Microsoft muss jetzt Verantwortung übernehmen, wenn sie unser Vertrauen behalten wollen

Der Xbox-Hersteller will Activision Blizzard kaufen, wird damit aber auch verantwortlich für die zahlreichen Probleme des Unternehmens. Eleen findet, dass es jetzt eine klare Ansage zu Änderungen braucht.

von Eleen Reinke,
20.01.2022 18:00 Uhr

Microsoft muss bei Activision Blizzard ordentlich aufräumen. Microsoft muss bei Activision Blizzard ordentlich aufräumen.

Bereits seit Monaten steht Activision Blizzard im Fokus eines Skandals um sexuelle Übergriffe, Diskriminierung und toxisches Arbeitsklima, über den mit beunruhigender Regelmäßigkeit neue Details ans Licht kommen.

Nun hat Microsoft bekanntgegeben, dass sie den Publisher aufkaufen wollen. Doch damit kaufen sie nicht nur die Rechte an CoD und Co., sondern auch die Probleme von Activision Blizzard - und sind damit im Zugzwang. Denn Microsoft muss nun beweisen, dass sie hinter den Werten stehen, die sie nach außen so nachdrücklich vertreten.

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2021 wurde Activision Blizzard von der Bürgerrechtsbehörde DFEH wegen schwerer Missstände im Unternehmen verklagt. Darunter: Diskriminierung und Belästigung von Frauen und Minderheiten, ungleiche Bezahlung und Vergeltungsmaßnahmen gegen Frauen, die sich wehrten. 

Activision Blizzard reagierte nicht gerade vorbildlich darauf, spielte viele der Vorwürfe runter und hat laut Mitarbeitenden sogar Gewerkschaftszerschlagung betrieben. Auch CEO Bobby Kotick wusste wohl seit Jahren von den Übergriffen und hat nichts unternommen.

Andere große Publisher ließen das nicht unkommentiert und so äußerte sich im November 2021 nicht nur PlayStation-Chef Jim Ryan kritisch zu den Arbeitsbedingungen bei Activision Blizzard. Auch Phil Spencer, CEO von Microsoft Gaming, nannte die Vorwürfe in einer Email an seine Mitarbeiter*innen “verstörend und zutiefst beunruhigend”. Er erklärte, dass man sich die Beziehung zu Activision Blizzard einmal genau ansehen werde und solch ein Verhalten “keinen Platz in unserer Industrie” habe.

Das schien eine klare Stellungnahme zu sein: Dieses Verhalten wird in der Gaming-Branche nicht geduldet. Vor wenigen Tagen änderte sich die Tonlage aber. Da hieß es vom Xbox-Chef, man wolle nicht mit dem Finger auf Activision Blizzard zeigen:

Wir haben Teile unserer Kooperation geändert, worüber [Activision Blizzard] informiert sind. Allerdings ist das hier nicht der Xbox-Weg um andere Unternehmen tugendhaft bloßzustellen. Die Xbox-Historie ist nicht makellos.

Rückblickend ist die Aussage nicht verwunderlich, immerhin ist inzwischen bekannt, dass Microsoft Activision Blizzard für satte 70 Milliarden US-Dollar aufkaufen will. Umso wichtiger ist aber, dass der Xbox-Hersteller sich der moralischen Verantwortung bewusst ist, die damit einher geht. 

Zur Autorin

Eleen Reinke steht der Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft noch zwiegespalten gegenüber. Einerseits könnte das wie schon bei der Übernahme von Zenimax (Bethesda) viele neue großartige Spiele im Game Pass bedeuten. Andererseits muss sich bei Activision Blizzard viel tun, bis sie ihre Spiele wieder ruhigen Gewissens zocken kann. Microsoft kann hier nicht einfach auf seinen eigenen guten Ruf setzen, sondern muss hart durchgreifen.

