Steam-Entwickler sagt: Junge Leute wissen nicht mehr, wie man Mails schreibt und dadurch wird sein Spiel zu schwer

Um die Rätsel im Spiel zu lösen, müsst ihr auch im echten Leben E-Mails schreiben. Was aber heutzutage gar nicht mehr so selbstverständlich ist.

Hach ja, so schön altmodisch sahen Computer-Interfaces damals aus. Hach ja, so schön altmodisch sahen Computer-Interfaces damals aus.

In den 2000er Jahren gehörte das Schreiben von E-Mails quasi zu den essentiellen Skills der digitalen Kommunikation. Das hat sich aber mittlerweile aber gewandelt. WhatsApp und Co. bieten kürzere Kommunikationswege, weshalb es für viele auch immer weniger Berührungspunkte mit E-Mails gibt.

Das wird einem Puzzle-Spiel auf Steam jetzt wohl zum Verhängnis. Um dessen Rätsel zu lösen, soll man nämlich – ihr habt's euch wahrscheinlich gedacht – E-Mails verschicken. Laut dem Entwickler fehlt diese Kompetenz aber vielen Spieler*innen zunehmend.

Dieses Spiel ist "viel zu schwer", wenn ihr keine E-Mails schreiben könnt

After Hours ist ein Alternate-Reality-Puzzlespiel, das ursprünglich 2018 erschienen ist. Eure Aufgabe ist hier, Notizen und Briefe auf einem Comuter zu lesen, um das mysteriöse Verschwinden eines Wissenschaftlers vor 30 Jahren aufzuklären.

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Der "Alternate Reality"-Aspekt kommt dann beim Gameplay zum tragen. Ihr sollt nämlich nicht nur innerhalb des Spiels nach Hinweisen suchen. Stattdessen findet sich in den Files im Spiel auch mehrmals eine E-Mailadresse. Und siehe da, ihr könnt sie tatsächlich im echten Leben kontaktieren.

Wie Entwickler Petter Malmehed gegenüber Polygon verrät, ist das System so ausgelegt, dass es in den Nachrichten der Spieler*innen automatisch nach Schlüsselwörtern sucht und dann eine passende vorgeschriebene Mail zurückschickt. Das funktionierte wohl anfangs auch ziemlich gut.

Laut Malmehed passierte ab 2024 aber vermehrt merkwürdiges: E-Mails von Spieler*innen hatten öfter überhaupt keinen Text im Hauptfeld mehr, stattdessen war die gesamte Anfrage häufig nur in Kleinbuchstaben in der Betreffzeile eingegeben.

Das System ist allerdings nicht darauf ausgelegt, Keywords im Betreff zu suchen und kann entsprechend keine Nachricht zurückschicken – wodurch das Spiel für viele zu schwer wird. Allein 2025 sollen knapp ein Drittel der Nachrichten so ausgesehen haben.

Der Entwickler vermutet deshalb, dass besonders jüngere Generationen einfach nicht genug mit E-Mails vertraut sind:

"Ich habe bemerkt, dass besonders viele jüngere Leute heutzutage [so schreiben]. Deswegen vermute ich, dass die Spieler allgemein ziemlich jung sind. [...] Keine moderne Kommunikationsform benötigt ein Betreff- und Textfeld – es ist also verständlich, dass Leute, die nicht mit E-Mails vertraut sind, nicht beide Felder ausfüllen."

Malmehed räumt aber auch ein, dass er nur darüber spekulieren kann, wie alt die Spielerschaft wirklich ist. Seine Vermutung könnte also genauso gut meilenweit daneben liegen.

Natürlich gibt es durchaus Studien (via Washington Post), die einen Abwärtstrend bei den technischen Fähigkeiten von Teenagern und jungen Erwachsenen beobachten. Das ist aber nicht die Schuld der Kids, sondern dürfte nicht zuletzt auch daran liegen, dass grundsätzliche Computerkenntnisse in Schulen immer weniger gelehrt werden.

Der After Hours-Entwickler will auf jeden Fall versuchen, sich daran anzupassen, wie Nachrichten heutzutage geschrieben werden. Aktuell sucht er nach einer Möglichkeit, sein E-Mail-System auch im Betreffstext Keywords erkennen zu lassen.

Na, wann musstet ihr eure letzte E-Mail schreiben?


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