Wenn ich an den ersten großen Indie-Boom rund um das Jahr 2010 denke, erinnere ich mich neben dem Horror-Klassiker Limbo und The Binding of Isaac vor allem an Super Meat Boy!
Der fordernde 2D-Platformer mit seinen kurzen, von tödlichen Fallen gespickten Leveln, bei dem jeder Sprung höchste Präzision erforderte, motivierte mich damals wie kaum ein anderes Spiel. Es hatte genau das "nur noch ein Versuch, dann pack ich’s"-Spielprinzip, das mich einst auch schon zum großen Trials-Fan gemacht hat.
Der Essener Entwickler Sluggerfly hat Team Meat rund um Edmund McMillen jetzt für den neuen Teil abgelöst und läutet beim kleinen roten Fleischklumpen auf PS5, Xbox Series, Nintendo Switch 2 und PC ab dem 31. März die 3D-Ära ein. Und machen wir’s kurz: ich hatte beim Test zu Super Meat Boy 3D genauso viel Spaß wie vor 16 Jahren mit dem Original.
Wie steht’s um die Technik? Ich konnte mir sowohl die PC- als auch die PS5-Version anschauen und kann euch nur Positives berichten. Weder bin ich über Bugs gestolpert, noch über sonstige Probleme.
Ein erbarmungsloses Jump&Run
Super Meat Boy 3D ist in gewisser Weise der knallharte Gegenentwurf zu den größtenteils recht moderaten Jump&Runs von Nintendo. In SMB dreht sich nämlich alles um eine knackige spielerische Herausforderung und direkt vorweg: Klingt das für euch wenig spaßig und/oder stressig, solltet ihr auch um den neuen Ableger einen großen Bogen machen.
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Im Trailer seht ihr einige der super harten Dark World-Level.
Wie im 2D-Original gelangt ihr über eine Oberwelt in die meist 15 bis 25 Sekunden langen Level, in denen ein Fehler den sofortigen Tod bedeutet. Einmal flüchtig ein rotierendes Sägeblatt gestreift oder die Plattform um Haaresbreite verfehlt und in den Abgrund gestürzt: Neustart! Der geht übrigens super fix, das nur am Rande.
Präzises Gehüpfe mit einem kleinen Manko
Die Steuerung von Meat Boy ist dabei sehr simpel: sprinten, springen und nach vorne dashen, das war’s. Mit diesen Grundzutaten könnt ihr dann noch weitere Manöver ausführen, etwa Walljumps und Wallruns.
Spezialfähigkeiten gibt es nicht, auch keine Transformationen wie etwa in Super Mario Bros. Wonder. SMB setzt auf wenige Manöver, die ihr jedoch super präzise und mit dem richtigen Timing ausführen müsst, um ans Ende der Abschnitte zu kommen.
Optionen für mehr Barrierefreiheit
Im Optionsmenü findet ihr eine kleine, aber durchaus schöne Auswahl an Accessibility-Einstellungen.
- Bildschirmwackeln deaktivieren
- Farbenblindheitsmodi, die ihr zudem feinjustieren könnt
- Figuren-Outline: Eine weiße Umrandung, welche die Spielfigur hervorhebt
- Positionshelfer: Ihr könnt einen Kreis und eine vertikal gestrichelte Linie zuschalten, die euch die genaue Position des Fleischklumpen anzeigen, was mir beim präzisen Springen enorm geholfen hat
Durch den Wechsel in den 3D-Bereich hat sich natürlich die Frage gestellt, ob sich das Ganze auch in der dritten Dimension so flüssig und präzise steuert wie im 2D-Original. Doch hier kann ich euch Entwarnung geben.
Klar, es braucht etwas Eingewöhnung und speziell bei meinen ersten Sessions bin ich des Öfteren in eine Falle gesprungen, weil ich den Abstand zu einer Plattform nicht haargenau einschätzen konnte. Mit der nötigen Übung und der Zuschaltung der oben erwähnten Positionshelfer hatte ich den Dreh jedoch schnell raus und es hat sehr viel Spaß gemacht, die immer schwerer werdenden Level zu meistern.
Einen Kritikpunkt am Gameplay habe ich aber. Vereinzelt kann es vorkommen, dass die Wegfindung durch die kunterbunten Level nicht ganz offensichtlich ist. Das kann in einem solch rasanten Spiel, bei dem jeder Tastendruck sitzen muss, zum sofortigen Ableben und im ansonsten fairen Spiel zu gelegentlichen Frustmomenten führen.
Das ging bei mir zwar nie so weit, dass ich das Pad in den Monitor gefeuert habe, speziell in den richtig harten Abschnitten, in denen man sich Sprung für Sprung voran tastet, habe ich aber den ein oder anderen ziemlich lauten Fluch abgelassen.
