Mein Herz für Klassiker - Ich, Project Gotham Racing 2 & der Traum von der Ideallinie

Project Gotham Racing 2 hat sich in Tobis Spielegedächtnis eingebrannt. Unter anderem wegen korrupten Spielständen, einer verpassten deutschen Meisterschaft und einer unvergesslichen Stadttour in Stockholm.

von Tobias Veltin,
09.05.2017 09:00 Uhr

Für Tobi ist Project Gotham Racing 2 eines der besten Rennspiele aller Zeiten und ein echter Klassiker. Für Tobi ist Project Gotham Racing 2 eines der besten Rennspiele aller Zeiten und ein echter Klassiker.

Es gibt nur wenige Spiele, die ich wirklich exzessiv gespielt habe. Project Gotham Racing 2 für die Xbox ist eines dieser Spiele und allein schon deswegen ein absoluter Klassiker für mich. Ich weiß nicht mehr, wieviele Stunden es genau waren, die ich am Ende auf der internen Uhr hatte, ich weiß nur, dass die Zahl vierstellig war. Davor und danach hat mich kein Rennspiel mehr derart gefesselt.

Das hat viele Gründe. Zum einen hab ich die Gotham Racing-Serie, die ja auf dem Dreamcast als Metropolis Street Racer startete, schon immer gemocht. Mir gefielen vor allem das arcadige und trotzdem anspruchsvollen Fahrverhalten sowie das geniale Kudos-System, das stilvolles Fahren mit Punkten belohnte. Dazu kamen die Stadtstrecken, die Musik und die tolle Optik - dieser Mix traf bei mir damals einen Nerv.

Gotham Racing 2 perfektionierte Ende 2003 dieses Konzept. Die Stadtauswahl war gleichermaßen großzügig wie abwechslungsreich (Barcelona, Chicago, Edinburgh, Florenz, Hong Kong, Moskau, Stockholm, Sydney, Washington und Yokohama), es gab über 100 Fahrzeuge und die Steuerung war derart fluffig und intuitiv, dass ich schon nach wenigen Sekunden über die Kurse bretterte, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Dazu hatte Entwickler Bizarre Creations einige nette Neuerungen eingebaut, zum Beispiel ein virtuelles Autohaus und nicht zu vergessen der absolut fantastische Xbox Live-Support.

Mein erster großer Online-Racing-Kracher

Durch den kam nämlich ein dauerhafter Motivationsfaktor dazu, denn bei jedem Zeitrennen und jedem Event in der Kudos World Series wurden Online-Bestzeiten angezeigt, die mich regelmäßig dazu brachten, ein Rennen wieder und wieder zu fahren - erst, wenn ich in der Weltrangliste ein oder zwei Plätze nach oben geklettert war, war ich glücklich. Außerdem hatte ich eine feste Gruppe von Leuten, mit denen ich regelmäßig Rennen fuhr, die Verbindung war für damalige Verhältnisse ein Traum, Gotham Racing 2 war für mich der erste große Online-Racing-Kracher.

Project Gotham Racing 2 führte erstmals für die Serie SUVs wie den BMW X5 ein. Project Gotham Racing 2 führte erstmals für die Serie SUVs wie den BMW X5 ein.

Der größte Suchtfaktor war allerdings der bereits erwähnte Kudos World Series-Modus. Hier durchlief man verschiedene Rennevents, aufgeteilt nach Fahrzeugkategorien. Mal musste man einfach nur so weit vorne wie möglich landen, dann eine bestimmte Punktzahl in einem Hindernisparcours einsacken oder eine bestimmte Zahl von langsameren Fahrzeuge überholen. Es war herrlich abwechslungsreich und immer motivierend, besonders weil der Erfolg der einzelnen Events mit Bronze-, Silber-, Gold-, und Platin-Medaillen angezeigt wurde.

Mehr:Project Gotham Racing 4 im GamePro-Test

Und natürlich wollte ich alle Events auf der Platin-Stufe schaffen, nur so bekam man nämlich das absolute Überauto des Spiels, den TVR Cerbera Speed 12. Es hat mich etliche Stunden, graue Haaren und Nerven gekostet, aber irgendwann kannte ich alle Strecken so gut und die Stärken jedes Auto so in- und auswendig, dass ich die mir selbst gesetzte Platin-Herausforderung schaffte.

Die unbändige Freude darüber hielt dummerweise nur ganze zwei Wochen, dann kam eines Morgens die böse Überraschung in Form eines korrupten Spielstands. Nachdem ich den Controller an die Wand geworfen hatte, startete ich sämtliche Events erneut und gab mir die Platin-Dröhnung ein zweites Mal. Und ein halbes Jahr später übrigens ein drittes Mal, denn dann verabschiedete sich der Spielstand erneut. Bereut habe ich es nie.

Meisterschaft wegen Kommunion verpasst

Das ständige Wiederholen der Strecken und Rennen hatte natürlich Auswirkungen auf meine Gotham 2-Skills. Um ehrlich zu sein, war es bis dahin das Rennspiel mit der besten Lernkurve für mich, kaum ein Videospiel gab mir ein so befriedigendes Gefühl, wenn ich mal wieder einen Curb genau richtig nahm und meine Rundenzeit bei einem Checkpoint um wenige Zehntel verbesserte. Da war es natürlich selbstverständlich, dass ich damals auch an der deutschen PGR-Meisterschaft teilnehmen wollte.

Ausgerichtet wurde die - natürlich - von der GamePro. Bei den Qualifikationsrennen konnte ich mich bei den Bestzeiten recht weit oben platzieren und letztendlich sogar für das Finale qualifizieren. Am angedachten Termin feierte mein Cousin allerdings Kommunion und ich musste schweren Herzens absagen. Einen Geldpreis und das Spiel Rallisport Challenge 2 sackte ich dennoch ein.

Es gab damals sogar rudimentäre Wetterffekte, richtig schick wurden die aber erst in Teil 4. Es gab damals sogar rudimentäre Wetterffekte, richtig schick wurden die aber erst in Teil 4.

Die Besessenheit, jede Ideallinie auf den Strecken zu kennen, trieb irgendwann auch seltsame Blüten. Ich träumte von 90-Grad-Kurven in Edinburgh und der perfekten Runde auf der Nürburgring-Nordschleife und fuhr sogar im "Real Life" mit dem Fahrrad Kurven von außen an. Das kurioseste Erlebnis hatte ich allerdings in meinem Schweden-Urlaub 2004. Dort fuhren mein Kumpel und ich für zwei Tage nach Stockholm. Vorher studierten wir weder Stadtpläne noch sonstige Karten, wir waren uns sicher, dass wir uns nur aufgrund unserer Gotham Racing 2-Kenntnisse dort orientieren konnten.

Und das klappte tatsächlich, ständig hieß es "Ach, das ist doch die Stelle wo.." und wir lachten uns halbtot, als wir die Strecken aus dem Spiel in der Realität nachfuhren - im gemäßigten Stadttempo natürlich. Auch einer der Gründe, warum Gotham Racing 2 für mich eins der besten Rennspiele aller Zeiten und ein absoluter Klassiker ist.

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