Die Pokémon-Reihe zeichnet sich nicht zuletzt durch Kämpfe und kompetitive Wettbewerbe aus, aber das kommende Switch 2-Exclusive Pokopia geht einen ganz anderen Weg. Denn hier prügelt sich niemand und stattdessen gibt es nichts als Idylle! Ich konnte Pokopia auf einem Anspiel-Event ungefähr 90 Minuten ausprobieren und bin überzeugt, dass der Cozy-Ableger seine Fans finden wird.
Der Beginn eines neuen Lebens
Nach einer kurzen Intro-Sequenz übernehme ich die Kontrolle über ein Ditto. Das landet auf einer heruntergekommenen Insel, die wie in Minecraft aus Blöcken besteht und auf der aus mysteriösen Gründen nur noch Ruinen von einstigen Menschen zeugen. Also nimmt das wandelbare Pokémon aus Nostalgie das Aussehen des vorherigen Trainers oder der Trainerin an.
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Pokémon Pokopia zeigt 10 Minuten neues Gameplay aus der gemütlichen Lifesim
Die Tatsache, dass ich kein echter Mensch bin, ist wichtig. Denn wenn ich im Laufe der Zeit neue Pokémon auf der Insel entdecke, kann ich deren Fähigkeiten lernen, um die Umgebung zu verändern und eine friedliche Monster-Oase nach meinen eigenen Vorstellungen zu erschaffen.
Falls ihr euch an Dragon Quest Builders erinnert fühlt, ist das kein Zufall. Dessen Entwicklerteam Omega Force von Koei Tecmo steckt nämlich hinter dem neuen Pokémon-Ableger.
Wenn ihr ein Nintendo Switch Online-Abo habt, könnt ihr Pokopia auch im Online-Koop mit bis zu vier Leuten spielen. In diesem Fall besucht ihr die Insel eines Hosts und könnt dort gemeinsam abhängen, bauen und sammeln.
Hinweis zur Demo: Die Anspiel-Session war zweigeteilt. Während ich in der ersten Stunde den Anfang von Pokopia spielen konnte, ging es danach noch einmal 30 Minuten in eine fortgeschrittene Welt, wo bereits einige Gebäude und Gärten angelegt waren. Eigenes Material aufnehmen, war nicht möglich. Alle Screenshots die ihr seht, wurden von Nintendo zur Verfügung gestellt.
Mein spielerisches Highlight: Habitate
Kurz nach dem Start einer neuen Insel treffe ich Professor Tangoloss. Das große Pokémon leitet durch die ersten Tutorial-Schritte. Ein zentrales Gameplay-Element sind etwa Habitate, also die Lebensräume der Pokémon. Jedes Monster möchte in einer bestimmten Umgebung wohnen, damit es sich wohlfühlt.
Schon in den ersten Minuten gesellen sich die drei Starter Bisasam, Glumanda und Schiggy dazu. Die sind noch recht genügsam, was ihr Zuhause angeht, denn alle brauchen lediglich eine eigene kleine Wiese als neues Heim.
Nachdem mir die drei ihre Skills beigebracht haben, gieße ich mit Schiggys Aquaknarre den vertrockneten Boden, lasse mit Bisasams Rankenhieb Grashalme sprießen und zünde mit Glumandas Hilfe mein erstes Lagerfeuer an.
Sobald die Voraussetzungen für ein Habitat erfüllt sind und beispielsweise Bisasams Wiese auf dem Quadrat-Raster der Spielwelt groß genug ist, kann ich ein passendes Pokémon einziehen lassen. Nun lebt es in diesem Habitat.
Ein wichtiger motivierender Faktor von Pokopia ist, dass ich die Lebensräume der meisten Pokémon entweder durch Experimentieren oder durch versteckte Hinweise in der Spielwelt erst herausfinden muss.
Erst wenn ein entsprechendes Habitat auf meiner Insel existiert, besteht die Chance, dass sich ein passendes Pokémon dort ansiedelt. Als ich etwa eine Wiese unter einem Baum gepflanzt habe, ist dort einige Zeit später ein Sichlor eingezogen.
Nockchan möchte dagegen einen Ort mit Sportgeräten. Dank des harten Trainings bringt es mir im Austausch für seinen Boxsack bei, wie ich Geländeblöcke mit bloßen Fäusten zertrümmern kann – quasi das Äquivalent zur Spitzhacke in Minecraft.
Andere Wesen zeigen mir dagegen, wie ich Saatgut auf Feldern anpflanze oder schwimme – und mit Dragoran konnte ich sogar durch die Lüfte segeln, um mein Werk von oben zu betrachten.
Mit der Hilfe neuer Pokémon kann mein Ditto irgendwann im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzen und auch die Landschaft der Insel durch Terraforming verändern. In der Demo war das nur bedingt machbar, aber die Möglichkeiten mit solchen Sandbox-Features sind immens, wenn ihr viel gestalten möchtet.
