Animal Crossing: Neues Update schön und gut, ich habe New Horizons längst abgeschrieben

Auch rund eineinhalb Jahre nach dem Release tummeln sich noch massig Fans auf den Inseln von Animal Crossing New Horizons rum. Annika gehört aus fünf Gründen nicht mehr dazu.

von Annika Bavendiek,
29.09.2021 13:00 Uhr

Bei Annika ist schon länger die Luft raus, wenn es um Animal Crossing geht. Da helfen auch keine neuen Updates mehr. Bei Annika ist schon länger die Luft raus, wenn es um Animal Crossing geht. Da helfen auch keine neuen Updates mehr.

Animal Crossing: New Horizons hat so seine Probleme. Und damit meine ich nicht nur die zähe Update-Politik der letzten Monate. Für mich beginnt das bereits bei der Spielstruktur und der netten Aufmachung.

Was für mich anfangs Balsam für die Seele war, hat sich am Ende sogar zur einer Abneigung entwickelt. Das mag auch an der Pandemie und Arbeit liegen, ändert aber nichts daran, dass ich das Spiel auf meiner Switch längst abgeschrieben habe - Rückkehr ausgeschlossen.

Annika Bavendiek
@annika908

New Horizons war für Annika das erste Animal Crossing-Spiel überhaupt. Sie hat damit in der harten Lockdown-Phase der Pandemie einen angenehmen Ausgleich gefunden, mit dem sie über ein Jahr lang verbracht hat. Sie hat das Museum gefüllt, sich mit Bewohnern angefreundet, ist online umhergereist und hat vor allem die Insel dekoriert. Aber auch hier hatte der Spaß irgendwann ein Ende. Nichtsdestotrotz arbeitet sie gerne weiter mit dem Thema und verfolgt so die Entwicklung des Spiels - wenn auch gerne mal mit Kopfschütteln.

Mehr Arbeit als Vergnügen

Animal Crossing ist, was wir daraus machen. Nachdem meine Sammlungen im Museum aber irgendwann gut gefüllt waren, wusste ich erstmal nichts mit mir anzufangen, bis ich mir eine neue Motivation suchte: Die Umgestaltung meiner Insel. Reddit & Co. liefern hier mehr als genug Inspiration, weshalb ich recht schnell unzählige Bilder (wie von QueenFufu) und Videos mit toll dekorierten Inseln gespeichert hatte, die ich so oder ähnlich selbst umsetzen wollte.

Dumm nur, dass die Insel nicht gerade viel Platz her gibt. Zudem war ich meist nie wirklich zufrieden mit meiner Umsetzung oder war bereits nach wenigen Tagen schon davon gelangweilt, weil ich noch etwas anderes Tolles entdeckt hatte. Letztendlich sah ich mich dadurch mehr und mehr in einem Kreislauf aus Umgestaltung und Unzufriedenheit gefangen, der in noch größerer Arbeit ausartete, als die Museumssammlungen. Irgendwann war dann auch hier der Punkt gekommen, an dem ich alles hingeschmissen habe.

Umsetzung Umsetzung
Inspiration Inspiration

Als Inspiration galt beispielsweise dieses Bild von Redditor QueenFufu. In mühevoller Kleinarbeit habe ich versucht diesen Teil nachzubauen, mit mäßigem Erfolg. Letztendlich habe ich deshalb wieder viel davon verworfen, zufrieden war ich aber auch damit nicht. (Bild: Reddit - QueenFufu)

Zu viel Friede, Freude, Eierkuchen

Selbst wenn ich mich durch das Umdekorieren noch eine Zeit lang für Animal Crossing motivieren könnte, ändert das nichts am Stil des Spiels. Die entschleunigende Lebenssimulation strotzt nur so vor niedlichen Charakteren, netten Dialogen und entspannten Momenten. Auf meiner Insel konnte ich so wirklich die Seele baumeln lassen. Vor allem im Lockdown war es ein Zufluchtsort für mich, an dem ich nicht von schlimmen Nachrichten bombardiert wurde.

So sehr mir das anfangs auch an Animal Crossing gefiel, so nervte mich das Strahle-Image mit der Zeit mehr und mehr. Diese Feel Good-Philosophie ist zwar gewollt, aber ich brauche dann doch zwischendurch mal einen Gegenpol, der mich erdet. Wir bekommen negative Emotionen, Zerstörung etc. zwar auch woanders zu genüge vorgesetzt, aber in meine hier innerhalb des ACNH-Kosmos. Meine Bewohner hätten zum Beispiel ruhig strenger zu mir sein dürfen, wenn ich mich mal lange Zeit nicht blicken lasse. Aber ohne einen solchen Ausgleich wirkte das alles mit der Zeit nur noch aufgesetzt.

