PS5 & Xbox Series X/S: Warum ihr Streamingdienste möglichst nicht nutzen solltet

Die neuen Konsolen von Sony und Microsoft ermöglichen komfortables Streamen von Filmen und Serien, sind dabei aber bei Weitem nicht so effizient wie dedizierte Streaming-Geräte.

von Leon Marlon Klein,
13.05.2021 11:00 Uhr

Die PS5 und Xbox Series X/S sind beim Videostreaming zwar deutlich effizienter als ihre Vorgänger, verbrauchen aber immer noch verhältnismäßig viel Strom. Die PS5 und Xbox Series X/S sind beim Videostreaming zwar deutlich effizienter als ihre Vorgänger, verbrauchen aber immer noch verhältnismäßig viel Strom.

Die PS5 und Xbox Series X/S bieten zahlreiche Multimediafunktionen, die dazu einladen, die Konsolen nicht nur fürs Gaming, sondern gleich für nahezu alle Formen der digitalen Unterhaltung zu verwenden. Dank der einheitlichen Bedienung über den Controller wird der fließende Wechsel zwischen den Anwendungen sogar besonders bequem gestaltet.

Doch dieser Komfort hat seinen Preis. Eine Studie der Umweltschutzorganisation Natural Resources Defense Council (NRDC) zeigt, dass die PS5 und Xbox Series X/S etwa 10- bis 25-mal mehr Strom verbrauchen können als dedizierte Streaming-Geräte wie ein Amazon Fire TV Stick oder ein Apple TV. Dementsprechend soll stundenlanges Binge-Watching auf den neuen Konsolen potenziell auch deutlich höhere Kosten für die Umwelt und die eigene Brieftasche verursachen.

Videostreaming: PS5 verbraucht am meisten Strom

Laut den Ergebnissen der NRDC verbraucht die PS5 mit 68 bis 70 Watt am meisten Strom beim Streamen auf Amazon Prime und Netflix. Die Xbox Series S soll unter denselben Testbedingungen immer noch 31 bis 41 Watt beanspruchen.

Während die NRDC selbst nicht die Möglichkeit hatte, die Xbox Series X zu testen, zeigen Messungen von flatpanelshd, dass Microsofts leistungsstärkste Konsole beim Streamen von 4K-Inhalten 46 Watt benötigt. Wenn die Konsole 120 Hertz ausgibt, würde der Verbrauch auf bis zu 57 Watt steigen.

Darüber hinaus soll die PS5 dem Test von flatpanelshd zufolge sogar bis zu 80 Watt verbrauchen. Ein Chromecast Ultra und ein Apple TV 4K seien hingegen mit lediglich 3,4 beziehungsweise 6 Watt ausgekommen.

Die Kollegen von CNET haben die neue Konsolengeneration ebenfalls auf ihren Umwelteinfluss untersucht und kommen in puncto Stromverbrauch zu ähnlichen, wenn auch insgesamt etwas niedrigeren Ergebnissen. Den Messungen von CNET zufolge hat die PS5 beim Streamen einen Verbrauch von etwa 0,063 Kilowattstunden, während sich beide Microsoft-Konsolen bei ungefähr 0,045 Kilowattstunden einpendeln sollen.

Die PS5 verbraucht zwar weniger Strom beim Videostreaming als die reguläre PS4, im Vergleich zur PS4 Pro soll aber kaum ein Unterschied bestehen. Die PS5 verbraucht zwar weniger Strom beim Videostreaming als die reguläre PS4, im Vergleich zur PS4 Pro soll aber kaum ein Unterschied bestehen.

Die neue Hardware ist effizienter als die der PS4 und Xbox One...

Obwohl die PS5 und Xbox Series X/S nach wie vor sehr viel Strom für relativ simple Anwendungen verbrauchen, ist die Energieeffizienz im Vergleich zur vorherigen Konsolengeneration gestiegen. Im Fall der Xbox Series X/S spricht CNET von einer 40prozentigen Einsparung im Verhältnis zur Xbox One X. Der Energiebedarf der PS5 sei im Vergleich zur regulären PS4 um 29 Prozent gesunken; zwischen PS5 und PS4 Pro würde allerdings kaum ein Unterschied vorliegen.

Eine andere Studie der NRDC aus dem Jahr 2014 zeigt, dass die PS4 für das Streamen von Full HD-Inhalten auf Netflix 89 Watt benötigt. Die Xbox One saugt unter denselben Umständen immer noch 74 Watt. Laut der aktuellen Messungen von flatpanelshd kann die PS4 während der Wiedergabe von 4K-Video sogar bis zu 95 Watt verbrauchen.

…aber noch nicht effizient genug

Die Ursache für die schlechte Energieeffizienz beim Videostreaming ist die Hardware der Konsolen. Microsoft und Sony setzen bei der PS5 und Xbox Series X/S auf leistungsstarke Grafik- und Prozessoreinheiten, die allein im Leerlauf ein verhältnismäßig hohes Maß an Strom benötigen. Dazu kommt der Aspekt, dass die Hardware auf der sogenannten x86-Mikroprozessorarchitektur basiert, die zwar sehr hohe Rechenleistung in puncto Gaming ermöglicht, dafür aber auch mehr Strom benötigt als alternative, leistungsschwächere Architekturen.

Dedizierte Streaming-Geräte setzen beispielsweise meistens auf ARM-Prozessoren, die grundsätzlich deutlich weniger Energie brauchen, dafür allerdings weniger Rechenleistung bieten. Auch wenn die derzeitige Hardware der PS5 und Xbox Series X/S nicht so effizient wie z.B. ein TV-Stick arbeiten kann, wäre es für zukünftige Modelle wünschenswert, dass insbesondere die PS5 ihren hohen Stromverbrauch möglichst reduziert.

Ein dedizierter "Streaming-Chip", so wie ihn sich die NRDC wünscht, wäre auch unserer Einschätzung nach eine gute Ergänzung in zukünftigen Konsolen, die den Energiebedarf beim Streamen erheblich senken würde. Bis dahin empfiehlt es sich als Spieler:in, beim Videostreaming auf die integrierte Funktion des Smart-TVs oder ein dediziertes Streaming-Gerät auszuweichen - falls vorhanden versteht sich.

Von einer Neuanschaffung eines Streaming-Geräts raten wir euch allerdings eher ab, wenn ihr bereits eine Konsole besitzt und Geld sparen möchtet. Je nachdem, wie viel ihr täglich streamt, könnte es gegebenenfalls Jahre dauern, bis ihr den Preis für das Streaming-Gerät durch die niedrigeren Stromkosten wieder drin habt. Außerdem ist es wahrscheinlich, dass durch die Produktion sowie den Versand eines neuen Geräts mehr Umweltbelastung entsteht als durch das Streamen auf eurer Konsole.

Streamt ihr Filme und Serien auf euren Konsolen?

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