Pokémon sind in Pokopia also nicht einfach nur Questgeber und sehen süß aus, sondern sind wichtig für den Gameplay-Fortschritt. Mehr Monster bedeutet nämlich mehr Fähigkeiten und damit mehr Optionen, um die Insel nach meinen Wünschen anzupassen.
Damit der Überblick nicht verloren geht, hat mein Ditto neben dem üblichen Pokédex auch einen Habitatedex dabei. Damit kann ich jederzeit nachschauen, welche Lebensräume bereits entdeckt wurden und welche Pokémon dort leben möchten.
Wie motivierend das Sammeln und Herausfinden der Habitate tatsächlich sein wird, hängt letztlich davon ab, wie viele es im finalen Spiel gibt und wie komplex die Anforderungen dafür werden. In der Demoversion wurde es noch nicht viel spannender als “Gras unter einem Baum”.
Da ist aber auf jeden Fall viel Potenzial für spaßiges Experimentieren und für den Anfang finde ich das Habitat-System deswegen wirklich vielversprechend, weil es dem Sammelcharakter des Franchises eine weitere Facette hinzufügt.
Baut eure Trauminsel, wie sie euch gefällt
Wie groß die Inseln werden, kann ich nach meinen ersten Eindrücken nur bedingt einschätzen. Die Startregion meiner Insel war etwa von hohen Bergen eng umgrenzt. Gemessen an der fortgeschrittenen Welt im zweiten Teil des Anspielevents, solltet ihr jedenfalls nicht mit einer gigantischen Open World rechnen. Platz für Terraforming von Landschaften und großen Bauprojekten gibt es aber auf jeden Fall.
Bauen und Gestalten der aus Blöcken bestehenden Welt ist ein weiteres wichtiges Feature von Pokopia. Natürlich wird Bisasam nicht für immer auf seinem Grasbüschel sitzen bleiben. Es dürstet ihn nach mehr.
Deshalb entwickeln alle Pokémon mit der Zeit Wünsche. Haben sie eine Sprechblase über ihrem Kopf, wollen sie mit mir reden und verraten, was sie wollen. Das grüne Pflanzen-Pokémon wünscht sich etwa ein Bett.
Möbel stelle ich an Werkbänken her und dafür braucht es Ressourcen. Zu Beginn finde ich vor allem Klassiker wie Steine, Holz oder Blätter. Während für ein einfaches Strohbett bereits ein paar herumliegende Äste und gemähtes Gras ausreichen, werden die Anleitungen im späteren Spielverlauf anspruchsvoller.
Nachdem ich das gewünschte Bett im Bereich um Bisasams Habitat platziert habe, bedankt es sich bei mir und meine Bindung zu ihm steigt. Auf diese Weise freunde ich mich mit Pokémon an, um Belohnungen und neue Quests von ihnen zu bekommen.
Das Wohlfühl-Level steigt
Mit mehr zufriedenen Pokémon steigt gleichzeitig auch das Level meiner Insel. Der aktuelle Status lässt sich an einem PC nachschauen, der anfangs neben einem kaputten Pokémon-Center steht. Hier kann ich auch tägliche Herausforderungen annehmen, für deren Abschluss es Münzen gibt.
Das waren in der Demo-Version simple Aufgaben wie “Sammle 10 Äste” oder “Lass 8 neue Pokémon bei dir leben” – typische rotierende Daily-Tasks also, wie es sie auch z.B. in Disney Dreamlight Valley gibt.
Steigt meine Insel eine Stufe auf, gibt es neue Anleitungen für die Werkbank und mehr Items, die im Laden am PC für Münzen zum Verkauf stehen. Ich muss also nicht alles craften, sondern kann auch die meist kurzen Daily Quests farmen und mich im Shop mit Deko-Gegenständen eindecken.
Selbst ausprobieren konnte ich das freie Bauen nur sehr eingeschränkt. Meinem ersten Eindruck nach solltet ihr aber nicht mit der gleichen Komplexität an unterschiedlichen Materialien und Möglichkeiten rechnen wie beispielsweise in Minecraft.
Das merke ich zum Beispiel daran, dass schon nach wenigen Blöcken Schluss ist, wenn ich nach unten buddeln möchte. Ein gigantisches Reich unter der Erde werdet ihr in Pokopia also weder entdecken, noch erschaffen können.
Die Häuser waren mit Tischen, Sofas und anderen Möbeln eingerichtet, wirkten aber trotzdem recht karg und wenig detailliert. Hier bleibt abzuwarten, was die Vollversion an Möglichkeiten bietet und wie viel Freiraum Einrichtungs-Fans gegeben wird.
Ihr solltet aller Voraussicht nach jedenfalls nicht mit ausufernden Möglichkeiten wie in Die Sims 4 oder gar dedizierten Einrichtungsspielen wie Small Spaces rechnen. Dafür wirken die Optionen in Pokopia in der Demo zu grob. Mit etwas Geduld lassen sich aber durchaus schöne Häuser für eure liebsten Pokémon zaubern.
