Wie mich GTA Vice City in die Schmuggelei trieb

Redakteurin Ann-Kathrin wollte mit 14 Jahren GTA spielen. Dafür musste sie zu eher ungewöhnlichen Mitteln greifen.

von Ann-Kathrin Kuhls,
09.03.2020 18:00 Uhr

GTA: Vice City hat Ann-Kathrin in die Schmuggelei getrieben. Warum, das erzählt sie euch in ihrere Kolumne. GTA: Vice City hat Ann-Kathrin in die Schmuggelei getrieben. Warum, das erzählt sie euch in ihrere Kolumne.

GTA: Vice City ist für mich immer noch das beste GTA aller Zeiten. Nicht nur wegen der Musik (Fever 105 ist einfach großartig!), sondern auch dank der leicht abgedrehten, aber großartigen Story. Die hätte ich damals jedoch noch nicht einmal erleben dürfen, denn als ich zum ersten Mal Vice City spielte, war ich gerade mal 14 Jahre alt. Aber wenn Teenager eins sind, dann sehr einfallsreich. Deswegen möchte ich euch heute erzählen, wie ich für GTA: Vice City zu Mitteln Griff, die manche vielleicht als Schmuggelei bezeichnen würden.

Mein Erlebnis beginnt 2004, zu einer Zeit, in der ich nicht einfach bei Amazon oder im PSN bestellen konnte. Um ein Spiel mit einer Freigabe ab 18 zu kaufen, hätte ich persönlich in den Laden spazieren und Geld auf den Tisch legen müssen. Und machen wir niemandem etwas vor: Ich sah garantiert nicht aus wie 18. Ehrlich gesagt nicht einmal wie 14.

Mama ist härter als der Zoll

Ihr könnt euch also meine Begeisterung vorstellen, als eine Freundin GTA: Vice City durchgespielt hatte und mir anbot, mir ihre Version auszuleihen. Doch jetzt tat sich ein ganz neues Problem auf: Wie sollte ich das Spiel in meine PlayStation bekommen? Auf dem Weg vom Schulhof in mein Kinderzimmer lauerte nämlich jemand, der mir nicht nur genau so viel Respekt einflößte wie die Polizei, sondern eine ebenso gute Spürnase für unerlaubte Aktionen hatte:

Meine Mama.

Und nein, Mama Kuhls ist keine Tyrannin. Aber nehmt euch einen Moment Zeit und erinnert euch daran, wie ihr euch gefühlt habt, als ihr das letzte Mal bei etwas Verbotenem erwischt wurdet, dann könnt ihr meine Sorge nachvollziehen. GTA war definitiv verboten. Ich durfte keine Spiele zocken, in denen ich jemanden erschießen konnte und erst recht nicht, wenn sie ab 18 waren. Ich musste also kreativ werden.

Vice City ist nicht unbedingt das Spiel, das Mamas früher gerne in der Konsole ihrer Kinder sahen. Vice City ist nicht unbedingt das Spiel, das Mamas früher gerne in der Konsole ihrer Kinder sahen.

Not macht erfinderisch

Hier beginnt mein Abstieg in die Schmuggelei. Kurz zuvor hatte ich Need for Speed Underground 2 geschenkt bekommen und wie sich herausstellte, war die Need for Speed-Packung das perfekte Trojanische Pferd. Schließlich kann auch GTA Vice City ein reines Autorennspiel sein, wenn ich denn meine Waffe einfach stecken lassen würde. Also nahm ich NFSU mit in die Schule und tauschte heimlich die Discs aus. Meine Freundin ging mit Underground nach Hause, und ich hatte Vice City in der Tasche.

Zuhause sah meine Mutter dann nur das Spiel, das sie mir selbst gekauft hatte und schöpfte keinen Verdacht. Wäre meine Mama der Zoll, hätte ich das Paket sicher über die Grenze gebracht. Aber da hört es ja noch nicht auf, schließlich kann jeder noch so gute Schmuggler gefasst werden, wenn man seine Spuren nachverfolgen kann. Nun begann also Phase Zwei: Die Verschleierung.

Zum einen durfte meine Mutter natürlich nicht sehen, was alles in Vice City möglich war. Beispielsweise, wie wir Gonzalez in der ersten richtigen Mission mit einer Kettensäge zerteilen. Darum drehte ich den Sound sehr leise und ließ meine Tür immer einen Spalt breit auf, um hören zu können, wenn Mama die Treppe heraufkam. Sobald ich ihre Schritte hörte, löschte ich mit einem Cheat etwaige Sterne und sprang ins nächstbeste Auto. Kam Muttern dann rein, sah sie nichts außer einer gemütlichen Sonntagsfahrt. Bonus: Fever 105, mein Lieblingssender, spielte auch Musik, die ihr gefiel.

Wer lauschte nicht auch gern dem 80er-Jahre Synthie-Pop in NFSU 2? Richtig, niemand. Mein Lügengebaüde stand auf wackligem Grund. Wer lauschte nicht auch gern dem 80er-Jahre Synthie-Pop in NFSU 2? Richtig, niemand. Mein Lügengebaüde stand auf wackligem Grund.

Hier baute ich voll darauf, dass keiner von Mamas Kollegen Need for Speed Underground 2 kannte. Hätte meine Mutter mit denen über die Musik gesprochen, wäre sofort aufgefallen, dass in NFS Hip Hop läuft und keine 80er-Hits. Mein Spaß hätte schnell ein Ende gefunden.

Doch obwohl ich damit durchkam, blieb ich paranoid. Was, wenn meine Memory Card mich verriet? Schließlich war der Name GTA damals allgemein bekannt. Die Medien waren mittendrin, Videospiele für alles Schlechte in der Welt verantwortlich zu machen, und Counter Strike und GTA waren die Hauptangeklagten.

"Another time, Ricardo!"

Also speicherte ich schlichtweg nicht. Gar nicht. Was bedeutet, dass ich das Intro so verdammt oft gespielt habe, dass ich Mercedes Kleid wahrscheinlich heute noch aus dem Kopf nachschneidern könnte. Aber das war mir egal. Ich hatte endlich GTA und spielte etwas, das ich eigentlich nicht durfte. Der Thrill des Verbotenen hatte mich gepackt und genau diese Leidenschaft legte den Grundstein für mein mittlerweile weltweit operierendes Schmugglerunternehmen.

Na ja, nicht ganz.

Tatsächlich hatte ich so ein schlechtes Gewissen, dass ich fast keinen Spaß beim Spielen verspürte und es zu einem späteren Zeitpunkt nachholte. Sehr wahrscheinlich würde ich eine furchtbare Kriminelle abgeben. Meine GTA-Schmuggelei ist und bleibt jedoch ein Triumph, denn bis heute hat meine Mama es nicht herausgefunden. Also wehe, jemand petzt.

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