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Marvel’s Avengers - Beta-Fazit: Es sieht nicht gut aus für den Launch

Marvel’s Avengers versucht sich am Spagat zwischen Story-Singleplayer und Games as a Service-Multiplayer. Hannes findet aber, dass nur eines davon auch Spaß macht.

von Hannes Rossow,
05.08.2020 15:00 Uhr

Marvel's Avengers steht kurz vor dem Release - wirklich bereit ist das Spiel dafür aber nicht. Marvel's Avengers steht kurz vor dem Release - wirklich bereit ist das Spiel dafür aber nicht.

Mit der kommenden Beta erhalten Spieler auf PS4, Xbox One und PC etappenweise zum ersten Mal die Gelegenheit, Marvel's Avengers auszuprobieren. Mit einem Mix aus Story-, Singleplayer- und Koop-Inhalten präsentieren die Entwickler von Crystal Dynamics hier einen Vorgeschmack auf das fertige Spiel, der aber leider nur wenig Appetit auf mehr macht. Das Potenzial von Marvel's Avengers blitzt dennoch manchmal durch.

Hinweis zum Bildmaterial
In den Preview-Bestimmung zur Marvel's Avengers-Beta ist festgehalten, dass wir nur offiziell von Square Enix freigegebene Screenshots verwenden dürfen. Diese sind unserer Meinung nach aber nicht repräsentativ. Daher werden wir zum kommenden Start der Beta, eigene Bilder in diesen Artikel einfügen.

Schon vor dem offiziellen Beta-Start am 7. August (dann dürfen PS4-Vorbesteller loslegen) hatten wir die Gelegenheit, in die Inhalte der Vorabversion reinzuspielen. Zur Erinnerung, folgende Missionstypen und -Abschnitte stehen zur Verfügung:

  • 25-minütige Intro-Sequenz (Golden Gate-Bridge, bekannt aus der Gamescom-Demo)
  • 3 HARM-Herausforderungen (holographischer Trainingsraum mit Gegnerwellen)
  • 4 Heldenmissionen aus der Kampagne (davon zwei Bosskämpfe)
  • 4 War Zones (eher weitläufige Koop-Missionen)
  • 5 Drop Zones (eher kurze Koop-Missionen)

Interessanter Einstieg in die Story

Im Anschluss an die bereits aus der gamescom-Demo bekannten Intro-Mission schlüpfen wir direkt in die Rollen von Ms. Marvel und Hulk bzw. Bruce Banner. Mehrere Jahre nach dem verheerenden A-Day macht sich das Duo nun auf, die mittlerweile in alle Winde zerstreuten Avengers wieder aufzustöbern.

Thor ist leider nur zu Beginn der Intro-Sequenz spielbar. Thor ist leider nur zu Beginn der Intro-Sequenz spielbar.

In Folge der Tragödie, bei der zahlreiche Zivilisten (sowie Captain America) in San Francisco bei einem terroristischen Anschlag zu Tode kamen, werden Superhelden verboten und Personen mit besonderen Kräften verfolgt. Und dazu gehört auch Kamala Kahn aka Ms. Marvel. Als Quasi-Protagonistin und großer Fan der Avengers führt die Teenagerin zu Beginn durch die Geschichte und treibt die Wiedervereinigung der aufgelösten Superheldentruppe an.

In den ersten beiden Stunden spielt sich Marvel's Avengers wie ein solides, wenn auch nicht überwältigendes Singleplayer-Abenteuer. Nach und nach werden wir an die Fähigkeiten von Hulk sowie Ms. Marvel herangeführt, wechseln zwischen actionreichen Kampf- und ruhigen Erkundungspassagen und bekommen mit der Hilfe von unterhaltsamen Zwischensequenzen die Story präsentiert.

Die Geschichte von Marvel's Avengers ist unterhaltsam und legt einen vielversprechenden Start hin, der sowohl für Marvel-Noobs als auch Comic-Profis interessant sein dürfte, da er eine komplett neue Geschichte rund um das vielleicht bekannteste Superhelden-Team der Welt erzählt. Leider wird die Story aber nur einen Bruchteil der Marvel's Avengers-Erfahrung ausmachen. Die meiste Zeit verbringt ihr nämlich in den zahlreichen Koop-Missionen.

Öde Superhelden-Routine

In Sachen Missionsstruktur zeigt sich Marvel's Avengers sehr zwiegespalten. Denn während die ersten storylastigen Heldenmissionen bislang abwechslungsreiche Settings, Gefechte und Dialoge zu bieten haben, präsentieren sich die Koop-Missionen als generischer Einheitsbrei. Sich ständig wiederholende Objectives, einheitliche Settings und immer gleiche Gegnerwellen führen schnell dazu, dass sich die verfügbaren Koop-Missionen kaum auseinanderhalten lassen.

