Crimson Desert im Test: Zuerst habe ich gelitten, jetzt bin ich verliebt

Crimson Desert ist manchmal frustrierend und fast immer unbequem - und trotzdem eins der besten Action-Adventures der letzten Jahre.

Crimson Desert im GamePro-Test. Crimson Desert im GamePro-Test.

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Ob Crimson Desert ein echtes Spiel ist, war lange Zeit die eine Frage, die viele Spieler*innen beschäftigt hat – immerhin klang das ganze Konzept mit seiner Freiheit, den unzähligen Möglichkeiten und dem generellen Umfang einfach zu schön, um wahr zu sein.

Und auch wenn viele Zweifel durch die ausführlichen Previews aus der Welt geschafft werden konnten, blieben viele Fragezeichen übrig.

Passen die gefühlt 1000 Systeme zusammen? Ist die Steuerung des Action-Adventures für PS5, Xbox Series X/S und PC wirklich so überladen und gibt es eine spannende Story?  Und natürlich die wichtigste Frage: Macht Crimson Desert überhaupt Spaß? All das will ich euch im Test beantworten.

Die kurze Antwort lautet nämlich “Ja, Crimson Desert macht unglaublich viel Spaß”. Um den zu erleben, müsst ihr allerdings einige Kompromisse eingehen und anfängliche Hürden überwinden.

Aktuell noch ohne finale Wertung: Ich kann Crimson Desert zwar schon seit zwei Wochen spielen, allerdings hatte ich bisher nur Zugang zur PC-Version. Außerdem hat Pearl Abyss bereits im Review-Prozess ein paar Kritikpunkte per Patch beseitigt, der Day 1-Patch soll weitere angehen.

Es kann also sein, dass auch einige der im Test genannten Probleme zum Release aus der Welt geschafft wurden. Sollte es so kommen, werde ich euch zur finalen Urteilsfindung natürlich darüber informieren. Da erfahrt ihr dann auch alles wichtige zur Konsolenversion.

Vom epischen Einstieg geht es zum Kaminputzen

Schon in der ersten von weit über 100 Stunden wird klar, dass Crimson Desert in vielerlei Hinsicht anders als viele Open World-Games ist. Dabei beginnt das Spiel ziemlich gewöhnlich.

Ich schlüpfe in die Rolle von Kliff, dem Anführer der Graumähnen, einer Söldnertruppe im Dienste des Königs.

Zu Beginn des Spiels nimmt mein Recke an einer Trauerfeier teil, die allerdings ziemlich schnell zum Desaster wird. Eine verfeindete Söldnertruppe greift die Graumähnen mit einer Übermacht an, die Truppe von Kliff wird zerschlagen und der Anführer landet tot im Fluss.

Aus, vorbei, das war's mit ihm und Crimson Desert. Danke fürs Lesen.

Oh, das ging schnell - bye bye Kliff! Oh, das ging schnell - bye bye Kliff!

Nein, natürlich nicht. Durch eine geheimnisvolle Macht wird er zurückgeholt und danach von einem hilfsbereiten Einwohner ein ganzes Stück flussabwärts aus dem Wasser gezogen.

Im Anschluss geht es im Verlauf der Handlung darum, die Mitglieder der Truppe wiederzufinden, die politischen Machenschaften von Pywel, der Welt von Crimson Desert, aufzudecken und herauszufinden, was es eigentlich mit der mysteriösen Kraft auf sich hat, die Kliff zurückbrachte.

Die Hauptgeschichte allein erstreckt sich dann schätzungsweise über mindestens 50 Stunden, erreicht dabei aber leider nie einen Status, der über “Als roter Faden ganz nett” hinausgeht.

Die Welt von Crimson Desert: Die Geschichte spielt in Pywel, einem großen Kontinent, der aus fünf verschiedenen Gebieten besteht, die sich visuell voneinander unterscheiden. Ich starte etwa in Hernand, einem idyllischen, mit Klippen und Wäldern durchzogenen Landstrich. Später kann ich aber auch die namensgebende Wüste, die Crimson Desert, besuchen.

