kreativität zahlt sich aus

In Just Cause geht es nicht um stumpfe Explosionen, es geht um kreative Waghalsigkeit. Und Just Cause ist immer dann am besten, wenn sich die Community halsbrecherisch aus Wasserflugzeugen stürzt, sich mit dem Drahtseil auf den rechten Flügel zieht, die darausfolgende Beschleunigung nutzt, um mit den Wingsuit durch schmale Häuserlücken zu gleiten, nur um dann einen Scharfschützen vom Wachturm zu treten, ihn an eine Kuh zu fesseln, die Schubdüsen am Hintern hat und dann in die Mittagssonne rast.

Die Entwickler von Avalance Studios haben die experimentelle Ader von Just Cause längst erkannt und versuchen schon lange nicht mehr, das Spielgefühl der GTA-Titel einzufangen. Mit Just Cause 4 geben sie Rico noch einmal mehr Möglichkeiten an die Hand, physikbasierte Stunts in Angriff zu nehmen. Die Tools der Vorgänger sind alle im Enterhaken integriert, lassen sich individuell anpassen und mit den Airlifter-Ballons kommt nun noch einmal ein frisches Förmchen zum Chaos-Sandkasten hinzu.

Just Cause 4 wird zeigen müssen, wie viel wir mit der Spielmechanik anstellen können.Just Cause 4 wird zeigen müssen, wie viel wir mit der Spielmechanik anstellen können.

Ein Rädchen greift ins nächste

Mit jedem System, das in Just Cause 4 zusätzlich integriert wird, erweitern sich die Kombinationsmöglichkeiten für die Spieler. Und je reichhaltiger das Angebot an wahnwitzigen Aktionen ist, desto eher rücken schwache Erzählmomente und Open World-Müdigkeit in den Hintergrund. Interessanterweise hat die Just Cause-Reihe hier einen unmittelbaren Verwandten, bei dem man aber schon die Augen zusammenkneifen muss, um eine Ähnlichkeit zu erkennen, nämlich The Legend of Zelda: Breath of the Wild.

Alle Infos zu Just Cause 4
- Preview: Frischer Wind in Just Cause
- Dschungel und Tornados: Klimazonen & extremes Wetter im Spiel
- Grapple Hook 2.0: Mehr zur neuen Allzweckwaffe

Auch hier gibt unterschiedliche Arten das Spiel zu spielen. Einmal mit und einmal ohne eigene Kreativleistung. Entweder wir schwingen unsere Schwerter und verballern unsere Holzpfeile, oder wir binden Luftballons an Stahlplatten, wedeln mit dem Fächer und fliegen über ein Bokblin-Lager und zerquetschen unsere Feinde ohne den Einsatz von traditionellen Waffen. Und Just Cause 4 macht Hoffnung auf noch mehr Art Attack-Action dieser Art.

Und deswegen habe ich es nicht so gern, wenn komplexe Spielmechaniken, die sich aus mehreren, unterschiedlichen Systemen zusammensetzen, als hirnloser Spaß abgetan werden. Denn hirnlos geht es in Just Cause nämlich nur dann zu, wenn kein Hirn mitgebracht wird. Die bescheuerten Storylines finde ich aber noch immer doof. So.

Just Cause 4 - Gameplay-Trailer zeigt neue Spielwelt, Klimazonen & Tornados 1:46 Just Cause 4 - Gameplay-Trailer zeigt neue Spielwelt, Klimazonen & Tornados


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