Die Gegnerfraktion der Roboter zeichnet sich nicht gerade durch Abwechslungsreichtum aus. Die Gegnerfraktion der Roboter zeichnet sich nicht gerade durch Abwechslungsreichtum aus.

Denn sobald vier Helden ausgewählt sind (doppelte Charaktere sind nicht erlaubt) laufen fast alle Missionen nach ähnlichen Schemata ab: Entweder müssen wir in einer halboffenen Welt optionale und obligatorische Objectives aufsuchen, die jeweils Gegnergruppen und kleine Schalterrätsel kombinieren. Oder wir werden in lineare Abschnitte wie unterirdische Bunkergänge verfrachtet und müssen auf dem Weg zum Zielpunkt zahllose Feinde ausschalten.

Gerade letztere Koop-Missionen sind schon fast erschreckend kurz gehalten. So kam es vor, dass die Vorbereitungen und die Ladezeiten mehr Zeit verschlungen haben als der eigentliche Auftrag - nach gerade einmal zwei Minuten war nämlich alles wieder vorbei. Schlimmer noch: Im Selbstversuch haben wir festgestellt, dass wir theoretisch nicht einmal zwangsläufig kämpfen müssten.

Während ich mich als Ms. Marvel todesmutig in den Kampf geworfen habe, lief Kollege Basti/Black Widow an allem vorbei, drückte auf den Knopf am Ende des Levels und schloss diesen ab. Ohne einen einzigen Schlag auszuteilen.

Stumpfe Schlägerei statt kinoreifer Action

Würden sich die Marvel-Helden immerhin grundlegend anders spielen, wäre vielleicht auch die Motivation größer, keine Speedrun-Versuche zu unternehmen. Leider scheitert das am unbefriedigenden Kampfsystem.

In Gruppe mit Freunden macht Marvel's Avengers Spaß - viel dazu beitragen tut das Spiel aber nicht. In Gruppe mit Freunden macht Marvel's Avengers Spaß - viel dazu beitragen tut das Spiel aber nicht.

Zwar ist es spannend, gleich mehrere Marvel-Helden zur Auswahl zu haben, die Kämpfe und auch die Kampfstile bleiben dann aber doch recht eintönig. Egal ob wir nun mit Iron Man durch die Luft fliegen, mit Hulk wutentbrannt drauflos schlagen oder die Gummi-Arme von Ms. Marvel schwingen, am Ende laufen viele Gefechte auf simple Nahkampfkombos hinaus.

Manchmal braucht es den schweren Angriff, um Schilder zu brechen oder Türen einzureißen, aber in der Regel reicht eine Taste aus, um erfolgreich aus einem Kampf hervorzugehen. Die einzigartigen Fähigkeiten der Helden, wie Iron Mans flächendeckender Laserstrahl oder Ms. Marvels Verwandlung in eine Riesin, sind zwar spaßig, die überlangen Cooldown-Zeiten schwächen aber den Flow der Kämpfe. Abgesehen davon sind sie meist auch gar nicht notwendig, um Gegner in den Griff zu bekommen.

Obwohl der spielinterne Kodex die unterschiedlichen Gegnertypen des Spiels katalogisiert und ihre jeweiligen Besonderheiten aufzeigt, ist im eigentlichen Spiel kaum ein Unterschied spürbar. Alle Feinde ähneln sich stark und benötigen kaum eine andere Strategie als auf dem DualShock 4 die Viereck-Taste zu spammen.

Zugegeben, für einen kurzen Zeitraum macht es sogar Spaß, sich via Button Mashing durch Reihen an Gegnern zu prügeln. Dieser Chaos-Action-Effekt nutzt sich allerdings schnell ab und tötet die Langzeitmotivation, die nötig wäre, um meine Lieblingshelden nach meinen Wünschen zu formen. Dafür fehlt zumindest in der Beta der taktische Anspruch oder auch nur die Notwendigkeit, das ausbaubare Move-Set der Helden auszureizen.

Unbefriedigendes Lootsystem

Unterstrichen wird das Problem mit dem unmotivierten Lootsystem, das im Kern jedes Games as a Service-Spiels steckt, bei Avengers aber nie wirklich zünden will.

Welche "Ausrüstungsgegenstände" könnte man einem halbnackten Muskelpaket wie Hulk schon anlegen? Welche "Ausrüstungsgegenstände" könnte man einem halbnackten Muskelpaket wie Hulk schon anlegen?

Verbesserungen finden wir hauptsächlich in versteckten Kisten. Anstatt leicht verständlicher Ausrüstung wie Waffen oder Rüstung, ist bei Marvel's Avengers oftmals gar nicht klar, was mit den abstrakten Items eigentlich gemeint ist und wie ihre Wirkung auf das Gameplay einzuschätzen ist. Für Hulk sammele ich beispielsweise Nanoroboter, die bestimmte Fertigkeiten buffen und in dessen Blut injiziert werden. Ob die nun den Angriff stärken oder eher defensiv wirken soll, ist nicht sofort erkennbar.

