Mass Effect 2: BioWare strich queere Romanzen, weil "Amerika nicht bereit dafür" war

Die Mass Effect-Charaktere Jack und Jacob waren ursprünglich als queere Romanzen-Optionen gedacht, doch BioWare änderte das aus einem ganz bestimmten Grund kurzfristig.

von Linda Sprenger,
29.01.2021 14:21 Uhr

Jack aus ME2 und ME3 war ursprünglich als pansexueller Charakter gedacht, doch BioWare entschied sich kurzfristig dagegen. Jack aus ME2 und ME3 war ursprünglich als pansexueller Charakter gedacht, doch BioWare entschied sich kurzfristig dagegen.

11 Jahre nach dem Release von Mass Effect 2 hat sich herausgestellt, dass es ursprünglich mehr Romanzen-Optionen für unsere*n Shepard geben sollte. Konkret geht es dabei um unsere Crew-Mitglieder Jack und Jacob, die ursprünglich als queer angedacht waren. In beiden Fällen entschied sich BioWare allerdings kurzfristig um und machte die Figuren heterosexuell, und das aus einem ganz bestimmten Grund (via Polygon).

Darum wurde Jacks sexuelle Orientierung kurzfristig geändert

Darum geht es genau: In einem Interview mit TheGamer erklärt Mass Effect 2-Writer Brian Kindregan, dass Jack ursprünglich als pansexueller Charakter geschrieben wurde, heißt: Ihr sexuelles Interesse richtet sich an alle Geschlechter bzw. Geschlechtsidentitäten. An einer Stelle des Spiels können wir sogar herausfinden, dass Jack früher einmal in einer polyamorösen Beziehung gelebt hat und zeitgleich mit einem Mann und einer Frau zusammen war.

Kurioserweise wird die Hintergrundgeschichte der jungen Frau nicht für die mögliche Romanze mit Shepard berücksichtigt: Ausschließlich die männliche Variante des Hauptcharakters kann eine romantische Beziehung mit Jack eingehen, nicht aber die weibliche. Wie Kindregan erklärt, habe Bioware sogar für einen Großteil der Entwicklungszeit durchaus vorgehabt, auch eine Romanze zwischen FemShep und der Biotikerin zu ermöglichen, entschied sich kurzfristig aber dagegen und ließ nur die heterosexuelle Option für Jack zu.

Der Grund: Schuld soll laut Kindregan ein Bericht des konservativen amerikanischen TV-Senders Fox News zum allerersten Mass Effect gewesen sein. Im Clip kritisieren die Verantwortlichen die im Spiel vorkommende Sex-Szene von Shepard und Liara und Stufen sie als "Gefährdung für Kinder" ein.

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Der Bericht geht dabei noch einen Schritt weiter und behauptet fälschlicherweise, dass in der Szene komplette Nacktheit gezeigt wird, was tatsächlich aber gar nicht der Fall ist. Zudem sei erwähnt, dass das Rollenspiel eine Altersfreigabe von USK 16 in Deutschland hat, sowie ein ESRB-Rating von M, also 17+, mit dem Hinweis auf sexuelle Thematiken und Teilnacktheit. Entsprechend war Mass Effect 1 nie für Kinder gedacht.

Hier könnt ihr euch die Szene zwischen Shepard und Liara ansehen:

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Wie Kindregan zugibt, habe der unfaire Fox News-Bericht das eigentlich sehr progressiv denkende und offenherzige Entwickler-Team von Mass Effect 2 so sehr während der Entwicklung des Nachfolgers beeinflusst, dass Jack letztendlich zu einem heterosexuellen Charakter umgeschrieben wurde. Aus Sorge vor einem weiteren medialen Backlash.

Auch Jacob wurde kurzfristig als heterosexuell umgeschrieben

Und Jack ist nicht der einzige Charakter aus dem Mass Effect-Universum, deren sexuelle Orientierung auf dem letzten Drücker verändert wurde: Auch Jacob Taylor aus Mass Effect 2 war ursprünglich queer und sollte eine schwule Beziehung mit dem männlichen Shepard eingehen können.

Jacob Taylor aus Mass Effect 2. Jacob Taylor aus Mass Effect 2.

Wie Jonathan Cooper, ehemaliger Animator von BioWare, auf Twitter erklärt, habe sich das Team bei der Romanze zwischen Jacob und dem männlichen Shepard am Film Brokeback Mountain orientiert – eigentlich mit dem Vorhaben, die Beziehung zwischen den beiden so für ein breites Publikum zugänglich zu machen.

Letztendlich musste BioWare die homosexuelle Romanzen-Option für Jacob aber streichen, weil nicht näher definierte Verantwortliche dem Entwicklerteam gesagt hätten, dass "Amerika nicht bereit dafür wäre". Laut Cooper hatte das Team damals stark gegen diese Entscheidung protestiert, konnte sich letztendlich aber nicht durchsetzen.

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Mass Effect Legendary-Edition kommt

Mit der Mass Effect Legendary Edition soll im Frühjahr 2021 eine Remaster-Sammlung der Trilogie für PS4, Xbox One und den PC erscheinen. Ob dort die fehlenden Romanzen-Optionen wieder hinzugefügt werden, ist offiziell nicht bekannt. Da es sich allerdings um ein Remaster handelt und nicht um ein Remake, gehen wir nicht davon aus, dass es entscheidende Veränderungen oder Erweiterungen der Handlung gab.

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