Fazit: Final Fantasy 15 im Test - Ein Neuanfang

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Fazit der Redaktion


Mirco Kämpfer
@Khezuhl

Als alter FF-Fan war ich auf Final Fantasy 15 gespannt wie ein Flitzebogen - seit Jahren habe ich nicht mehr so sehr einem Release entgegengefiebert. Der Open-World-Ansatz funktioniert besser, als ich dachte. Die Welt ist teilweise wunderschön und vollgepackt mit Aufgaben, interessanten Orten, Items und Monstern. Ich habe so viel erlebt, an das ich mich noch in Wochen erinnern und meinen Kollegen erzählen werde. Da ist es umso überraschender, dass der lineare zweite Teil, der sich auf die Story konzentriert, im Vergleich zur offenen Welt deutlich abfällt. Hier habe ich den Eindruck, die Entwickler hatten noch mehr, noch Größeres geplant, sind aus Zeitgründen aber nicht fertiggeworden.

Generell kann ich verstehen, wenn Einsteiger erst einmal abgeschreckt sind: Koch-Ressourcen sammeln, den Regalia tunen, Zaubersprüche selbst zusammenstellen, dazu die Fertigkeitenbäume, Beschwörerwaffen, Bestias beschwören und sogar den Chocobo kann man trainieren - Final Fantasy 15 steckt voller Spielemente, die meiner Meinung nach aber gut ineinandergreifen. Klar, einige Ideen wie das Autofahren mögen nicht so recht zünden, doch ich finde den Mut bewundernswert, mit den die Entwickler an die Neuausrichtung von Final Fantasy 15 herangegangen sind. Davon können sich andere Studios eine Scheibe abschneiden.

Hannes Rossow
@Treibhausaffekt

Final Fantasy 15 ist ein erneuter Sonderling der Reihe, der, ähnlich wie Final Fantasy 8 damals, einige Probleme damit hat, eine wirklich glaubhafte Welt zu erzählen. Vieles wirkt auf mich inkonsistent und unfreiwillig zusammengefügt. Aber es ist dann eben doch in so vielen Dingen ein vollwertiger Ableger, der sich ganz und gar nach Final Fantasy anfühlt und es irgendwie geschafft hat, die Entwickler-Odyssee der Verschiebungen, Teamwechsel und neuen Ausrichtungen mit unkonventionellen, letztlich aber oft auch funktionierenden Designentscheidungen zu flicken.

Wer sich auf Noctis und seine Freunde einlassen möchte, muss sich aber zuallererst damit abfinden, dass er auch in Final Fantasy 15 keine spannende Geschichte erzählt bekommt, denn diese Tugend hat Square Enix seit Final Fantasy 10 nicht mehr wiedergefunden. Dafür wurden aber in spielerischer Hinsicht die richtigen Konsequenzen aus den direkten Vorgängern gezogen. Die Spielwelt ist klar von Xenoblade Chronicles inspiriert und bringt in den Kämpfen zugleich das schnelle, reichhaltige Spielgefühl von Final Fantasy 12 zurück.

Herausragende Ereignisse der Haupt-Story, wie ihr sie aus früheren Final Fantasy-Teilen noch im Gedächtnis abgespeichert habt, werdet ihr hier kaum finden, dafür fehlt Final Fantasy 15 einfach der erzählerische Fokus. Doch ihr werdet definitiv Zeuge der Beweisführung, dass die Final Fantasy-Reihe auch nach 29 Jahren ihre Relevanz noch nicht verloren hat.

Heiko Klinge
@HeikosKlinge

Ich kann kaum in Worte fassen, wie dankbar ich für ein Spiel wie Final Fantasy 15 bin. Endlich mal wieder ein Titel, der von der ersten bis zur letzten Spielsekunde dem hemmungslosen Größenwahn fröhnt! Dieses Spiel will alles auf einmal und pfeift auf Kompromisse. Egal ob Story, Endgegner oder Welt: Alles hat gefälligst so episch wie möglich zu sein. Ich persönlich liebe diese typisch-japanische Reizüberflutung und habe es richtiggehend vermisst, mich ausufernd mit turmhohen Supermonstern zu duellieren.