Generell handelt es sich um eine High-Fantasy-Welt mit Zauberei, Menschen, Orks, Zwergen, Drachen und vielen weiteren Völkern und Wesen. Es gibt aber auch fortgeschrittene Technik und einige tödliche Maschinen und Mechs. Der Mix funktionierte für mich auch sehr gut und war eine willkommenen Abwechslung zur klassischen High-Fantasy.

Video starten 15:19 Crimson Desert stellt euch die Open World und seine Story vor

Gewöhnliche Hauptgeschichte, blasser Hauptcharakter

Dass die Geschichte nicht an Spiele wie The Witcher 3 heranreicht, liegt zum einen an der Story selbst, die auf ein ausgelutschtes “Der Auserwählte soll die Welt retten"-Thema setzt und ohne groß Spannung aufzubauen, wirkliche Überraschungen oder mit besonders kreativen Einfällen daherkommt.

Zum anderen ist aber auch die Art der Erzählung Schuld. Es gibt zwar durchaus pompös inszenierte Zwischensequenzen und viele Dialoge, die von einem sehr guten englisch-sprachigen Cast gesprochen werden, hin und wieder hängen die einzelnen Kapitel oder die darin enthaltenen Abschnitte aber auch ohne große Verknüpfung aneinander. 

Nach dem dramatischen Einstieg im Prolog passieren etwa folgende Dinge: Ich gehe in ein Gasthaus und nehme an einem Turnier im Armdrücken teil, unterhalte mich dann mit einem Obdachlosen, rette eine Frau in der Kanalisation, reinige einen Schornstein und rette eine Katze von einem Dach.

Was ohnehin schon etwas schräg klingt, wird noch wirrer, weil ich oftmals nicht weiß, warum ich das tue. Erledige ich nämlich eine Aufgabe, ploppt die nächste teilweise einfach im Questlog auf.

Hinzu kommt, dass Kliff als Hauptcharakter die meiste Zeit stumm bleibt, nur selten mal etwas kommentiert und die ganzen Ereignisse wohl für das Normalste auf der Welt hält. Ich meine, wenn meine ganze Bande auseinandergenommen und mir die Kehle durchgeschnitten worden wäre, hätte ich wohl etwas mehr zu sagen, als “Hmm”.

Generell bleibt meine Graumähne die ganze Zeit über sehr blass, wirkt oftmals anteilslos und zeigt nur sehr wenig charakterliche Tiefe. Im Verlauf der Handlung wird die Geschichte zwar besser, Kliff spricht ein paar Worte mehr, es gibt einzelne coole Momente und ich habe meistens auch ein Ziel vor Augen, dennoch bleibt die Handlung mehr Mittel zum Zweck.

Highlights abseits der Haupthandlung

Besser wird es, sobald ich einen Teil der Graumähnen wiedervereint habe und immer mehr Charaktere zum Cast stoßen. Da wäre zum Beispiel der schwer verletzte Marius, der der organisatorische Kopf der Truppe ist und stets das Wohlbefinden der anderen im Blick hat. Oder aber der ständig betrunkene Yann, der aufgrund seiner Gelüste oft für Ärger sorgt.

Graumähnen wie Andrew stoßen Stück für Stück wieder zu uns. Graumähnen wie Andrew stoßen Stück für Stück wieder zu uns.

Mit diesen Charakteren und auch in einigen Neben- und Fraktionsquests – mehr dazu später – schafft es das Spiel nämlich durchaus, coole Geschichten zu erzählen, die mich gut unterhalten.

Auch die machen Crimson Desert jedoch nicht zum großen Story-Highlight, aber das ist tatsächlich gar nicht schlimm, da das Spiel Stärken im Gepäck hat, die mich die erzählerischen Schwächen komplett haben vergessen lassen.

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Kommentare(9)
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