Meine Inselbewohner sind immer überfreundlich und gut gelaunt. Steve hat zum Beispiel so viel Spaß daran einfach durch durch die Gegend zu laufen, dass ich es übertrieben finde. Meine Inselbewohner sind immer überfreundlich und gut gelaunt. Steve hat zum Beispiel so viel Spaß daran einfach durch durch die Gegend zu laufen, dass ich es übertrieben finde.

Eine reine Zweckbeziehung

Dass mir meine Inselbewohner mit ihren immergleichen Bitten und immer sonnigem Gemüt mehr und mehr auf die Nerven gingen, hat noch einen weiteren Grund. Wie eben erwähnt war New Horizons meine herzerwärmende Lockdown-Zuflucht und erfüllte damit einen bestimmten Zweck für mich. Aber genau hier liegt der Knackpunkt.

Denn diese Beziehung basierte nicht auf Gefühlen gegenüber dem Spiel oder dem Franchise, sondern gab mir für einen gewissen Zeitraum einfach genau das, was ich in diesem Moment brauchte. Und wie das bei Zweckbeziehungen eben meistens so ist, erledigt sich das Thema irgendwann und der Alltag wird zäh, wenn nicht sogar anstrengend. Umso mehr sich die Lockdown-Situation entspannte, umso unwichtiger wurde Animal Crossing für mich und mein Seelenheil.

Ein Spiel muss auch mal ein Ende finden

Zugegeben, ich habe trotzdem über ein Jahr mit Animal Crossing ausgehalten. Und dennoch finde ich, dass ein Spiel schneller zum Ende kommen sollte. Das gibt mir nicht nur ein besseres Erfolgsgefühl, sondern lässt mir mehr Zeit für andere Spiele, die sich bei mir zu genüge im Backlog stapeln.

ACNH bietet zwar in gewisser Weise ein Ende - zumindest laufen nach der Tilgung der Schulden die Credits über den Bildschirm - aber das Spiel ist mit seiner Update-Politik direkt auf Langzeitmotivation ausgelegt.

Das “Langzeit” verfolgt Nintendo zwar theoretisch noch immer, wie wir auf der Direct nun gesehen haben, praktisch hat mich die “Motivation” aber spätestens komplett verloren, nachdem ein Jahr vergangen war, also im März 2021. Ich hatte jedes Jahreszeit einmal miterlebt und meine Insel mehrmals umdekoriert. Und auf weitere Rezepte und saisonale Items wollte ich nicht hinarbeiten oder warten, dafür ist mir einfach meine Zeit zu schade. Mal ganz davon abgesehen, dass ich mich da schon genug ausgelaugt gefühlt habe.

Das lästige Warten auf neue Inhalte

Und zuletzt, nicht zu vergessen: Die Update-Politik von Nintendo. Nachdem ich die leidenschaftliche Art der ACNH-Community in den Sozialen Medien kennengelernt habe, wundert es mich nicht, dass die Spieler*innen kein gutes Haar an Nintendo gelassen haben, weil sie endlich die neuen Updates haben wollen, die ihnen vor einer gefühlten Ewigkeit versprochen wurden.

Auf der Nintendo Direct gab es nun zwar ein Lebenszeichen davon, indem eine spezielle Animal Crossing Direct angekündigt wurde, aber während sich jetzt alle tierisch darauf freuen, könnte es mir privat nicht egaler sein.

Animal Crossing: New Horizons - Neues Update teast Kofis Café 0:40 Animal Crossing: New Horizons - Neues Update teast Kofis Café

Nintendo hat mit den Updates für mich einfach den Bogen überspannt. Nicht nur wegen der nun vergleichsweise langen Wartezeit und schlechten Kommunikation, sondern auch, weil mittlerweile einfach fleißig Events wie die Mai-Feierei recycelt werden. Das macht auf der einen Seite durchaus Sinn, immerhin wiederholen sich Feiertage ja auch jedes Jahr, auf der anderen Seite habe ich mich aber wirklich daran sattgesehen. Außerdem reizt mich Kofi’s Café jetzt nicht wirklich, da ich als AC-Neuling hier keinen Lücke verspüre. Was ist nicht wirklich kenne, vermisse ich auch nicht so sehr.

Trotz allem möchte ich meine anfängliche Zeit in Animal Crossing: New Horizons nicht missen. Richtig nachtrauern tue ich ihr aber auch nicht. Dennoch werde ich nach wie vor weitere privat als auch für die Arbeit interessiert verfolgen, was Nintendo der Animal Crossing-Community in den kommenden Monaten auftischt. Dafür bin ich einfach zu neugierig und da ich mich mit den Updates selbst im Spiel nicht herumschlagen muss, kann ich entspannt von der Seitenlinie zusehen.

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