Zwei Dinge haben mich an Final Fantasy 15 besonders positiv überrascht: Zum einen das Kampfsystem, das selbst einen bekennenden Rundentaktiker wie mich überzeugt hat, weil es eben nicht nur fantastisch in Szene gesetzt ist, sondern auch spielerisch einiges auf dem Kasten hat. Zum anderen, wie sehr ich mich mit den Helden anfreunden konnte. Ja, Hannes hat mit seiner Kritik an der Haupstory durchaus recht, dafür sind für mich Noctis und seine Kumpel die bislang am besten ausgearbeiteten Hauptcharaktere der Seriengeschichte.

Natürlich wird jeder enttäuscht sein, der einfach nur das gleiche wie im siebten oder neunten Teil in hübscherer Optik erwartet. Final Fantasy 15 will den Spagat zwischen Tradition und Moderne schaffen und bekommt das unter dem Strich bemerkenswert unterhaltsam hin, selbst wenn nicht jedes Experiment gelingt. Aber ich merke diesem Spiel einfach an, wie ambitioniert und mit viel Herzblut die Entwickler bei der Sache waren. Und deshalb werde ich sicherlich noch viele Stunden in Eos verbringen.

Henry Ernst
@GamePro_de

So ganz kann ich die Begeisterung der Kollegen nicht nachvollziehen. Und das, obwohl ich nach dem Film Kingsglaive wirklich gespannt darauf war, wie die Geschichte weitergeht. Immerhin bringt die 115 Minuten lange Introsequenz einige der beliebtesten FF-Zutaten in Stellung: Invasion durch ein böses Imperium, Diebstahl eines magischen Artefakts, verschnörkelte Rüstungen und einen fiesen Imperator mit großen Plänen. Leider bleibt die mit knapp 30 Stunden kürzeste Serienkampagne in meiner persönlichen FF-Geschichte hinter den geschürten Erwartungen zurück. Das scheinen auch die Entwickler bemerkt zu haben, denn nachdem die Story acht Kapitel lang seicht vor sich hingeplätschert ist, werdet ihr ab Kapitel neun plötzlich mit Vollgas, Emotionen und Bombast durch den Rest des Abenteuers geprügelt. Eine stringente Erzählweise sieht anders aus!

Auch mit dem neuen Kampfsystem werde ich nicht wirklich warm: Sicher, es funktioniert, sieht schick aus und hat optisch einiges zu bieten. Allerdings gelingt es der Kamera oftmals nicht, das Geschehen im richtigen Winkel darzustellen: Unübersichtlichkeit, Chaos und Buttonmashing sind die Folge. Wenn ich den Kampf gegen einen mächtigen Endgegner durch simples Prügeln auf einen Knopf gewinnen kann, dann sehne ich mich nach ATB-Balken und den taktischen Möglichkeiten der alten Teile zurück.

Allerdings sollte man nicht den Fehler machen, das Spiel auf die Geschichte zu reduzieren, denn das so genannte Endgame von Final Fantasy hat einiges zu bieten: Versteckte Dungeons, geheimnisvolle Waffen, Chcocobo-Rennen und eine toll gebaute Welt bieten Stoff für viele, viele weitere Stunden in der Welt von Eos. Insgesamt ist Final Fantasy 15 für mich ein Spiel, das ein wenig an der Idee scheitert, es allen Recht machen zu wollen. Jede Menge Spaß macht es trotzdem, und wenn man von der Final-Fantasy7-Musik begleitet auf einem Chocobo durch die Steppe tobt, kommt es hin und wieder zum Vorschein, dieses Gefühl aus einer Zeit, als Final Fantasy quasi noch ein Genre für sich gewesen ist.

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