Beim Spielen der Demo konnte ich mir richtig gut vorstellen, wie Pokémon-Fans der ersten Game Boy-Generationen Städte wie Fuchsania City oder bestimmte Routen detailgetreu nachbauen – die Karo-Raster beider Spiele bieten sich dafür quasi perfekt an.
Dafür gibt es auch vorgefertigte Gebäude, die nicht aus Blöcken bestehen. Dazu gehören beispielsweise Fertighäuser oder Pokémon-Center. Sobald die entsprechende Anleitung freigeschaltet ist, kann ich den Bausatz in der Welt platzieren, alle nötigen Materialien müssen bei der Baustelle abgegeben werden.
Hier sind dann auch wieder die besonderen Skills der Pokémon relevant. Als ich meine erste kleine Hütte aus Blättern bauen wollte, musste Praktibalk mit seiner Bauen-Fähigkeit etwa dabei sein, um das Gebäude fertigzustellen.
Achtung: Game-Key-Card
Die physische Version von Pokopia wird nur mit einer Game-Key-Card ausgeliefert. Ihr findet in der Box zwar ein Modul, das ihr zum Spielen in eure Switch 2 stecken müsst, darauf befinden sich aber keine Daten. Stattdessen löst die Cartridge letztlich nur den Download der digitalen Version aus.
Falls ihr also Wert auf eine physische Sammlung legt, solltet ihr das vor einem möglichen Kauf unbedingt im Hinterkopf behalten – auch vor dem Hintergrund des Vollpreises von 70 Euro.
Solide Performance, grafisch etwas mau
Was die Performance betrifft, hat der Switch 2-Exklusivtitel einen stabilen Eindruck gemacht. Ruckler und Bugs sind mir beim Spielen nicht aufgefallen. Allerdings habe ich auch nur einen kleinen Teil des Spiels gesehen.
Optisch sieht Pokopia in Ordnung aus – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ein Grafik-Brett wie etwa der Resident Evil Requiem-Port auf der Switch 2 ist es sicherlich nicht, aber die Pokémon sind nett animiert und der Vibe des Franchises wird gut eingefangen.
Wirklich geärgert hat mich allerdings die geringe Sichtweite. Es dauert wirklich nicht lange, bis Landschaften und Gebäude im Hintergrund von einem violetten Nebel verschluckt werden, der alle Details auf dem Terrain ausblendet. Schon in der Demo zeigt sich, dass das dafür sorgt, dass ich nie meine gesamte Schöpfung in voller Pracht überblicken kann.
Davon abgesehen ist eine geringe Sichtweite, in der alle Details hinter einer Dunstwand verschwinden, eigentlich eher etwas, das ich mit Spielen von vor zwanzig Jahren in Verbindung bringe. Zumal Pokopia jetzt auch nicht so gut aussieht, dass ich der Switch 2 da nicht mehr zutrauen würde.
So, und jetzt bin ich auf eure Meinungen gespannt: Ist die Fusion aus Animal Crossing und Pokémon eine gute Idee oder seid ihr erstmal noch skeptisch?
Fazit der Redaktion
Maximilian Franke
Pokémon Pokopia wird seine Fans auf jeden Fall finden. Ein gemütliches Cozy-Game, in dem die beliebten Monster friedlich miteinander leben, ist quasi ein Selbstläufer und was ich bisher vom Spiel gesehen habe, macht auch einen guten Eindruck.
Wenn ihr auf das seichte Gameplay von Animal Crossing anspringt und ohne jeden Stress die perfekte Pokémon-Oase erschaffen wollt, dürfte das hier etwas für euch sein. Besonders das Sammeln und Entdecken der Habitate könnte sehr motivierend werden und dem Gestalten der Inseln eine spaßige und eigenständige Note verleihen.
Je nachdem, mit welcher Erwartungshaltung ihr an Pokopia geht, solltet ihr aber auch mit Abstrichen rechnen – gerade im Vergleich zu ähnlich gelagerten Spielen. Soweit ich das bisher beurteilen kann, wird es kaum sympathisch geschriebene Storylines wie in Stardew Valley geben, Landwirtschaft spielt keine zentrale Rolle wie in Story of Seasons, ihr könnt nicht so detailliert einrichten wie in Die Sims und es gibt voraussichtlich weniger Möglichkeiten beim Gestalten der Welt als in Minecraft.
Das muss aber nichts Schlechtes sein, denn gerade diese niedrigen Einstiegshürden machen das Spiel entspannt und haben auch dafür gesorgt, dass ich schnell in den Gameplay-Flow eintauchen konnte, ohne dass mich spielerische Hindernisse abgelenkt oder gestört hätten. Außerdem dürften so auch jüngere Pokémon-Fans bedenkenlos vor sich hin werkeln können.
Und ganz ehrlich: Allein die Vorstellung, dass ich meinem Bisasam – dem offensichtlich besten Pokémon – seinen ihm angemessenen Palast bauen kann, ist ziemlich super.
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