Denn Activision Blizzard zu kaufen, bedeutet nicht nur, sich Call of Duty, Overwatch und Diablo ins Boot zu holen, sondern auch die Verantwortung für die Missstände beim Unternehmen zu übernehmen. Bald ist es also an Microsoft, eben diese Verhältnisse zu verbessern - Doch von konkreten Maßnahmen ist noch nichts zu hören.

Wenn Microsoft das inklusive Image beibehalten will, müssen sie handeln

Microsoft hat hart daran gearbeitet, sich ein Image als Publisher aufzubauen, der für Inklusion und Diversität steht. Umso weniger passt offensichtlich Activision Blizzard aktuell in dieses Bild. Wenn Microsoft sein Image also aufrechterhalten und beweisen will, dass sie dahinter stehen, müssen sie öffentlichkeitswirksam durchgreifen. 

Dass Activision Blizzard zu einer umfassenden Änderung alleine nicht in der Lage sind, haben die letzten Monate gezeigt. Zwar kam es zu mehreren Entlassungen und Verwarnungen, allerdings sind viele der betroffenen Personen ohne großes Aufsehen gegangen. So bleibt ihr Ruf ungeschädigt und sie können ohne große Konsequenzen für ihr Verhalten weiterhin in der Gaming-Branche tätig sein. Auch viele der Forderungen der ABK Workers Alliance, einer Gruppe von Activision Blizzard-Mitarbeitenden, die grundlegende Veränderungen im Unternehmen anstrebt, sind noch nicht erfüllt - darunter auch die Kündigung von Bobby Kotick.

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Bislang gibt es dazu noch keine Äußerungen von Seiten Microsofts. Über Bobby Kotick ist nur bekannt, dass er in seiner Position als Activision-CEO bis zur Übernahme bleibt, auch wenn laut Quellen des Wall Street Journal erwartet wird, dass er das Unternehmen nach der Übernahme verlässt - Dann aber sicherlich mit einer satten Abfindung.

Weitere Konsequenzen hat der Activision-CEO vermutlich nicht zu befürchten, zumindest nicht von Microsoft. Im Gegenteil, Microsoft-CEO Satya Nadella schlägt in einem Investorenmeeting zur Übernahme einen äußerst positiven Tonfall an:

Über mehr als 30 Jahre als CEO von Activision Blizzard hat Bobby Kotick das Unternehmen zu einem der weltweit erfolgreichsten und einflussreichsten Unterhaltungsunternehmen aufgebaut und ich bin dankbar für seine Führung und seinen Einsatz für echten Kulturwandel.

Änderungen sollen kommen, nur wann und wie?

Immerhin hat Nadella auch angekündigt, dass man Activision Blizzard bei der Verbesserung der Arbeitskultur unterstützen will:

Wir glauben, dass es entscheidend für Activision Blizzard ist, ihre erneuerten kulturellen Verpflichtungen voranzutreiben. Wir unterstützen die Ziele und die Arbeit von Activision Blizzard. Wir erkennen aber auch an, dass wir eine Menge Arbeit vor uns haben werden, nachdem der Deal abgeschlossen ist, um weiterhin eine Kultur aufzubauen, wo jeder die beste Arbeit verrichten kann.

Wann diese Verbesserungen kommen sollen oder wie sie aussehen, bleibt unkonkret. Dass Microsoft sich womöglich eher bedeckt halten will, bis der Deal besiegelt ist, wäre nicht verwunderlich. Immerhin können sie kaum durchgreifen, bis ihnen Activision Blizzard gehört. Doch das heißt nicht, dass sie sich nicht klar positionieren sollten.

Sie müssen jetzt beweisen, dass sie bereit sind, die Verantwortung für Activision Blizzard zu schultern und ihren Worten auch Taten folgen zu lassen. Und das bedeutet konkrete Pläne und hartes Durchgreifen. Denn nur so können sie zeigen, dass diese Art des Verhaltens wirklich keinen Platz in der Gaming-Industrie hat.

Wir wissen, dass es sich beim Kauf von A/B um ein hitzig diskutiertes Thema handelt. Wir bitten euch, trotzdem immer respektvoll und konstruktiv miteinander zu diskutieren.

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