Abwechslungsreiche Gemeinheiten
Die insgesamt fünf Welten mit ihren 75 Leveln bauen in Sachen Schwierigkeitsgrad übrigens schön aufeinander auf. Während ihr im fröhlich aussehenden Waldgebiet noch die Basics beigebracht bekommt, müsst ihr in der Deponie-Welt bereits giftigen Schleimblöcken ausweichen, eher euch dann in der metallenen Schmiede-Welt von allen Seiten schnell rotierende Kreissägen entgegenkommen.
Super Meat Boy hat es dabei durchweg geschafft, mich neben der geschmeidigen Steuerung auch mit seinem cleveren Leveldesign und neuen Gemeinheiten durchweg auf Trab und bei Laune zu halten. In der fünften Welt springe ich beispielsweise zwischen fahrenden Zügen hin und her oder muss tödlichen Laserstrahlen ausweichen.
Ordentlich Fleisch auf den Rippen
Neben 75 Light World-Leveln und fünf Bosskämpfen ist auch die Dark World zurück. Das sind 75 besonders harte Versionen der normalen Missionen, bei denen der Todeszähler bei mir teils über 100 gesprungen ist. All die Ableben seht ihr übrigens wie im Original nach Meistern des Abschnitts in einer Wiederholung, in der alle Runs übereinandergelegt werden. Das virtuelle Massensterben sieht auch heute noch so cool aus wie damals auf der Xbox 360.
Hier sei allerdings angemerkt, dass sich Sluggerfly in der Dark World nicht einfach nur darauf beschränkt hat, ein paar zusätzliche Fallen zusätzlich einzubauen. Die Level unterscheiden sich vom Aufbau her teils drastisch von den Light World-Varianten, sodass das Gesamtpaket von Super Meat Boy 3D aus 150 eigenständigen Leveln besteht – was euch insgesamt locker 15 Stunden ans Pad fesseln kann.
Die Level der Dark World unterscheiden sich teilweise drastisch von ihren mehr harmlosen Varianten.
In dieser Zeit schaltet ihr nacheinander fünf Welten frei, die aus jeweils 15 Herausforderungen bestehen. Für die Freischaltung müsst ihr übrigens lediglich zwei Drittel der Level und den jeweiligen Boss meistern. Das ist vor allem eine super Sache, falls ihr an so manch kniffliger Stelle einfach nicht weiterkommt.
Kaum ein Platformer ist so motivierend
Die ganzen Level in ihren Light- und Dark World-Varianten zu meistern, ist übrigens nur ein Teil des Spaßes.
Wer es auf die Spitze treiben will, unterbietet die vorgegebenen Bestzeiten und holt sich damit den A+ Stempel ab. In der Light World sind die übrigens Grundvoraussetzung, um die Dark World-Varianten freizuschalten. Während ich solche Speedruns in 9 von 10 Spielen komplett ignorieren würde, motivieren mich die kurzen Platformer-Abschnitte einfach enorm, meine Hüpfeinlagen zu perfektionieren. Und springt man erst wie der weltbeste Kaizo Mario-Spieler durch die Welten, fühlt sich das einfach unglaublich befriedigend an.
Unterstützung für den Fleischjungen
Sluggerfly haben übrigens noch einen weiteren kleinen Motivator in Form von versteckten Pflastern in den Levels versteckt. Sammelt ihr genug von den rosa Klebestreifen, schaltet ihr insgesamt 19 neue spielbare Figuren frei.
Sich als Zombie oder bis aufs Skelett abgenagter Meat Boy in die Level zu stürzen, hat dabei nicht nur einen kosmetischen Effekt. Einige Figuren wie Meatball Boy kommen auch mit Eigenheiten daher. Besagtes Fleischklößchen springt beispielsweise wie ein Flummi permanent auf und ab, während Skelett Boy super leicht und dadurch auch super flink ist. Die Skins können die ganz hartgesottenen unter euch als Extra-Herausforderung nutzen.
Achja, eine Sache noch…
Super Meat Boy 3D sieht richtig schick aus und kommt mit witzigen Boss-Cutscenes daher, verzichtet aber (zum Glück) nahezu komplett auf eine Story. Meat Boys rosafarbene Freundin Bandage Girl wird vom bösen Dr. Fetus gekidnappt und Meat Boy muss sie retten! Das Ganze ist wie bereits im Original nicht viel mehr als eine Super Mario-Hommage.
Ist das wild? Wenn ihr mich fragt, überhaupt nicht. Ich bin vielmehr froh, dass sich Sluggerfly rein aufs Gameplay konzentriert und nicht versucht haben, eine halbgare Geschichte einzubauen. Denn um die geht’s in Super Meat Boy einfach nicht. Hier wird gehüpft, gestorben und wieder gehüpft – und das macht glücklicherweise richtig viel Laune!
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