Die Ausrüstungsgegenstände können mit Ressourcen geboostet werden. Je seltener das Item, desto öfter kann es aufgestuft werden. Selbst dann ist der direkte Einfluss auf die eigene Kampfkraft aber nur schwer nachvollziehbar. Lediglich ein Destiny-artiges Power-Level signalisiert mir, dass meine Ausrüstung nun besser ist.

Und weil nicht klar ersichtlich ist, WAS ich mir da anlege und WIE es das Gameplay beeinflusst, ist das Suchen und Finden neuer Loot-Gegenstände in Marvel's Avengers schlicht unbefriedigend. Da die Jagd nach besserer Ausrüstung aber nun einmal ein wichtiger Kernaspekt für einen Games as a Service-Titel ist, könnte sich das zu einem großen Problem auswachsen. Zumal das die Konkurrenz von Destiny und Co. besser macht.

Unfertiger Eindruck
In unserer Zeit mit Marvel's Avengers sind wir auf viele technische Probleme gestoßen. Allerdings lässt sich natürlich noch nicht mit Sicherheit darüber urteilen, ob der derzeitige Status den der tatsächlichen Launch-Version wirklich repräsentiert. Sicherlich sprechen wir hier "nur" vom spielbaren Beta-Build, doch so wenige Wochen vor dem Launch bereiten die gravierenden Schnitzer, die meine Koop-Partner*innen und ich erlebt haben, Sorgen.

Dazu gehören unter anderem:

- fehlerhafte UI-Anzeigen (Mitspielernamen wurden nicht angezeigt, Iron Man/Rae war grundsätzlich "2 Millionen km" weit entfernt, …)
- nicht abschließbare Missionen
- Wegfindungsprobleme der Begleit-KI
- nicht reagierende Gegner
- Clippingfehler
- Kantenflimmern bei großen Gegnermengen
- Einbrüche der Framerate bei großen Gegnermengen

Die Marvel-Lizenz als Hoffnungsschimmer

Der eine Pluspunkt, den Marvel's Avengers aber niemand nehmen kann, steckt bereits im Namen. Die prestigeträchtige Marvel-Lizenz tröstet zwar nicht über die aktuellen Probleme hinweg, sorgt aber immer wieder für tolle Momente und Überraschungen. Einzigartige Animationen der Helden, kosmetische Upgrades voller Comic-Referenzen und Easter Eggs bieten eine deutlich greifbarere Welt, als es die Hüter in Destiny oder die Agenten in The Division tun.

Das Konzept von Marvel's Avengers zehrt sehr vom Wiedererkennungswert, den die Marvel-Marke über Jahrzehnte hinweg aufgebaut und mit dem MCU nur noch verstärkt hat. Das Potenzial für neue Helden, die nach dem Launch hinzugefügt werden können, ist gigantisch und in der Theorie schafft das die Möglichkeit einer großen Storyline, die sich - ähnlich wie das Marvel Cinematic Universe - über Jahre hinweg entwickeln könnte.

Immer dann, wenn sich Marvel's Avengers auf geradlinige Story-Missionen verlässt, macht es am meisten Spaß. Immer dann, wenn sich Marvel's Avengers auf geradlinige Story-Missionen verlässt, macht es am meisten Spaß.

In den Fußstapfen von Destiny, Anthem und Co.

Die wichtigste Frage kann die Beta aber nicht nur nicht beantworten, sondern macht sie prominenter als je zuvor: Warum setzt Square Enix mit Marvel's Avengers überhaupt auf ein Destiny-artiges Multiplayer-Konzept? Weder die Kämpfe, noch das Fortschrittssystem oder auch nur die Koop-Erfahrung rechtfertigen den Grind, auf den das fertige Spiel hinauszulaufen scheint. Schlimmer noch: Dieser Teil des Spiels macht schlicht keinen Spaß, gerade nicht im Vergleich mit anderen Genre-Vertretern.

Hinzu kommt, dass Square Enix und Crystal Dynamics die Fehler anderer GaaS-Spiele zu wiederholen scheinen. Mit der Beta deutet alles auf einen schwachen Launch hin, der gezeichnet werden dürfte von unausgegorenen Spielmechaniken, fehlender Abwechslung und mangelnder Motivation, sich dem Grind hinzugeben. Sollte sich das bis September nicht bessern, dann läuft Marvel's Avengers Gefahr, tatsächlich in die Fußstapfen bereits etablierter Service-Spiele wie Destiny 2, Anthem oder The Division zu treten.

Allerdings nicht in Sachen Erfolg, sondern darin, dass sie post-Launch in monatelanger Arbeit von Grund auf angepasst und verbessert werden müssen. Und ähnlich wie Destiny 2 und Co. kann Marvel's Avengers dann nur hoffen, dass ihre Superhelden-Fans gewillt sind, zu warten und den potenziell holprigen Start zu verzeihen.

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